Es gab Dinge im Leben, die waren mehr als verrückt und es gab die Dinge, für die sich Akaya niemals hatte interessieren wollen. Doch Emotionen zählten zu beiden Seiten dazu. Gefühle waren nur für Schwächlinge bestimmt und er selber war keiner. In seiner Branche durfte man nicht schwach sein, doch Emotionen drückten gerade dies aus. Man war ein offenes Buch, wenn man darüber sprach und sie mit der Außenwelt teilte, denn jeder suchte nach dem Ding, was einem zum Absturz bringen konnte. Darum hatte der Grauhaarige sie schon vor langer Zeit weggesperrt. Weit weg, sodass er selber nicht mehr wusste wie es sich anfühlte, wenn diese Gefühle befreit worden waren. Was spürte er also im Moment? Es war so viel auf einmal, dass er davon Kopfschmerzen bekam, während er unentwegt auf dem Boden starrte. Da war einmal die Wut, die ihn zum explodieren bringen konnte. Er war nicht wütend auf sich selber, nein, eher auf die Umwelt. Alles hasste er im Moment, doch die Quelle war letzten Endes Jareth. Dies war logisch, denn immerhin hatte er sich in die Angelegenheiten von dem jungen Mann eingemischt, obwohl er es hätte gar nicht machen dürfen. Obwohl dieser Hass schon sehr lange in ihm ruhte. Im Grunde hatte er den Blonden schon immer nicht gemocht, doch nun hatte gerade dieser das Fass zum Überlaufen gebracht.
Doch er empfand auch Trauer. Trauer deswegen, da er versagt hatte, denn nun war Tora in seinen Fängen. Akaya war schwach, weil er einen Fehler gemacht hatte, was ihm nun teuer werden würde. Gefangen in diesen Gefühlen griff er ein weiteres Mal in seine Brust und verlor den Boden unter seinen Füßen, sodass er sich hinknien musste.
„Akaya?", fragte Hannah ruhig und ein wenig zu besorgt, bevor sie sich ebenfalls hinsetzte und langsam eine Hand nach ihm ausstreckte. Doch bevor diese ihn erreichte, schlug der junge Mann sie fort. Er wollte von ihr nicht angefasst werden. Nicht von diesen Händen, die Jareth ebenfalls berührt hatten.
Sie sollte ihn in Ruhe lassen, denn immerhin hatte sie es doch dazu kommen lassen. Wütend starrte er sie an, Hannah war die Quelle allen Übels. Der junge Mann musste sich zügeln, sie nicht – hier und sofort – umzubringen. Er und verliebt? War Hannah etwa betrunken? Nein, so etwas wie Liebe kannte er nicht. Akaya liebte niemanden und so blickte der Grauhaarige sein Gegenüber mit einem hasserfüllten Blick an. Jedoch, entgegen seinen Erwartungen, wich die junge Frau nicht zurück. Dieses Mal ließ sie sich nicht von ihm einschüchtern, nein, stattdessen erwiderte sie nur: „Akaya, es wird langsam Zeit, dass du dich einmal gründlich mit deinen Gefühlen auseinandersetzt. Du bist auch nur ein Mensch, hörst du? Und es ist einfach nur für Außenstehende eine Zumutung dir dabei zuzusehen, wie du langsam aber sicher zugrunde gehst. Akaya, merkst du es denn nicht?"
„Was denn?", rief der junge Mann, denn er verstand es immer noch nicht. Dieses Gespräch war nicht geschäftlich und verlief deswegen in eine ganz falsche Richtung. Dem Grauhaarigen war es spürbar unangenehm über so etwas zu reden, denn immerhin offenbarte man dabei seine Schwächen. Etwas, was nun gar nicht für den jungen Mann entsprach.
„Du gehst langsam zugrunde...", wiederholte sie erneut.
„Halt den Mund", flüsterte er leise, denn er wollte es nicht hören. Wie ein kleines Kind senkte er den Kopf und versuchte seine Ohren mit seiner Jacke zu verdecken, was aber kläglich misslang. Es passierte einfach so und er konnte seine Reaktion nicht steuern. Mit allen Mitteln wollte er ihre Worte nicht hören.
„Du weißt selber nicht was los ist, aber man sieht es dir an, du..."
„Ich sagte doch", rief Akaya laut aus und sprang mit einer überragenden Geschwindigkeit auf, „du sollst den Mund halten!"
Sofort schwieg Hannah und sah ihn von unten herab an. Vergessen war die Eile, die vor wenigen Augenblicken zuvor noch besessen hatte. Die Zeit um ihn herum schien stehen zu bleiben, doch wenn er ehrlich war, fühlte er sich nicht in der Lage weiter nach Tora zu suchen. Noch nicht, denn zuerst wollte er diese Situation geklärt haben.
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Streets #Wattys2018
RomanceUnscheinbar, verträumt, still und allein, so könnte man Tora Ioshi beschreiben. Ihr Leben ist nicht gerade aufregend und eigentlich könnte die Geschichte schon bei ihrer Charakterbeschreibung enden, doch hier macht ihr dieser arrogante, eiskalte Man...
