Harrys Sicht
Etwas genervt klappte ich meinen Laptop zu. Es fiel mir die letzten Tage erstaunlich schwer mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, weshalb ich heute entschlossen hatte von zu Hause aus zu arbeiten. Vielleicht tat mir die heimischere Umgebung ja gut. Das hatte ich zumindest gehofft. Die Realität sah anders aus. Ich war immer noch unkonzentriert und schaffte es kaum meine Gedanken auf den Vertrag vor mir zu fokussieren, denn sie schweiften ab. Immerzu schweiften sie ab. Zu ihm. Und das machte mich wahnsinnig.
Es sollte mir egal. Er sollte mir egal sein. Es war ja nicht so, dass ich diese Beziehung gewollt hätte. Das einzige was ich gewollte hatte war, dass Louis sich ausprobiert und für sich entscheidet, was er in seinem Leben wollte, ganz unabhängig von jeglichen gesellschaftlichen und familiären Einflüssen. Und genau das hatte er schließlich getan. Auch wenn seine Wahl auf Jack und eine monogame Beziehung gefallen war.
Meine Hand ballte sich zur Faust als ich daran dachte, wie Jack hier im Wohnzimmer gesessen hatte und das Wort „Schwuchtel" benutzt hatte. Und wie er es kaum geschafft hatte Liam, Zayn und mir in die Augen zu schauen. So etwas wollte Louis? Das machte ihn glücklich?
Ich hob meine Faust und knallte sie auf den Tisch. Ich versuchte mir einzureden, dass diese Wut in mir darauf beruhte, dass ich Louis aufgenommen hatte, als seine Eltern sich abgewendet und er niemanden hatte, zu dem er gehen konnte und dass ich mich auf diese verdammte Beziehung mit ihm eingelassen hatte, nur um als Dank hintergangen zu werden.
Und vor allem schrieb ich meiner Wut der Tatsache zu, dass ich mich nicht an meinen eigenen Schwur gehalten hatte, den ich mir schon vor langer Zeit gegeben hatte: Nie eine Beziehung zu führen, weil dies doch nur auf Verletzungen hinauslaufen konnte. Genau wie dies bei meiner Mutter der Fall gewesen war. Sie hatte sich oft auf dieses von Menschen erschaffene Konstrukt eingelassen und was hatte sie nun davon? Sie war eine gebrochene Frau, kaum mehr in der Lage ihr eigenes Leben zu bewältigen.
Wie hatte es Louis nur geschafft, dass ich dies außer acht lassen konnte? Ein Klingeln riss mich aus meinen Gedanken und etwas missmutig trat ich zu Tür, schon halb erwarten, dass ich mich nun entweder Liam oder Zayn gegenüber rechtfertigen müsste, warum ich am Sonntag unser Milchshakedate abgesagt und mich seitdem nicht mehr gemeldet hatte, doch zu meinem Leid kam es viel schlimmer.
Jack stand vor mir uns meine Wut wurde schlagartig größer. „Was willst du hier?", zischte ich ihn an, nur um mich daraufhin selbst zu ermahnen. Immerhin war ich gute 10 Jahre älter als der Junge vor mir und so sollte ich mich wohl auch verhalten.
„Ich ... ich dachte nicht, dass du ehm sie hier wären", stotterte Jack. Ich überhörte die Tatsache, dass Jack mich gerade ernsthaft gesiezt hatte und antwortete stattdessen genervt: „Warum sollte ich denn nicht hier sein? Immerhin wohne ich hier."
„Ich dachte sie wären arbeiten und ich hatte gehofft mit Louis reden zu können", gestand er mir. Ich ballte meine Hand erneut zu Faust. Was dachte er eigentlich wer er war?
„Louis wohnt nicht mehr hier. Ich habe ihn seit Samstag nicht mehr gesehen. Genauer gesagt seit Sonntag morgen. Ungefähr 3 Uhr. Nachdem ihr miteinander gefickt habt und du ihn hier abgesetzt hast", presste ich die Worte heraus. Sich erwachsen zu verhalten, hatte damit super geklappt.
Jack wurde bleich. „Er hat dir von uns erzählt?", fragte Jack, wohl vergessend, dass er mich zuvor gesiezt hatte.
„Ja, ich weiß dass du eine genauso große Schwuchtel bist wie ich oder wie hattest du uns das letzte Mal genannt, als du hier warst?", ließ ich meiner Wut freien Lauf. Jeglichen Versuch die Situation mit etwas Würde zu verlassen, hatte ich eh schon vertan.
Jack vor mir schien etwas überfordert zu sein, wie er mit der Situation umgehen sollte. Kurz schien er sogar zu überlegen, ob ich ihn eine reinhauen könnte, wenn er weiter sprach, denn er beugte skeptisch meine immer noch geballte Hand, doch dann nahm er all seinen Mut zusammen und richtete erneut sein Wort an mich: „Louis war die ganze Woche noch nicht in der Schule. Niall hat auch nichts von ihm gehört und wenn er jetzt auch nicht hier ist ... so langsam mache ich mir Sorgen. Es sind jetzt immerhin schon drei Tage. Und immer wenn man ihn anruft, geht nur seine Mailbox an und ..."
DU LIEST GERADE
Lucky || Larry Stylinson
FanfictionLouis ist in einer Vorstadt mit immer gleichen Vorgärten, gepflegten Häusern und sonntäglichen Kirchenbesuchen groß geworden. In dieser Stadt gab es drei Dinge, die als unverzeihlich galten. Untreue, wenn man sich von Gott abwendete und Homosexualit...
