48. Selbstmordkommando

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Was hat er da gerade gesagt?

Mit geweiteten Augen starre ich Isaac an, der etwas hinter mir fixiert hat. Er ist immer noch über mich gelehnt und hat seine Hände links und rechts von mir an dem Stuhl gestemmt. Im Gegensatz zu ihm hebt mein Brustkorb sich unregelmäßig. Er ist ruhig und starrt mit einem neutralen Blick hinter mir. Bis er sich erhebt und ein Grinsen sein markantes Gesicht ziert.

»Hallo, Bruder. Lange her, nicht wahr?« Dieses Grinsen ist provozierend und amüsant zu gleich. Ihn macht das ganze Spaß... Krank, einfach krank. »Nicht lang genug, Isaac«, ertönt seine tiefe und angenehme Stimme. Sekunden später, als er sprach, bildete sich eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. Zum einen, weil er wirklich hier ist und zum anderen, weil seine Stimme kälter und schärfer ist, als ich je für möglich gehalten hätte.

Ich hätte fast erleichtert ausgeatmet, weil er wirklich da ist und nicht auf Isaacs Seite steht. Als Isaac ihn gerufen hat, so, als wäre er mit eingewickelt in das Ganze, rutschte mir das Herz so tief in die Hose, vor Angst. Für eine Millisekunde habe ich gedacht, er hätte uns hintergangen und wäre mit Jeff und Isaac unter einer Decke. Ich hatte befürchtet, all diese Küsse und Berührungen, all die Worte nur gelogen waren. Als wäre alles nur ein Schauspiel gewesen. Was zum Glück nicht der Fall war.

»Lass sie gehen.« Lions Stimme duldet keinen Widerspruch. Wäre ich an Isaacs Stelle hätte ich schon längst nachgegeben. Ich hätte das getan, was er verlangt, um meines Schutzes. Alleine schon weil seine Stimme schärfer ist als ein Messer. Da ich aber nicht an Isaacs Stelle bin und somit auch sein Vorhaben nicht kontrollieren kann, lächelt er.

»Ach, Lion...« Es ist das erste Mal das ich ihn seinen Namen sagen höre und es ist mehr als nur fremdartig und merkwürdig. »Jeff und... Jacob, oder?« Ich stocke. Jacob ist hier? Und Jeff auch? Okay, bei Jeff habe ich es mir schon gedacht aber... Soll das jetzt bedeuten, das er Jacob und Lion festhält? Oh, nein... Gar nicht gut.

»Kommt doch her und lasst uns ein wenig reden«, schlägt er vor. Einladend breitet er seine Arme aus. »Wir verzichten«, lehnt Lion ruhig ab. Wie kann er da noch ruhig bleiben? »Sei kein Spielverderber, Bruderherz«, schmollt er. »Nur dieses eine Mal. Ich hole euch auch Stühle, dann könnt ihr es euch gemütlich machen.« Freudig macht er auf dem Absatz kehrt und lässt uns somit alleine.

Moment mal...

Verwirrt und verblüfft starre ich auf die Stelle, auf die er zuletzt gestanden hat. »Er lässt uns einfach alleine... unglaublich.« Ich erschrecke schon fast bei dem Klang von Jacobs verblüfften Stimme. Ein Lächeln bildet sich auf meinen Lippen. Er hat uns alleine gelassen, das ist gut.

»Er hat doch sicher etwas vor«, behauptet Jeff nachdenklich und das Lächeln in meinem Gesicht verschwand so schnell, wie es auch kam. »Das ist egal. Befreien wir sie«, befehlt Lion eindringlich und schon höre ich wie die Jungs auf mich zu kommen. Ihre Schritte sind schnell, also joggen oder laufen sie auf mich zu.

Ein erschrockener Laut verließ meine Kehle, als Jacobs Gesicht vor mir auftaucht. »Hey, hey... Ich bin's nur«, versucht er mich zu beruhigen. »Jacob«, flüstere ich seinen Namen und muss die aufkommenden Tränen verdrängen. »Keine Sorge, Rina. Wir bringen dich da heil raus.« Er lächelt mich sanft an, was ich erwidere. »Versprochen.« Dann fangt er an an den Handschellen zu rütteln. Ich sehe ihm dabei zu, bis ich eine Bewegung vor mir ausmachen konnte.

Lion und Jeff stehen mit dem Rücken zu mir gedreht und halten ihre Hände hoch. Ich schenke Jeff keine Beachtung, meine Augen liegen nur auf Lion. Besser gesagt, auf seinem Rücken. Er hat sich umgezogen. Als ich ihn zuletzt gesehen habe, was keine Ahnung wie lange her ist, trug er einen schwarzen Pullover und eine schwarze Jeans. Die hat er durch ein hautenges schwarzes Shirt eingetauscht und einer dunkelblauen Jeans, die leicht zerrissen ist.

Querida StonesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt