Am nächsten Morgen, als Aiden gerade Kaffee macht und ich Getreideflocken in meine Schüssel kippe, setze ich meine niedlichste Schwesternstimme auf. Die habe ich eigentlich immer ziemlich gut drauf, wenn es um etwas geht, dass ich wirklich will.
"Aideeeeen?"
Er weiß sofort, was ich bezwecken möchte.
"Was willst du?", brummt mein Bruder und drückt auf den Startknopf der Kaffeemaschine.
Ich sehe ihm genau dabei zu, denn der Kaffee, den Aiden immer macht, schmeckt viel besser als meiner und ich sollte lieber mal langsam lernen, richtigen Kaffee zu machen.
Unsere Eltern sind längst aus dem Haus, zur Arbeit gefahren. Mum zu ihrem Friseursalon und Dad in seine Schule.
Aidens und meine Beziehung ist in letzter Zeit ziemlich kompliziert gewesen. Wir reden nur noch gezwungen miteinander und wenn, dann giften wir uns meistens an, bis Mum oder Dad dazwischen gehen müssen. Seit der Aktion auf Jason und Phils Party, bin ich ziemlich schlecht auf meinen Bruder zu sprechen gewesen und aus irgendeinen unerklärlichen Grund, hat er sich die Erlaubnis dazu genommen, ebenfalls sauer auf mich zu sein. Natürlich völlig ohne Recht.
"Nimmst du heute das Auto?"
Mit dem Rücken zu mir, sagt er:
"Nein, heute hatte ich mir überlegt mal mit dem Dreirad zur Arbeit zu fahren."
Ich verrolle die Augen. "Man, Aiden."
"Ja, was? Ich nehme immer das Auto, Blair. Das solltest sogar du inzwischen bemerkt haben."
"Ich dachte nur... weil ich fragen wollte, ob du mich heute zur Schule bringen könntest?"
Ich schiebe mir einen Löffel mit Getreideflocken in den Mund.
Aiden ist dabei, sich eine Banane in Scheiben für sein Müsli zu schneiden. Alle Scheiben sind gleichmäßig dünn. Wie macht er das bloß?
"Blair. Du weißt, dass deine Schule in einer komplett anderen Richtung liegt und die Spritkosten sind gestiegen. Außerdem haben wir momentan ziemlich viel in der Werkstatt zu tun."
"Ja, aber-"
"Nichts aber." Er legt das Messer aufs Tablett und schaut mich vorwurfsvoll an. "Du solltest langsam mal anfangen, selber deinen Führerschein zu machen, Blair. Du bist inzwischen alt genug."
"Ich werde ja auch sofort damit anfangen, wenn ich wieder Geld habe..."
Also nie.
"...aber...kannst du heute eventuell mal eine Ausnahme machen?"
Jetzt hebt mein großer Bruder misstrauisch die Augenbraue, während er zwei Tassen aus dem Küchenschrank holt. "Wieso ist dir das so wichtig, dass ich dich fahre?"
Ich hafte meinen Blick auf die Kaffemaschine. "Nur so."
"Nur so?"
"Jap. Nur so."
Seufzend legt er seinen Kopf schief.
"Blair, wenn irgendetwas ist, dann kannst du immer-"
"-mit dir reden, ich weiß. Aber es ist nichts Großartiges. Echt nicht. Quinn und ich müssen bloß einen Versuch in Chemie vorbereiten und dafür wir ein wenig eher da sein."
(Und eventuell verfolgen mich auch zwei Psychokiller, weil ich vor ein paar Tagen einen Typen aus meiner Klasse mitten in der Nacht bis zum Bahnhof gefolgt bin und ihn dort mithilfe meines Pfeffersprays vor dem sicheren Tod bewahrte...)
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Once upon a fuckboy
Teen FictionGegensätze ziehen sich ja für bekanntlich an. Jedoch hat niemand je bestritten, dass sie sich nicht auch ausziehen können... "Und obwohl mir klar ist, dass er mir eines Tages das Herz brechen wird, erlaube ich ihm immer weiter, ein Stücken mehr davo...
