X: Vergangene Schuld

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Im Harem litten wir nicht an Hunger, aber die Angst kroch unter unsere Haut, knabberte an unseren Knochen und verschlang unsere Eingeweide

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Im Harem litten wir nicht an Hunger, aber die Angst kroch unter unsere Haut, knabberte an unseren Knochen und verschlang unsere Eingeweide.

Das Flüstern der Haremsfrauen dröhnte in meinem Schädel. Sie sprachen von Verletzten und Toten, die sich vor den Stadtmauern auftürmten, obwohl sie selbst seit Jahren keinen Fuß aus dem Schloss gesetzt hatten.

Seitdem unser Schutzgott verschwunden war, hatte sich meine Welt verschlechtert. Dal besuchte den Harem nur noch selten und verschanzte sich stattdessen lieber hinter seinem Schreibtisch. Natürlich durfte seine Heilerin ihm Gesellschaft leisten. Ich verachtete dieses Mädchen. Sie war weder mir noch den anderen Damen des Harems ebenbürtig, dennoch hing sie wie eine Klette an unserem zukünftigen Herrscher. Sicher gierte sie nach seinen Reichtümern und hoffte auf ein besseres Leben.

Ich versuchte meine Eifersucht zu zügeln, aber es war unmöglich. In einem Hitzeschwall aus Wut warf ich eine Schale gegen die Wand. Sie zersplitterte und eine Scherbe landete vor meinen Füßen, sodass ich aus Versehen hätte hineintreten können. Ich trat aber absichtlich hinein.

Der Schmerz war kaum spürbar, aber meine aufgeschnittene Fußsohle kleckerte Blut auf den hellen Teppich und als ich am Ende der Treppe angelangt war, riss mich der Schwindel nieder.

„Eine Heilerin!", schrie ich und presste meine Hände auf die Schnittwunde. „Eine Heilerin! Schnell!"

Suvi arbeitete zu dieser Zeit immer in der Küche und war als erste an meiner Seite. Mit wenigen Handgriffen hatte sie die Wunde verbunden, bestand aber darauf, sie in meinem Zimmer nähen.

„Habt Ihr Schmerzen?", erkundigte sie sich und steckte ihre Utensilien in ihre Tasche. „Die Salbe, die ich Euch gegeben habe, sollte eine Narbenbildung vermeiden."

„Hast du von den Verletzten vor den Stadttoren gehört?", fragte ich sie und rieb mit den Fingern über die Bandagen an meinem Fuß. „Es soll ihnen sehr schlecht gehen. Eine Heilerin wie du wäre dort sicher hilfreich – hilfreicher als in unserer Nähe."

„Ich weiß." Sie sah auf ihre Hände. „Der junge Herrscher sagte, es sei zu gefährlich."

„Hat er dir verschwiegen, dass das Heer aus dem Süden sich bereits zurückzieht?"

Ihre Augen weiteten sich.

„Die Wachen munkeln, dass der Feind seine Belagerung aufgegeben hat. Der Herrscher Ottars liebt es, Blut zu vergießen, aber da sich der Adel hinter den Schutzmauern versteckt, scheint ihm der Mord am Pöbel keine Freunde zu bereiten."

„Seid Ihr Euch sicher, dass sich der Feind zurückzieht?"

„Warum sollten die Wachen Lügen und Gerüchte verbreiten?" Ich verschränkte die Arme vor der Brust und reckte das Kinn in die Höhe. „Sie wissen, dass Dal gerne Vorsicht walten lässt, aber sie trauern auch um ihre gefallenen und verletzten Kameraden. Du könntest ihnen helfen, oder?"

Sie nickte eilig.

„Dann schleich dich heute Abend hinaus. Ich kann zwei der Wachen bitten, dich bis vor die Tore zu begleiten."

„Das würdet Ihr tun?"

„Selbstverständlich." Ich verdeckte mein Lächeln mit dem Ärmel meines Kleides. „Für die Sicherheit unseres Landes."

„Für die Sicherheit Dorsteinns", entgegnete Suvi.

„Für die Sicherheit Dorsteinns", entgegnete Suvi

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