Die letzte Reise

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„Wie ist der Prinz gestorben?" wollte Nihal wissen, als sie sich mit beiden Händen an einem Bettpfosten festhielt und ihr eine der Dienstboten die Schnürung des schwarzen Kleides, mit den weiten Ärmeln, dem tiefen, runden Ausschnitt und den silbernen Stickereien zuzog.
„Orks aus Isengard vielen in Rohan ein. Der Prinz und seine Männer wurden von ihnen überrascht." erklärte die Magd, knotete die Schnüre zu und widmete sich dann Nihals Haar. Strähne für Strähne steckte sie Nihals blondes Haar zu einen geflochtenen Frisur im Nacken zurecht.
Als es kräftig an Nihals Zimmertüre klopfte, drehte diese sich überrascht um. „Mae.(Herein)" antwortete Nihal.
Mit einem Knirschen ging die Tür auf und König Theoden trat in Nihals Zimmer ein.
„Kann ich euch Helfen My Lord?" fragte Nihal erwartend, ehe sie sich an Das Dienstbotenmädchen wandte. „Das ist dann alles."
Das Mädchen nickte und verließ Nihals Zimmer.
„Also?" fragte Nihal und legte ihre Hände gefaltet in den Schoß. Theoden begann langsam in Nihals Zimmer auf und ab zu gehen. „Lady Nihal, ihr Majestät, gehört zu den Hochelben unserer Zeit." erklärte Theoden und wandte sich Nihal zu. Diese nickte einmal.
„Ihr könnt einem Menschen das Geschenk der letzten Reise machen. Nicht wahr?" fragte Theoden vorsichtig. Bejahend nickte Nihal und sah Theoden erwartend an.
„My Lady, Theodred war mein einziger Sohn. Alles was ich mir für ihn wünsche, ist dass er sicher in die Hallen unserer Vorfahren einkehrt. Versteht Ist das Majestät?" Theoden sah Nihal mit schmerzlichem Blick an und ging vor ihr auf die Knie. „Herrin ich flehe Euch inständig und ergeben an. Helft mir, meinem Sohn. Helft uns."
Tränen sammelten sich in Theodens Augen und er fasst nach Nihals schmalen Händen. Er fasste so fest nach ihren Händen, wie er nur konnte. „Bitte." flehte er, als seine Trauer überhand nahm, ihm die Tränen über die Wangen liefen, ein Schluchzen aus ihm herausbrach und er die Stirn gegen Nihals Knie fallen ließ.
Theoden ließ Nihals Hände los und hielt sich an ihren Beinen fest. Seine Hände verkrallten sich in dem seidigen Stoff ihres Kleides und seine Tränen durchtränkten den Stoff.
„Kein Vater sollte sein Kind unter die Erde tragen." schluchzte Theoden und presste die Stirn gegen Nihals Knie.
Nihal sah einen kurzen Moment lang unschlüssig durch ihr Zimmer, ehe sie ihre Hände anhob und sie vorsichtig auf Theodens Hinterkopf ablegte.
„Ich kann Euren Schmerz verstehen und ja, weder Mütter noch Väter sollten ihr Kind zu Grabe tragen." erwiderte Nihal mit leiser Stimme, während sie Theoden sanft über das Haar strich und seitlich zum Fenster hinaussah.

