Draco hatte ein Problem. Das war ihm natürlich nicht klar gewesen als er im Restaurant gesessen war und sich kaum auf das Essen geschweige Blaise konzentrieren konnte. Er hatte die ganze Zeit nur daran gedacht, ob Theodore mit Greengrass nachhause gegangen war. Ob sie ihn hereinlassen würde. Ob sie herummachen würden. Miteinander schlafen würden. Er war wie ein Irrer nach dem Essen losgestürmt. Hatte Blaise eine fadenscheinige Ausrede aufgetischt. Er seufzte bei den Gedanken und fuhr sich über die Stirn. Er hatte es nicht durchdacht, als er vor Greengrass Wohnung gestanden war. Kein bisschen. Er wollte nur rein und... Ja was? Keine Ahnung. Er hatte keinen Plan gehabt. Was hätte er getan, wenn Theo dagewesen wäre? Ihn aufgefordert, zu gehen? Ihn von Greengrass heruntergezogen? Er schloss die Augen und lehne seinen Kopf gegen das Bett, in dem er saß. Scheiße, er hatte ein Riesenproblem.
Er wandte den Kopf und sah auf die schlafende Person neben ihm. Sie war das Problem. Greengrass. Er hätte sie nie küssen dürfen. Nie mit ihr schlafen dürfen. Sie war eine Droge. Eine Droge, von der er nicht mehr loskam und die ihn verrückt werden ließ. Was war nur los mit ihm? Sie konnten sich nicht ausstehen. Sie stritten ständig. Selbst vorhin hatten sie sich gegenseitig geneckt, bevor er sie geküsst und ausgezogen hatte, nur um wieder mit ihr zu schlafen. Waren sie sich nicht einig? Keine Besitzansprüche? Aber zur Hölle, es hatte ihn wahnsinnig werden lassen bei der Vorstellung, dass Theo hier sein könnte. Er hatte ein fucking Problem. Und Greengrass wusste das auch.
„Wie soll das weitergehen?", hatte sie gefragt als sie nebeneinander gelegen hatten und er hatte nur den Kopf geschüttelt. Er hatte keine Ahnung. „Das wird nicht funktionieren", hatte sie hinzugefügt und er hatte es abgetan.
Ihr gesagt, dass sie es viel zu sehr analysierte.
Tat sie nicht. Sie hatten ein Problem, das wusste er ganz genau, aber er hatte keine Lösung dafür. Er wollte keine Beziehung und schon gar nicht mit ihr. Sie wollte ihn nicht. Sie hielt ihn für ein arrogantes, selbstverliebtes Arschloch. Sie war eine verdammte, besserwisserische Zicke. Wie konnte der Sex zwischen zwei Leuten, die sich ständig stritten und in den Haaren lagen, so perfekten sein? Das gehörte verboten. Das konnte doch nicht echt sein. Wieso funktionierten sie zusammen in der Gesellschaft nicht, aber harmonierten im Bett? Verrückt und eindeutig ein Problem. Und jetzt begann er auch noch... ja, was genau zu fühlen? Eifersucht? Er schloss die Augen wieder.
„Fuck", wisperte er leise.
Er durfte so etwas nicht fühlen. So funktionierte einfacher Sex nicht. Er sollte das hier lassen, und zwar dringend.
Theodore erhoffte sich mehr von Greengrass. Er schien sie zu mögen. Zumindest für sie zu schwärmen. Und auch wenn er glaubte, dass sie Theo überlegen war, würde Greengrass Nott guttun. Mehr als das. Sie wäre für Dracos Freund ein Hauptgewinn. Aber zur Hölle, er ertrug den Gedanken nicht, dass Greengrass mit jemanden anderes vögelte. Er durfte so nicht denken. Sie waren kein Paar. Er nicht ihr Freund und sie nicht seine Freundin. Keine Beziehung. Ihm war irgendwie schlecht. Er wollte nicht darauf verzichten, zur Hölle es war wirklich der beste Sex seines Lebens. Vielleicht sollte er mal wieder ausgehen und irgendeine Hexe abschleppen. Sich Greengrass aus dem Kopf vögeln. Ob das funktionierte? Ob Blaise nächstes Wochenende dafür Zeit hatte?
Er wandte den Kopf und sah auf Greengrass, die zusammengerollt neben ihm lag. Ihre Haare lagen wirr um ihren Kopf drapiert. Er hatte seine Finger darin vergraben. Er streckte seine Hand aus und ließ ein paar der weichen Strähnen, durch seine Finger gleiten. Bevor er seine Hand zurückzog. Er musste damit aufhören. Eiskalter Entzug, und zwar sofort. Er schlug die Decke zurück und stand auf. Er wandte sich um als Greengrass seufzte und sah, wie sie sich umdrehte und ihr Kissen umklammerte. Er trat vorsichtig wieder näher und zog ihr Decke nach oben und bedeckte damit ihre nackte Haut, bevor er begann seine Klamotten aufzusammeln.
Als Astoria aufwachte, streckte sie beinahe automatisch die Hände aus, nur ins Leere zu fassen. Sie setzte sich auf und war überrascht, dass Malfoy nicht mehr da war. Wobei sie vermutlich eher erleichtert sein sollte. So fühlte sie sich aber nicht. Sie ließ sich zurück in die Kissen fallen, während das Licht bereits in den Raum fiel und drehte sich auf die Seite. Das war doch genau das, was sie wollte. Keine Verpflichtung oder dieses Beziehungs-Feeling, was sie definitiv nicht hatten. Ob er schon mitten in der Nacht abgehauen war? Sie fuhr sich an die Stirn und schloss die Augen. Wie konnte es sein, dass sie beide im Bett so harmonierten und wie zwei Magnete waren, die sich anzogen. Er war ein Arschloch, der auf sie herabsah. Merlin, wo hatte sie sich da nur hineinmanövriert.
Und wie sollte das weitergehen? Sie traf sich mit Theo. Sicher, sie waren noch nicht so weit, dass sie... ein Paar waren. Eine Beziehung führten. Aber wie sollte es so weit kommen, geschweige funktionieren, wenn Malfoy jedes Mal wie ein verrückter hier auftauchte? Es würde nicht funktionieren und sie konnte das nicht so weiter fortführen. Theo war ein lieber und guter Mensch und es war ihm nicht fair gegenüber. Sie setzte sich auf und fuhr sich durch die Haare. Sie hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte. Sie atmete erneut tief ein und aus, bevor sie aufstand und duschen ging. Alles andere war fast dann schon Routine. Anziehen, Bettwäsche abziehen und neu beziehen. Sie musste dringend etwas machen, bevor ein absolutes Chaos ausbrechen würde. Denn diese Konstellation würde in einem Chaos enden. Eher in einer reinen Katastrophe.
Sie fuhr aus diesen Gedanken hoch als es an der Wohnung läutete und öffnete zögerlich die Tür. Ihr Mund klappte auf, als sie es tat.
„Was tust du denn hier?", frage sie und wurde im nächsten Moment von der Blondine gedrückt.
„Ich wollte dich überraschen", erklärte die junge Frau und strahlte Astoria an, während diese auf dessen runden Bauch sah.
„Bist du...?"
Daphne fuhr sich an den Bauch.
„Ja, du siehst richtig. Du wirst Tante."
Astoria sah ihre Schwester geschockt an. Sie hatte mit keinem Wort erwähnt, dass sie nach England kam, geschweige, dass sie schwanger war. Daphne schob sich an ihr vorbei und Astoria sah ihr irritiert nach, während sie die Haustür wieder schloss.
„Bist du allein hier?", fragte Astoria und Daphne, in einem hübschen Sommerkleid setzte sich auf das Sofa.
„Oh nein. Natürlich nicht. Cooper ist im Hotel. Aber ich wollte dich zuerst allein sehen." Astoria schüttelte irritiert den Kopf, während Daphne einfach nur strahlte und wunderbar aussah. „Ich dachte, ich schaue erst, wie es dir geht."
Astoria zog ihre Brauen nach oben. Musste sie das verstehen?
„Warum bist du nicht bei Mutter untergekommen?"
Das Haus war groß genug. Daphne schnaubte.
„Ich mache bei dem Affentheater gerne mit, aber ich werde sicher nicht mit denen unter einem Dach schlafen."
Astoria setzte sich auf den Hocker.
„Ich verstehe nicht? Du kannst mit Mutter nicht unter einem Dach schlafen?"
Daphne legte den Kopf schief.
„Mutter ist nicht, das Problem. Ich dachte ehrlich gesagt..." Die Blondine brach ab und in ihren Augen regte sich plötzlich etwas. „Du weißt es nicht."
Astoria lachte unsicher auf.
„Was weiß ich nicht?" Daphnes Lippen wurden schmal. „Daffy, was ist los? Was ist passiert? Was ist mit Mum? Was weiß ich nicht?"
„Du hast es ihr einfach nicht gesagt?", fragte die Blondine aufgebracht und Narzissa sah voller Sorge dabei zu, wie Daphne auf und ab auf der Terrasse stapfte.
So hatte sich Narzissa sicher nicht den Tee mit Daphne und ihrer Mutter vorgestellt, als sie die Einladung ausgesprochen hatte.
„Astoria hatte doch so viel zu tun und du kennst sie doch. Sie hätte sich sicher nur aufgeregt", wehrte Cecilia Greengrass ab und Narzissa versuchte zu verstehen, was eigentlich passiert war oder um was es ging.
Daphne war hier, wie eine Furiere erschienen. So kannte Narzissa die junge Frau nicht. Im Gegenteil. Astoria konnte aufbrausend werden und sagte viel zu oft, was sie dachte. Daphne dagegen, hielt sich stets emotional zurück.
„Mutter", sprach Daphne scharf. „Du kannst ihr doch so etwas nicht verheimlichen. Sie ist aus allen Wolken gefallen."
Cecilia schnappte nach Luft.
„Du hast es ihr gesagt?"
„Gesagt?", wiederholte die Jüngere aufgebracht. „Ich hatte ja keine Ahnung, dass sie es nicht weiß. Bevor ich es realisiert habe, war es schon zu spät. Wieso sagst du ihr so etwas Wichtiges nicht?"
Narzissa hob die Hand.
„Daphne, wie wäre es, wenn du dich setzte und in Ruhe erklärst, um was es geht."
„Ich kann mich nicht setzen", widersprach Daphne. „Ich bin zu aufgebracht."
Narzissa sah auf ihren Bauch.
„Komm. Bitte. Für das Baby. Aufregung und Stress sind für euch beide nicht gesund."
Die junge Frau setzte sich zögerlich und atmete schwer aus, bevor sie über ihren Bauch strich.
„Ich bin wie eine Idiotin dagestanden. Astoria hat das Gefühl, ich hätte sie auch belogen, obwohl ich damit gar nichts zu tun habe."
Narzissa würde den Verstand verlieren, wenn sie nicht gleich erfuhr, was hier gespielt wurde.
„Womit habt ihr Astoria belogen?"
„Es ist, gar nichts", wehrte Cecilia ab und ihre älteste Tochter lachte falsch auf.
„Ja, so kann man das natürlich auch bezeichnen, wenn ein Mann zu Hause einzieht."
Narzissa hörte den Satz, sah Daphne einen Augenblick an, bevor sie begriff und Cecilia anstarrte.
„Du bist mit jemanden zusammen?"
Es war ihr neu, dass Mrs. Greengrass nach dem Tod ihres Mannes jemanden neuen gefunden hatte. Sicher, es waren jetzt schon Jahre ins Land gezogen, aber davon hatte sie noch nichts gehört.
„Wir sind nicht zusammen", wehrte die Blondine entschieden ab.
„Mutter, er wohnt bei dir", sprach Daphne und Narzissa fragte knapp
„Wer?"
„Avery. Edward Avery."
Narziss konnte nicht verhindern, dass ihre Gesichtszüge entglitten. Avery? Avery war wieder da?
„Ich dachte, er sei im Ausland?", fragte Narzissa tonlos und hatte das Gefühl, dass ihr Herz gleich zerspringen würde.
„Das war er ja auch. Sein Anwalt hat jetzt alles geklärt und nun ist er wieder hier.", antwortete Cecilia.
Er war hier. Er war wirklich hier.
„Wie kann er überhaupt frei herumlaufen?", wollte Daphne wissen. „Ich dachte, er wird immer noch gesucht?"
Cecilia schnalzte mit der Zunge.
„Ich habe doch gesagt, sein Anwalt hat das geregelt. Er wird Bewährung bekommen."
Daphne lachte falsch auf.
„Heißt viel Gold hat den Besitzer gewechselt, ja?" Daphne schüttelte den Kopf. „Astoria wird ihn nie akzeptieren, Mama. Er ist ein Todesser."
„So ein Unsinn, das ist Lucius auch." Cecilia wandte sich Narzissa zu. „Entschuldige. Du weißt, wie ich das meine." Sie sah ihre Tochter wieder an. „Und mit ihm kommt sie auch klar."
Aber nicht von Beginn an. Sie hatte eine Abmachung gehabt und keiner von ihnen hätte gedacht, dass es sich so entwickeln würde. Am wenigsten wohl Lucius.
„Wie hast du dir das vorgestellt? Dass es Astoria erfährt, wenn du mit ihm vor dem Altar stehst?"
„Daphne", sagte Cecilia scharf und ihre Wangen waren gerötet. „Ich verbiete dir so einen Umgangston mit mir. Ich bin deine Mutter. Habe ich nicht auch ein wenig Glück im Leben verdient?"
Narzissa wurde schlecht. Sie stand auf und wurde von den beiden Frauen verwirrt angesehen.
„Wenn ihr mich kurz entschuldigen würdet. Ich komme gleich wieder."
Sie musste sich selbst zügeln, um nicht einfach loszulaufen, wie eine Verrückte. Aber als sie im Haus war, steuerte sie nicht eines der Badezimmer an, sondern das Arbeitszimmer ihres Mannes. Die Tür stand offen und wie so häufig, fand sie Lucius vor seinem Schreibtisch. Er wirkte irritiert als sie eintrat. Sein Blick sofort besorgt.
„Narzissa? Was ist passiert? Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen."
Sie musste selbst ihre Hand gegen ihre Brust drücken. Ihr Herz trommelte. Sie schluckte hart.
„Avery ist wieder in England." Lucius Mine versteinerte sich. „Er scheint ein Verhältnis mit Cecilia zu haben."
„Wie bitte?", fragte Lucius voller Entsetzen.
„Astoria hat es heute erfahren. Gerade eben von ihrer Schwester. Daphne hat ihre Mutter gerade auf unserer Terrasse damit konfrontiert. Ich gehe also davon aus, dass dies schon seit einigen Wochen so ist", fuhr Narzissa fort. Lucius fluchte und Narzissa holte tief Luft. „Du solltest Astoria aufsuchen und mit ihr reden."
Sie kam sich vor, wie damals, kurz nach dem Krieg. Voller Unwissenheit, was die Zukunft bringen würde und welches Unglück noch auf ihre Familie hereinbrechen würde. Lucius stand auf und war beinahe schon bei der Tür als sie ängstlich seinen Namen aussprach und er zurückkam. Er küsste sie sanft, bevor er sie milde lächelnd musterte.
„Mach dir bitte keine Sorgen."
Das tat sie aber. Nicht nur ihretwegen und ihrer Familie. Nein, auch wegen Astoria. Was musste das für ein Schock sein, zu erfahren, dass dieser Mann wieder im Lande war. Ein Mörder, der so viel Unglück Astoria gebracht hatte und der Familie Greengrass.
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Leidenschaft umfasst Liebe und Hass
FanfikceSie war für Draco ein Dorn im Auge und es machte es nicht gerade besser, dass sein Vater ihr Mentor war und er sie praktisch jeden Tag zu Gesicht bekam. (Drastoria).
