29. Blut und Entführung

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Am nächsten Morgen fehlte Lucie in der Cafeteria. "Hast du toll gemacht?", meinte Maik und starrte den leeren Platz neben mir an. "Soll sie doch weg bleiben", knurrte ich gereizt. Ich hasste dieses Mädchen! Sie machte mein Leben nur noch unerträglicher! Was fiel ihr auch ein, mich so zu provuzieren? Das war echt nicht nötig gewesen! Schnaubend aß ich meine Brötchen. Zusammen mit Maik ging ich in den Klassenraum. Auch hier fehlte Lucie. Sollte die doch meinetwegen vergammeln! "Wo ist die bloß?", fragte sich Maik laut. Ich zuckte nur desinteressiert meine Schultern. Es schellte und wenige Augenblicke später erschien Kot in der Tür. "Mathe fällt aus. Wir machen Sport. In zehn Minuten seid ihr in der Kampfetage", ordnete er an, ehe sein Blick auf Lucies leeren Platz fiel. "James hol Lucie!", sagte er. Seine Stimme duldete keinen Widerspruch. Trotzdem schüttelte ich den Kopf. "Wieso sollte ich?", fragte ich mit eisiger Stimme. "Weil du ihr Mentor bist!", meinte Kot. "Na und?", fragte ich und zog eine Augenbraue hoch, ehe ich den Raum verließ und auf mein Zimmer ging, um mich schnell umzuziehen. Danach lief ich einfach wieder runter. Dort traf ich auf Maik. "Und?", erkundigte dieser sich. "Als ob ich die jetzt holen würde. Soll die doch vergammeln!", lachte ich nur bitter auf. Maik schluckte hart. Dann kam auch schon Kot zu uns. "Wo ist Lucie?", fragte er schneidend und starrte mich direkt an. Ich zuckte nur mit den Schultern. "Maik, hol sie bitte!" Dann drehte er sich um und ging in den ersten Trainingsraum. Ich folgte ihm, während Maik wieder die Treppen hoch hechtete. Nach fünf Minuten stand Maik laut keuchend in der Tür der Turnhalle. "Ich find sie nicht", keuchte er, "Sie ist nirgendwo." Kot sah ihn verwirrt an. "Ich hab sie überall gesucht. In ihrem Zimmer war sie auch nicht. Zumindest hat sie nicht aufgemacht!",erklärte Maik jetzt wieder etwas gefasster. "Lass dir den Ersatzschlüssel geben und, James, du gehst mit!", bestimmte Kot. Innerlich stöhnte ich auf. Was sollte ich da? Sollte ich sie etwa zusammen schnauzen? Langsam lief ich neben Maik her. Am Büro holten wir uns den Ersatzschlüssel für Lucies Zimmer. Sauer stampfte ich wieder neben Maik zu ihrem Zimmer. Wenn sie jetzt dadrin war, war sie offiziel tot! 'Lucie, lauf um dein Leben', brüllte Marvin. Fresse! Warum bist du auf ihrer Seite? Sie hätte es mega verdient. Wahrscheinlich wurde sie zu Hause zu sehr verwöhnt! Ich lachte trocken auf. Wir hatten mittlerweile ihr Zimmer erreicht. Maik zögerte kurz, ehe er die Tür öffnete. Was wir dort drinnen sahen, ließ selbst mich geschockt zusammenzucken. Die Wände waren blutig genauso wie der Boden. Alles war durcheinander. Alles war von den Ablagen, Schränken und ihrem Schreibtisch gestoßen bis auf ein Bild. Es war das Bild eines kleinen Jungens, der in die Kamera grinste. Vor der Badezimmer befand sich eine kleine Blutlache. Maik betrat das Zimmer und trat zum Badezimmer. Vorsichtig öffnete er die Tür. Erschrocken wich er zurück und starrte mit weit aufgerissenen Augen ins Badezimmer. Sofort stellte ich mich neben meinen Freund und erstarrte ebenso wie er. Auf dem Waschbecken lag eine blutverschmierte Rasierklinge. Der Spiegel war zertrümmert. An den Scherben war auch Blut. Mir wurde langsam schlecht von dem ganzem Blut und Maik schien es keinesfalls anders zu ergehen. Schnell zog ich ihn wieder aus dem Zimmer und knallte die Zimmertür hinter uns zu. Ich atmete tief ein und wieder aus. Das war zu viel. War das wirklich alles ihr Blut? Ich starrte die Tür an. Vielleicht hatte sie eine Nachricht hinterlassen. Ich schnappte mir den Zimmerschlüssel, den Maik immer noch in der Hand hielt. Ohne zu zögern blickte ich mich um. Dabei ignorierte ich die Galle, die mir langsam den Hals hochkroch. Da! Eindeutig, das war ein Zettel! Ich lief darauf zu und hob ihn auf. Die Schrift war krickelig und kaum lesbar. Anscheinend war sie verdammt geschwächt. Warum hatte ich nichts mitbekommen? Sie war doch direkt nebenan! Schnell verließ ich wieder das Zimmer und stellte mich leicht keuchend neben Maik an die Wand. Er starrte einfach ins nichts und schien total weggetreten zu sein. Ich ließ mich an der Wand herunter gleiten und schaute dann auf das Papier in meinen Händen.