„Ihr seid fertig, Herrin." flüsterte das Dienstmädchen Nihal zu und trat von ihr zurück. Sie fasste einmal den schwarzen Seidenschleier an, welchen sie Nihal ins Haar gesteckt hatte und warf ihn ihr hinter die Schultern, worauf er ihr sanft auf den Rücken fiel. Nihal nickte und wies das Mädchen an zu gehen.
Kaum hatte dieses das Zimmer verlasse und Nihal sich auf dem Stuhl im Zimmer nieder gelassen, schob sich jemand anderes zur Tür hinein.
„Zu sagen, dass du umwerfend aussiehst, ist hier wohl nicht der richtige Anlass." lächelte Aragorn, schloss die Tür hinter sich, trat hinter Nihal, legte ihr beide Hände auf die Schulter und küsste sie sanft auf die Schläfe.
„Wohl kaum." erwiderte Nihal und lehnte sich Aragorns Lippen ein Stück entgegen, als er sie küsste. „Die Nachricht, darüber was du für den König tust, hat sich schnell verbreitet." erklärte Aragorn und ging neben Nihal in die Knie. Die atmete tief durch und stand auf. „Ja und dennoch kommt es mir nicht richtig vor." erwiderte Nihal und stellte sich an ihr Fenster.
„Warum?" wollte Aragorn wissen, stemmte sich von seinem Knie hoch und folgte Nihal ans Fenster. Wieder legte er ihr die Hände auf die Schultern und sah sie an.
„Kannst du seinen Wunsch nicht nachempfinden?" fragte Aragorn mit vielsagendem Blick nach. „Natürlich kann ich das, ich bin kein Untier." antwortete Nihal, eine Spur verärgert.
„Was ist es dann?" wollte der Mensch wissen.
„Kannte seinen Sohn nicht einmal und ich kann doch nicht jedem trauernden Vater, dessen Kind ich noch nicht einmal kannte, den Seegen für sein Kind schenken."
Nihal sah Aragorn ratlos an. „Nein das kannst du nicht. Aber wenn es jemand verstehen kann, wie es ist jemanden den man liebt, durch die Hand eines Orks zu verlieren, dann bist das du." erklärte Aragorn, küsste Nihal nochmal sanft auf die Schläfe und verließ dann ihr Zimmer.

Einen Schritt hinter Theoden schritt Nihal hinter dem aufgebahrten, toten Prinzen her, welcher von einigen Wachen zu den Hügelgräbern hinunter getragen wurde. In ihrer Hand hielt Nihal drei weiße Blüten.
Der Wind zog an dem schwarzen Schleier und dem Kleid der Königin, strich ihr kalt über das Gesicht und die Schultern. Im Laufen drehte sich Nihal einen Moment um. Einige Reihen hinter Nihal liefen ihre vier Gefährten. Legolas in der Mitte und auch er, sah einen Moment auf. Er sah Nihal an und nickte ihr bestätigend zu.
Sie erwiderte sein Nicken einmal und wandte sich dann wieder um.
An den Hügelgräbern angekommen blieb die Trauergemeinschaft stehen und Theoden wandte sich mit roten Augen zu Nihal um. Er streckte ihr die Hand entgegen, welche Nihal ergriff.
Sanft zog Theoden sie nach vorne, zu dem Körper seines Sohnes und ließ sie dann los. Mit den drei Blüten in den Händen lehnte sich Nihal über ihn und strich dem Prinzen das Haar aus der Stirn. Er war schon ganz kalt.
Sieh mich an mein Sohn, eh der Tag anbricht, so endet deine tiefe Not! Sieh mich an mein Sohn, ich erlöse dich! So sprach in jener Nacht der Tod!" ließ Nihal mit klingender und hallender Stimme verlauten. Sie legte ihm die Blüten in die gefalteten Hände und lehnte sich dann über seine Stirn.
„Oh Götter der großen Ewigkeit, nehmt die Seele dieses Körpers zu euch in die heiligen Wälder auf und geleitet ihn zu den Hallen seiner Ahnen, auf dass ihm auf seiner letzten Reise kein Leid geschehen mag."
Nihals Stimme war nicht mehr als ein elbisches Flüstern, welches jedoch von dem aufkommenden Wind, welcher ihr das Kleid und den Schleier aufstellte, bis in die hintersten Reihen getragen wurde und in jedem Ohr gehör fand. Der Kuss von Nihal, welche sie dem Prinzen auf die Stirn gab besiegelte ihren Ruf zu den Göttern und ihr Rufen wurde erwidert.
Eine Sturmböe so stark, dass es Nihal den Schleier aus den Haaren riss und ihre Frisur auflöste fegte über das Land, trug ihren Schleier fort und ließ den schweren Umhang von König Theoden wehen. Die drei Blüten welche Nihal Theodred in die Hände gelegt hatten, flogen ebenfalls über das Land hinweg davon.
Die Gefährten hielten ihre Umhänge fest, Frauen ihre Röcke und die Cousine des verstorbenen, Lady Éowyn, hielt ihren Trauerschleier fest.
„Was ist das für eine Hexerei?" rief eine Frau.
„Sie haben euch erhört. Sie haben euch gehört." sah Theoden, folgte Nihals Schleiser einen Moment lang mit den Augen und sah Nihal dann erleichtert an.
Ja man hatte sie erhört und ihr Gesuchen bewilligt.
Die Valla geleiteten Theodered in die Hallen seiner Ahnen.

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Bloodrain (Herr der Ringe FF Legolas FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt