N I N E T E E N | An demselben Nachmittag war es, dass ich etwas bemerkte. Etwas Unangenehmes. Meine Augen weiteten sich, und als ich etwas auf meinem Po hin und her rutschte, bestätigten sich meine Gedanken. Etwas unter mir war nass, und ich hatte mich nicht von meinem Platz gerührt.
Es war ein leicht klebriges Gefühl, während mein Gesicht sich in Abscheu verzerrte. Die Blutung hatte eingesetzt, doch ich hatte hier nichts! Nicht einmal eine verdammte Toilette, um Binden zu wechseln, hätte ich doch wenigstens die gehabt.
Etwas verzweifelt zog ich meinen Rucksack an mich heran und wühlte mich kurz hindurch, mit der Hoffnung, in den letzten Wochen etwas darin übersehen zu haben, das mir ansatzweise helfen könnte, doch da war nichts. Nada.
Würde ich hier jemals wieder wegkommen, ich würde nie wieder ohne Binden oder wenigstens Tampons mein Haus verlassen, niemals.
Durch meine hektischen Bewegungen aufmerksam geworden drehte sich der Kopf des Jungen zu mir, mit hochgezogenen Brauen. Ich raufte mir durchs Haar. "Was ist?", fragte er trocken, und ich hätte ihn direkt wieder schlagen können vor lauter Gereiztheit. "Ich blute.", fauchte ich etwas grob, denn daran zu denken mit Blut in der Hose die nächsten Tage an diesem Ort zu verbringen zog meine sowieso schon tiefe Laune nur noch weiter herunter.
"Ertrag es einfach. Heul nicht so rum.", Augen verdrehend wendete er sich wieder ab, und ich biss die Zähne zusammen, die Augen zusammengekniffen. "Das ist nicht irgend so ein scheiß Schnitt oder so, Blödmann. Das hört nicht einfach so wieder auf zu bluten.", erwiderte ich gereizt und doch leise. Schon der Gedanke daran war mir peinlich, mit blutverschmierten Hosen bei ihm zu bleiben. Früher oder später würde es ihm sicher auffallen. Und selbst wenn nicht, das Gefühl feuchter Hosen widerte mich jetzt schon zutiefst an.
"Wovon redest du?", fragte er, nun selbst etwas gereizt. Klar, ich machte es ihm echt nicht leicht mit mir klar zu kommen, doch ich vermisste ein klein wenig das Verständnis von Mitmenschen. Er verstand das alles nicht mehr, einzelne Dinge hatte er vielleicht nie verstanden. Doch einige Gefühle, an die er sich schon längst gewöhnt hatte, waren für mich immer noch unerträglich. Ich war noch nicht so resistent und kühl wie er.
"Ich sagte doch, ich hab meine Tage?!", fluchte ich. Dies war definitiv ein Gefühl, das für mich unerträglich war, nur er würde das nie begreifen. Wie auch. "Zick nicht so. Was brauchst du?", brummte er, fast schon desinteressiert. "Binden, Tampons, irgendwas, was wenigstens mal saugfähig ist!", schnauzte ich. Ich wollte nicht so nervig und anstrengend für ihn sein, doch all diese Gedanken. Sie brachten mich zum Verzweifeln.
Wortlos wühlte er in seiner Tasche rum, was mich dann doch kurz aus Verwirrung verstummen ließ zu jammern. Was zur Hölle..? Dann warf er mir etwas zu. Erst, als ich es auffing, erkannte ich eins seiner - selbstgemachten - Verbänder. Seufzend ließ ich die Schultern sinken und ließ mich auf den Rücken fallen.
"...ich hab keine andere Wahl, wenn ich nicht mit Blut durchtränkten Hosen rumlaufen will, oder?", fragte ich resigniert.
"Ich denke, dafür ist es bereits zu spät." Als ich den Kopf hob, starrte er mir direkt zwischen die Beine, die ich sofort zukniff und ihm einen meiner bösesten Blicke schenkte. "Geht's noch? Das ist Privatzone!", fauchte ich und setzte mich direkt wieder auf, um meinen Blutfleck nicht mehr für ihn sichtbar zu machen.
Doch alles, was er tat, war zu lachen. Erst war es nur ein kleines Grinsen, etwas frech und belustigt, doch es entwickelte sich in ein richtiges Lachen seinerseits, bei dem mir nur die Kinnlade runterfiel. Es klang etwas rau und heiser, er hatte sicher ewig nicht mehr gelacht, doch es war ein ansonsten sehr unschuldiges, süßes Lachen für einen Jungen, gerade einen, der sonst so gefährlich war.
Aber dieser Moment hielt nicht lange an. Er lachte ein paar Sekunden und hörte dann wieder auf, noch immer mit einem leichten Grinsen im Gesicht, und lehnte sich zurück gegen das Kaminrohr hinter ihm, den Blick höflicherweise von mir abgewendet.
Ich fand erst einmal keine Worte. Als er begonnen hatte zu lachen, hatte mein Herz einen kleinen Hüpfer gemacht, teils vor Überraschung, aber teils auch vor... Glück? Auf was dieses Glück bezogen war, konnte ich schwer identifizieren, denn ich hatte schon lange gewollt, dass er mich mochte, mich wenigstens akzeptierte. Und jetzt hatte er eine Geste gezeigt, die er was weiß ich wie lange schon nicht mehr gemacht hatte.
Stumm wie ein Fisch stand ich auf, den Verband fest in meiner Hand, dann lief ich zur Leiter rüber. "Bin gleich wieder da..", murmelte ich schließlich doch und sah kurz zu ihm rüber, aber sein Blick war auf meinen Po geheftet.
"Hör auf, mir auf den Hintern zu starren!", fauchte ich peinlich berührt. Das Grinsen lag ihm wieder auf den Lippen, belustigt und es versetzte mir einen kleinen Stich, dass er es so amüsant fand mich so zu sehen. Es war mir unangenehm.
Schnell drehte ich mich um und kletterte die Leiter hinab, vor seinen Blicken flüchtend. Es traf mich mehr als es sollte, aber vielleicht waren es auch wieder meine Hormone, die verrückt spielten. Seufzend machte ich mich auf den Weg in eine der Gassen, in denen wir unser Geschäft erledigten wie Tiere und betrachtete den Verband, nachdenkend, wie ich das am besten anstellen sollte.
Als ich mir eine Variante zurechtgedacht hatte, sorgte ich dafür, dass es in meine Unterhose kam und nicht verrutschte. Das Blut störte mich. Es würde trocknen und der Junge würde mich wohl für immer auslachen.
Ich ließ mich gegen die Wand fallen, als ich fertig war. Ich wollte noch nicht zurück und in dieses dreckige Grinsen sehen. Als er davor gelacht hatte, es hatte unbeschwert geklungen, fast schon glücklich. Das Grinsen danach war bloß wieder das alte Er gewesen. Da hatte er sich nur über mich lustig gemacht, das hatte ich in seinen frech funkelnden Augen gesehen.
Doch ich musste zurück, und als ich mich schließlich zurück zum Dach begab, war er weg. Zwar sah ich mich kurz um, doch irgendwie war ich auch erleichtert, ihn hier nicht antreffen zu müssen. Ich setzte mich wieder.
Andererseits war er einfach wieder verschwunden. Immer dann, wenn ich dachte, dass wir uns vielleicht irgendwie verstehen könnten. Gerade jetzt, wo er mir nicht immer gleich eine verpassen musste, wenn ihm etwas nicht passte. Als hätte sein Hass ein wenig nachgelassen...
Hör doch auf, Amalia, sagte ich mir, du machst dir wieder Hoffnungen. Aber das ist Einbildung. Du verlierst hier nur deinen Verstand. Ich stützte mein Kinn auf meinen angezogenen Knien ab. So sehr ich ihn auch hassen wollte, ich war noch sozialer als er. Ich war auf menschlichen Kontakt angewiesen. Und da er der einzige dieser Spezies hier war, wollte ich auf irgendeine kranke Art Kontakt zu ihm. Ich wollte, dass er mich mochte. Denn irgendwie mochte ich ihn, und ich hasste mich dafür. Und ihn auch.
_______________
___________
Hola amigooos !!
Ein recht kurzes Kapitel, ich weiß *grinst entschuldigend* Es ist ein kleiner Lückenfüller, bis im nächsten Kapitel dann die Handlung wieder mal etwas ins Rollen kommt und einige Dinge langsam für Amalia aufgeklärt werden ^^
Bleibt dran! Ich bin schon echt gespannt und vorfreudig darauf die Kapitel mit euch zu teilen und eure Reaktionen zu lesen :D
All the love, Vicky Xx
DU LIEST GERADE
Isolated
FanfictionWenn eine Mutprobe schiefgeht, wer trägt dann die Schuld dafür? Der, der sich die Mutprobe ausgedacht hat? Der, der dazu drängt sie zu tun? Oder der, der schlussendlich dazu gedrängt wird? Doch im Endeffekt ist es egal, wessen Schuld es nun war. Den...
