Stumm gehe ich in das Haus hinein, als er mir die Tür aufhält. Hinter mir schließt Lion die Tür doppelt ab und ich verschwinde in seine Küche. Ich weiß, das er mir nicht in die Küche folgen wird, dafür sind wir beide zu fertig, zu verwirrt von dem Geschehen, das sich eine halbe Stunde zuvor abgespielt hat.
Ich höre seine Schritte im Wohnzimmer, während ich die Schränke in der Küche öffne, um den Erste-Hilfe-Koffer zu finden. Es vergehen mindestens zehn Minuten, in denen ich das Verbandszeug suche, aber nicht finde. Ich stöhne genervt und werfe meinen Kopf in den Nacken. Das war's. Lion soll es holen.
Ich spaziere ins Wohnzimmer, um Lion zu sagen, er solle den Erste-Hilfe-Koffer holen, doch er ist nicht da, wo ich geglaubt habe er würde sein. Ich stelle mich in die Mitte des Wohnzimmers und drehe mich im Raum um. Könnte auch sein das er sich versteckt hat. Bei den Sachen, die heute passiert sind bin ich auf alles vorbereitet.
»Lion?«, rufe ich schließlich. »Hier.« Ich fahre herum und kann ihn bei den Treppen ausmachen. In seinen Händen hält er den Koffer. Er kommt auf mich zu, zumindest dachte ich das, doch er geht dicht an mir vorbei und berührt mich dabei fast mit seinem Arm.
»Setz dich.« Er zeig auf die Couch, als ich mich zu ihm drehe. Widerwillig tue ich das was er sagt und setze mich schweigend hin. Lion kniet sich vor mir nieder, legt den Koffer auf dem Boden und öffnet sie. In Sekunden schnelle hat er etwas zum Desinfizieren der Wunde rausgeholt und sah mich dann an. Auch ich sah ihn an. Das mein Herz viel zu hoch schlug konnte man bestimmt im ganzen Haus hören.
Unschlüssig sieht er mir in die Augen. »Ich weiß nicht... willst du das alleine machen oder soll ich... na ja, du weißt schon. Soll ich es machen?« Es ist neu für mich ihn so zu sehen. So nervös und unwissend. Ich versuche mein Lächeln zu verstecken, das sich bei seinem Verhalten bildet, ist aber aussichtslos. Mein Nicken verstand er.
Ruhig und ohne mich dabei anzusehen desinfiziert er meine Wunde. Er ist bedacht darauf meine Haut nicht mit seinen Händen zu berühren. Auch als er fertig war würdigte er mir keines Blickes. Er sieht in die offengelegte Kiste und runzelt dabei die Stirn. »Ich muss gestehen« Er sieht hoch zu mir. »Auch wenn ich viele Schlägereien hatte und mich öfter mal verletzt habe, bei der Wunde kann ich dir nicht helfen. Wir müssen damit zum Arzt.«
Ich schmunzle. »Gib mir ein Plaster.« Er zieht die Brauen zusammen. »Ein Plaster? Hast du dir die Verletzung überhaupt angesehen?« Er zeigt auf mein Dekolleté. Ich muss zugeben, es tut weh. Es brennt sehr, aber ich will mich trotzdem nicht beschweren.
»Gib mir einfach ein Pflaster, Lion.« Doch er schüttelt den Kopf und schließt den Koffer. Ich verdrehe die Augen und halte ihn dabei auf mit dem Koffer zu verschwinden. Ich umfasse seinen Arm und ziehe ihn zu mir. Er dreht sich um und sieht zu mir herunter. Mit einer Kopfbewegung deute ich ihn sich zu mir zu setzen.
Unsicher geht er meiner Bitte nach. Ich nehme ihm den Erste-Hilfe-Koffer aus der Hand, lege ihn neben mich und tue dasselbe was Lion zuvor bei mir gemacht hat. Ich hole ein Wundspray heraus und nehme Lions kalte Hand, die ich auf meinen Schoß lege. Ich weise ihm an die Hand offen zu lassen, damit ich sie säubern kann. Er sieht mir dabei zu wie ich ihn verarzte und das macht mich etwas nervös, trotzdem lass ich mich nicht aus der Fassung bringen. Zumindest äußerlich nicht. Innerlich bin ich mehr als nur nervös.
Lion hat es nicht so sehr getroffen. Schürfwunden zieren seinen großen Händen. Ehrlich gesagt muss ich nicht viel machen als sie zu säubern. Ein Plaster könnte ich ihm auch geben, aber er will es sicher nicht. Er hatte Glück gehabt. Er hatte die Kette zwar in der Hand aber der Diamant hing herunter. Deshalb sieht seine Verletzung nicht so schlimm aus wie angenommen.
Im Gegensatz zu ihm berührte ich den Diamanten, was dazu geführt hat das ich jetzt eine schlimmere Verletzung habe. Ich habe sie zwar noch nicht gesehen, aber wenn Lion meint er könnte sie nicht verarzten muss sie ja schlimm sein. Wahrscheinlich übertreibt er auch einfach nur. Er will es nicht schlimmer machen als es ist.
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Querida Stones
Fantasy»Er hat niemals mich verloren. Ich habe ihn verloren.« Der Tod ihres Bruders sitzt so tief das Serina von ihren Eltern in eine andere Stadt verfrachtet wird. Nach North Carolina, zu ihren Onkel und ihrer kleinen Cousine, wo sie haufenweise Geheimnis...
