Kapitel 13
BELLA BAKER
Die Buchmesse war gutbesucht. Mehrere Leute liefen an Ständen entlang, kauften sich Bücher, sahen bei den Vorlesungen zu, die angeboten wurden. Bella blickte sich verstohlen um, als sie die große Halle betrat. Unsicher lief sie herum, blieb jedoch stehen, als sie Renate erspähte, die ihr zuwinkte. Lächelnd trat Bella zu ihr. Innig umarmten sich die beiden Frauen, sahen zu Maria, die ihr Buch aufgeschlagen hatte und einige Seiten aus diesem vorlas. Bella ließ sich auf einen Stuhl fallen und sah zu Maria herüber, die ein Lächeln aufgesetzt hatte. Als das Publikum lautstark zu jubeln begann, stand die Bestsellerautorin auf, ging zu Renate und Bella herüber, nahm diese am Arm und drückte Bella auf den Platz, auf dem sie zuvor gesessen hatte.
«Das», Maria deutete auf Bella, die verlegen zur Seite schaute, «ist unsere Nachwuchsautorin Bella Baker. Sie hat mit achtzehn Jahren begonnen Bücher zu schreiben. Doch nun hat sie sich gewagt, eine etwas andere Richtung einzuschlagen. Sie wird euch einen kleinen Einblick in ihr neues Werk geben, das in Kürze erscheinen wird.»
Mit diesen Worten übergab sie das Wort an Bella, die unsicher auf dem Stuhl saß und versuchte sich zu sammeln. Wie sollte sie beginnen? Was wollte die Menge von ihr hören?
«Wie heißt denn das Werk, was Sie geschrieben haben? Worum geht es in diesem?», kam es von einem jungen Mädchen, die einige Meter vor ihr saß und gebannt zu Bella aufsah.
Diese lächelte schüchtern. «Es geht um eine Frau, welche in die Welt der Vampire eintaucht und sich in einen verliebt. Eines möchte ich jedoch klarstellen. Ich werde in diesem Buch keine Klischees anzapfen oder mich gar an ihnen bedienen.»
Bella hielt inne, schaute zu den aufmerksamen Menschen, die sie ansahen. Seufzend holte sie die Erstauflage hervor und schlug die erste Seite auf, um den Anfang vorzulesen.
Nachdem der Applaus aufgebrandet war, stand Bella auf, um zu Maria und Renate zu gehen, die sie sehnsüchtig erwarteten. Lächelnd klopfte ihr Renate auf die Schulter, als Bella bei ihnen ankam und sich neben sie setzte.
«Ich glaube, dass sie es lieben werden», sprach Maria und lächelte ihr aufmunternd zu.
«Was, wenn nicht?», kam es über Bellas Lippen.
«Das werden wir sehen, wenn es auf dem Markt verkauft wird», kam es von hinten. Abrupt stand Bella auf und drehte sich hastig um. Mit offenem Mund sah sie ihren Bruder an, der sie lachend in seine Arme schloss. «Überraschung! Schätzchen.»
Bella grinste und boxte ihm spielerisch auf den Arm. Ayden ließ sich davon nicht beirren und reichte Renate die Hand, als diese ihn ebenfalls erblickte. Maria wurde rot, als Ayden ihr ebenfalls die Hand schüttelte. Dann war sie aufgestanden und hatte sich davongestohlen.
«Melek ist auch hier», sagte er nach langem Schweigen.
«Und sonst keiner?»
Die Antwort ließ lange auf sich warten.
«Ayden?», rief Bella und sah ihm in die Augen. Dieser zuckte zusammen und sah fragend. «Wer noch hier ist, habe ich gefragt!»
Er seufzte, wollte gerade ansetzen, doch kam nicht dazu.
«Wer wohl!»
Sie war froh, dass sie kein Getränk in der Hand hielt, an dem sie sich verschlucken konnte. Ihr Atem ging stockend, das Herz raste, ihre Kehle schnürte sich zu. Ayden wandte sich um, lief davon. Renate tat es ihm gleich. Jetzt waren sie allein. Fast. Einige, die es vor Neugier nicht aushielten, blieben auf ihren Plätzen sitzen.
Cem stand vor ihr, begutachtete sie mit finsterer Miene. Bella sah zu Boden und musste sich zusammenreißen, um ihm nicht zu erzählen, was sie vor einigen Tagen getan hatten. Doch als sie es wagte in seine Augen zu schauen, konnte sie auch etwas anderes in seinem Blick ausmachen, anstatt des übermächtigen Hasses, den er meistens ausstrahlte.
«Können wir reden?», presste er hervor und packte sie grob am Arm. Sofort stellten sich ihre Härchen auf. «Draußen! Nicht hier, wo alle uns hören können!»
Ohne sich von ihm loszueisen, folgte sie ihm. Schweigend. Mit nachdenklichem Blick. Worüber er wohl mit ihr reden wollte? Ob er sich verändert hatte, nachdem er vollkommen die Besinnung verloren hatte?
Nachdem sie draußen an einem stilleren Ort angelangt waren, ließ Cem sie hastig los, verschränkte die Arme vor der Brust. Zaghaft schaute sie in seine eisblauen Augen. Diese wirkten verschlossen, abweisend, kühl.
«Worüber willst du reden?», brach sie das Schweigen zwischen ihnen.
«Wir haben nicht etwa...»
Er ließ den Satz unvollendet. Wagte sich vermutlich nicht weiter. Deutlich konnte Bella dies an seiner Miene erkennen. Der hass, der in ihm hochkochte, war deutlich erkennbar.
«Was genau willst du wissen?», sprach sie mit überraschend fester Stimme.
Er seufzte laut. «Ich habe doch gesagt, worüber ich reden will!»
Sie verdrehte die Augen. «Du hast nur gefragt, ob wir nicht etwa? Den Satz hast du nie beendet!»
Bella sah, wie seine Züge sich veränderten. Wenn sie noch etwas sagte, würde er an die Decke gehen. Doch es war ihr in diesem Moment scheiß egal!
«Wenn du nicht Klartext sprichst, dann...»
«Was dann?», unterbrach er Bella mit zischender Stimme. «Willst du kleine Schlampe mir drohen?!»
Bei jedem seiner Worte kam er ihr gefährlich näher.
«Du willst mir wirklich drohen?», sprach er mit gepresster Stimme und packte sie grob an den Armen, sodass es schmerzte.
«Ich will dir nicht drohen!», rief sie mit lauter Stimme und versuchte sich aus seinem Griff zu winden. «Ich will nur, dass du Klartext mit mir sprichst!»
Erbarmungslos drückte er fester zu.
«Du willst also Klartext schaffen?», kam es abschätzig über seine Lippen. Dabei rückte er drohend näher. Immer näher und näher. Nahm ihr die Luft zum Atmen. Ließ sie nicht mehr klar denken. Ließ ihre Gefühle zerspringen. Gänsehaut, Liebe, Verlangen, Lust, Schmerz! Alles auf einen Schlag. Viel zu viel für die zartbesaitete Bella.
«Was genau willst du wissen?», keuchte sie und blinzelte die Tränen fort.
«Noch einmal für dumme Gören!», zischelte er mit lauter Stimme und drückte fester. «Wir haben nicht zufällig miteinander!»
«Geschlafen?», presste Bella hervor, als sie die Wand hinter ihrem Rücken spürte. Der Druck wurde kurz gelockert. «Hast du es etwa vergessen?»
«Ist es geschehen oder nicht?», spuckte er ihr vor die Füße und presste sie härter gegen die kalte Wand, woraufhin Bella keuchend aufwimmerte.
«Zweimal!», kam es leise über ihre Lippen. «Wir haben es genau zweimal miteinander getrieben, du verdammtes Arschloch!»
Der Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben. Hastig löste sie sich von Cem, der sie mit offenem Mund anstierte und die Arme sinken ließ.
«Und weißt du was?», sprach sie, kam ein Stück auf ihn zu.
«Was!», knurrte er und konnte sich geradewegs zurückhalten.
«Keiner von uns hat verhütet! Es kann sein, dass ich schwanger werde!»
Mit diesen Worten ließ sie ihn zurück. Lief davon. Sie wollte allein sein. Konnte nicht zurück auf die Messe, wo es fröhlich zuging. Bella brauchte Abstand. Abstand von allen! Abstand von ihm! Abstand von Melek, die exakt die gleiche Augenpartie hatte!
'Was habe ich getan? Was habe ich angerichtet? Wie konnte ich nur! Warum habe ich mich auf diesen Mistkerl eingelassen? Bin ich wirklich so begriffsstutzig? So leicht um den Finger zu wickeln? So leicht beeinflussbar? So leicht umzustimmen? Ich bin einfach zu leichtgläubig! Lasse mich leicht um den Verstand bringen, wenn ich ihm begegne!'
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Wenn aus Liebe Hass wird
Teen Fiction+++TEIL EINS+++ Zwei Rivalen. Zwei Feinde. Zwei Liebende. Zwei gegensätzliche Gefühle, die heftig aufeinanderprallen. Zwei Personen, die sich die Köpfe einschlagen, wenn man sie nicht voneinander fern hält. Zwei Personen, die einander bis auf den To...