Wenn das hier jemals jemand liest, bin ich nicht mehr da, vielleicht auch schon tot. Wer weiß das schon? Ich gehöre hier nicht hin. Ich mache nur Schwierigkeit und gefährde die Schule mit meiner Anwesenheit. Deswegen ist es besser das ich nicht mehr dabin. Ich bin es nicht wert, weiter zu leben. Früher dachte ich, dass sie es nur sagten, weil sie mit dem Verlust nicht ungehen konnten. Doch jetzt weiß ich, dass sie Recht hatten. Ich hasse mein Leben und hätte niemals leben sollen!
Lucie

Erschrocken starrte ich auf das Papier. Wer waren sie? Und warum erzählte sie so einen Mist? Ich schnappte mir Maiks Arm und zog ihn durch die Gänge und Treppenhäuser wieder hinunter in die Trainigsetage. Ohne zu zögern riss ich die Tür zum Trainingsraum auf. "Herr Kaut, Lucie ist abgehauen. Sie hat viel Blut verloren. Entweder ist sie tot oder dabei zu sterben", schilderte ich kurz und bündig die Situation. Maik stand einfach nur neben mir und starrte immer noch ins nichts. "James und Maik bitte sofort in mein Büro", ertönte die Stimme des Bosses durch die Lautsprecher der Schule. Ich nahm Maik wieder an seinem Arm und zerrte ihn durch das Gebäude. Am Büro des Bosses klopfte ich kurz und trat dann ein. "Was gibt es?", fragte ich distanziert. "Lucie wurde entführt. Das Nachbarinternat hält sie in seinen Klauen", haute der Boss sofort heraus. Ich schluckte genauso wie Maik. Ich hatte mit allem gerechnet aber nicht damit. "Was machen wir jetzt?", fragte Maik. Seine Stimme klang belegt und vollkommen unsicher. Das kannte ich so gar nicht von meinem Freund. Fuck! Was war bloß in letzter Zeit hier los? Es ging nur noch alles drunter und drüber. Jetzt bloß nicht schwach werden. Kalt bleiben. "Dann soll die da ruhig schmoren", meinte ich und wand mich zum gehen. "Du unterschätzt sie, James", sagte der Boss, "Sie sieht vielleicht nicht so aus, aber sie ist eine 1A Agentin. Warst du nicht auch überrascht, dass sie den Kamofsport nahezu perfekt beherrscht? Sie ist einfach nur eine verdammt gute Schauspielerin, die sich jegliche Vorurteile gegenüber Neuen und vor allem gegenüber Mädchen zum Nutzen macht." Als ob. Und ich bin der Papst, oder was? Ich lachte bitter auf und drehte mich zu ihr um. "Na dann. Wenn sie doch so gut ist, brauchen wir ja gar nichts machen. Dann schafft sie das doch locker alleine", erwiderte ich und grinste siegessicher. Die Augen des Bosses verengten sich und er sah mich wütend an. 'Abfahrtkarte erfolgreich geholt', quitierte Marvin mein Handel. Genervt rollte ich mit den Augen und musste mir ein bitteres Auflachen verkneifen. "James, so nicht!", fuhr mich der Boss an, "Wir werden sie da rausholen und du wirst dabei sein. Bis dahin trainierst du hart! Ich werde dich jeden Abend prüfen. Nächste Woche holen wir sie zurück! Maik, du bist auch dabei!" Damit war die Sitzung für ihn gelaufen und er wandte sich wieder seinen Unterlagen zu. Ich kniff meine Augen sauer zusammen. Dieses Arschloch! Ich wusste nicht, auf wen ich in diesem Moment saurer war, Lucie oder der Boss...

Who are you?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt