34.

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Es tut weh.
Es tut weh ihn zu lieben.
Und das Ausmaß meiner Liebe macht mir Angst.
Es frisst mich auf und füllt meine Lungen mit süßlichem Gift, sodass bei jedem Luftzug in seiner Nähe das Verlangen nach ihm zunimmt und mich abhängig macht.
Ich bin in einer Ekstase.
Ich bin besessen von seiner Aufmerksamkeit mir gegenüber.
Manchmal ist es so schlimm, dass meine Seele zu sterben droht, wenn wieder diese Stimme in meinem Kopf pfeift. Sie pfeift das Lied der bitteren Erbärmlichkeit, da ich keine Chance habe weder mit oder ohne ihn zu leben.

Es ist stockdunkel und wir halten mitten in einer Einwegstraße am Rande eines noch dunkleren Waldes. Wir sind komplett allein. Nicht mal Autos streifen an uns vorbei. Die Stadt, die Menschen und den Rest haben wir einsam zurückgelassen.
Wir sind im absoluten Nirgendwo.
Doch ich fürchte mich nicht vor dem Unbekannten. Ich fürchte mich nicht vor der Dunkelheit um uns herum oder dem düsteren Wald.
Ich fürchte mich am allermeisten vor meinen Gefühlen.
Ich ekel mich selber an, meine Mutter allein gelassen und enttäuscht zu haben. Für ihn. Ich würde sie schon bald mit sicherer Wahrscheinlichkeit wiedersehen und es würde mich umbringen. Oder sie würde mich umbringen. Das beste wäre, wenn ich auf der Stelle umdrehe.

Ich muss umdrehen.
Ich müsste jetzt umdrehen, mir ein Taxi bestellen und von hier und ihm verschwinden.
Doch mein Herz weigert sich und schlägt leider und leise nur einen Namen.
Seinen Namen.
Es wäre später stehen geblieben, wäre ich ihm nicht gefolgt. Es hätte mich ebenfalls umgebracht. Und dieser Tod wäre denkbar schmerzhafter und unerträglicher gewesen, als jeder andere.

"Wo sind wir?", frage ich leise und steige zögernd von der Maschine.
Dabei fröstle ich leicht. Während der Fahrt habe ich die Temperatur und den kalten nicht an mich herangelassen. Ich habe mit aller Energie versucht, Jasons Körperwärme auf meine zu übertragen. Ich habe mich so eng um ihn geschlungen, dass ich Angst hatte, ich würde in seinem Körper versinken. Er hat bestimmt jetzt einen roten Abdruck, wo ich mich gerade noch festgehalten habe.
Doch jetzt, wo er mich nicht mehr berührt und wir in keiner Weise körperlich verbunden sind, gefriere ich fast zu Eis und die messerscharfe Kälte bohrt sich mit Leichtigkeit durch den dünnen Stoff meiner Strumpfhose an meine Haut heran.

Jason stellt den Motor ab und sieht sich um. "Wir müssen noch ein Stück laufen, bis wir da sind."
Laufen. "Ich muss eben kurz telefonieren. Warte hier."
Er sagt es nebenbei und mit einer Lässigkeit von jungenhaften Charme, wie nur er ihn hat.

Ich warte, während Jason ein paar Meter weg von mir telefoniert. Weit genug entfernt, dass ich nichts hören kann. Vielleicht will ich das auch gar nicht, versuche ich mir einzureden.
Als er wieder kommt, hat er ein breites Grinsen im Gesicht.
"Kann's losgehen?"

Ich starre runter auf meine Spitzenschuhe. Ihre schweinchenrosa Schleifen sind locker um meine Fußgelenke gebunden.
Sie sind gemacht für Pakett. Für Tanzpakett, auf dem Ballerinas ihre Pirouetten drehen. Nicht um durch einen dichten Wald zu stapfen.
Doch ich beschwere mich nicht und denke das alles einfach in mich hinein. Er soll nicht wissen, wie pingelig ich eigentlich bin. Ich bin verwöhnt.
Er nicht. Er hatte es nicht leicht im Leben, das spüre ich. Das weiß ich. Anders kann ich ihn mir nicht erklären.

Doch auch, wenn ich nicht spreche, achtet Jason auf mich und liest meine Gedanken. Er folgt meinem misstrauischen Blick zu meinen Füßen.
Sein Helm im Motorrad verstauend, räuspert er sich.
"Na schön." Er dreht sich mit dem Rücken zu mir und hält mir seine Hände nach hinten hin. "Steig auf."

Irritiert starre ich Jason an. "Bitte?"

"Ich hab gesagt, du sollst aufsteigen."

Once upon a fuckboyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt