16: Im Süden wartet der Tod (1)

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Ich schob die Frage, ob meine Entscheidung richtig oder falsch war, in die hinterste Ecke meiner Gedanken

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Ich schob die Frage, ob meine Entscheidung richtig oder falsch war, in die hinterste Ecke meiner Gedanken. Viel wichtiger war es doch, ob ich die Entscheidung, mich dem Feind als Kriegsbeute darzubieten, bereute.

Wie fühlte sich Reue überhaupt an? Ich konnte mich an keinen Moment meines Lebens erinnern, in dem ich eine meiner Taten wirklich bereut hatte. Oft hatte ich mich über alte Fehler geärgert, aber keine bereut.

Waren der andauernde Druck auf meinen Magen und das Kribbeln in meinem Nacken Anzeichen von Reue? Oder waren sie der Hitze, dem Schweiß, dem Sand und dem Hunger geschuldet?

Die Ödnis vor uns wuchs zu Gebirgen an, deren Anfänge unmöglich zu erahnen waren. Hunderte, vielleicht sogar Tausend Meter reichten sie in den Himmel, kratzten an den Schleierwolken, die in der Hitze verdampften.

Dort, wo die Gebirgsketten zusammenliefen, klaffte eine riesige Lücke, in der eine Stadt erbaut worden war. Jere, das Herrschaftszentrum Ottars. Weißes Gestein blitzte wie der Reißzahn einer Bestie aus der immer grauen Landschaft hervor und vergoldete Dächer reflektierten die Sonne.

Zu meiner Verwunderung steuerten wir nicht auf die Stadt, sondern auf eine Felswand zu. Wackelig anmutende Gebilde aus Holz hingen im Gestein. Die Stützbalken drohten jeden Moment nachzugeben und auf die Baracken im Loch darunter zu begraben.

Die Armee des Südens hielt an. Pferde schnauften und scharrten. Ein Murmeln schwappte von den Kriegerinnen und Kriegern zu uns. Oskari erhob sein Schwert, durchtrennte in einer geschmeidigen Bewegung meine Fesseln.

„Du hast dir den falschen Feind ausgesucht, obwohl du es so viel einfacher hättest haben können", murmelte Oskari. „Selbst wenn ich wollte, könnte ich dich nicht nach Jere bringen. Nicht mehr."

Die Kriegerinnen und Krieger beäugten uns genau, während Oskari meine Handgelenke festhielt.

„Das geschieht mit Männern wie Frauen, die sich gegen mich wenden! Ganz gleich ob sie eine göttliche Seele ihr Eigen nennen oder nicht", brüllte er und seine dunkle Stimme hallte an den Feldwänden wider. „Die Seuche, die unser Volk quält, wird ein Zeichen setzten. Dorsteinns Überheblichkeit findet hier und heute ihr Ende!"

Was hatte mein Leben mit Dorsteinn zu tun? Meinen Tod mit dem Untergang eines ganzen Landes gleichzusetzen, erschien mir naiv, aber Oskaris Krieger bejubelten dieses Zeichen.

„Du hast mir den Krieg gebracht, also löse deine Schuld ein", zischte er und sein Blick hielt meinen fest.

Gemächlich scheuchte er mich vor sich her und schnitt mir jeden Fluchtweg ab, bis meine Zehen über die Kante des Abgrundes ragten. Ich krümmte sie, versuchte mich an der Kante festzuhalten, doch ein kleiner Schubs reichte und ich stürzte in die Tiefe.

Mein Aufprall war hart. Die Luft aus meinen Lungen verhärtete sich und ich rang nach Atem. Ich bewegte meine Arme, Beine und Hände vorsichtig, prüfte, ob ich sie ausstrecken konnte und rappelte mich auf. Luft strömte stockend aus mir heraus und wieder herein. Aus den Baracken lugten bleiche Gesichter. Keiner kam mir zur Hilfe.

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