Kapitel 37
Eintrag 48, 25.11.2030.
Falls das je gelesen wird, wollte ich sagen, dass es mir unsagbar leidtut. Ich kann nicht in Worte fassen, was in mir vorgeht. Seit er wieder in mein Leben getreten ist, fällt mir alles schwer. Gefühle zuzulassen, mit jemandem darüber zu reden, ihn zu Rede zu stellen. Wenn ich könnte, würde ich die Zeit zurückdrehen. Wenn ich könnte, würde ich mich anders verhalten. Wenn ich könnte, würde ich es ungeschehen machen.
Ich habe mit ihm geschlafen. Ich weiß das! Und... Ob es mir gefallen hat? Wenn ich nein sagen würde, dann wäre es eine verfickte Lüge! Shit! Ich... Am liebsten würde ich ihm sagen, wie sehr ich ihn liebe, ihn begehre. Unbändiges Verlangen nach ihm erfüllt meine zerstörte Seele. Ein äußerliches Frack. Kaputt und misshandelt von ihm. Mich kann man nicht mehr reparieren.
Tausende haben es versucht und sind daran gescheitert. Tausende haben alles gegeben. Hätten sie weiter gemacht, wären sie ebenfalls zerbrochen.
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Eintrag 49, 24.12.2030.
Zufall, dass ich genau an Heiligabend schreibe? Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Ayden und ich gemeinsam mit unseren Eltern am geschmückten Baum saßen und gerade dabei waren, unsere Geschenke zu öffnen. Wir waren klein, aber es war eine schöne Zeit. Es kommt mir so vor, als wäre es gestern gewesen. Ich vermisse sie. Was ich nicht tun würde, um noch einmal mit ihnen zu reden. Sofort würde ich ihnen alles erzählen. Ihnen sagen, dass ich euch in mir trage. Ihnen beichten, dass ich in euren scheiß Vater verschossen bin. Wenn sie sich melden würde, hätte ich ihnen sofort vergeben. Doch jetzt muss ich aus der Welt scheiden, ohne etwas von ihnen zu hören.
Jeder hätte gesagt, dass das Leben weitergeht. Doch wie soll ich weitermachen, wenn er nicht bei mir ist? Soll ich euch einfach unter die Augen treten und mich daran erinnern, dass ihr seine Kinder seid?! Wenn das so einfach wäre.
Alles ist leichter als das. Ich kann nicht mehr. Ich bin am Ende. Ich bin es leid, über alles nach zu denken. Es macht mich fertig, zerreißt mich. Ich...
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AYDEN BAKER
Monate gingen ins Land. Und er hatte noch immer kein Lebenszeichen von Bella gehört. War sie tot? Wurde sie entführt? Hatte Cem ihr etwas angetan? Wenn ja, dann würde er ihn bei lebendigem Leib zerquetschen. Seufzend stand er auf und lief in die Küche. Der Kaffee würde ihn auf andere Gedanken bringen, dass hoffte er zumindest.
Nachdem er wieder auf der Couch saß, ergriff Ayden die Fernbedienung und schaltete durch die Kanäle. Als er Cems Gesicht sah, hielt er Inne.
«Laut verschiedenen Berichten wird dem nun vierundzwanzigjährigen Schauspieler Cem Gül zur Last gelegt, dass er seine gleichaltrige Zwillingsschwester körperlich misshandelt haben soll. Der Gerichtsprozess gegen den Angeklagten wird vermutlich in den Kommenden Monaten stattfinden. Und nun zum Wetter...»
Genervt drückte er den Kanal weg. Es musste hart für Melek sein, gegen ihren Bruder auszusagen. Ob sie es durchstehen würde? Seufzend nahm er sein Handy zur Hand und wählte ihre Nummer.
«Hi Ayden», sprach sie mit belegter Stimme.
«Dir geht es nicht gut?», stellte er fest, konnte aber den fragenden Unterton nicht aus seiner Stimme verbannen.
«Wie soll es mir gehen, wenn Bella verschollen ist und ich gegen meinen eigenen Bruder aussagen muss.»
Die letzten Worte flüsterte sie nur noch. Nur zu genau wusste Ayden, wie Melek sich fühlte. Doch wenn seine Schwester eines konnte, dann sich verstecken. Und dies würde sie solange durchziehen, bis sie gefunden werden wollte. Die Erinnerungen an das Versteckspiel, als sie klein waren, brachen aus einer Ecke. Genervt schob er diese fort und konzentrierte sich auf das Gespräch.
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Wenn aus Liebe Hass wird
Jugendliteratur+++TEIL EINS+++ Zwei Rivalen. Zwei Feinde. Zwei Liebende. Zwei gegensätzliche Gefühle, die heftig aufeinanderprallen. Zwei Personen, die sich die Köpfe einschlagen, wenn man sie nicht voneinander fern hält. Zwei Personen, die einander bis auf den To...
