Meine Liebe brachte mich um. Ein Unbekannter entriss mich dem Tod. Ich floh vor meinem Ende in ein neues Leben.
Die liebeskranke Tyrannin Anathea aus Roenheim musste erst ihr Leben verlieren, um zu verstehen, wofür es sich zu leben lohnt. Eine Gotth...
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Die Haremsdamen aßen und tratschten so wie sie es jeden Tag taten. Meine Existenz schien die letzten Wochen nicht bedeutend genug, als dass sie mir ihre kleinen Gemeinheiten widmeten, doch heute schien sich etwas geändert zu haben.
Drei junge Frauen ließen sich plötzlich neben mir im Garten nieder. Eine trat dabei den Teller vor mir weg. Gemüse und Schinken verteilten sich über die Decken und Kissen, auf denen ich saß.
Das hier war nicht der Beginn eines Gespräches, sondern der Anfang eines Kampfes mit Worten statt Pfeilen und Drohungen statt Schwertern.
Ich blieb still, hielt den Blick gesenkt und die Hände auf meinem Schoß. Sie waren eingebildet genug, um mich herauszufordern. Eine hob ihren Arm und kratzte mich dabei. Eine andere streckte ihre Beine aus und trat mich. Immer wieder stießen sie ganz zufällig gegen mich und flüsterten über ihre Pläne, mich loszulassen. Für sie mochte es angenehm sein, eine gemeinsame Feindin zu haben und sich zur Abwechslung gegen eine einzige Dame zu verbünden, doch ich kannte ihre Vorgehensweise. Ich hatte selbst so gekämpft wie sie.
Blut rann mein Bein entlang, nachdem eine Frau ihre Haarnadel aus ihrem braunen Dutt gelöst und achtlos in mein Fleisch gestoßen hatte.
Ich würde es ertragen.
Ich durfte nicht nachgeben.
Sie setzte erneut an, wollte ihre Nadel noch einmal in mein Bein rammen, bevor sie ihre Haare richtete, aber ein Tablett schob sich plötzlich zwischen uns.
„Eine Aufmerksamkeit des jungen Herrschers unseres Landes", sagte Suvi. Sie hielt die kleinen Küchlein auf dem Tablett über meinem Bein. „Wenn ich Euch noch etwas bringen kann, zögert nicht und ruft nach mir."
Luft strömte langsam und stoßweise in meine Lungen. Ich sah ihr nach, bezweifelte, dass sie uns beobachtet und mit guten Vorsätzen gestört hatte.
„Eine Frechheit", zischte die Frau mit den Haarnadeln und steckte sich die losen Strähnen zurück in ihren Dutt. „Es mangelt Eurer Bediensteten an Respekt, Anathea."
„Sie ist nicht meine Bedienstete", korrigierte ich sie und wischte mir das Blut vom Bein, träufelte es demonstrativ auf meine Lippen. „Und solltet Ihr die Aufmerksamkeiten Dals als Beleidigung auffassen, bin ich mir sicher, dass er Euch aus dem Harem entlassen würde, wenn das Euer Wunsch ist."
Eine von ihnen zum Schweigen zu bringen, war weder schwer noch verschaffte es mir ausreichend Respekt, das war mir klar, aber es fühlte sich gut an. Die jungen Damen richteten sich gleichzeitig auf. Eine leerte ihren Becher über meinem Kopf aus und eineandere trat mit voller Wucht auf meine Hand.
Einatmen. Ausatmen. Was für ein würdevoller Abschied, dachte ich und lächelte in mich hinein.
Ich bin beeindruckt. Albios melodische Stimme rang in meinem Schädel und ließ mich das Pochen in meiner Hand vergessen. Du warst die letzten Tage recht verängstigt, hast kaum gegessen und dich an keinen offiziellen Treffen mit Dal beteiligt. Ich hatte schon befürchtet, du hättest dich in deinen Gedanken verloren oder sogar aufgegeben.