Meine Liebe brachte mich um. Ein Unbekannter entriss mich dem Tod. Ich floh vor meinem Ende in ein neues Leben.
Die liebeskranke Tyrannin Anathea aus Roenheim musste erst ihr Leben verlieren, um zu verstehen, wofür es sich zu leben lohnt. Eine Gotth...
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Ich hatte Zaafirs Urteil ertragen. Sicherlich hatte ich ihn nicht von meiner unschuldigen Liebe zu seinem Sohn überzeugt und auch nicht sein Vertrauen gewonnen, aber er würde mich im Harem behalten, damit ich Dorsteinn keine Probleme bereitete. Als würde ich mich freiwillig dem südlichen Herrscher anschließen und allein nach Ottar reisen.
Jetzt musste ich nur noch Albio loswerden, damit Dal mich endlich gehen ließ. Denn er wollte mich nur an seiner Seite wissen, um seiner Schutzgottheit Sicherheit zu bieten. Ich seufzte lange. Ohne den Harem, ohne Dal in meiner Nähe und ohne den Tod vor Augen würde es sich einfacher leben. Hoffentlich.
Die Tage vergingen und ich wartete fieberhaft auf das Schwert, das mich niederstrecken würde, sah das Blut auf dem Boden und hörte mich in Gedanken schreien, doch Dal schenkte weder mir noch den anderen jungen Frauen seine Aufmerksamkeit. Sie interessierten sich jedoch für mich.
„Thea, das ist Euer Name, nicht wahr?", hakte ein Mädchen beim gemeinsamen Abendmahl nach und streckte ihre langen Beine aus, sodass ihre Füße gegen meine stießen. „Ein seltsamer Name."
„Ein Kosename, aber Ihr könnt mich Anathea nennen, wenn es einfacher für Euch ist."
Sie verzog das Gesicht. „Ich nenne Euch wie ich will!"
„Meinetwegen", brummte ich. Seltsam, dass ich mich nicht an sie erinnerte, aber in Dals Harem gab es so viele adlige Töchter, dass jede den Überblick verlor. „Ich werde Euch keine Vorschriften machen."
„Sicher nicht." Sie versperrte mir den Weg. „Thea soll es sein. Du wirst schon sehen, wer hier im Harem das Sagen hat."
Ich verdrehte die Augen. Früher hatte ich diese bissigen Gespräche, die kleinen Machtdemonstrationen und das gegenseitige Triezen geliebt, aber heute kam mir all das sinnlos vor. Sie gaben mir Namen, verdrehten Buchstaben oder beleidigten mich ganz offen – ich wusste, dass das nur der Anfang sein würde.
Warum hatten mir diese Gemeinheiten früher Freude bereitet? Ich erschauderte. Andere zu erniedrigen machte mir keinen Spaß und es hatte mir auch nicht dabei geholfen, Dal für mich zu gewinnen. Es war vielleicht der einzige Zeitvertreib, der den Haremsdamen geblieben war, da sich ihr Angebeteter nicht für sie interessierte.
Den jungen Damen warf ich ihre Mittel, ihre Stellung am Hof auszubauen, nicht vor, aber in meinem Inneren baute sich die Schuld auf. In meinem ersten Leben hatte ich jede und jeden ohne Rücksicht auf Verluste heruntergemacht, um mich besser zu fühlen.
Glocken ertönten und spielten eine Melodie, die einen weiteren Schauer über meinen Rücken jagte. Die jungen Frauen, die sich um mich gescharrt hatten, brachen ihre Traube auf und hetzten zu ihrem Angebeteten.
Mit genügend Abstand wirkte der zukünftige Herrscher Dorsteinns nicht so fröhlich wie in meiner Erinnerung. Dal schenkte den Damen zwar ein Lächeln, ertränkte sie in Komplimenten zu ihrem Äußeren und in Nettigkeiten, aber das Lächeln auf seinen Lippen wirkte gezwungen. Es ähnelte dem Lächeln, das ich immerzu vor dem Spiegel geprobt hatte, bevor ich meine Eltern um einen Gefallen gebeten hatte.