Fallons P.o.V.
Cayden warf einen kurzen Blick über seine Schulter und drückte dann die Türen auf. Ich trat neben ihm ins große Zimmer und sah mich um. "Wow", überkam es meine Lippen. "Das Zimmer deiner Eltern ist ja der Wahnsinn."
Cayden trat neben mich und betrachtete jeden Zentimeter erneut, dann zuckte er mit seinen starken Schultern. "Wenn ich Oberhaupt der Familie wäre, würde ich mir auch das beste Zimmer aussuchen", murmelte er, was mir ein Lachen enlockte.
Er lief zu einigen Kommoden und zog sie auf, während ich mir den Schreibtisch seines Vaters genauer ansah.
"Das mach' ich nicht", entgegnete er mit verzogener Grimasse. Ich sah von den Unterlagen hoch. "Ich werde nicht die Unterwäsche meiner Mom durchwühlen."
Seufzend stand ich auf und blieb neben ihm stehen. "Schon gut, tauschen wir", grinste ich und wies mit einer Kopfbewegung auf den Tisch. "Eigentlich komisch, dass es dich so stört in Unterwäsche zu wühlen."
Cayden rollte mit seinen hübschen Augen, doch ich konnte sehen wie er lächelte. Er sparte sich den nächsten Kommentar, obwohl ich ihm ansah, wie ihm etwas auf der Zunge lag.
"Wieso sollte mein Vater die Speicherkarte gerade hier verstecken?", fragte er stattdessen und ich sah von den Unterlagen auf.
"Unsere Väter sind vielleicht vieles, aber nicht gerade innovativ. Ich kenne jedes Versteck meines Vaters, und auch nur deshalb, weil er sich keine neuen Orte sucht."
Cayden hob die Augenbraue.
"Ich wette, dein Vater ist genauso."
"Vielleicht unterschätzt du ihn. Du vergisst immerhin, dass er ein DeLaurant ist. Die Rafinesse liegt ihm einfach im Blut", grinste er und strich sich über die Schultern.
Ich lächlte ihm entgegen, dabei blieb mein Blick an dem Bücherschrank hängen, der auf den ersten Blick total langweilig aussah. Langsam stand ich von dem Schreibtischstuhl auf, lief auf das hohe Regal aus edlem Holz zu. Ich musste sogar den Kopf in den Nacken legen, weil es so viele Etagen gab.
Cayden sah fragend auf. "Du hast aber nicht vor, dir die Büchersammlung meines Vater anzusehen, oder? Unten gibt es eine Bibliothek, die definitiv qualitativer Bücher anbietet."
Ich ignorierte seinen Kommentar und strich über die Bücherrücken bis ich bei einem stehen blieb. Alle befanden sich auf derselben Höhe, doch das drittletzte war tiefer eingerückt worden. So, als wäre es erst vor kurzem benutzt worden. Ich zog es raus und schlug den Buchdeckel auf.
"Was steht drin?", fragte Cayden mich neugierig aber ich schüttelte nur den Kopf. "Technische Analyse der Quartalszahlen", murmelte ich und Cayden verzog das Gesicht.
"Siehst du, nur öde Bücher."
Stumm verdrehte ich die Augen und ließ einige Seiten durch meine Blätter gleichen. Vielleicht hatte Cayden recht, vielleicht unterschätzte ich Gregor DeLaurant wirklich etwas. Er hatte viele Gemeinsamkeiten mit meinem Vater und doch waren sie von Grund auf verschieden. Gerade als ich wieder schloss und zurückstellen wollte, raschelte etwas, das vom Buch aus kam. Wir beide hielten inne und warfen uns einen Blick zu. Ich schüttelte das Buch erneut, und tatsächlich prallte etwas leises, dumpfes innerhalb des Buches.
"Der Buchrücken", flüsterte Cayden so leise, dass ich es fast nicht verstanden hätte. Ich versuchte, mit meinen Fingern das Cover zu lösen, dann fiel ein kleiner in Plastik gehülltes Chip auf den Boden. Fassungslos starrte ich ihn an, während ich ihn aufhob.
"Das ist die Karte", hauchte ich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich es tatsächlich schaffen würde, hinter Gregor DeLaurants Grips ankommen zu können. Und doch hielt ich den lebenden Beweis in meinen Händen.
"Machen wir eine Kopie", entgegente Cayden schnell und nahm mir den Chip ab. Er setzte sich an den Rechner, zog einen USB-Stick hervor und fügte eine identische Datei auf diesen. Ich lehnte mit einem stillen Lächeln hinter ihm und beobachtete ihn dabei, wie er die Beweise kopierte, die Gregor DeLaurant hinter Gitter bringen würden. Noch nie hatte ich mich zufriedener gefühlt als in diesem Moment. Ein Gefühl von Triumph durchströmte meine Adern.
"Los, komm", murmelte Cayden und nahm mich an der Hand. Automatisch fühlte ich dieses prickelnde Knistern durch meinen Körper. "Bevor uns noch jemand entdeckt."
Er zog mich durch die Tür in den Gang, nachdem er sicher war, dass niemand anderes uns zusammen sehen würde.
"Ich hätte nicht gedacht, dass es schlussendlich so einfach wird, deinen Vater zu überführen", grinste ich und schmiss mich auf sein Bett. "Weißt du wie befriedigend es sich anfühlt, endlich den Täter in der Hand zu haben?" Ich wartete gar nicht auf Caydens Antwort, sondern redete einfach weiter. "Ich wünschte mein Dad könnte mich jetzt sehen. Er würde mir diesen entschuldigenden Blick zu werfen, während ich ihm mein zufriedenes, siegessicheres Lächeln entgegen halte."
Cayden nahm neben mir Platz und betrachtete den Stick in seinen Händen. Auf einmal fiel mir auf wie bedrückt er aussah, was mich aufhorchen ließ. Still setzte ich mich schräg zu ihm auf.
"Was ist los?", fragte ich in die quälende Stille hinein. Als er den Kopf schüttelte, um mir zu zeigen, dass ihn angeblich nichts auf der Seele lag, wurde ich endgültig hell hörig. "Cayden", flüsterte ich aufmunternd, damit er verstand, dass er sich mir öffnen konnte.
Kurz kreuzte sein Blick meinen, das Grün seiner Augen strahlte nicht wie sonst immer. "Ich ...", begann er und zuckte mit den Schultern. "... Versteh' mich bitte nicht falsch, ich freue mich für dich. Es muss wirklich erlösend sein, den Mörder deines Großcousins gefunden zu haben, aber ..." Ich rutschte entwas näher zu ihm heran. Mit meinen Augen forderte ich ihn leise auf, weiterzusprechen, was er nach einem langen Seufzer auch tat. "Ich habe einfach ... Angst, Fallon", gab er schließlich zu, was mich überraschte. Ich konnte mich an keine Situation erinnern, bei der Cayden DeLaurant Angst verspürte. Und doch sah ich ihn verletzlich vor mir.
"Ich weiß nicht, was ich machen sollte, wenn das hier", er hielt den Stick hoch, "wirklich beweisen kann, dass mein Vater ein kaltblütiger Mörder ist."
Und plötzlich fühlte ich mich hundeelend. Wie konnte ich so egoistisch sein und Caydens Sicht der Dinge vollkommen außen vor lassen? Ich war so damit beschäftigt mich zu freuen, dass mir Caydens Seite nebensächlich erschien. Ich folgte seinem Blick, der auf dem unscheinbaren USB-Stick gerichtet war. Trotzallem wusste ich nicht, was ich hätte zu ihm sagen können. Vielleicht zeigten die Bilder wirklich, wie sein Vater meinen Großcousin umbrachte, vielleicht bildete es ganz andere Gräueltaten von Gregor DeLaurant ab - ganz egal, was darauf zu sehen war, es würde Caydens Sichtweise zu seinem Vater möglicherweise komplett verändern. Wie konnte ich ihn also mit Lügen aufmuntern, wenn wir beide wussten, was die Wahrheit war?
Ich sah wieder hoch in Caydens Gesicht, der immer noch wie gebannt in der angespannten Position saß. Leise atmete ich aus und tat das, was ich noch nie bei ihm gemacht hatte: ich zog ihn in eine feste Umarmumg. Es war gerade nebensächlich, dass wir ein kompliziertes Verhältnis zueinander hatten, oder dass unsere Familien sich bis auf das Mark hassten. Ich wollte einfach nur für ihn da sein. Wie eine echte Freundin. Und diesesmal aufrichtig.
Cayden schien zuerst überrascht, doch er ließ sich auf die Zärtlichkeit ein. Eigentlich war er derjenige, der mich noch enger an sich drückte, so als würde er versuchen, seine Bedenken ablegen zu können. Sein Geruch umhüllte mich, der wie eine Droge war. Berauschend und beängstigend zugleich. Etwas, dass nur er bei mir auslösen konnte. Die Stille um uns herum ließ den Moment noch intimer erscheinen als er schon war. Ich hatte gedacht, dass die Nacht seines Geburtstags Vertrautheit und Zuneigung zwischen uns aufleben ließ, doch da war ich mir nicht mehr so sicher. Es war anders als sonst. Cayden hatte sich mir irgendwie weiter geöffnet, und das obwohl es ihm wahnsinnig schwer fiel. Und es bedeutete mir unheimlich viel.
Vorsichtig lockerte ich meinen Griff und sah ihn wieder an. Seine Stirn lehnte er gegen meine und atmete tief aus. Ich schloss, genauso wie er, die Augen und fokusierte mich nur auf den Moment. Mein Herz schlug plötzlich unglaublich stark gegen meine Rippen.
"Danke", flüsterte er in die Stille hinein, wobei sein heißer Atem meine Lippen kitzelte. Unweigerlich sah ich ihn wieder an, meine Hand legte sich um seine zarte Wange, während mein Daumen leicht über seine weiche Haut fuhr. Cayden rutschte noch ein Stück näher zu mir, falls das irgendwie möglich war. In seinen Augen sah ich, wie gerne er sich weiter vorgelehnt hätte, wie gerne er entgültig den Abstand verringert hätte.
Und ich gewährte ich schließlich seine Bitte, indem mein Mund seine Lippen federleicht streiften. Ich war mir in dem Augenblick noch nicht einmal sicher, ob wir uns wirklich geküsst hatten, doch es fühlte sich so intensiv an, dass mein Kopf sich drehte. Caydens Hände umschlossen mein Gesicht fester und schoben es erneut nahe an seinen wundervollen Mund. Ich wusste nicht, wie er das machte, aber ich verlor mich jedesmal auf's Neue in seiner Gegenwart.
Vorsichtig drückte ich meine Lippen erneut gegen seine, was Caydens sofort erwiederte. Ich glaubte sogar, dass er ohne Worte nach mehr verlangte. Sein Hände wanderten von meinem Gesicht über meinen Rücken zu meiner Taille. Unerwarteterweise legte er mich auf sein Bett nieder und lehnte über mir. Auch ich konnte nicht mehr brav meine Arme da lassen, wo sie waren und fuhr mit meinen Händen über seine starken Schulter.
Als seine Finger vorsichtig unter mein Oberteil glitten, entließ ich ein unkontrolliertes leises Keuchen. Mein Körper reagierte so heftig auf diese kleine Berührung, dass mein Kopf komplett aussetzte. Mir stieg die Röte ins Gesicht, weil mir meine unbeherrschte Reaktion total unangemessen vorkam, doch Cayden schien es zu gefallen. Er kommentierte das alles nur mit einem weiteren langen Kuss, der mich wieder vergessen ließ.
Seine Hand wanderte weiter über mein Haut, was mir erneut unbedachte Äußerungen entlockte. Ich konnte nicht anders, als dasselbe bei ihm zu probieren - auch weil ich ihn noch weiter berühren wollte. Als meine Finger langsam sein Shirt hoch schoben, schmunzelte Cayden und tat es mir gleich. Seine warme Haut strahlte eine gewisse Hitze aus, die mich erschaudern ließ. Ich konnte jede einzelne Narbe und jeden einzelnen Muskel erfühlen, es war dermaßen intensiv, dass ich irgendwie nach mehr verlangen wollte.
Caydens Hand strich sanft über mein Dekolltee über meinen mittlerweile freien Bauch und hielt an der Stichstelle, die ich mir vor ein paar Wochen zugezogen hatte. Kurz hielt ich inne, um ihn zu beobachten. Ich überlegte, ob er es vielleicht als abstoßend empfinden könnte, wenn meine Haut nicht fehlerfrei und narbenlos war. Sein anderen Liebhaberinnen waren sicherlich nicht so zugerichtet wie ich.
Caydens Mund formte sich zu einem leichten Lächeln. Er zog sich sein Shirt über den Kopf aus, nahm meine Hand und legte sie auf eine seiner Narben nahe der dritten Rippe. Es war nicht sein durchtrainierter Körper, der mich ansprach - wobei ich davon auch nicht abgeneigt war -, viel mehr teilte er mit mir seine kleinen Makel, die ihn ausmachten. Jeder konnte seinen perfekten Körper vor einem anderen präsentieren, aber nur die wenigstens zeigte ihre persönlichen Fehler.
Still sah er mir dabei zu, wie ich mir seine Narben ansah. Ich konnte kaum meine Augen von ihnen lassen, weil er der erste war, der genauso aussah wie ich.
"Sie sind ...", ich suchte nach den passenden Wörtern, während Caydens Blick mich nicht losließ. "... wunderschön." Das waren sie wirklich. Sie formten Caydens Charakter so wie er jetzt war.
"Es kommt nicht oft vor, ...", kurz senkte er den Blick. "..., dass ich sie jemandem zeige."
Meine Augen suchten nach seinem. "Aber ich dachte, ...", begann ich irritiert nachzufragen, doch stoppte. Ich wusste nicht, ob es ihm zu persönlich war, über das alles zu sprechen. Außerdem war ich nicht sonderlich scharf darauf, von seinen Geliebten vor mir zu hören.
"Glaub' nicht immer das, was du hörst, Fallon", rollte er lächelnd mit den Augen. "Bei den meisten Frauen war nach dem Rummachen Schluss. Die wenigen Übrigen, mit denen ich ... geschlafen hatte, haben es ignoriert. Aber ich konnte es in ihren Gesichtern sehen."
Ich wusste, was Cayden meinte. Sicherlich hatte ich nicht so viele Erfahrungen wie er sie gemacht hatte, allerdings musste auch ich die ein oder andere Erkenntnis daraus ziehen. Es war nicht wirklich schön, wenn dich jemand in einem intimen Moment nicht ansehen will. Ich nickte verständnisvoll.
"Sie wenden die Augen ab." Cayden schien sichtlich davon überrascht, dass ich diese Situation kannte. Ich verdrehte lächelnd die Augen. "Hör auf mich so fassungslos anzusehen!"
Er schmunzelte, wurde dann aber wieder ernst. "Du weißt, dass du dich nicht für sie schämen musst, oder?"
"Dasselbe könnte ich dir sagen", entgegnete ich mit hochgezogener Augenbraue. Lächelnd strich er sanft meine Arme entlang.
Ich wusste, dass Cayden anders war, als die anderen Männer, die ich in meinem Leben getroffen hatte, doch ich wurde das Gefühl nicht los, dass genau das das Richtige war.
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Forbidden love
عاطفيةIhre Liebe ist verboten. So sind die unausgesprochenen Regeln. Das Leben und der Umgang zwischen den DeLaurants und den Cunninghams ist zwar friedlich, doch eigentlich sind sie bis ins Tiefste seit Jahrzehnten verfeindet. Cayden und Fallon, die Kind...
