„ Hey. Hey! Kleine, wach auf. Auf wachen!“ dringt eine Stimme zu mir durch. Mit aller Mühe öffne ich meine Augen einen Schlitz. Ein junger Mann mit blonden sehr kurzen Haaren sieht mich an. Seine klaren roten Augen funkeln mich belustigt an. Wer ist das denn? Rast der Gedanke durch meinen Köpf. Verschwindet aber genauso schnell wieder wie er gekommen ist. Denn mir fällt leider alles wieder ein. Eins kann ich mit Sicherheit sagen. Ich hatte gestern den behindertsten Geburtstag auf der Welt. Naja für eine Eye ist das wohl normal. Der 15. Geburtstag ist immer ein schwarzer Tag. „Starr mich nicht nur an, wie als hätte ich dir das Ende der Welt verkündet. Obwohl das könnte deiner Laune die du zu haben scheinst grade Recht kommen..“ beginnt er zu schwafeln. Darin ist dieser Mann echt erste Klasse. „Egal!“ unterbricht er sich selber. „Stehe auf. Hier sind deine Sachen. Ziehe dich an. In zehn Minuten bist du fertig. Sonst gibt es ärger! Verstanden?“ er schmeißt einen Stapel Sachen auf mich. Die Hälfte fällt herunter. Ich verdrehe meine Augen. Sarwig Fels ist aus meiner Sicht verschwunden und ich höre eine Tür wie sie zu geht. Mürrisch schlüpfe ich unter der warmen Decke hervor. Ich hätte lieber noch länger geschlafen. Ich fühle mich als wäre ein Panzer über mich gerollt. So ein scheiß Morgen. Träge sammle ich meine Klamotten ein. Dann schlüpfe ich ins Bad. Schnell Waschen, Haare flechten, Zähneputzen und anziehen. Ich muss mich etwas beeilen. Denn das alles in zehn Minuten zu schaffen als Mädchen ist eine Kunst. Was denkt sich dieser Mann dabei nur? Endlich setze ich meine Mütze auf. Fertig. Ich sehe mein Spiegelbild an. „Guten Morgen Sila.“ flüstert es mit mir zusammen. Die roten Augen meines Spiegelbildes funkeln mich traurig an. Mit diesem Satz kam Papa jeden morgen in mein Zimmer. Mal schlief er dabei noch halb. Mal tänzelte er dabei auf mich zu und schlang dann seine Arme um mich. Mal hatte er seinen Kaffé in der Hand mal umschlangen seine Arme seinen Oberkörper. Tausend Varianten gab es von dieser Erinnerung. Doch es werden keine mehr dazu kommen. Dieser Teil meines Lebens ist vorbei. Alles was mir geblieben ist, ist die Erinnerung und das Verfluchen meines Schicksals. Ich habe keine Zeit um meiner Vergangenheit nachzutrauern. Ich muss jetzt mein neues Leben meistern. Ich drehe mich um und gehe durch die Tür. Im selben Moment geht auch die andere Tür auf. Sarwig Stein sieht mich an. „Grade so. Glück gehabt.“ murmelt er. Ich gehe noch einen Schritt vor, schließe die Tür hinter mir und nehme die Haltung ein. Der Mann sieht mich verzweifelt an. „Mann könnte meinen man hätte dir das schon seit deiner Kindheit eingeprügelt so stur wie du das durchziehst.“ meint er Kopfschüttelnd. Um genau zu sein hat mein Papa mir seit ich klein war beigebracht wie ich mich verhalten muss wenn ich eingezogen werde. Damit ich falls es geschieht nicht ins kalte Wasser geschmissen werde. Jetzt danke ich ihm nur zu sehr für diese Entscheidung von ihm. Sonst könnte ich mit all dem hier nicht umgehen. Doch jetzt erscheint es mir irgendwie nur wie die schreckliche Realität. Nicht wie ein schlechter Albtraum. Ich hasse es hier zu sein, ja, aber ich werde mitspielen. Eine andere Wahl habe ich so oder so nicht. „Hier, das ist deine.“ reißt mich der Mann aus meinen Gedanken. Er hält mir eine Weste hin. Ich nehme sie. Doch fast hätte ich sie wieder losgelassen. Himmel das Teil wiegt sicher soviel wie ein Panzer. „Sei nicht so. Das ist die leichteste die es für uns Rotäugige gibt. Nur 50 Kilo. Ich trage seit gestern 75 Kilo mit mir dauerhaft herum.“ lacht er mich aus. Na toll, das klingt aufbauend. Ich darf jetzt den ganzen Tag 50 Kilo mit mir herumtragen, und werde auch noch als Jammerlappen bezeichnet wenn ich meine es sei schwer. Freude... Doch ich sage nichts. Ich ziehe einfach nur die Weste an. Angenehm ist die nicht. Doch nicht so schlimm wie erwartet. „Wenn du dich gut schlägst wird das Gewicht immer weiter erhöht. Ein Kollege von Artus Hachmann trägt 100 Kilo mit sich herum. Also streng dich an. Das dauerhafte tragen trainiert ungemein.“ versucht er mich kläglich mich zu motivieren. Also das muss er nochmal üben. Denn jetzt bin ich nicht motiviert, ich überlege wohl ehr mich mit Absicht dumm anzustellen, damit sich das Gewicht nicht erhöht. Aber egal. „Mist, wir müssen los! Ziehe deine Stiefel an. Wir müssen uns beeilen.“ bemerkt der Mann auf einmal. Dieser Mann... verpeilt, unordentlich. Der soll ein erfolgreicher Soldat sein? Ein erfolgreiches Plappermaul erscheint mir da mehr zu stimmen. Doch natürlich gehorche ich und ziehe mir schnell meine Stiefel an. Kurz darauf sind wir wieder dabei durch die unendlichen Gänge dieses Gebäudes zu Wandern.
„Das ist das Wohnheim für Rötaugige. Gleich im Erdgeschoss ist ihr Zimmer. Nummer 50. Hier ist ihr Zimmerschlüssel, verwahren sie ihn gut. Seinen Sie pünktlich um 7 Uhr auf dem Übungsplatz 61. Hier ist eine Karte... Abtreten.“ mit diesen Worten dreht mein Lehrer sich um und verschwindet. Jetzt Stehe ich hier. Vor einem riesigen Block den er Wohnheim nannte. Für mich sieht das mehr nach Gefängnis aus. Jetzt mal ohne Spaß, wirklich, die Fenster sind vergittert und die Tür sieht stabil und sau schwer aus. Innerlich seufze ich. Äußerlich verziehe ich keine Miene. Ich gehe zu der Tür und öffne sie. Wie erwartet. Sau schwer. Ich betrete das Wohnheim. Links ist ein Gang. Recht ist ein Gang. Über dem einen Bogen steht 1-49. Ich sehe zur anderen Seite. Dort steht 50- 100. Das sind wohl die Zimmernummern. Ich gehe in den zweiten Flur. Gleich die erste Tür ist die 50. An der Tür steht groß die Nummer dran. Neben der Tür ist ein Schild und ein Kleines Regal mit zwei Ablagen. Ich sehe mich um. So eins steht vor jeder Tür. Wofür das wohl da ist? Vielleicht kann mir das meine Zimmergenossin sagen. Laut dem Schild wohnt hier eine Rose Gady. Hinter ihrem Namen steht eine 17. Ist sie so alt? Dazu steht da noch Einheit: Zoe König/ Nico Pohl. Doch was mich am verwirrst ist das „Eye: Laser“ was soll das denn heißen? Ich grüble kurz nach, doch weil es nichts bringt ewig vor der Tür zu stehen betrete ich doch noch das Zimmer. Ein kleiner Raum erscheint vor mir. Zwei Betten stehen sich gegenüber. Zwischen ihnen ist etwas Platz zu durchgehen. Genau gegenüber von mir sind zwei einzelne Spinde. Die Wände sind auch hier weiß, doch es riecht nach frischer Farbe. Der Fußboden unter meinen Füßen ist gefliest. Na toll, sehr gemütlich. Die Betten sind mit weißer Bettwäsche bezogen. Auf dem Bett rechts von mit steht eine Tasche. Pardon, ich meine meine Tasche. Erstaunt gehe ich zu dem Bett und nehme die Tasche in die Hand. Das ist wirklich meine. Als ich eingezogen wurde, wurde sie mir abgenommen und in den Kofferraum des Jeeps gepackt. Seitdem habe ich sie, wenn ich ehrlich bin total vergessen. Ich stelle die Tasche neben den kleinen Nachtisch, auf dem eine kleine Lampe steht. Auf dem Bett liegen auch noch zwei Handtücher, Shampoo, Deo und eine Zahnbürste. Überall steht mein Name drauf. Das werde ich wohl wirklich brauchen. Ich nehme alles und gehe zu dem Spind an dem ebenfalls mein Name steht, dieser ist auch der, welcher näher an meinem Bett steht. Es scheint als wäre das Zimmer ordentlich in zwei Hälften geteilt. Die eine gehört mir, die andere Rose Gady. Erscheint einem logisch zu sein. Plötzlich knallt es. Ich drehe mich herum. Die Tür wurde aufgeschmissen und ein hochgewachsenes Mädchen, mit rot/orangen Kringel-locken steht in der Tür und guckt schuldbewusst. „So ein Mist.“ murmelt sie. Doch dann blickt sie auf und entdeckt mich. „Oh Hey. Du bist Sila klein oder?“ begrüßt sie mich und knallt die Tür zu. Sie blickt entschuldigend die Tür ein. Sie kann wohl ihre Kräfte nicht einschätzen. Das Mädchen hat wie ich die Uniform an. Nur ihre Haare sind noch offen und stehen wirr in alle Richtungen ab. Sie geht zu ihrem Bett. Dort nimmt sie eine Haarbürste aus dem Fach und versucht ihre Haare vergeblichst zu bändigen. Dann seufzt sie und legt die Haarbürste wieder weg. Sie sammelt ihre Haare und macht diese mit einem Haargummi, den sie schon um ihr Handgelenk hatte, zusammen. Zu guter Letzt nimmt sie ihre Mütze die auf ihrem Kissen liegt und setzt sie auf. Jetzt sieht sie einigermaßen ordentlich aus. Ich sehe ihr nur zu und bewege mich nicht. Rose hält inne und mustert mich mit ihren roten Augen kritisch. „Lebst du noch? Oder bist du durch meinen Blick zu Stein erstarrt?“ fragt sie mich belustigt. Ich schüttle den Kopf und drehe mich wieder zu meinem Spind und lege alle hinein. Dann drehe ich mich. Da entdecke ich eine große Digitaluhr neben der Tür. 6 Uhr 45. Ich sollte langsam nachsehen wo ich hin muss. Ich hole die Karte aus der einen Westentasche in die ich sie getan habe. Platz 61... Platz 61. Ah da ist er. Nur einen Knappen Kilometer von hier aus in Richtung Tor, durch das ich gekommen bin. Doch mir fällt jetzt auch auf, dass man nur durch dieses Tor hier rein und hier raus kann. Ich habe gesehen wie streng dort alles bewacht wird. Hier auszubrechen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Papa meinte doch er sei hier ausgebrochen. War damals noch alles anders? Erscheint die Frage in meinem Kopf. Doch schnell schüttle ich diese wieder ab. Ich möchte keine zweifel gegenüber von Papa haben. Ich verdanke ihm so viel, er ist der Beste. Mit dieser Überzeugung verlasse ich das Zimmer und mache mich auf den Weg... Auf dem Weg zu meiner Einheit und dem ersten Tag in meinem neuem Leben.
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Sila Klein
FantasyNiemand weiß was wir genau sind, doch jeder meint zu wissen WIE wir sind. Grausam,herzlos, nur so beschreibt man uns. Doch wir wissen nicht mal wodurch wir ihren Hass gelegt haben und weswegen wir ihn unser ganzes Leben bestimmen lassen müssen. Wir...
