Kapitel 20

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Sie hatte die Tür verriegelt. Ihn ausgesperrt und nicht aufgemacht. Nicht einmal eine Reaktion gezeigt, obwohl er gefühlt die halbe Nacht vor ihrer Wohnung gewartet hatte. Immer wieder geklopft oder geklingelt hatte. Es machte ihn wahnsinnig. Verrückt. Er wollte mit ihr reden. Nein, er musste mit ihr reden. Ihr deutlich machen, dass diese dumme Idee mit dem Ball, bei dem er mit Cora hingehen sollte, nicht seine Idee war und er von Beginn an gesagt hatte, dass er nicht hingehen würde. Er machte sich daraus nichts. Aber er hatte Astoria danach gefragt, weil er mit ihr dorthin gehen wollte. Zeigen wollte, was sie miteinander hatten. Dass sie zu ihm gehörte. Nur zu ihm.

Er ging gefühlt zum zwanzigsten Mal in Richtung des Büros seines Vaters und war wieder frustriert als er Astorias Arbeitsplatz immer noch unbesetzt sah. Aber er wurde aufmerksam als er seinen Vater entdeckte, sitzend in dessen Büro bei geöffneter Tür. Er klopfte und sein Vater sah auf.
„Ach, du bist es", murrte Lucius und wirkte nicht zufrieden.
„Wo ist Astoria?"
Sein Vater schnaubte.
„Keine Ahnung. Hat sich krankgemeldet." Draco seufzte und legte den Kopf in den Nacken. „Setz dich", forderte sein Vater und Draco setzte sich zögerlich.
„Wird das jetzt ein Vortrag, dass ich mich von Astoria fernhalten soll?"
Sein Vater sah von seinen Unterlagen auf.
„Nein. Nicht, wenn du es mit ihr Ernst meinst."
„Natürlich meine ich es ernst", sagte Draco entschieden und sein Vater legte die Feder weg und musterte Draco scharf.

„Ich möchte jetzt endlich wissen, wie und wann das zwischen euch passiert ist?"
Draco schluckte hart. Spürte die Hitze in sich aufsteigen. Hatte er sich jemals rechtfertigen müssen vor seinem Vater, wenn er etwas am Laufen gehabt, hatte, mit einem Mädchen? Nie.
„Weißt du noch als ich mich entschuldigen sollte, wegen des Desasters an Mutters Gartenparty?"
„Als könnte ich das vergessen", knurrte sein Vater.
„Nun ja", redete Draco zögerlich weiter. „Ich wollte mit ihr reden. Wir haben wie immer gestritten. Sie hat mir Dinge an den Kopf geworfen. Ich habe ihre Dinge an den Kopf geworfen." Der Blick seines Vaters wurde finster. „Und plötzlich haben wir uns geküsst."
Was immer noch total verrückt war. Lucius wirkte starr und lachte dann unsicher auf.
„Willst du mir ernsthaft jetzt weiß machen, dass ihr so zusammengekommen seid?" Draco nickte. „Ernsthaft?"
Er nickte wieder.
„Ja. Eins führte zum anderen. Keine Ahnung. Es war verrückt, aber ... Genauso ist es passiert."
Sein Vater starrte ihn einfach an.

„Wenn du nichts sagst, gehe ich wieder", drohte ihm Draco nach einer Weile.
„Draco, ich fasse das alles immer noch nicht", seufzte Lucius. „Gestern erfuhr ich aus dem Nichts, dass Astoria und du..." Er brach ab und räusperte sich. „Ich dachte, ihr versteht euch einfach besser."
Draco lachte unsicher.
„Nun, das tun wir und glaub mir, das war nicht leicht bis dahin zukommen."
Ganz und gar nicht leicht.
„Wieso habt ihr nichts gesagt?", hakte Lucius nach. „Es hätte so vieles leichter gemacht."
„Zuerst wollten wir uns gar nicht eingestehen, dass das, was wir da haben einer Beziehung gleichkommt." Sie waren beide darin gut sich einzureden, dass es nur Sex war. Sehr gut darin. „Wir wollten kein Gerede wegen der Arbeit. Und dann waren wir ein Paar und nicht einmal eine Handvoll Leute wusste darüber Bescheid. Sie hat dauernd gesagt, dass sie erst mit dir reden muss wegen dieser dämlichen Abmachung zwischen euch beiden." Lucius senkte den Blick. „Was ist es?", forderte Draco zu wissen und Lucius Lippen wurden schmal.
War das sein Ernst? Wollte er jetzt, wie Astoria, schweigen?

„Du musst es mir sagen, Vater. Genug mit der Heimlichtuerei", fügte Draco entschieden hinzu und der Blick seines Vaters kreuzte sich mit seinen.
„So einfach ist das nicht, Draco."
Er schnaubte.
„Es muss nicht einfach sein. Aber ich möchte endlich wissen, was hier los ist." Lucius sagte nichts. „Es hat mit dem Krieg zu tun. Ich weiß, dass man versucht hat, Astoria zu vergewaltigen." Lucius Augen wurden groß. „Ich habe eine Akte in ihrer Wohnung gefunden. Ich weiß, dass du sie ins Hospital gebracht hast und die Vormundschaft übernommen hast."
„Das hat sie dir nicht erzählt", verstand Lucius jetzt.
„Nein, hat sie nicht", gestand Draco schwer. Es gab so vieles, was er von Astoria nicht wusste. So viele Geheimnisse. So viele dunkle Erinnerungen. „Wir hätten das hier schon längst klären sollen, dann wäre es niemals zu diesem schrecklichen Missverständnis gekommen."
Dann hätte seine Mutter nie so einen leichtsinnigen Kommentar von sich gegeben. Astoria wäre nicht verletzt worden und einfach verschwunden.

„Ich muss das erst mit ihr besprechen", erklärte sein Vater und Draco schnaubte.
„Ist das dein Ernst?"
„Ja, ist es", erwiderte Lucius streng. „Ich werde nichts ohne Astorias Erlaubnis freigeben."
„Aber..."
„Kein Aber Draco. Momentan seid ihr zerstritten. Klärt zuerst das."
„Was denkst du, habe ich gestern versucht?!", äußerte Draco verzweifelt. „Sie macht nicht auf. Sie reagiert nicht."
„Sie wird zu dem Ball kommen"
Draco blinzelte irritiert.
„Was?"
„Ja, das hat sie gesagt. Dass wir uns auf den Ball sehen." Lucius schüttete etwas den Kopf. „Sie hat irgendetwas vor. Irgendetwas mit Avery und das Gefällt mir nicht."
„Mit Avery?", wiederholte Draco. „Warum?" Sein Vater sah ihn an als würde er ihn erst jetzt bemerken und Draco rollte mit den Augen. „Ist das dein Ernst? Das kannst du mir auch nicht sagen?"
„So ist es."
Er würde den Verstand verlieren. Hier und jetzt.

Draco stand gereizt auf.
„Schön. Habt ihr euch schon überlegt, was wir mit Alienor und Cora machen werden?"
„Sie werden auf den Ball gehen. Aber Alienor hat es vorgezogen, sich momentan in unserem Stadthaus einzuquartieren. Sie werden am Wochenende wieder abreisen", zählte sein Vater emotionslos auf und Draco staunte immer mehr.
„Du hast sie aus Manor geworfen?"
Sein Vater atmete geräuschvoll aus.
„Ich habe sie nicht hinausgeworfen. Es war ihr Vorschlag, dem ich zugestimmt habe." Draco glaubte ihm kein Wort. „Wir sind uns eindeutig nicht einig, was Astoria betrifft und da Alienor schlecht mit Kritik und Widerworte umgehen kann, war das die beste Entscheidung." Kein einziges Wort. Sein Vater sah zu ihm auf. „Im Übrigen, hat Cora nichts mit der Sache zu tun. Ihr war zwar der Wunsch bewusst von Alienor, aber sie hätte niemals darauf bestanden, wenn sie gewusst hätte, dass du bereits in einer Beziehung bist. Es tut ihr schrecklich leid."
Draco nickte, kaum sichtbar. Er kannte sie doch ohnehin kaum.

Lucius beugte sich wieder über einige Blätter.
„Ich verstehe ohnehin nicht, wie deine Mutter auf diese Idee kam, dich mit Cora zu verkuppeln beziehungsweise Alienor um Hilfe zu bitten. Ich halte nichts davon, im engeren Familienkreis nach Ehepartnern zu suchen. So etwas geht nicht immer gut aus und das hat uns die Vergangenheit schon viel zu oft gezeigt."
„Astoria und ich sind nicht verheiratet, Vater. Und nicht verlobt."
Lucius sah erneut auf.
„Aber du meinst es mit ihr Ernst, ja?"
„Natürlich" beharrte er. „Ich möchte doch nur damit sagen, dass wir noch weit davon entfernt sind, so einen Schritt zu wagen."
Das alles war neu, und zwar für sie beide.
„Ich möchte, dass du das in Ordnung bringst, Draco. Nicht nur, weil mir dein und ihr Wohl am Herzen liegt. Ich will ungern Astoria als Angestellte verlieren. Sie leistet hervorragende Arbeit. Ihr Gehen wäre ein Verlust, nicht nur für unsere Familie, sondern auch für die Firma."

Dracos Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
„Du... du glaubst doch nicht, dass sie kündigen würde, oder?"
„Früher war das ihr Plan."
Draco ließ sich wieder auf seinen Sitz fallen.
„Ihr Plan?"
„Ja. Sie wollte hier nur ein paar Jahre arbeiten. Die Schulden ihrer Familie tilgen, sodass ihre Mutter abgesichert ist und für sich selbst sorgen kann. Nun, das hat der Mann von Daphne dann erledigt bei der Hochzeit, was nicht geplant war und ich war mir sicher, am nächsten Tag die Kündigung von ihr zu erhalten." Sie hatte aber nicht gekündigt. Sie war immer noch hier. „Sie hat zu Beginn auch oft davon gesprochen, wieder nach Amerika zu gehen. Sie hat dort viele Freundschaften und Beziehungen aufgebaut. Und doch ist sie noch da. Ich möchte, dass das so bleibt, Draco", fügte sein Vater eindringlich hinzu.
Das wollte er auch. Was brachte ihm Astoria in einem anderen Land am anderen Ende der Welt?






„Dir ist aber klar, dass du dich nicht auf ewig bei uns im Hotel verstecken kannst, oder?", fragte eine vertraute Stimme und Astoria sah von ihrer Zeitschrift auf, die sie auf dem gemachten Bett las. Ihre Schwester musterte sie abwartend und Astoria rollte mit den Augen. Sie hatte sich bei Daphne und dessen Mann Cooper versteckt. In einem verdammt teuren und edlen Hotelzimmer. „Ich rede mit dir, Fräulein", sagte Daphne entschieden und setzte sich zu Astoria aufs Bett.
„Ich bin nur noch ein wenig hier und gehe dann zurück in meine Wohnung. Versprochen."
Daphne seufzte.
„Das ist doch keine Lösung. Du musst mit Draco reden."
Daphne hatte es seltsamerweise weniger geschockt aufgenommen als Astoria befürchtet hatte, als sie ihrer großen Schwester alles gebeichtet hatte über die Beziehung, die sie mit Draco führte. Ohne zu sehr auf das Geheimnis einzugehen zwischen Lucius und ihr. Daphne wusste davon nämlich nichts.

„Nun, es heißt doch immer, was sich neckt, das liebt sich. Und in jeden solcher Weisheiten steckt ein wenig Wahrheit", hatte sie schlicht verkündet als Astoria weinend und wimmernd bei ihr aufgelaufen war, weil sie nicht wusste, wo sie hinsollte.
Tracey war noch in Manor gewesen und bei ihrer Mutter würde sie mit Sicherheit nicht vor der Tür stehen.
„Ich rede mit ihm nie wieder", murrte sie und Daphne kniff sie leicht in die Seite.
„Natürlich wirst du das tun. Du musst ihm zuhören. Tracey hat gesagt, dass er nie vorhatte, mit dieser Corina..."
„Cora", murmelte Astoria und Daphne winkte mit der Hand ab.
„Dann eben Cora, auf diesen Ball zu gehen."
Sagte zumindest Tracey. Sie hatte Draco darüber schimpfen gehört als er seiner Mutter gesagt hatte, dass er nie vorhatte, mit Cora dort hinzugehen. Angeblich.

„Du kannst ihn nicht weiter ignorieren. Er ist der Sohn deines Chefs. Außerdem bist du kein kleines Mädchen mehr. Kläre das", verlangte Daphne.
„Er ist ein Arschloch.", wisperte sie.
Sie wusste selbst nicht, wieso sie so wütend und enttäuscht war.
„Ja, aber er ist dein persönliches Arschloch", meinte Daphne neckisch und Astoria rollte mit den Augen. Ihre Schwester seufzte und umfasste ihre runde Mitte. Himmel, Daphne wurde Mutter, Astoria konnte sich immer noch nicht an diesen Gedanken gewöhnen. Es kam ihr unwirklich vor. „Du darfst ihm keine Vorwürfe machen. Du selbst hast mir erzählt, dass du es noch geheim halten wolltest. Narzissa Malfoy vergöttert dich und hätte sie gewusst, dass du schon längst mit ihrem Sohn in die Kiste steigst ..." Astoria murmelte empört den Namen von Daphne, die es ignorierte. „Dann wäre sie nie auf die bescheuerte Idee gekommen und hätte versucht, ihn mit diesem französischen Flittchen zu verkuppeln."

Astoria schlug genervt die Zeitschrift zu und setzte sich selbst auf.
„Ich glaube nicht, dass Cora ein Flittchen ist."
Ganz sicher nicht. Sie kam aus der hohen, feinen und vor allem reichen Gesellschaft. Sie hatte vermutlich mehr Moral und Anstand als Astoria sie hatte. Daphne griff nach einer ihrer Hände.
„Weißt du was, wir gehen morgen ohnehin alle auf den Ball." Sie rollte mit den Augen. Dieser fürchterliche Ball, auf den sie jetzt gar keine Lust mehr hatte. „Und keine Widerrede", fügte ihre ältere Schwester hinzu. „Wenn ich mit Babybauch dort auftauchen kann, gehst du dorthin und stellst dich Malfoys Eltern. Das bist du außerdem ihnen schuldig." Ja, vermutlich. „Und du redest mit ihm. Ich kann dich nicht weiter so leiden sehen."
„Ich leide nicht", widersprach sie energisch und Daphne zog spöttisch ihre Brauen hoch.
„Tori, du hast eindeutig Liebeskummer. Glaub mir."

Sie schnaubte verächtlich und Daphne drückte sie.
„Hör auf, dich dagegen zu wehren. Du magst dein Arschloch und er scheint dich zu mögen." Ja... vielleicht. Aber es lag noch so viel zwischen ihnen. Merlin, sie hatte so schlimme Dinge gesagt. Dinge, die Lucius gehört hatte. Mit dem sie noch nicht geredet hatte. Ihr wurde bei dem Gedanken schlecht. Sie umarmte ihre Schwester etwas fester und Daphne erwiderte die Umarmung. Strich ihr beruhigend über den Rücken. „Du bekommst das hin", flüsterte Daphne. „Du hast schon ganz andere Sachen hinbekommen."
Astoria schloss die Augen. Verdrückte zwei oder drei Tränen. Ihre Schwester hatte recht. Natürlich hatte sie recht. Und auch wenn es Astoria nicht laut zugeben würde vor Daphne, aber sie vermisste Draco schmerzlich.






Draco sah sich erneut um. Ging zum gefühlten hundertsten Mal den Saal ab und die Vorhalle. Sah bestimmt zum dreißigsten Mal auf seine Uhr und wollte sich am liebsten die Krawatte vom Hals reißen und seine obersten Knöpfe des Hemdes öffnen. Wo zum Teufel steckte sie? Hatte sie nicht zugesichert, dass sie kommen, würde zum Ball? Hatte das nicht sein Vater gesagt? Und hatte Tracey nicht vorhin noch gemeint, dass Astoria bestimmt gleich da sein würde? Sie war nicht da und das ließ ihn nervös werden. Er ließ erneut seinen Blick durch die Menge schweifen. Über das Tanzparkett bis hin zum Buffet und schwatzenden und tratschenden Hexen und Zauberer. Was, wenn sie nicht kam? Was, wenn sie mit ihm nie wieder redete? Was dann? Was sollte er dann tun? Ihre Wohnung niederreißen, damit er an sie rankam und sie ihm endlich zuhörte?

Er hielt mit seinem Blick inne als er Avery sah, mit Astorias Mutter. Diese unterhielt sich mit einer anderen Hexe, aber Averys Blick kreuzte seinem. Er neigte etwas den Kopf zur Begrüßung und Draco wandte sich ohne Gegengruß von ihm ab. Wichser. Er hatte jetzt keine Nerven für diesen Idioten und setzte sich in Bewegung als er Blaise mit Tracey am Buffet sah, wie Blaise scheinbar Tracey Punsch reichte.
„Tracey", sprach er sie an und die Blondine wandte sich überrascht um.
„Oh Draco", sagte sie und wirkte dabei freudig. „Was ist los? Hast du Astoria verloren?"
Er schnaubte.
„Witzig" Blaise sah ihn mahnend an bei dem harschen Ton. „Sie ist noch gar nicht aufgetaucht."
Traceys Stirn zog sich kraus.
„Aber das ist... das ist nicht möglich. Ich habe ihr vorhin noch geholfen mit den Haaren. Sie wollte nachkommen." Tracey wirkte plötzlich besorgt und sah sich um. „Vielleicht... hast du sie übersehen oder...", versuchte es Blaise und Draco unterbrach ihn sofort. „Nein. Sie ist nicht da. Ich bin mir sicher."

„Tracey", seufzte Blaise als diese ihr Ballkleid raffte und scheinbar Daphne und dessen Mann ansteuerte.
„Daphne", fing die Blondine an und griff nach der Hand von Astorias Schwester, die sich irritiert ihnen zuwandte. „Hast du Astoria gesehen?"
Daphnes Lächeln verschwand und Draco hörte ihren Mann fragen.
„Astoria? Müsste die nicht schon längst da sein?"
„Ich dachte, sie will nach dir aufbrechen?", entgegnete Daphne.
„Das dachte ich auch", sprach Tracey. „Ich verstehe es nicht."
Draco wurde unruhig. Was zur Hölle ging hier vor?
„Sie wollte also wirklich kommen, oder? Denkt ihr, sie hat es sich anders überlegt?"
„Nein", wehrte Tracey entschieden ab.
„Definitiv nicht", fügte Daphne hinzu. „Sie wollte das mit dir klären. Ihr ging es schlecht genug mit der Situation"
Aber warum war sie dann noch nicht hier?

Daphne wandte sich plötzlich von ihnen ab, mit den Worten
„Ich werde meine Mutter fragen." Draco folgte ihr, schnaubte aber voller Abscheu. Astoria und ihre Mutter schienen nicht gerade das beste Verhältnis zu haben und das noch weniger, seitdem sie sich mit diesem Idioten Avery verlobt hatte. „Mutter", begann Daphne und berührte ihre Mutter an der Schulter, die sich zu ihrer Tochter umwandte und breit lächelte.
„Schätzchen. Du siehst bezaubernd aus."
„Hast du Astoria gesehen?"
„Nein, habe ich nicht. Wieso?"
„Weil sie noch nicht da ist", antwortete Draco und Cecilia Greengrass musterte ihn.
Sie wusste vermutlich nicht, dass Draco und ihre Tochter etwas miteinander hatten. Sie rollte mit den Augen.
„Himmel, Kinder. Vermutlich hatte sie keine Lust. Astoria war doch schon immer so."
Daphne schüttelte den Kopf.
„So ein Unsinn, Mutter."
Davon abgesehen, was konnte sie schon von ihrer Tochter wissen? Sie hatte sogar die Vormundschaft an Dracos Vater abgegeben.

Er hatte genug davon. Er wandte sich um und hörte, wie Daphne ihm folgte.
„Wo willst du hin?", wollte sie wissen als sie ihn eingeholt hatte und dabei nach seiner Hand griff.
„Nach deiner Schwester sehen", entgegnete er. „Jeder von euch sagt mir, dass sie hier sein wollte und sie ist nicht da. Das ist doch nicht normal."
„Vielleicht hat sie Angst", ließ Daphne ihn wissen und er runzelte die Stirn. Daphne trat näher und senkte die Stimme. „Draco, Astoria ist in vielen Dingen... kompliziert. Aber sie mag dich und diese ganze Sache hat stark mitgenommen. Es lief einfach nicht ..."
„Optimal", ergänzte Draco Daphne. „Ja, ich weiß. Ich werde trotzdem nach ihr sehen, wenn Tracey und du denkt, dass es untypisch für sie ist..."
„Ist es auch", bestätigte Daphne. „Sollte sie aber sich wirklich mit Absicht nicht gekommen sein, darfst du sie gerne verfluchen."
Er lächelte schwach. Das würde er nicht tun. Aber er würde mit ihr reden und sich entschuldigen.

Er verließ den Ballsaal und ging zu einem der Kamine, um dort nach dem Flohpulver zu greifen. Er fürchtete im ersten Moment, dass der Kamin blockiert sein könnte, war er aber nicht.
„Astoria", sagte er laut als er sie nicht im Wohnraum sah. Wo zur Hölle war sie? Er warf einen kurzen Blick ins Schlafzimmer und dann in die Küche. Doch er sah sie nicht. War sie vielleicht doch schon auf den Ball? Hatten sie sich verfehlt? Wo könnte sie ansonsten stecken? Er wandte sich wieder dem Kamin zu und wollte gerade nach weiterem Flohpulver greifen als er es scheppern hörte und er innehielt. Das kam aus dem Bad. „Tori?", fragte er laut und ging zurück.
Wieso hatte sie nicht einfach geantwortet, zur Hölle? Was sollte dieses Versteckspiel?

Als er die Badezimmertür öffnete und das Bild sah, dass sich ihm darbot, brauchte er einen Moment, um zu erfassen, was er dort erblickte. Es kam ihm wie eine halbe Ewigkeit vor, obwohl es nur ein Bruchteil von Sekunden war. Es sah beinahe so aus als wäre der schmalen Streifen des Badezimmerbodens verdeckt mit einem Haufen aus hellgrauem und rosafarbenem Tüll und Seide Berg und mitten darin Astoria. Die ihre Hand am Duschwannenrand hatte. Er sah die Flasche mit dem Shampoo in der Duschwanne. Vermutlich die Ursache für das Geräusch. Sie zitterte und röchelte. Sie bekam eindeutig keine Luft.
„Tori", rief er panisch aus und kletterte über sie in dem Ballkleid, um nicht auf sie zu steigen. „Astoria", sprach er panisch als er sie auf den Rücken drehte und gleichzeitig in eine sitzende Position zog.

Ihre Augen zeigten panische Angst. Sie war unheimlich blass, beinahe schon bläulich. Ihre Lippen wirkte blau. Ihre Atmung war rasselnd und abgehakt. Draco verspürte Angst.
„Was ist mit dir? Astoria..." Sie schien etwas sagen zu wollen, doch sie schaffte es nicht. Sie erstickte. Er hob sie hoch. Hielt sie fest als er mit ihr in den Kamin stieg und stolperte beinahe mit ihr als er ankam. „Ich brauche Hilfe!" Das Personal, das in der Abteilung vom St. Mungo war, wirkte verwirrt. „Bitte", fügte er laut hinzu und lief den Schwestern entgegen, die eine Liege hervorholten.
„Was ist passiert?", fragte ein Heiler und Draco schüttelte den Kopf, während er nach Astorias Hand griff.
„Keine Ahnung. Ich habe sie so im Badezimmer gefunden. Sie kriegt keine Luft."
Sie erstickte. Sie erstickte eindeutig. Er wurde aufgehalten als der Heiler und die Schwestern sie weiterschoben und etwas vom
„Schockraum drei", rief.
Astorias Finger rutschten aus seiner Hand und er sah ihr angsterfüllt nach.
„Ich muss..."
„Nein, Sir", sagte einer der Schwestern und er spürte seinen abgehakten Atem. „Sie können da nicht mit rein. Sie müssen warten."
Warten? Er sollte hier warten, während Astoria vielleicht... Sie erstickte.


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