23: Riskantes Spiel

49 6 14
                                        

Ich dachte, dass ein Leben ohne Liebe einfacherer werden würde

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.

Ich dachte, dass ein Leben ohne Liebe einfacherer werden würde. Dass ich mein Leben und die Leben der Menschen, die mir wichtig geworden waren, beschützen konnte, wenn ich nur meine Liebe aufgeben würde. Allerdings schützte diese Denkweise mich nicht davor, dass ich anderen Menschen wichtig war. Dass andere mich lieben könnten, wenn auch nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte.

Die Erinnerung an Albios Stimme erweckte ihn in meinen Gedanken zum Leben: Hat das Leben ohne Liebe alles einfacher gemacht?

Nein, denn die Liebe war ein Gefühl und ein Leben ohne Gefühle unmöglich. Ich liebte Suvis Klugheit, ihre Treue und Freundlichkeit. Ich liebte Dals Mut und seine Loyalität. Ich liebte Albios Tadel, seine Vernunft und jeden Tag, den ich mit der Stimme in meinem Kopf verbracht hatte.

Ich liebte Oskaris Sinn für Gerechtigkeit, seinen Eifer und sogar seine Einsicht für Fehler.

Meine Brust zog sich zusammen. Jeder Schluchzer schwemmte Unmengen an Tränen und Trauer aus meinem Körper hinaus. Ich weinte in die staubtrockenen Lumpen, auf denen ich mich zusammengerollt hatte. Albio war tot und Dal bereit, für das Opfer seines Freundes einen erneuten Kampf zu riskieren.

„Wieso müssen diese Männer immer mit ihren Schwertern denken?", nuschelte ich und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Mein Herz wollte auch kämpfen, aber anders. Vernünftig. „Weil sie einander nicht zuhörten."

Meine Feststellung rumorte in meinem Bauch, weckte mich aus der Taubheit und ich schälte mich aus den schweißnassen Decken, in die Suvi mich eingewickelt hatte.

Die Nachtluft streckte mich erbarmungslos nieder. Wie lange hatte ich wohl geschlafen? Mein Magen verlangte nicht nach Nahrung, also konnten es keine Tage, sondern lediglich Stunden gewesen sein. Ich zog mich zurück und schlüpfte in eine Decke, die zumindest die beißende Kälte des Windes abhielt.

Schritte näherten sich meinem der Konstruktion aus Pfählen, Planen und Decken, in die sie mich gesteckt hatten. Dal stoppte in Begleitung von Farhan und weiterer Soldaten in grau vor mir. Sofort kniete er sich zu mir.

„Anathea." Er nahm meine Hand, bevor ich sie ihm entziehen konnte, und seine Finger schlossen sich um meine. „Es tut mir leid, dass du so lange in Gefangenschaft ausharren musstest. Ich habe die Gottheiten angefleht, dich zu beschützen."

„Euer Flehen hat sich ausgezahlt." Ich wollte nicht verbittert klingen, aber die Wut in meinem Bauch brach aus mir heraus, ohne dass ich sie aufhalten konnte. „Ihr solltet nicht hier sein. Euer Heer ist erschöpft. Oskaris Krieger sind wohlgenährt."

„Sie verkriechen sich wie Ratten in ihrer Stadt", knurrte er. „Ich werde ihm zeigen, was es bedeutet, sich mit Dorsteinn anzulegen."

„Nein." Meine freie Hand packte seine und drückte fest zu. Er starrte mich entsetzt an. „Habt Ihr nicht genug gekämpft? Genug verloren?" Ich setzte mich gerade hin und erinnerte mich an meine Herkunft, an die Anmut, die mir in die Wiege gelegt worden war. „Es reicht. Ihr habt gekämpft, gewonnen und verloren."

Liebliche SchuldGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt