Kapitel 5

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Es war das dümmste, was er jemals tun hätte können. Das wusste er praktisch schon, bevor es passiert war. Aber richtig auf ihn eingeprasselt war es danach. Dumm, einfach nur dumm. Wenn auch, und das gab er nicht gerne zu, es fantastisch war. Er wollte es aus der Welt räumen, was lächerlich war. Wenn er etwas gelernt hatte in den letzten Jahren, dass man nicht einfach etwas ungeschehen machen konnte. Scheiße, er hatte eine Nummer mit Greengrass geschoben. Trotz allem wollte er mit ihr reden, wenn er auch nicht genau wusste, was er sagen sollte. Er hatte sich nicht einmal eine anständige Predigt zurechtgelegt als er ihr nach war, nur um festzustellen, dass Greengrass scheinbar richtig gut darin war zu verschwinden. Denn er hatte sie in der Firma heute nicht mehr gefunden.

Innerlich fluchte er deshalb immer noch, auch wenn ein dreckiger Teil in ihm, ständig diesen kurzen Augenblick im Archiv immer und immer wieder durchging. Ihren Duft. Ihren erhitzten Körper. Den Geschmack ihrer Lippen und ihr Stöhnen. Er hing diesem Gedanken ständig nach, nur um sich im Anschluss dafür selbst zu ermahnen. Es hätte nicht passieren dürfen. Sie waren still erklärte Feinde, wenn dies wohl auch eine übertriebene Bezeichnung war. Es gefiel ihm nicht, dass er ihr damit Macht gab und das vielleicht in zweierlei Hinsicht. Erstens, sie könnte petzen gehen. Er wusste zwar nicht wirklich, wem sie es erzählen sollte, aber Draco dachte ständig in alle Richtungen. Und zweitens, er gab ihr damit Macht, wenn er sich körperlich von ihr angezogen fühlte. Was definitiv nicht der Fall war. Eigentlich. Draco kannte und hatte wesentlich attraktivere Frauen gehabt als eine störrische Astoria Greengrass. Vermutlich war es einfach eine Kettenreaktion gewesen, durch verschiedene Umstände. Er hatte zum Beispiel schon länger keinen Sex mehr gehabt. Würde es also erklären. Vielleicht. Und wenn nicht? Was dann? Er konnte doch dieses Biest nicht anziehend finden. Das war geisteskrank.

„Hast du nicht zugehört?", fragte eine vertraute Stimme sanft und Draco sah irritiert hoch und damit in das Gesicht seiner Mutter, die ihm gegenüber im Speisezimmer des Anwesens seiner Familie saß.
Abendessen mit seinen Eltern stand heute an und es gab vermutlich keinen ungünstigeren Zeitpunkt, denn momentan wollte Draco einfach nachhause, sich betrinken und vor allem diese Erinnerung aus seinem Kopf bekommen von Greengrass, die er vögelte. Vielleicht sollte er Blaise kontaktieren und sich mit ihm zu einer Sauftour verabreden, um irgendeine Frau aufzureißen und sich Greengrass somit aus seinem Kopf zu ficken.
„Wie bitte?", frage er irritiert und seine Mutter sah ihn sanft an.
„Ich habe gefragt, ob du mit Astoria gesprochen hast?"
Der Geschmack in seinem Mund wurde bitter und er griff nach dem Weinglas, um diesen hinunterzuspülen und nur stumm zunicken. Sie hatten sich eher angeschrien.

„Das freut mich", meinte seine Mutter und wollte scheinbar nachfragen, wie es gelaufen war als sein Vater kam. Endlich. Normalerweise war es Lucius, der ihn immer ermahnte, wenn er zu spät war. „Wo warst du?", fragte seine Mutter leicht vorwurfsvoll als sich sein Vater ans Tischende und damit zwischen seine Mutter und ihn setzte.
„Ich habe mit Astoria über den Kamin gesprochen", erklärte sein Vater sachlich und Draco unterdrückte es sich zu verschlucken, während Lucius die Serviette entfaltete und nach dem Besteck griff.
„Mit Astoria?", hakte seine Mutter besorgt nach. „Ist etwas geschehen?"
Dracos Herz raste. Hatte sie mit Lucius darüber gesprochen? War sie petzten gegangen bei seinem Vater? Sie würde doch nicht...
„Ihr ging es heute nicht gut. Ich habe sie am frühen Nachmittag nachhause geschickt." Draco entspannte sich nur mäßig. „Ich glaube, sie hatte Fieber. Sie war ganz erhitzt."
Draco nahm erneut einen großen Schluck Wein. Er wusste ganz genau, dass Greengrass nicht krank war. Geschweige fieberte.

„Ich habe ihr gesagt, dass sie morgen auch zu Hause bleiben soll und erst nach dem Wochenende wieder kommen muss", fuhr sein Vater fort und seine Mutter runzelte die Stirn.
„Ist es so schlimm?"
Sein Vater schüttelte kaum sichtbar den Kopf.
„Ich denke nicht. Sie wollte das Angebot erst nicht annehmen. Ich musste sie regelrecht dazu drängen. Das ist Astoria, wie wir sie kennen."
Draco zog eine Braue nach oben und schnitt ganz langsam sein Fleisch klein. Kannten sie Greengrass? Er definitiv nicht. Nein, er hat sie nur... Er verbot sich den Gedanken. Greengrass musste raus aus seinem Kopf, und zwar dringend.
„Stell dir vor, Draco und sie haben heute geredet."
Sein Vater wirkte plötzlich sehr interessiert.
„Habt ihr diese Sache aus der Welt geschafft?"
Hatten sie?
„Ja, so ähnlich. Ich habe mich entschuldigt und ihr gesagt, dass ich die Kosten des Schadens übernehme."

Er räusperte sich.
„Sie hatte sehr... interessante Argumente."
Die sie ihm an den Kopf, regelrecht geworfen hatte.
„Aber ihr habt die Sache aus der Welt geschafft und das ist gut so", meinte sein Vater. Sie hatten die Sache nur noch schräger gemacht, zur Hölle. „Oder nicht?", hakte Lucius nach und Draco nickte kaum sichtbar. „Siehst du, du fühlst dich besser."
Tat er nicht. Nein, definitiv nicht. Er würde durchdrehen. Vielleicht sollte er sich in die geschlossene Abteilung ins Mungo einliefern lassen.
„Sie ist ja auch ein interessanter Mensch", warf seine Mutter ein. „Die Damen im Club waren begeistert von ihr. Und ich habe vier Einladungen für sie."
Lucius gluckste.
„Ich weiß nicht, ob Astoria sich darüber freuen wird."

„Papperlapapp. Das ist gut für sie."
„Ich spüre deine Euphorie bis zu mir."
Euphorie, die Greengrass vermutlich nicht interessierte. Aber vielleicht sollte sich Draco gerade hier nicht mehr einmischen. Wenn Greengrass weg war vom Markt, würde es vielleicht auch sein körperliches Interesse mindern.
„Theo fand sie nett", warf er nebenbei ein und seine Mutter lächelte ihn an.
„Ich weiß. Ich habe auch eine Einladung von seiner Familie."
„Das wird Blaise das Herz brechen", erwiderte Draco übertrieben und Lucius wirkte amüsiert.
„Blaise hat nicht so gewirkt, als hätte er großes Interesse an Astoria. Er schien sich sehr gut amüsiert zu haben, mit Miss Davis."
Er seufzte innerlich. Ja, scheinbar hatte Blaise eine neue Favoritin für die nächsten Monate gefunden.





Sie hatte sich in ihrer Wohnung verschanzt, nachdem Lucius sie nachhause geschickt hatte. Nur um sich gefühlte Stunden in der Dusche abzubrausen. Als wollte sie selbst die Erinnerung an diese.... Nummer in den Abfluss waschen. Es gelang ihr nicht. Ganz und gar nicht. Sie stürzte sich zu Hause in die Hausarbeit. Ohne Magie. Wischte Staub, den Boden und putzte das Bad bis ihre Finger brannten, nur um Zeit zu schinden und sich abzulenken. Nicht daran zu denken, dass Riesenarschloch Malfoy sie gevögelt hatte. Es half nicht wirklich und es wurde Freitag nicht gerade besser, besonders weil Lucius sie nicht in der Arbeit sehen wollte.
„Ruhe dich aus", hatte er am Kamin am Donnerstagabend gemeint und Astoria wusste nicht, was sie dagegenstellen sollte.
Dass sie nicht krank war und Fieber hatte, sondern sie nur erhitzt gewirkt hatte, weil Malfoy Junior und sie unten im Archiv miteinander geschlafen hatten? Keine gute Idee.

Sie hatte sich am Freitag mit dem Erlernen einer weiteren Sprache beschäftigt und so gut den Tag rumgebracht, nur um mitten in der Nacht schweißgebadet und erhitzt aufzuwachen, weil sie wieder in dieser Erinnerung gewesen war. Im Traum erneut mit ihm gevögelt hatte. Sie war um drei Uhr morgens eiskalt duschen gewesen. Verdammt. Warum hatte sie nicht geschrien? Ihn niedergeschlagen? Ihn angefahren? Warum hatte sie ihn nicht aufgehalten? Bei dem Gedanken seufzte sie erneut schwer und legte ihren Kopf in ihren Händen ab. Es hätte nicht passieren dürfen. Ausgerechnet Malfoy, zur Hölle nochmal. Wie sollte sie damit umgehen? Wie das ignorieren? Sie wusste es nicht. Es war eine scheiß Situation.

Sie schreckte zusammen als es an der Haustür läutete und sie stand langsam von der dunkelblauen Couch auf, nur um in den Flur zu gehen und leise sich der Haustür zu nähern. Es läutet wieder und ihr Herzschlag beschleunigte sich. Er würde doch nicht...
„Tori?", fragte eine vertraute Stimme und es wurde wild geklopft.
Tracey. Wieso kam sie auf Malfoy? Der Kerl wusste nicht einmal, wo sie wohnte. Sie öffnete die Tür und Tracey wirkte erleichtert.
„Merlin sei Dank. Warum meldest du dich nicht?", fragte die Blondine vorwurfsvoll und ging an Astoria vorbei in die Wohnung. „Ich versuche dich schon seit gestern zu erreichen. Warum ist dein Flohnetzwerk gesperrt?"
Astoria schloss die Tür. Das hatte sie ganz vergessen. Sie hatte den Kamin nach Lucius durchrufen gesperrt.
„Ich... hab vergessen, ihn wieder zu aktivieren."
Tracey rollte übertrieben mit den Augen.
„Ich dachte, du liegst tot in der Wohnung, verdammt nochmal."

Astoria lachte lustlos auf.
„Denkst du, ich kann mich nicht verteidigen?"
„Du weißt genau, was ich meine", sprach Tracey weiter und sah sich um. Sie legte den Kopf schief und ihr Blick blieb auf den aufgeschlagenen Büchern liegen. „Portugiesisch?", fragte sie verwirrt und sah Astoria entsetzt an. „Du lernst eine neue Sprache?"
Astoria zuckte leicht mit den Schultern, ging an Tracey vorbei und schlug die Bücher zu, nur um sie in einem kleinen Stapel auf dem niedrigen Wohnzimmertisch zu legen.
„Ein wenig."
„Reichen die anderen vier Sprachen nicht?"
Es waren nicht vier, aber Astoria verbesserte die Blondine nicht.
„Es tut mir leid, dass du dir Sorgen gemacht hast. Mir... mir ging es diese Woche nicht so gut. Lucius hat mich sogar deswegen nachhause geschickt."
Traceys Blick wurde sofort weicher.
„Wieso sagst du denn nichts?" Weil es nicht stimmte? Und sie brachte es nicht über sich, Tracey die Wahrheit zu erzählen. Niemand durfte das erfahren. Niemals. Nicht einmal Tracey. „Ich hätte mich, um dich gekümmert."

Astoria umarmte sie kurz.
„Weil das nicht nötig war. Mir geht es schon wieder besser. Ich habe einfach... vergessen den Kamin wieder zu aktivieren."
Tracey seufzte theatralisch übertrieben und setzte sich nicht auf das dunkelblaue Sofa, sondern auf die gepolsterte Fensterbank.
„Und ich dachte schon das schlimmste." Wie immer. Tracey dramatisierte gerne. „Egal. Ich habe zwei Dinge mit dir zu besprechen."
„Zwei?", wiederholte Astoria amüsiert und ließ sich selbst auf den blauen Hocker plumpsen, nur um sich dort in einen Schneidersitz zu setzen.
„Ja, erstens hat mich Theo gefragt, ob er deine Nummer haben kann oder deine Adresse."
Sie runzelte die Stirn.
„Theodore Nott?"
Tracey grinste breit.
„Oh ja. Er scheint an dir interessiert zu sein."
Astoria lachte unsicher auf.
„Ich habe doch kaum vier Sätze mit ihm gesprochen."
„Ein wenig mehr war es schon", verbesserte Tracey sie. Trotzdem zu wenig. „Er will dich besser kennenlernen und ich habe ihm gestern gesagt, ich frage dich. Ich bin vielleicht eure Kupplerin."
„Ach du meine Güte", murmelte Astoria.

„Magst du ihn nicht?", fragte die Blondine kindlich.
„Tracey, ich habe doch kaum mit ihm gesprochen. Dazu müsste ich ihn erst besser kennenlernen."
„Na, gerade deshalb sollst du dich ja mit ihm treffen. Theo ist wirklich ein netter Kerl." Selbst das konnte Astoria nicht sagen. „Also was ist? Darf dich Theo kontaktieren?" Sie zuckte ratlos die Schultern. Was sprach dagegen? Was dafür? Für Tracey Antwort genug. Sie grinste breit. „Sehr gut. Und jetzt zieh dich schick an. Wir zwei gehen essen."
Astoria war verwirrt.
„Was?"
„Ja, so sieht es aus. Es ist Samstag. Wir sind jung. Zieh dich an, wir gehen zum Asiaten. Ich habe Hunger. Besonders, weil meine Nerven deinetwegen so strapaziert worden sind." Ihre Nerven waren strapaziert? Sie verlor den Verstand wegen Malfoy. Sie wusste noch gar nicht, wie sie diesem Arschloch am Montag gegenübertreten sollte. „Komm schon. Ich habe reserviert", drängte Tracey sie und Astoria gluckste.
„Wie kannst du für uns reservieren, wenn du erwartest, dass ich ermordet in der Wohnung liege?"
Darauf bekam sie heute keine Antwort mehr.


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