Kapitel 28

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Wir verbrachten noch eine ganze Weile draußen. Ich genoss die Momente mit meinen Eltern. Es tat mir total leid, dass ich sie in den letzten Jahren nicht besucht hatte, aber das würde ich nun bald wieder aufholen, wenn ich erst einmal wieder hier wohnte. Ich freute mich auf die Zeit. »Ich gehe jetzt besser mal nach oben«, verkündete ich, stand auf und streckte mich. Meine Füße waren etwas eingeschlafen und alles kribbelte. Ich hasste dieses Gefühl und versuchte es abzuschütteln. »Ich möchte noch etwas nach Jobs suchen«, erklärte ich und umarmte meine Eltern, bevor ich ins Haus ging. Obwohl ich den ganzen Nachmittag geschlafen hatte, spürte ich die Müdigkeit in jeder Faser meines Körpers. Ich schleppte mich die Treppe nach oben und schaltete das Licht im Zimmer an. Mein MacBook stand auf meinem Schreibtisch. Ich schnappte es mir und setzte mich auf das Bett. Musste wieder an Mara denken, wie sie hier bei mir gelegen hatte. Ich seufzte und sehnte mich nach ihr. Ich vermisste sie jetzt anders als früher. Vieles hatte sich geändert und das war gut so.

Das MacBook fuhr hoch und ich wartete. Ich fummelte mein Handy aus der Tasche. Keine Benachrichtigungen. Ich klickte auf Maras Chat. Sie war vor einigen Minuten online gewesen. Gedankenverloren schrieb ich sie an. »Hey«, tippte ich. »Musste gerade an dich denken.« Ich konnte sehen, wie sich ihr »zuletzt online« in »online« verwandelte und dann ein »schreibt...« daraus wurde. Aufgeregt starrte ich auf den Chat. Dann erschien ihr Text. »Dann haben wir wohl gerade beide aneinander gedacht.« Dann kam mir die Idee. Ich antwortete: »Wollen wir einen Videoanruf machen?« Mara erwiderte: »Warte kurz.« Ungeduldig wartete ich. Ich konnte es kaum erwarten, sie zu sehen. Dann war sie zurück. Sie rief mich an und ich nahm an. Kurze Zeit war mein Display dunkel, dann sah ich ihr Gesicht. »Hi«, hauchte ich ihr zu und sie lächelte. »Hallo.« Sie saß auf ihrer Couch und hatte die Haare lässig zu einem Dutt gebunden. Ich wusste nicht, wie es bei ihr in der Wohnung aussah, aber es interessierte mich brennend. Ich war sowieso ein super neugieriger Mensch. »Was treibst du so?«, fragte sie und ich entgegnete: »Ich wollte gerade nach Jobs schauen. Und du?« Sie hielt ein Buch in die Kamera. Ich konnte den Titel aber nicht lesen, denn sie hatte es schon wieder zur Seite gelegt. »Habe bis gerade gelesen. Ich hoffe, du hast dich etwas erholt von dem Schock. Ich bin wirklich froh, dass alles gut ausgegangen ist.« Ich bedankte mich bei ihr und dann wechselte ich das Thema.

»Machst du jetzt eigentlich mal eine Roomtour mit mir?«, scherzte ich und sie sah mich verwundert an. »Wirklich?« Lachend schüttelte ich den Kopf. »Nein, das war ein Spaß. Obwohl mich deine Wohnung sehr interessiert«, gab ich offen zu und grinste in die Kamera. »Dann schaue sie dir doch am besten mal persönlich an. Morgen vielleicht.« Sie wollte, dass ich sie morgen in ihrer Wohnung besuchte? Mein Herz trommelte wild in meiner Brust und ich konnte nur nicken. »Hat es dir die Sprache verschlagen?« Sie lachte und betrachtete mich. »Erwischt«, erwiderte ich und lachte verschmitzt. Mara änderte ihre Sitzposition und ich konnte sehen, dass sie eine graue Jogginghose trug und ein T-Shirt, welches hellrosa war. Die Kombi sah irgendwie süß aus. Dann fiel mir Emilia ein. Ich wollte Mara davon erzählen.

»Übrigens hat Emilia sich vorhin wieder bei mir gemeldet«, meinte ich und sie zog die Augenbrauen nach oben. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich. Der liebevolle Ausdruck verschwand und sie wirkte nun etwas gleichgültiger und reservierter. »Was sollte sie?«, fragte sie kühl und ich musste mir das Grinsen verkneifen. Sie und Emilia würden wohl keine Freunde mehr werden. Aber das war wohl auch besser so. »Mit mir reden.« Sie sagte nichts. Deshalb fuhr ich fort: »Sie ist noch immer in Stralsund. Und ich weiß nicht, was ich mit ihr machen soll. Eigentlich will ich nicht mehr mit ihr reden.« Ich wollte sie gerade nicht sehen, denn ich musste mich etwas auf mich konzentrieren. »Du musst nicht mit ihr reden. Du hast ihr doch alles gesagt, oder?« Ihre Stimme war wieder etwas weicher geworden und ich nickte. »Ja, eigentlich schon.« Dann fiel mir eine andere Sache ein und ich lenkte vom Thema ab. »Wir fahren am nächsten Samstag nach Berlin, um meine Sachen zu holen. Ich wollte dich fragen, ob du uns begleiten willst.« Etwas unsicher sah ich sie an.

Remember me || gxgWo Geschichten leben. Entdecke jetzt