Kapitel 15

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»Ihr kennt euch anscheinend auch?« Überrascht hielt er inne und sah uns an. Um mich herum drehte sich alles. Was hatte ich auch gedacht? Ich konnte doch nicht einfach bei Mara auftauchen und sie zur Rede stellen. Sie hatte doch immerhin ein Privatleben. Ich wusste nicht einmal, dass sie einen Freund hatte. Vor allem wusste ich nicht, dass er so gut aussah und dazu noch super sympathisch war. Mara fand ihre Worte zuerst wieder. Auch ihr war der Schock ins Gesicht geschrieben. »Ja, Ella war mal meine Schülerin vor einigen Jahren.« Er grinste breit. »Na das ist ja wirklich witzig. Ein richtiger Zufall.« Ein toller Zufall. Wirklich ganz toll. Ich sah zu Boden und dachte angestrengt nach. Was für eine unangenehme Situation. »Und konntest du schon alles klären?«, fragte er interessiert und sah mich aufmunternd an. Er war so ein Typ, der über Gott und die Welt reden konnte. Ihm fiel immer etwas ein und er war wirklich sehr aufmerksam. Mara starrte mich nur an. Warum musste er es gerade jetzt erwähnen? Ich sah zu ihr auf und unsere Blicke trafen aufeinander. »Nein, aber ich glaube, es gibt da doch nichts mehr zu klären. Ich denke, es war blöd von mir, dass ich wieder nach Stralsund gekommen bin.« Angestrengt lächelte ich.

Enttäuschung und Wut auf mich selbst machten sich in mir breit. Wie konnte ich nur so verdammt blöd sein? Irgendwie war jetzt alles schlimmer als vorher. »Du solltest nichts unversucht lassen. Ich musste bei Mara auch ganz schön hinterher sein, weil sie erst kein Interesse hatte.« Er lächelte und ich sah seine perfekten Zähne. Max legte seinen Arm liebevoll um Mara und in diesem Moment war ich einfach nur eifersüchtig. Die Eifersucht klammerte sich an jeden Gedanken und nahm Besitz von mir. Ich wollte die Person sein, die ihren Arm um sie legen durfte. In diesem Moment wurde es mir wieder schlagartig bewusst. Meine Gefühle waren nicht verschwunden. Sonst würde ich nicht so heftig auf diese Umarmung reagieren. Mara sah etwas steif aus. Als wäre ihr die Umarmung von ihm unangenehm. Ich räusperte mich. »Ich werde dann auch mal weiter.« Max nickte und erwiderte: »Dann mache es mal gut, Ella.« Ich konnte Mara nicht ansehen. Ich konnte es nicht ertragen.

Ich drehte mich um und sofort schossen mir die Tränen in die Augen. Ich konnte nicht verbergen, wie sehr es mich verletzte. Hatte sich Emilia auch so gefühlt? Als ich ihr gebeichtet hatte, dass es noch eine zweite Frau in meinem Leben gab? Ich war so eine Idiotin. Ich musste mich zusammenreißen. Ich durfte nicht auf der Straße zusammenbrechen. Plötzlich hielt mich jemand zurück. Erschrocken drehte ich mich um und Mara stand mir gegenüber. Sie sah meinen Gesichtsausdruck und runzelte leicht die Stirn. Dann fragte sie leise: »Warum bist du wieder hier?« Sie hatte meinen Arm wieder losgelassen, aber ihre Berührung brannte noch immer auf meiner Haut. Es war ein warmer Tag, doch trotzdem zitterte ich nun. Ich zuckte mit den Achseln. Sie kam einen Schritt dichter. Ich konnte ihre trockenen Lippen sehen. Und ich könnte mich dafür schlagen, dass ich in diesem Moment daran dachte, sie zu küssen. »Du wolltest zu mir, oder?« Ihre Stimme hatte sich verändert. Sie war ganz traurig geworden. Warum sollte ich ihr nicht die Wahrheit sagen? Ich hatte nichts zu verlieren.

»Ja, aber es ist egal.« Ich wollte mich wieder umdrehen und zu meinem Fahrrad gehen, aber wieder hielt sie mich zurück. »Warte. Bitte. Jetzt ist ein schlechter Zeitpunkt zum Reden. Hast du heute Abend Zeit? 20 Uhr?« Wollte sie sich wirklich mit mir treffen? Hoffnung flammte in mir auf, aber ich verwarf diesen Gedanken schnell wieder. Wozu sollte das Treffen gut sein? Es sorgte doch nur dafür, dass ich mich noch mehr in ihren Augen verlor. Abwartend sah sie mich an. »Ja«, seufzte ich dann schließlich doch. Ich wollte in ihrer Nähe sein. Um jeden Preis. »Ich hole dich am besten mit dem Auto ab. Mir fällt gerade kein geeigneter Ort ab. Sagst du mir deine Adresse?« Ich verriet ihr diese und dann sagte sie: »Wir sehen uns dann später.« Vorsichtig lächelte sie mich an und kurz hatte ich das Gefühl, dass sie mir über den Arm streicheln wollte, aber sie hielt ihre Hand dann doch zurück. »Ja, bis später«, flüsterte ich leise. Dann drehte sie sich um und lief in die andere Richtung davon. Max wartete dort auf sie.

Remember me || gxgWo Geschichten leben. Entdecke jetzt