Meine Liebe brachte mich um. Ein Unbekannter entriss mich dem Tod. Ich floh vor meinem Ende in ein neues Leben.
Die liebeskranke Tyrannin Anathea aus Roenheim musste erst ihr Leben verlieren, um zu verstehen, wofür es sich zu leben lohnt. Eine Gotth...
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Ein Pfeil verließ den Köcher. Die eiskalte Spitze presste Parvus in das dünne Fleisch oberhalb meines Brustbeins, unter dem mein Herz schlug. Albio schrie etwas Unverständliches.
Ich dachte, das wäre mein Ende, doch Parvus schleuderte mich ruckartig gegen eine Hauswand, riss den Bogen herum und schoss. Der Pfeil, der eben fast in meinem Herz gesteckt hätte, sauste sauber durch die Luft und schlug dumpf in einem Körper ein.
Die Zeit stoppte. Ich fühlte mich schwerelos, ehe ich losrannte und Dals Fall mit meinem Körper dämpfte. Der Pfeil steckte in seiner Brust und ich hatte keine Ahnung, ob diese Wunde ihn umbringen könnte, ob ich das Geschoss entfernen oder stecken lassen sollte.
Dals Hand umfasste meine, die den Schaft des Pfeils berührte.
„Das war mein Kampf!" Seine Stimme ließ das Geschrei, die Menschen und den Krieg verstummen. Keiner wagte es, ein Schwert zu heben oder einen weiteren Pfeil zu verschießen. „Mein. Kampf."
„Ich hatte gehofft, Euch so etwas Ärger zu ersparen, Oskari. Immerhin habt ihr die halbe Schlacht allein geschlagen", entgegnete Parvus kühl. „Seht Euch an, Ihr seid zerfetzt. Der Weg durch die nördlichen Truppen war kein leichter, auch wenn Ihr eine tiefe Schneise in die Soldaten gerissen habt, seid Ihr nicht unsterblich. Dieser letzte Kampf ist unwichtig verglichen mit dem, was Ihr bereits erreicht habt, also nehmt mein Geschenk dieses Mal an."
Ich riskierte es, sah Oskari an und erstarrte sofort. Der einst weiße Umhang war blutgetränkt und hing schlaff über den Schultern des Riesen aus geschmiedetem Stahl. Oskari wirkte eiskalt. Messerscharf. Das kantige Kinn mahlte und er spannte die massigen Arme an. Mit einem Schlag hätte er Dal und mich zerschmettern können.
Ich konnte mir diesen Mann nicht auf einem herrschaftlichen Saal oder gar auf einem geschmückten Thron vorstellen. Das Schlachtfeld war sein Reich.
„Wo ist Farhan?", fragte Dal. Er richtete sich bedacht auf und klopfte den Staub von seinem Körper, während er mich hinter sich schob.
„Ich weiß es nicht." Angst dämpfte meine Stimme. „Ich weiß es wirklich nicht."
„Ruhig." Er strich mir über meine Hand, die sich in seinen Arm krallte. „Ein kleiner Pfeil kann mich nicht töten."
Ich würgte die Furcht herunter, als wäre sie der süße Honigwein meines Vaters, den er immer ganz oben auf seinem Schrank vor meiner Mutter und mir versteckte. Trank die Panik, als wäre sie etwas, das ich zum Leben benötigte. Nach all dem Hin und Her, der Flucht vor dem Tod und den Schmerzen aller konnte ich nicht mehr unterscheiden, was gut und schlecht war. Was richtig und was falsch war. Ich wollte weglaufen, konnte nicht kämpfen, war keine Hilfe und dennoch blieb ich an Dals Seite.
Mein Mut war so dumm wie meine Entscheidungen.
Anathea, meine Kräfte sind zu schwach, ich kann dich nicht vor meinem Bruder schützen. Er kann und er wird dich töten.