Kapitel 15

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Harrys Sicht

Louis und Niall flüsterte wie kleine Kinder miteinander, was mich grinsen ließ. Allerdings würde ich lügen, wenn ich sagen würde, dass es mich nicht interessierte, was die beiden besprachen.

Kopfschüttelnd wandte ich mich meinem Tee zu und ließ etwas nachdenklich den Teebeutel durch das dampfende Wasser schwimmen. Ich hatte mich schon lange nicht mehr so wie heute gefühlt. Louis zu sehen, wie er von seinen Eltern verschmäht wurde, nur weil er auf Männer stand, hatte mich in lähmende Hilflosigkeit versetzt.

Mein Outing bei meiner Mutter war schon über zehn Jahre her und um einiges positiver ausgefallen als das von Louis. Außerdem hatte ich das große Glück in einem privaten und beruflichen Umfeld zu leben, in dem Homosexualität als normal galt.

Klar hatte auch ich schon mit Anfeindungen zu tun gehabt, aber die kamen von fremden Menschen und waren somit völlig unwichtig für mich.

Um so erschreckender fand ich das, was ich heute miterleben musste. Wie konnte die Sexualität von seinem eigenen Kind ein Grund sein es vor die Tür zu setzen?

Plötzlich spürte ich Louis Blick auf mir und wie von selbst hob ich meinen Kopf und lächelte Louis an. Dieser lächelte zurück und widmete sich dann wieder Niall.

Ich mochte den kleinen. Das konnte ich wohl nicht abstreiten. Auf keiner romantischen Art und Weise, aber er war klug, schlagfertig und hatte einen starken Willen, was ich ihm hoch anrechnete und außerdem sah er gut aus. Viel zu gut.

Und weil ich ihn mochte, wollte ich auch nicht, dass es ihm schlecht ging und so war ich um so glücklicher gewesen, als sein bester Freund hier aufgetaucht war. Vielleicht schaffte er es, dass Louis nicht mehr so bemitleidenswert reinschaute.

Denn wenn ich mir eine Schwäche eingestehen musste, dann war das die, dass ich wirklich nicht gut trösten konnte.

Plötzlich klingelte es erneut an meiner Haustür. Verwirrt schaute ich zu Louis und Niall herüber. Hatte er noch mehr beste Freunde, die ihn trösten wollten? Dann konnte ich vielleicht wirklich bald einen Jugendtreff eröffnen.

Doch zu meiner Überraschung schrie Niall: „Das sind bestimmt Zayn und Liam!"

Verwirrt ging ich zu Tür. Woher kannte Niall denn die beiden und warum wusste er, dass sie hier her kommen würden?

Und tatsächlich, wenig später standen die beiden vor meiner Wohnungstür, nachdem ich den Summer betätigt hatte. In ihren Händen hielten sie fünf große Milchshakes mit bunten Streuseln und erst da begriff ich, dass ich unser Sonntagsdate heute Nachmittag völlig vergessen hätte. Das war mir noch nie passiert.

„Hey Harry.", begrüßten mich die beiden und umarmten mich, so gut dies mit den Milchshakes in ihren Händen ging.

„Magst du kurz deine Wohnungstür schließen damit wir in Ruhe miteinander reden können? Deiner Wohnung fehlt es da ja ein bisschen an Türen.", fragte mich Liam und seine besorgte Stimme ließ mich aufhorchen. Sie wussten also was heute mit Louis abgelaufen war. Niall musste es ihnen erzählt haben, auch wenn ich die Verbindung zwischen den drei nicht ganz verstand.

„Was machen wir mit Louis?", kam Liam sofort zur Sache, sobald ich die Tür hinter mir geschlossen hatte.

„Wie? Was sollen wir mit ihm machen?", fragte ich etwas dümmlich nach.

Zayn verdrehte die Augen: „Na, wo soll er schlafen?"

Ich begriff immer noch nicht ganz wodrauf die beiden hinaus wollten. „Ich dachte er würde ab jetzt bei Niall schlafen. Immerhin ist er sein bester Freund.", sprach ich das für mich offensichtliche aus.

„Das geht nicht. Seine Eltern sind genauso drauf wie die von Louis. Sie werden es nicht erlauben, dass Louis bei ihnen schläft.", erklärte mir Zayn die Situation, woraufhin ich meine Stirn runzelte. Wie konnte es denn bitte mehrere solcher Elternexemplare geben?

Ich blickte die beiden Männer vor mir an, die so aussahen, als verlangten sie von mir, dass ich noch etwas sagen würde. Und dann dämmert es mir.

„Ihr wollt, dass ich Louis bei mir aufnehme, oder?", fragte ich die beiden und dabei machte ich mit meiner Stimmlage mehr als deutlich, was ich von dieser Idee hielt.

Klar ich mochte Louis und ich wollte, dass er wieder glücklich war, aber meine Wohnung war definitiv nur für eine Person ausgelegt und meine nächtliche Lieblingsaktivitäten vertrugen sich nun einmal mit keinem Mitbewohner, der noch nicht einmal in ein anderes Zimmer gehen konnte.

„Siehst du, ich habe doch gesagt, dass du Niall keine Hoffnung machen sollst, dass Louis bestimmt bei Harry schlafen kann. War doch klar, dass Harry dafür zu egoistisch ist.", zischte Zayn nun Liam an, woraufhin dieser mich enttäuscht ansah. Und das konnte Liam verdammt gut.

„Louis kann doch bei euch schlafen, wenn euch das so wichtig ist. Ihr habt doch eh noch ein freies Zimmer.", verteidigte ich mein Verhalten und schlagartig kehrte Stille ein.

Zayn und Liam tauschten komische Blicke miteinander aus und in mir breitet sich da ungute Gefühl aus, dass ich irgendwas großes nicht mitbekommen hatte.

Plötzlich warf Zayn ergeben seine Arme in die Luft und meinte zu Liam: „Ja, dann sag es ihm halt."

Liam blickte mich daraufhin eindringlich an: „Wir wollten eigentlich erst jemanden davon erzählen, wenn alles fest steht, also werd nicht sauer, dass wir noch nichts gesagt haben. Zayn und ich möchten ein Kind adoptieren und in den nächsten Tagen wird unangekündigt jemand vorbei kommen, um unsere Wohnverhältnisse zu überprüfen, da können wir keinen siebzehnjährigen Jungen bei uns zu Hause gebrauchen."

„Ihr wollt was?", kam es etwas zu barsch aus meinen Mund und als ich erneut Liams enttäuschten Blick sah, hasste ich mich sofort für meine Reaktion. Augenblicklich setzte ich ein Lächeln auf und zog die beiden in eine große Gruppenumarmung.

„Ich freue mich für euch.", sprach ich das aus, was meine ersten Worte hätten sein sollen. Doch innerlich spürte ich eine riesen Abneigung. Das würde alles verändern. Vorbei wären die Zeiten, in denen wir uns die Nächte im Luckys um die Ohren hauen würden. Die beiden hätten dann ein ganz anderes Leben. Würden wir es überhaupt schaffen, Freunde zu bleiben? Denn eins stand fest, was die beiden sich da gerade aufbauten, war so weit von dem entfernt, was ich für mein Leben wollte, wie nur irgendwie möglich.

Wenig später lösten wir uns voneinander und was ich als Nächstes sagte, konnte ich nur auf den Schock zurückführen, der immer noch meine Gedanken dominierte: „Okay. Louis kann erstmal bei mir bleiben, aber das wird keine Dauerlösung. Immerhin wird er ja wohl noch andere Freunde und Verwandte haben, bei denen er bleiben kann."

Liam und Zayn nickten. Sie schienen mit meiner Antwort zufrieden zu sein. „Du hast ja doch ein Herz.", kommentierte Zayn noch meine Antwort, bevor die beiden in meiner Wohnung verschwanden, wohl mit der Intention mir keine Möglichkeit mehr zu lassen, meine Meinung zu ändern.

Etwas genervt stöhnte ich auf. Wozu hatte ich da gerade bloß ja gesagt? Doch als ich ebenfalls wieder meine Wohnung betrat und ich Louis da mit seinem Milchshake in der Hand, zwischen meinen besten Freuden und seinem besten Freund, sitzen sah, und er zum ersten Mal seit dem Zusammentreffen mit seinen Eltern wieder vom Herzen aus lachte, da dachte sich ein kleiner Teil von mir, dass es vielleicht gar nicht so schlimm werden würde.

Lucky || Larry Stylinson Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt