Kapitel 21

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Schon als ich am Montag die Schule betrat, spürte ich alle Blicke auf mir. Man müsste meinen, dass ich mich langsam daran gewöhnt hatte, aber in der Frequenz mit der ich heute begutachtet wurde, wuchs das ungute Gefühl in mir mit jedem Schritt.

Dabei hatte Harry mir heute morgen mehr als einmal versichert, dass ich gut aussah. Ich hatte mir aus seinem Schrank eine Art Blusenhemd gestohlen und da es mir ein bisschen zu groß war, hatte ich es mir in die Hose gesteckt. Ich hatte mich im Spiegel angeschaut und mich als schön empfunden, doch all die Blicke machten dieses Gefühl kaputt.

Ich versuchte selbstbewusst hochzublicken und jeden skeptischen Blick der anderen mit einem Lächeln zu entgegnen. Die meisten guckten daraufhin weg. Alle bis auf Jack.

Dieser kam nachdem ich Augenkontakt mit ihm aufgebaute hatte, direkt auf mich zu und blieb vor mir stehen. „Deine Eltern müssen so enttäuscht von dir sein. Wer will schon eine Schwuchtel als Sohn haben.", zischte er mir direkt in mein Gesicht.

Im Nachhinein weiß ich nicht mehr, ob die erneute Beleidigung das Fass zum Überlaufen gebracht hatte oder ob es die Erwähnung meiner Eltern war. Auf jeden Fall hatten Jacks Worte zur Folge, dass ich mir  mir den Arm von ihm griff und ihn in die nächste Schultoilette zu ziehen.

„Tomlinson spinnst du jetzt völlig!", protestierte Jack, als er hinter mir her stolperte, weil er es nicht schaffte, sich aus meinen Griff zu befreien. 

„Nein, ich spinne nicht.", antworte ich ihm in einer möglichst ruhigen Tonlage, als ich die Toilettentür hinter mich schloss und mich vor ihr stellte, sodass keiner rein und Jack nicht raus konnte.

„Ich habe nur eine echt harte Woche hinter mir, denn ich bin zu Hause rausgeschmissen worden, weil, wie du schon richtig angemerkt hast, meine Eltern keine Schwuchtel in ihrem Haus dulden. Dann diese ganzen Blicke und Sprüche hier in der Schule wegen meiner Sexualität und meinen Klamotten. Und jetzt noch du, dem es am meisten Spaß zu machen scheint, mich fertig zu machen. Es reicht, also bitte sei so großzügig und verkneif dir deine dummen Sprüche, wenn auch nur für heute.", schwang ich eine kleine Rede und ließ all das raus, was sich in den letzten Tagen bei mir angesammelt hatte.

Jack guckte mich undefinierbar an. Schien damit zu kämpfen seine Wut runterzuschlucken, die sich in dem Augenblick aufgebaute hatte, als ich es gewagt hatte, ihn hier her zu ziehe.

Dann fragte er nach: „Du bist zu Hause rausgeworfen worden?" Ich guckte ihn ungläubig an. Zeigte er gerade ernsthaftes Interesse an meinem Leben?

„Ja.", gab ich recht knapp von mir.

„Und wo wohnst du jetzt?", fragte er weiter nach. Am liebsten würde ich ihn anschreien, was ihn das angehen würde, doch ich hielt mich zurück. „Bei ... bei meinem Freund.", sprach ich zum ersten Mal das aus, was Harry nun für mich war.

„Bei dem alten Sack, der dich zur Schule gebracht hat?", kam es von Jack. Jegliche kurz da gewesene Freundlichkeit war aus seiner Stimme verschwunden.

„Er ist kein alter Sack.", verteidigte ich ihn, nicht ganz wissend, was das überhaupt bringen sollte. Jack ging nämlich schon in der nächsten Sekunde bedrohlich auf mich zu und zischte bei mir angekommen: „Du bist selbst Schuld, dass deine Eltern dich rausgeschmissen haben. Selbst wenn du keine Kontrolle darüber hast wen du liebst, hast du immer noch die Wahl, dich für das Richtige zu entscheiden und deinen Gefühlen nicht nachzugehen." Mit diesen Worten schubste er mich leicht zur Seite und verließ die Toilette. Etwas sprachlos schaute ich mir die nun wieder geschlossene Tür an, durch die Jack verschwunden war.

Irgendetwas an seiner Stimme und seinen Worten war komisch gewesen. Es klang fast so, als würde er wissen wovon er da sprach, aber das konnte doch nicht sein, oder?

Jack und Schwul? Der Jack der am lautesten war, wenn es darum ging mich fertig zu machen? Konnte das möglich sein?

Immer noch verwirrt verließ ich die Toilette auf die nun leeren Gänge und machte mich mit schnellen Schritten auf den Weg zum Matheunterricht.

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Als ich nach dem Unterricht die Schule verließ, erblickte ich zu meiner Überraschung das Auto von Harry. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht ging ich auf das Auto zu. Als Harry mich ebenfalls erblickte stieg er aus und nahm mich freudestrahlend in den Arm.

„Wer oder was bist du? Und was hast du mit meinem Freund gemacht?", fragte ich ihn lachend in seine Schulter.

„Freund. Daran muss ich mich noch gewöhnen.", antwortete mir Harry und löste sich von mir. „Und auch ich kann mich freuen, falls du das in Frage stellst."

„Und worüber freust du dich so?", harkte ich nach und schaute den immer noch freudestrahlenden Harry vor mir an. „Ich habe es geschafft Tom Watson unter Vertrag zu nehmen.", eröffnete Harry mir den Grund für seine gute Laune.

„Du machst Witze, oder?", fing ich an zu kreischen. „Du hast den wohl gutaussehensten Mann und besten Musiker, mit Millionen von Aufrufen bei YouTube, der offen Schwul ist und sein erlebtest in seinen Texten verarbeitet, unter Vertrag genommen?"

„Ich würde zwar sagen, dass ich besser aussehe, aber ja, wir meinen wohl den gleichen Menschen.", antworte Harry sichtlich belustig von meinem Verhalten.

„Und jetzt holst du mich von der Schule ab um mir zu sagen, dass wir zu ihm fahren?", fragte ich ihn halb neckend und halb hoffend.

Harry verzog leicht sein Gesicht: „Ich hole dich nicht ab Louis. Ich muss nach London fliegen, um den Vertrag mit ihm zu besprechen und final die Partnerschaft abzuschließen. Mein Koffer habe ich schon im Auto und ich wollte dir nur persönlich Bescheid sagen, dass ich erst übermorgen wiederkommen werde."

Meine aufgekommene Freude schwappte wieder etwas ab und ich schaute leicht grimmig rein. „Jetzt guck nicht so Louis. Das wird öfter Vorkommen, dass ich für die Arbeit kurzfristig weg muss, aber ich verspreche dir, wenn sich eine Möglichkeit ergibt, wirst du Tom irgendwann kennenlernen.", versuchte Harry mich aufzumuntern und nahm mich nochmals in den Arm.

„Ich werde dich daran erinnern.", antworte ich ihn und küsste ihn kurz, als er sich von mir lösen wollte. Harry erwiderte den Kuss und für einen Moment vergaß ich die Welt um mich herum. Ich schaffte es nur noch, mich auf das Kribbeln zu konzentrieren, welches meinen ganzen Körper erfasst. Erst als wir uns schwer atmend voneinander lösten, landete ich wieder im hier uns jetzt.

„Wir sehen uns übermorgen.", sagte Harry und drehte sich zu seinem Auto um.

„Schlaf nicht mit all zu vielen Männern in London.", rief ich ihm noch hinterher, worauf Harry sich noch einmal umdrehte. „Ich hoffe du schläfst mit ganz vielen.", sagte er schelmisch grinsend, stieg in sein Auto ein und fuhr davon.

„Na, hat dein Freund dich versetzt?", erklang die Stimme von Jack hinter mir, woraufhin ich mich genervt zu ihm umdrehte.

„Was geht dich das an?", fraget ich ihn, nicht ganz verstecken könnend, wie sehr mich allein seine Anwesenheit zur Weißglut trieb.

Doch Jack ging gar nicht auf mich ein, stattdessen spuckte er mir schon fast entgegen: „Es war ja so klar, dass ihr Schwuchteln es nicht schafft, eine richtige Beziehung zu führen und noch mit anderen Männern schlafen müsst."

Die Wut in mir wurde größer und mich an den heutigen Morgen erinnernd warf ich Jack an den Kopf: „Wenigstens habe ich guten Sex. Du hingegen musst dich wahrscheinlich jedes Mal anstrengen, damit du bei einer Frau überhaupt einen Hoch bekommst. Stellst du es dir dann dabei vor, wie es dir ein Mann besorgt oder wie funktioniert das?"

Jacks Blick verfinsterte sich ins Unermessliche und augenblicklich hasste ich mich dafür, dass ich mich nicht unter Kontrolle gehabt hatte.

Lucky || Larry Stylinson Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt