Jason
Ich stehe noch eine ganze Weile auf der Stelle im Garten und raufe mir durch die Haare, während ich mich darüber aufrege, wie dieses Mädchen einen doch in den Wahnsinn treibt.
Wieso ist sie so nervtötend?
Und kompliziert?
Und dämlich?
Ich hätte es besser wissen müssen. Wieso habe ich nicht die Blonde genommen? Die hatte wenigtens noch Kurven.
Plötzlich spüre ich, wie einzelne Regentropfen auf mich niederprasseln und es anfängt stark und in Mengen zu regnen.
Ich laufe ins Haus, bevor ich noch nasser werde und ziehe dann geräuschvoll die Haustür hinter mir zu.
Drinnen sitzt Phil in Boxershorts auf dem Sofa im Kaminzimmer und vertieft seine Nase in eine Zeitung. Dabei überfliegt er den politischen Teil und beliest sich nur den der Sportligaergebnisse. Nebenher zieht er hin und wieder an der dicken Zigarre in seiner Hand, welche er gestern in einer Packung auf dem Schreibtisch des Bürozimmers gefunden hat.
Auf dem Tisch vor ihm steht eine geöffnete Ginflasche.
Man könnte auf den ersten Blick fast meinen, er wäre der eigentümliche Besitzer und Herr des Hauses.
"Wo ist sie?", fragt er mich, ohne hochzublicken.
Ich fahre mir durch meine nassen Strähnen und schaue den Flur entlang.
"Keine Ahnung, warst du nicht eben noch mit ihr im Schlafzimmer?"
"Ich spreche nicht von Alex.", sagt er und blättert um.
"Sondern?"
"Verarsch mich nicht, Jax. Du weißt genau, von wem ich rede."
"Sie ist ein Niemand.", erkläre ich schnell, als ich meine Schuhe neben den Türrahmen abstelle.
"Ein Niemand?"
"Ja, eine schnelle Nummer. Das wars."
"Für eine schnelle Nummer, war sie aber schon ziemlich oft in letzter Zeit zu Besuch, findest du nicht auch?"
Ich bleibe stehen.
"Wie...hast du es gemerkt?"
"Ich bitte dich, Jason." Jetzt faltet Phil die Zeitung zusammen und schaut mich vorwurfsvoll an.
"Tu nicht so, als hättest du auch nur den Hauch einer Chance mich verarschen zu können."
Ich will etwas erwiedern, doch mir fällt nichts ein. Phil hat Recht. Er hat immer Recht.
Mein großer Bruder klopft einladend auf den Sessel neben ihm und nimmt noch einen Zug von seiner Zigarre.
"Komm her."
Ich setze mich. Er gießt mir einen Gin ein und reicht ihn mir hin.
"Ich werde dir nichts mehr raten, weil du inzwischen alt genug bist und du jetzt über alles sehr gut Bescheid weißt, um selbst bestimmen zu können, was du willst. Ich muss dich nicht mehr über die Konsequenzen aufklären, die so ein Verhältnis mit sich tragen, oder? Der Grund, warum wir hier sind, ist dieses Mal ernst. Schwäche ist das Letzte, was wir gebrauchen können."
"Ich hab ihr von den Regeln erzählt."
Phil lacht kurz auf und trinkt sein Glaß dann in einem Zug leer.
"Denkst du ernsthaft, das wird etwas nützen? Frauen haben dieses Liebenswerte an sich. Man ist ihnen früher oder später verfallen, das ist nicht beeinflussbar. Es sei denn, du bist in der Übung deine Gefühle zu kontrollieren."
Er nimmt noch einen Zug aus der Zigarre und hält sie mir dann hin.
Ich lehne kopfschüttelnd ab.
"...aber du bist ein Teenager. Du kannst es also nicht."
"Phil. Sie ist und bleibt meine Vergnügung. Mehr nicht. Ich wäre verrückt, mich in so eine giftige und nicht einmal besonders attraktive Kratzbürste zu verlieben."
Er klopft nickend seine Zigarre langsam an den Aschenbecher auf dem Tisch ab.
"Das will ich auch hoffen. Wir wollen doch nicht, dass wieder dasselbe passiert, wie beim letzten Mal.".
"Ich verspreche es.", sage ich schluckend und in mir spannt sich augenblicklich alles an.
"In Ordnung." Mein Bruder erhebt sich schnaufend und geht auf die Bar neben dem feuerschluckenden Kamin zu, um sich eine neue Flasche Gin zu holen, nachdem er die alte bereits entleert hat.
Während er mit großen Gesten durch die Luft wirbelt, verschüttet er den ein oder anderen Tropfen seiner Flasche, doch es scheint ihm nichts auszumachen.
"Ich weiß nicht, wieso du es auf die harte Tour willst. Mach es so wie ich. Ohne Regeln. Nur der Spaß. Spiel ihr was vor. Gefühle, Liebe und so ein Kram. Alles, was sie hören will. Umschmeichel sie, verführe sie und behandel sie, wie eine feste Freundin. Und dann. Ups. Verlässt du sie. Lass sie fallen, überleg dir was. Du musstest weg, deiner Familie ist etwas zugestoßen. Oder der Klassiker: Du hast Angst, du wärst nicht gut genug. Glaub mir, das zieht immer."
Er lächelt mir habselig zu, während er einen weiteren Schluck aus der Flasche nimmt.
"Ach Brüderchen, du musst noch so viel lernen."
Im nächsten Moment tapst eine leicht bekleidete Alex in den Raum. Ihr spindeldürrer Körper ist mit einem kurzen, olivgrünen Seidemorgenmantel umhüllt und ihre Haare hat sie unordentlich hoch gesteckt.
"Worüber habt ihr gerade gesprochen?", fragt sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Phil lässt seine Flasche sofort stehen, läuft auf sie zu und hebt das federleichte Mädchen in die Luft. Lachend klammert sie sich um seinen Hals und er presst sie fest an sich heran.
"Ich habe meinem kleinen Bruder nur eben erzählt, was für ein Wahnsinnsglück ich doch mit dir gefunden habe."
Alexs Wangen färben sich rot und sie beisst sich verlegen auf die Unterlippe.
"Das hat noch nie jemand über mich gesagt."
Mein Bruder lässt sie zaghaft auf den Boden zurück. Er nimmt ihren kleinen Kopf in seine Hände.
"Ich verstehe absolut nicht, wieso."
Dann küsst er sie.
Erst zärtlich und dann immer fester.
Mit Verlangen und so viel Habgier.
Und sie gibt sich ihm hin, mit Allem, was sie hat. Ihr Lächeln, die Leidenschaft in ihren Augen und ihre gesamte Körperhaltung, wie sie meinem Bruder gegenüber steht, weisen auf nur eins hin:
Sie hat sich längst in ihn verliebt.
Sie ist längst in ihm verloren.
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Once upon a fuckboy
Ficțiune adolescențiGegensätze ziehen sich ja für bekanntlich an. Jedoch hat niemand je bestritten, dass sie sich nicht auch ausziehen können... "Und obwohl mir klar ist, dass er mir eines Tages das Herz brechen wird, erlaube ich ihm immer weiter, ein Stücken mehr davo...
