Kapitel 38

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Fast genauso nervös wie beim ersten Mal, ergriff ich nun den Türknauf und begab mich ins Innere des Clubs. Meine Nervosität ruhte, anders als vor ein paar Wochen, nicht daher, dass ich wegen meines falschen Ausweises erwischt werden könnte, sondern bei der Angst, wieder eine Absage zu bekommen.

Wer hätte auch ahnen können, dass es so schwer war einen Nebenjob zu finden, der nicht diverse Vorerfahrungen  verlangte oder Arbeitszeiten hatte, die mit der Schule vereinbar waren. Und so hatte mich meinen Suche hierhergeführt. Ins Lucky.

Als die Jobanzeige das erste Mal in meinen Browser auftauchte, scrollte ich sofort weiter. Niemals könnte ich mich an dem Ort bewerben, an dem Harry sich fast jedes Wochenende aufhielt. Doch als die Absagen sich häuften und Zoeys Eltern immer mehr durchblicken ließen, dass sie mich zwar sehr gerne bei sich hatten, sie aber doch wissen wollten, wann das provisorisch umgebaute Büro, in dem ich seit drei Wochen schlief, wieder ihnen gehören würde, suchte ich ganz gezielt nach der Werbeanzeige vom Lucky. Und als ob das Schicksal es wollte, dass ich mich dort bewarb, war die Stelle hinter der Theke immer noch nicht besetzt.

Ich wusste zwar, dass es mich umbringen würde, Harry nach fast einem Monat wiederzusehen, aber die Arbeitszeiten, die auf das Wochenende beschränkt waren, und die Tatsache, dass ich dringend Geld für eine eigene Wohnung brauchte, ließen mich glauben, dass ich stark genug sein würde, um diese Tortur zu überstehen.

Als ich das Innere des Clubs betrat, wurde ich gleich von einem gut aussehenden Mann begrüßt: „Du musst bestimmt Louis sein. Ich heiße Mike. Willst du gleich mit an die Theke kommen, dann können wir ein bisschen reden?"

Ich ergriff die ausgestreckte Hand von Mike und sagte: „Freut mich dich kennenzulernen und gerne. Ich folge dir einfach." Mike lächelte mich an und ging voraus. Leicht nervös rieb ich meine Hände aneinander und ging ihm nach. Meine Gefühlschaos in mir, war viel schlimmer als ich erwartet hatte und ich wusste, dass Jack seinen Teil dazu beigetragen hatte. Ihm hatte es nämlich gar nicht gefallen, dass ich mich hier bewerben wollte.

Zwischen uns lief es zwar unglaublich gut. Wir dateteten uns nun ganz offiziell, er brachte mich zum Lachen und irgendwie machte es mich stolz zu sehen, dass er seiner Sexualität gegenüber immer offener wurde. Doch trotzdem spürte er, dass ich noch Gefühle für Harry hatte und dort zu arbeiten, wo ich Harry oft sehen würde, stieß nicht auf Jacks Wohlwollen.

„Setzt dich", sagte Mike und holte mich so aus meinen Gedanken. Etwas unbeholfen nahm ich auf den Barhocker Platz auf den Mike gezeigt hatte. „Also Louis, warum glaubst du, bist du der richtige für diesen Job. Hast du Erfahrungen als Barkeeper? Erzähl einfach mal ein bisschen von dir", stieg Mike gleich in das Bewerbungsgespräch ein.

Kurz stieg Panik in mir auf und ich überlegte zu lügen, weil Erfahrungen als Barkeeper konnte ich bei aller Liebe nicht aufweisen. Doch dann atmete ich einmal laut auf und begann zu erzählen. Von der Situation in der ich steckte, dass ich von meinen Eltern rausgeworfen wurde und dass ich das Geld für eine eigene Wohnung brauchte. Und als ich gerade meine Jacke nehmen, mich entschuldigen und gehen wollte, weil ich viel zu viel von mir preis gegeben hatte und mich so niemand einstellen würde, packte mich Mike an meinem Arm und hielt mich davon ab, zu verschwinden.

Mein Blick heftete sich verwirrt auf Mike, woraufhin er anfing zu reden: „Das Lucky ist ein Ort, an dem sich jeder willkommen fühlen soll, ganz unabhängig davon, wen die Person liebt. Es tut mir leid, dass du in deinem Leben nicht viele Orte hast, bei dem dies der Fall ist, weshalb ich mich freuen würde, wenn deine Arbeit einen neuen Ort bildet, bei dem dies der Fall ist." Immer noch verwirrt sah ich Mike an. „Ich habe den Job?", bringe ich erstaunt heraus.

Mike fing an freudig zu nicken. „Ich hoffe ich bereue es nicht, einen völlig unerfahrenen Barkeeper einzustellen, denn gerade am Wochenende kann es hier sehr voll werden", setzte er dann ernst hinterher. „Ich werde dich nicht enttäuschen", versicherte ich ihm und schaffte es nicht mir mein überglückliches Lächeln zu verkneifen.

Und so versuchte ich die nächste Stunde, in der Mike mich in alle wichtigen Abläufe einweihte, so gut wie möglich aufzupassen. Ich würde diese Chance nämlich nicht versauen. Ich würde es schaffen, die Schule und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Ich würde eine eigene Wohnung finden, meine Schule abschließen und hier wegziehen. Weit weg von meinen Eltern, meinen Problemen und von Harry. Ich würde neu anfangen und so leben wie ich es wollte.

Erst als ich den Club verließ fiel mir auf, dass ich bei meinen Überlegungen nicht Jack mit einbezogen hatte. Dass dies nicht dafür sprach, dass ich mir einen gemeinsame Zukunft mit ihm vorstellen konnte, tat ich mit einem Kopfschütteln ab. In der letzten Zeit war alles einfach viel zu viel, dass einfach kein Platz mehr vorhanden zu sein schien, darüber weiter nachzudenken.

Lucky || Larry Stylinson Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt