Kapitel 4
Sie starrte mit weit aufgerissenem Mund zu ihrem Bruder hinauf. Ihre Knie wurden weich. Der Körper zitterte leicht. Die Atmung wurde schneller. Das Herz raste. In diesem Moment schien es, als würde ihr das Herz aus der Brust springen wollen.
«Dachtest du wirklich, du würdest ungestraft davon kommen?», sprach er in gehässigem Tonfall. Melek zitterte heftiger und bekam keinen Ton heraus. Nur ein kleines Wimmern verließ ihren Mund. Ihren Bruder ließ dies jedoch kalt. Er kam ihr etwas näher und legte seiner Schwester eine Hand auf die Schulter. Die Hand, die auf ihrer Schulter lag, ließ sie nach unten sacken. Die Augen richteten sich gegen die Decke des gemütlich eingerichteten Zimmers. «Und jetzt hat's dir die Sprache verschlagen. Was?»
Melek schluckte, schwieg, versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Seine freie Hand glitt an ihren Arm, woraufhin sie zusammenzuckte. Ihre Lippen bewegten sich, jedoch kam kein Ton aus ihrem Mund heraus. Cem lachte und zeigte ihr seine strahlend weißen Zähne, die nur so blitzten. Dabei steigerte er den Druck auf ihre Schulter.
«Du hüllst dich noch immer in Schweigen, liebes Schwesterchen?», fragte er mit gefühlt sanfter Stimme. Doch sie wusste, dass er mit ihr spielte. Wenn sie jetzt etwas sagen würde, wäre alles aus. Vorbei. Daher hüllte sie sich in beharrliches Schweigen. Aber wie lange sie dies durchhalten würde, war ihr in diesem Moment nicht klar.
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AYDEN BAKER
Mit einem mulmigen Gefühl hatte er Melek allein gelassen und steuerte geradewegs auf die Wohnung zu, in der er gemeinsam mit seiner Schwester wohnte. Gerade als er die Ampel überqueren wollte, sprang diese auf rot. Genervt rollte Ayden mit den Augen und drehte sich, wie als würde er verfolgt werden, nach allen Seiten um. Jedoch konnte er nichts Verdächtiges erkennen. Kein Blitzlicht, was ihn fotografierte. Keine Menschen, die ihn mit dummen Fragen löcherten. Nur ein älterer Herr stand auf der anderen Straßenseite und schien vor sich hinzu schimpfen. Die Augen des älteren Mannes blickten kurz zu Ayden herüber. Ayden schien es, als würde ihm der Alte in die Seele blicken können. Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend blickte Ayden zu Boden und versuchte den taxierenden Blicken des Alten zu entkommen. Es schien ihm, als hätte der alte Mann gemerkt, dass Ayden zu Boden sah, um so den scharfen Blicken des alten Mannes zu entkommen. Doch dieser hatte nur ein kleines lächeln aufgesetzt und rief ihm etwas zu, was Ayden jedoch nicht verstehen konnte, da seine Gedanken um etwas anderes kreisten.
Als die Ampel nach qualvollen Sekunden endlich auf grün umschaltete, lief Ayden mit schnellen Schritten und gesenktem Blick auf die andere Straßenseite. Der alte Mann lief an ihm vorbei und würdigte ihn keines Blickes mehr. Ayden erleichtere sich sichtlich, als er auf der anderen Straßenseite angelangt war und lief weiter in Richtung seiner Wohnung, wo Bella bestimmt auf ihn wartete. Bevor er in den Hausflur treten konnte, wurde er von einer penetranten Stimme aufgehalten, die sich langsam auf ihn zubewegte. Innerlich verdrehte Ayden die Augen und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Äußerlich aber ließ er sich nichts anmerken. Schaute gelassen zur Frau hinüber, die ihn mit geschminkten Lippen musterte und dann freudig aufschrie. Bevor er sie von sich stoßen konnte, hatte sie ihn schon an sich gepresst. Ayden wappnete sich für die nächsten Sekunden, doch es geschah nichts. Die Frau mit der penetranten Stimme hielt ihn einfach in ihren Armen und musterte ihn weiterhin mit ihren viel zu groß gewordenen Augen.
Zu viel Make-up schadet der Haut. Das sollte sie doch eigentlich wissen?
'Wenn es sie glücklich macht', reagierte er in Gedanken auf die Worte seiner inneren Stimme, die ihm ab und zu einige gute Ratschläge gab. Aber in diesem Moment half sie ihm nicht weiter. Er seufzte und versuchte sich aus dem Griff der Frau zu winden. Als sie dies merkte, ließ sie ihn los und schaute mit ihren großen Augen zu ihm auf.
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Wenn aus Liebe Hass wird
Teen Fiction+++TEIL EINS+++ Zwei Rivalen. Zwei Feinde. Zwei Liebende. Zwei gegensätzliche Gefühle, die heftig aufeinanderprallen. Zwei Personen, die sich die Köpfe einschlagen, wenn man sie nicht voneinander fern hält. Zwei Personen, die einander bis auf den To...
