5: Eisige Begrüßung

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Die jungen Damen, die mich argwöhnisch betrachteten, hofften alle auf ein besseres Leben und sie glaubten daran, dass sie es hier im Harem fanden

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Die jungen Damen, die mich argwöhnisch betrachteten, hofften alle auf ein besseres Leben und sie glaubten daran, dass sie es hier im Harem fanden. Ich konnte es ihnen nicht verübeln, vor zwei Jahren hatte ich genauso gedacht.

Die meisten von ihnen besaßen bereits ein eigenes Zimmer und ein Gefolge aus talentierten Mädchen, die sie im Alltag begleiteten.

„Hier." Dal zeigte auf eine Zimmerbucht und schob mich vorwärts. „Euer Zimmer." Er beugte sich zu mir herab und seine goldenen Haare kitzelten meine Wange. „Und das Zimmer meines Schutzgottes."

Entgegen der Regeln des Harems nahm er mich auf, ohne die Erlaubnis meiner Eltern eingeholt zu haben. Nun ja, eigentlich hatte er Albio, nicht mir, ein Zimmer erlaubt. Ich seufzte. „Wann werde ich Euren Vater sehen?"

Meine Begegnungen mit Zaafir waren nie erfreulich gewesen. Dals Vater gehörte zu den hoheitsvollsten Menschen, mit denen ich je ein paar Worte gewechselt hatte und er hatte den Haremsdamen immerzu gezeigt, wer in seinen Augen seinen Vorstellungen einer Ehefrau am nächsten kam. Mich zählte er nie zu denen, die er für würdig hielt. Rückblickend gehörte ich wohl zu den Frauen, die er lieber losgeworden wäre und sein Sohn hatte ihm diesen Wunsch schlussendlich erfüllt.

„Wollt Ihr meinen Vater denn kennenlernen?"

„Nicht kennenlernen", korrigierte ich ihn und hob die Vorhänge an, um in mein Zimmer zu gehen. „Sehen."

Er neigte den Kopf und schmunzelte. „Ich werde ihn über Eure Ankunft informieren und euch morgen Mittag vorstellen, wenn es der Dame beliebt?"

„Sehr gerne."

Ich verschwand hinter dem Vorhang und warf meinen müden Körper auf den Kissenhaufen neben dem Bett. Das Treffen mit seinem Vater war eine Ehre, die nicht allen Haremsfrauen zuteilwurde. Ich sollte mich also glücklich schätzen, aber mein Herz raste und der Schweiß klebte auf meiner Haut. Alles in mir sträubte sich dagegen, im Haren zu bleiben und meine Zeit mit Dal zu verbringen, obwohl er überraschend nett zu mir war. Netter vermutlich als Oskari, der Berserker des Südens, an den mich meine Eltern verkaufen wollten.

Das Zimmer bot mir Sicherheit und ich kostete jede Stunde aus, die ich unbehelligt hinter den Wänden und Vorhängen verbringen durfte. Das Frühstück ließ ich ausfallen und holte den Schlaf nach, den mir die Reise nach Mikko genommen hatte.

Anathea.

„Was ist?" Ich rollte mich auf den Rücken und starrte an die Decke. Goldene Schnüre spannten sich von links nach rechts, bildeten ein Netz ohne Zweck. Die Sonne schien oder sie war schon wieder aufgegangen.

Auch wenn ich die Rangordnung im Harem nicht kenne, begreife ich dennoch, dass deine Isolation dir auf Dauer schaden wird.

„Wenn du keine Ahnung vom Harem und seinen Regeln hast, dann behalte deine Ratschläge bitte für dich."

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