Kapitel 14

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„Ich verstehe nicht woher sie es wissen. Ich meine klar, meine Eltern sind gut in die Gemeinde eingegliedert, aber die meisten ihrer Freunde haben Kinder die deutlich jünger sind als ich. Und als ob es sich schon bis zur Unterstufe durchgesprochen hat, dass ich schwul bin. Und wenn sie heute morgen genug Zeit hatten meine Sachen zu packen, waren sie bestimmt nicht in der Kirche, in der es ihnen jemand hätte erzählen können. Es muss jemand zu ihnen gegangen sein und es ihnen erzählt haben. Aber wer?", redete ich vor mich hin und lief immer wieder in Harrys Wohnzimmer hoch und runter. Mittlerweile war meine Trauer wieder in Wut umgeschlagen, die so stark durch meinen Körper herrschte, dass ich irgendeine Möglichkeit finden musste, um sie los zu werden und die beste Möglichkeit schien zu sein, einen Schuldigen für das alles hier zu finden.

„Louis, ist es nicht völlig egal wer es deinen Eltern erzählt hat? Früher oder später wäre es doch eh rausgekommen."

Ich blieb stehen und schaute Harry an, der auf dem Sofa saß, auf dem wir gestern noch Sex gehabt hatten. Ich wusste, dass er recht hatte, aber mit der Wut in mir, konnte ich diese Einsicht nicht nach außen tragen.

„Eigentlich bist du Schuld. Warum hast du mich auch vor der ganzen Schule geküsst?", funkelte ich ihn böse an und hoffte irgendwie darauf, dass er auf mein Provokation eingehen würde, denn in einem Streit konnte ich meiner Wut freien Lauf lassen.

Doch Harry tat nichts der gleich. Stattdessen klopfte er mit einer Hand auf den Platz neben sich und signalisierte mir damit, dass ich mich zu ihm Gesellen sollte.

Erst wollte ich der Aufforderung widersprechen, doch die Aussicht sich an Harry kuscheln zu können, gewann dann doch den Kampf in mir.

Und so setzte ich mich zu Harry, der auch sofort seinen Arm um mich legte. „Louis. Mit dir ist nichts falsch und dass dir deine Eltern dieses Gefühl geben, tut mir in der Seele weh. Ich kann verstehen, dass du wütend bist und du die Situation verabscheust in der du dich jetzt befindest, aber es bringt dir überhaupt nichts, nach einem Schuldigen zu suchen. Letztendlich kannst du die Zeit nicht zurück drehen und dir bleibt nichts anderes übrig, als das beste aus der Situation zu machen. Denn eins darfst du homophoben Menschen niemals geben: Die Macht dein Leben kaputt zu machen", versuchte Harry mich aufzubauen.

„Aber diese homophoben Menschen sind meine Eltern. Harry, ich habe meine Eltern verloren", stieß ich hervor und hätte am liebsten wieder angefangen zu weinen, aber irgendwas an Harrys Worten war dann doch an mir hängen geblieben. Ich würde keine Träne mehr wegen den beiden vergießen.

Harry sagte daraufhin nichts mehr. Er wusste wohl auch, dass es noch einmal einen Unterschied machte, wer genau sich einem gegenüber homophob verhielt. Stattdessen fing er an meinen Arm zu streicheln und das beruhigte mich in dem Moment wohl mehr, als tausend Wörter.

Ein klingeln an Harrys Wohnungstür ließ uns wenig später auseinander fahren. „Ich guck mal eben wer da stört", sagte Harry und gab mir zu meiner Überraschung einen Kuss auf die Stirn, bevor er aufstand und den Summer betätigte, der die unterer Haustür zu öffnen schien.

Ich musste wohl wirklich fertig aussehen, wenn Harry sich zu so untypischen Verhaltensweisen hinreißen ließ.

Als Harry seine Wohnungstür öffnete, erkannte ich sofort Nialls Stimme, der sich bei Harry als meinen besten Freund vorstellte.

Ich setzte mich aufrecht hin und keine Sekunde später kam Niall schon auf mich zu gerannt und nahm mich in den Arm.

Völlig überrumpelt erwiderte ich die Umarmung. „Was machst du den hier?", fragte ich Niall, weil ich mir beim besten Willen nicht zusammenreimen konnte, woher er wusste, wo ich war und wo Harry wohnte.

Niall löste unsere Umarmung und sah mich kurz überprüfend an. Sein ganzes Verhalten spiegelte die Tatsache wider, dass er wusste, dass ich zu Hause raus geflogen war, um so gespannter war ich, was alles passiert war.

„Als du mich gestern mit Liam und Zayn alleine gelassen hast, um ..." Niall drehte sich kurz zu Harry um, der mittlerweile in der Küche stand und uns etwas zu trinken fertig machte, dann redete er leise weiter: „Naja du weißt schon."

Ich nickte und signalisierte ihm damit weiter zu sprechen. „Da habe ich den Abend mit den beiden verbracht und die sind für ihr Alter ja echt gut drauf. Auf jeden Fall habe ich wohl viel zu viel getrunken und deswegen konnten ich den beiden nicht mehr ganz erzählen, wo ich wohne. Also haben sie mich über Nacht bei sich aufgenommen und ich habe bei ihnen auf dem Sofa geschlafen."

Ich zog skeptisch meine Augenbrauen hoch. Wie konnte es dazu kommen? Immerhin hatte Niall sich gestern überhaupt nicht wohl im Club gefühlt und dass Liam und Zayn echt klasse waren und man gut mit ihnen feiern konnte, wusste ich selber, trotzdem passte es überhaupt nicht zu Niall. Er trank nie zu viel.

„Jaja. Ich weiß auch nicht was da gestern in mich gefahren ist", interpretierte er meinen Blick richtig. „Aber jetzt lass mich weiter reden. Die beiden haben mich heute Mittag zu dir gebracht, weil ich alles wissen wollte, was gestern bei dir passiert ist, aber mir hat nur deine Mutter die Tür geöffnet, die mir unter Tränen gesagt hat, dass du mit dem Mann mitgegangen bist, der dich von Gott entfernt hat und du, so lange du den falschen Weg gehst, bei ihnen nicht mehr willkommen bist."

„Das bin dann wohl ich", unterbrach Harry Niall und stellte zwei Tassen Tee auf den Wohnzimmertisch. „Das ist nicht meine Meinung", rechtfertigte Niall sich sofort, woraufhin Harry lachte.

„Ich weiß. Alles gut. Ich hoffe ihr mögt Früchtetee?", antwortete Harry ihm und wendete sich am Ende seines Satz an uns beide. Niall und ich nickten und ich fügte noch ein „Danke" hinzu.

Harry nickte ebenfalls kurz und verschwand dann wieder Richtung Küche, wo sein Tee auf der Theke stand. Er schien uns so viel Freiraum wie es in einer offenen Wohnung möglich war, geben zu wollen.

„Sehe ich so schrecklich aus, dass Harry sich so um mich kümmert?", flüsterte ich Niall zu, bevor er weiter erzählen konnte. „Ja", gab er daraufhin eine klare Antwort von sich.

„Pff", machte ich, fing dann aber an zu lachen. „Man sieht, dass du geweint hast und dann siehst du immer so aus, als müsste man dich in den Arm nehmen und so lange umarmen, bis es dir besser geht", erklärte mir Niall seine Antwort, woraufhin mein Blick kurz zu Harry huschte, der mich sofort anlächelte, als er meinen Blick auf sich bemerkte. Ich musste wirklich schlimm aussehen.

„Und wie bist du jetzt hier hin gekommen?", fragte ich Niall, um nicht mehr über mein Aussehen reden zu müssen.

„Liam und Zayn wollten warten, ob du wirklich zu Hause bist und ich bei dir rein komme. Und als ich dann wieder zu ihrem Auto zurückgegangen bin und ihnen alles erzählt habe, haben sie mich sofort hier hin gebracht. Sie wollten noch etwas holen, was laut ihnen jetzt genau das richtige wäre, und dann nachkommen."

Verwirrt blickte ich Niall an, doch ich konnte nicht mehr beteuern, dass es wirklich nicht nötig war, dass alle hier her kamen, um mich aufzubauen, denn in diesem Moment klingelten es erneute an Harrys Haustür.

Lucky || Larry Stylinson Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt