Meine Liebe brachte mich um. Ein Unbekannter entriss mich dem Tod. Ich floh vor meinem Ende in ein neues Leben.
Die liebeskranke Tyrannin Anathea aus Roenheim musste erst ihr Leben verlieren, um zu verstehen, wofür es sich zu leben lohnt. Eine Gotth...
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Das erste Ende meines Lebens war schlimm gewesen.
Das zweite Ende hatte das Potenzial, grauenhaft zu werden.
Die Tode der Kranken im Loch hatten mein Herz zwischen den blanken Knochen zerquetscht, bis ich selbst Blut und Galle gespuckt hatte.
Ich hatte mich angesteckt.
Ich war zusammengebrochen, aber ich hatte noch nicht verloren.
Ich kämpfte weiter, bis mein Geist erwachte und meine Glieder aufschrien. Bis die Schwärze mich gefangen nahm, mich erstickte und wie faules Obst ausspuckte.
Meine Hand griff in weiche Decken. Eine angenehme Wärme breitete sich von meinen Füßen über meinen Körper aus. Hektisch tastete ich nach etwas Bekanntem, war verloren, aber nicht tot. Der Tod schmeckte anders. Rostig. Trocken.
Du bist schwach! Anathea, du bist mir fast entglitten. Verzeih meine Unachtsamkeit.
Albios Stimme erstarb. Unter Stöhnen wälzte ich mich hin und her, zerrte an federleichten Laken, die nach Anis rochen. Würzig und süß.
In der Zeit, die ich fürs Aufwachen benötigte, betrat jemand den Raum. Licht brach durch die deckenhohen Fenster und blendete mich. Die Töne, die es aus meinem brennenden Hals schafften, ergaben kein Wort. Die schemenhafte Gestalt, die aus der einfallenden Sonne auf mich zukam, bedeckte meine Augen mit einem Tuch, das ich wegschob.
Ich war nicht tot und auch nicht mehr im Krankenlager. Wer auch immer diese Gestalt vor mir war, sie oder er sollte mich nicht aufgeben, sollte wissen, dass ich lebte.
Ein herber Duft drang in meine Nase und betäubte mich. Tiefer Schlaf blies meine Verwirrung und Orientierungslosigkeit beiseite. In einem Gemisch aus Ab- und Abwesenheit wachte ich auf, döste weg und schlief wieder ein. Matschig und zäh flossen meine Gedanken durch mich hindurch. Sie ergaben keinen Sinn. Ab und an hörte ich Albios Melodie.
„Sie soll trinken", befahl eine rauchige Stimme. Ein Mann.
„Mein Herrscher, ich kann sie nicht anfassen. Sie ist krank. Seht Euch ihren Arm an. Ich werde mich anstecken." Eine Frau war bei ihm.
„Gib ihr Wasser und Medizin. Irgendetwas. Andernfalls wird die Krankheit deine kleinste Sorge sein."
Die Frau hob meinen Kopf an und flößte mir Wasser ein. Es schmeckte bitter und ich schlug die Augen auf, krümmte mich über die Bettkante. Ein Bett?
Ein dumpfer Knall und ein Schrei. Ton splitterte. Die Frau war gefallen, nein, der Mann hatte sie umgestoßen. Sie krabbelte auf ihrem Hinterteil von mir weg, den Mund noch immer weit geöffnet. Dunkle Tropfen zierten ihr Kleid.
Als mein Blick über den weißen Marmor, über den goldenen Teppich glitt und schließlich den Mann vor mir traf, fuhr ich zusammen.