10: Herrschende Unberechenbarkeit (2)

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„Dorsteinn wurde angegriffen!"

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„Dorsteinn wurde angegriffen!"

Das hysterische Geschrei der Haremsfrauen und das Glockenläuten der Wachtürme gehörten nicht zu meinen liebsten Dingen am Morgen, aber ich konnte weder das eine noch das andere ausblenden.

Suvi stand mitten in meinem Zimmer, die Hände voller Blut. Sofort schoss ich aus dem Bett, aber sie wich zurück.

„Thea, das ist nicht mein Blut. Fasst mich bitte nicht an, vielleicht haben die Verletzen irgendwelche Krankheiten."

„Was für Verletzte?"

„Soldaten von der Grenze." Sie sah sich um und wischte ihre Hände an ihrem Gewand ab. „Ein Trupp war auf die Rauchschwaden im südlichen Teil Dorsteinns aufmerksam geworden und als sie dort ankamen, haben sie eine verwüstete Barrikade vorgefunden. Die Soldaten haben die Angreifer aus Ottar abgehalten, doch es gab viele Verletzte. Kranke. Wenn Ihr erlaubt, würde ich mich gerne um sie kümmern."

„Sicher doch, aber ich komme mit", bestimmte ich und schlüpfte aus meinem Kleid, um weniger umständliche Kleidung anzuziehen.

„Das dürft Ihr nicht."

„Wenn es Soldaten von der südlichen Grenze sind, dann gehören sie zu denen, die für Roenheim und meine Eltern gekämpft haben. Ich muss mit ihnen sprechen."

Suvi glaubte mir, sie hinterfragte meine Worte nie und es versetzte mir einen kleinen Stich, dass ich ihre Gutgläubigkeit ausnutzte. Ich hätte ihr wahrscheinlich auch einreden können, dass ich einst selbst an den Frontlinien gestanden und diese Soldaten selbst ausgebildet hatte.

Dieses Mädchen besaß eine gute Seele und nahm es mir nicht einmal übel, dass ich sie und Dal vor zwei Tagen in den Salon eingesperrt hatte. Dass sie mir nichts über die Stunden, die sie gemeinsam verbracht hatten, berichtet hatte, stimmte mich hoffnungsvoll.

„Hilf mir in eine Hose und bring mir einen Umhang."

„Ich werde Euch, gleich nachdem Ihr mit Euren Leuten gesprochen habt, zurück in den Harem bringen", sagte sie mehr zu sich selbst als zu mir und warf mir den dunkelblauen Umhang über. „Bitte sprecht nur mit den Männern, die ich aussuche."

„Einverstanden."

Über Umwege – durch die Küche, das Lager und an den Stallungen der Wachen vorbei – führte sie mich aus dem Schloss heraus. Damit brach sie eine der wichtigsten Regeln unseres Herrschers, denn die auserwählten Damen durften das Schloss nur in Dals Begleitung verlassen. Wusste Suvi, dass sie sich meinetwegen in Gefahr brachte?

„Glaubst du, Dal wird mich vermissen?"

Sie stoppte abrupt.

„Kennst du die Strafe, die auf mein Verschwinden folgt?"

„Ich bin bereit, jede Strafe anzunehmen, wenn sie Euch hilft oder glücklicher macht."

„Du denkst, ich wäre unglücklich?", wollte ich wissen.

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