Es kam zu keinen Komplikationen. Ihre Werte wurden etwas besser. Nun, zumindest, wenn man dem Heiler glauben durfte. Draco konnte das nicht beurteilen. Er wusste nur, dass Astoria seit fünf Tagen in dem künstlichen Schlaf lag und noch nicht aufgewacht war, obwohl man den Zauber gelöst hatte.
„So etwas dauert immer. Sie müssen mehr Geduld haben, Sir", hatte heute eine Pflegerin gesagt, als sie Astorias Werte kontrolliert hatte und die Zauber überprüft hatte, die ihr Überleben sicherten.
Geduld. Er hatte keine Geduld. Nicht die geringste. Daphne war jeden Tag da. Sie kam meistens sehr früh und ging am späten Nachmittag. Heute sogar ohne Protest, was Draco verwundert hatte. Er rieb sich über die Stirn und ließ Astorias Hand los, nur um aufzustehen und zu dem Fenster zu treten, das nicht verhext war. Es ging scheinbar wirklich raus und zeigte einen winzigen Teil einiger aneinanderreihender Häuser. Die Sonne ging unter und tauchte die Gegend und die Dächer in ein sattes Orange.
Er war müde und erschöpft, aber er hielt es zu Hause nicht aus. Er hatte es versucht. Nur, weil seine Eltern nicht aufgehört hatten auf ihn einzureden. Aber kaum war er zu Hause wurde er unruhig und wollte wieder hierher. Jones hatte ihm angeboten, ihm einen Schlummertrank zu verschreiben. Draco hatte es abgelehnt. Er wollte wach sein. Er wollte erreichbar und abrufbar sein, falls sich Astorias Zustand änderte. Er wandte den Kopf als er dachte, ein Rascheln zuhören und sah wieder nach draußen, als er nichts entdeckte. Potter hatte William einbestellt. Er würde morgen kommen. Er war irgendwo in Afrika unterwegs und seine Familie hatte Schwierigkeiten ihn zu erreichen. Scheinbar war er immer schwer zu erreichen, wenn er Urlaub machte. Vollidiot.
Draco legte den Kopf in den Nacken. Hoffentlich wusste er, was Astoria in Frankreich und Deutschland gesucht hatte. Sie wussten noch nicht, ob diese Reise zusammenhing mit dieser Sache, aber sie nahmen es alle an. Im Grunde sah Draco das ganze momentan wie sein Vater. Wer sonst hätte ein Motiv, Astoria aus dem Weg zu räumen? Niemand. Niemand außer Avery. Wobei Draco noch nicht verstand, wieso. Wenn Astoria Avery nicht verraten konnte, ohne Dracos Vater zu verraten, stellte sie in diesem Punkt keine Gefahr für das Arschloch da. Außer Astoria hatte etwas gefunden oder in der Hand gegen Avery, was sie eben noch nicht wussten und was im Zusammenhang mit ihren Auslandsreisen zu tun hatte. Sie hatten so viele Dinge zu klären. Vor allem würde er sie jedes Detail in ihrem Leben ausfragen. Er wusste viel zu wenig von ihr. Das wollte er ändern. Er wollte alles wissen. Was sie mochte und was nicht. Welche Ängste sie hatte. Einfach alles.
Es raschelte wieder und er drehte sich erneut um und zuckte innerlich heftig zusammen, als er sah, dass sich Astorias Fuß unter der Decke rührte und plötzlich ihre Finger sich in das Laken krallten. Er war mit wenigen Schritten beim Bett.
„Astoria?", fragte er aufgeregt und sie blinzelte. In ihrem Blick lag Angst. Die Geräte piepten, die ihren Herzschlag zeigten. Er griff nach ihrer Hand. Sie war wach. Sie wollte mit der anderen Hand nach etwas greifen und er hielt sie auf. Die Beatmung. Er wandte sich um und riss die Zimmertür auf. „Ich brauche hier dringend Hilfe", sagte er laut und zwei Pflegekräfte kamen angerannt.
Eine wandte sich um, als sie sah, dass Astoria wach war.
„Ich hole Jones."
Die andere trat mit Draco ans Bett und schaltete den lästigen Ton des Gerätes ab.
„Es ist die Beatmung. Sie kann vermutlich selbst atmen, deshalb stört es sie."
Nun Draco nahm an, dass es nicht gerade angenehm war, mit einem verdammten Schlauch im Rachen aufzuwachen.
„Ganz ruhig", sprach die blonde Schwester. „Entspannen sie sich, Miss Greengrass", forderte sie und entfernte den Tubus
Astoria hustete und Draco drückte ihre Finger. Sie atmete mehrmals tief ein und aus. Sie atmete. Sie atmete von selbst.
„Tori", sagte Draco schwer und sie blinzelte erneut. „Kannst du uns verstehen? Erkennst du mich?", fragte er hektisch.
Jones hatte gesagt, er wüsste noch nicht, wie ihr physischer und psychischer Zustand sein würde, wenn sie aufwachte. Nur dass sie viel Regeneration brauchte und mehrere Behandlungen für die geschädigten Organe. Er trat näher an sie ran. Legte eine Hand an ihr blasses Gesicht.
„Tori", wisperte er schwer und sie sah ihn wieder direkt an.
„Draco", krächzte sie und Draco wollte lachen, doch es klang einfach nur wie ein flehender Schluchzer, bevor er sich vorbeugte und ihre Stirn küsste und ihre Wange.
Er spürte Tränen. Seine Tränen.
„Merlin sei Dank", presste er schwer hervor und wandte den Kopf, als er hastige Schritte hörte. Die Schwester mit Jones. „Sie ist wach", sagte Draco sinnloserweise, während der Heiler auf sie zutrat.
„Wir brauchen sofort eine Untersuchung ihrer Werte", ordnete er an und die Schwestern nickten, während er Astorias Augenreflexe überprüfte. „Wissen Sie wer sie sind?", fragte Jones.
„Astoria Katherine Greengrass", erwiderte Astoria mit leiser, kratziger Stimme.
„Wissen Sie wer das ist?", fragte Jones und wirkte aber bereits erleichtert, während er auf Draco kurz zeigte.
Ihre Blicke trafen sich erneut.
„Draco Malfoy. Mein Freund."
Er griff wieder nach ihrer Hand. Drückte ihre Finger und sie drückte zurück. Ja, das war er. Ihr Freund.
„Was ist passiert?", hakte sie nach und sie wirkte unsicher.
„Woran können Sie sich als Letztes erinnern?"
Sie schien darüber nachzudenken.
„Ich wollte auf den Ball. Tracey hat mir geholfen bei meinen Haaren. Ich habe noch etwas getrunken und wollte mein Make-up machen und plötzlich habe ich keine Luft bekommen." Sie sah wieder zu Draco. „Du hast mich hierher gebracht."
Er nickte stumm. Ja und er hatte gedacht, dass sie sterben würde an diesem Tag. Jones nickte.
„So ist es. Miss Greengrass sie hatten eine Verkrampfung der Lunge und Erstickungsnot, weil sie vergiftet wurden."
„Vergiftet?", wiederholte sie. „Wie?"
„Der Saft", antwortete Draco. „Der wurde im Kühlschrank bei dir gefunden."
Sie schüttelte darüber den Kopf.
„Aber er war versiegelt. Er ist aus dem Laden um die Ecke. Da hole ich ihn immer."
Sie hustete erneut und griff sich dabei an den Hals.
Der Heiler lächelte milde.
„Das Kratzen wird noch ein wenig andauern. Sie waren über fünf Tage an der Beatmung angeschlossen."
Ihre Augen wurden groß.
„Wie bitte?"
Sie sah Hilfe suchend zu Draco, doch dieser nickte nur zustimmend.
„Es hat sehr schlecht um sie gestanden, Miss Greengrass. Sie wurden mit den Samen des Wunderbaumes vergiftet. Hoch konzentriert und magisch verändert. Die Wirkung trat wenige Minuten nach Verzehr auf."
„Aber... wer?"
Draco wollte etwas sagen, doch Jones war schneller.
„Die Auroenzentrale ermittelt. Wir sollten uns jetzt erst auf ihre Genesung konzentrieren. Ja?" Sie nickte wie in Trance und der Heiler wandte sich Draco zu. „Ich werde den anderen Bescheid geben."
„Danke", murmelte Draco und sah dem Mann und den Pflegerinnen nach, bevor er sich wieder zu Astoria beugte.
Ihr Gesicht umfasste. Seine Stirn gegen ihre lehnte.
„Ich habe dich fast verloren", flüsterte er und sie wimmerte.
„Es tut mir so leid, Draco." Er schüttelte den Kopf, während er sich etwas von ihr löste, nur um sich auf den Rand des Bettes zu setzen. „Dieser dumme Streit. Ich wollte mich beim Ball entschuldigen und versöhnen und..."
Sie brach ab, als er seine Finger mit ihren verschränkte.
„Ich bin selbst schuld. Ich hätte es dir erklären sollen. Ich hätte dir gleich zu Beginn von Cora erzählen sollen und von der Idee meiner Mutter. Sie wusste nicht, dass wir etwas miteinander haben, sonst wäre sie nie auf so eine dumme Idee gekommen."
„Trotzdem tut es mir leid", schluchzte sie.
„Mir auch, Astoria", antwortete er und führte ihre Hand zu seinen Lippen, um ihre Fingerspitzen zu küssen. „In Zukunft werden über so etwas sofort reden."
Und nicht noch einmal zulassen, dass sie im Zorn aufeinander auseinander gingen.
Draco sah dabei zu, wie Daphne bei ihrer Schwester auf dem Bett saß und irgendetwas erzählte, was Astoria zum Lächeln brachte. Vor gut einer Stunde als Daphne hier angekommen war, mit ihrem Mann, der mittlerweile auf dem Stuhl vor dem Bett saß, sah das ganze noch anders aus. Sie war Astoria schluchzend und weinend um den Hals gefallen und hatte sie gefühlte zehn Minuten nicht mehr losgelassen.
„Was wird jetzt passieren?", fragte sein Vater und Draco wandte sich von dem Zimmer ab und sah zu Jones und seinen Vater, der wie er im Flur standen.
„Die nächsten Tage werden wir viele Heiltränke verabreichen und einige Zauber sprechen, damit die Organe sich regenerieren. Die Werte sind immer noch nicht optimal. Leber, Nieren und das Herz. Ich denke, wenn es zu keinen Komplikationen kommt, darf sie in einer Woche oder vielleicht auch erst in zehn Tagen das Hospital verlassen."
Jones seufzte.
„Und dann gilt abzuwarten, wie schnell sie wieder fit ist und ob wir alles wieder so herstellen können, wie vor der Vergiftung." Jones blickte durch die Scheibe ins Zimmer. „Sie wird viel Erholung und Zeit brauchen."
„Sie kriegt das hin", sprach er und der Heiler und sein Vater sahen ihn an. „Sie hat es bis hierher geschafft, sie bekommt das auch bis zum Schluss hin."
Da war er sich ganz sicher. Der Heiler nickte und sah dann wieder Lucius an.
„Wissen die Auroren schon mehr?"
„William kommt morgen im Ministerium an und bis dahin wird dieser nette Freund hier..." Sie alle drei sahen zu dem Auroren der einige Meter vor Astorias Zimmer stand. „Hier sein. Die werden nicht zulassen, dass man sie nochmal vergiftet. Die werden auch die Wohnung bewachen und meine Frau hat alle Lebensmittel in Astorias Wohnung vorsorglich entsorgen lassen."
„Was ist mit der Kosmetik?", hakte der Heiler nach.
„Kosmetik? Ist das nicht ein wenig übertrieben?", fragte Draco gegen und bevor der Heiler etwas sagen konnte, meinte sein Vater gelassen.
„Ich werde, das auch auswechseln lassen."
Sie blickten wieder zu Astoria, die immer noch unnatürlich blass aussah.
„Sie hatte einfach nur Glück. Wenn sie sie nur ein paar Minuten zu spät gefunden hätten. Vielleicht zwei Minuten, dann hätten wir auch nichts mehr tun können."
Das wusste er. Man hatte versucht sie zu töten und sollte es Avery gewesen sein, würde Draco ihm höchstpersönlich seinen verdammten Kopf abreißen. Sie würden sie beschützen. Seine Eltern, die Auroren und natürlich er. Sie würden nicht mehr zulassen, dass Astoria dem Tode so nahekam.
Astoria sah, wie Harry Potter sie aufmerksam musterte, während er vor ihm Krankenbett saß, mit einer aufgeschlagenen Mappe, einer selbstschreibenden Feder und einem Block, der vor ihm schwebte. Er war nicht zufrieden mit ihren Antworten. Aber sie konnte nichts anderes zu dem Saft sagen. Sie hatte den Saft schon Wochen zuvor gekauft und scheinbar hatten sie das überprüft. Es gab eine Videoaufnahme wie sie an der Kasse zahlte, und zwar für ein paar Äpfel, Milch, Erdnussbutter und zwei Flaschen dieses Saftes. Sie kaufte in dem kleinen Laden um die Ecke eigentlich nur ein, wenn sie Kleinigkeiten brauchte. Die Flasche war verschlossen gewesen. Sie hatte sich noch furchtbar über das Vakuum aufgeregt, was das Öffnen erschwert hatte. Aber in der Flasche war nachweislich das Gift gewesen. Das hatte die Untersuchung im Labor ergeben. Sie konnte nur nicht sagen, wie das Zeug da hineingekommen war.
„Sie trauen das also Avery Edward auch zu?", fragte er weiter und sie zuckte beiläufig die Schultern.
„Ich wüsste nicht, wer sonst etwas gegen mich hat."
Und dieser Kerl war ein eiskalter Bastard. Sie traute ihm wahrlich alles zu. Sie spürte den Blick von Draco, der am Fenster lehnte und den von Lucius, der am Ende des Bettes stand.
„Miss Greengrass, was haben sie in Frankreich und Deutschland getan?"
Sie zog etwas ihre Brauen nach oben und musste ihr Erstaunen besser verbergen. Woher zur Hölle wusste er davon und warum war das relevant?
„Ich habe Nachforschungen betrieben."
„Nachforschungen?", wiederholte Potter und runzelte dabei die Stirn. „Welcher Art?"
„Über meinen Großvater." Und deren verlorenes Gold, um genauer zu sein. Das scheinbar die Familie Avery sicher aus dem Lande gebracht hatte. Sie lächelte milde. „Über die Vergangenheit. Nichts Weltbewegendes."
Sie sah genau, wie Lucius Augen sich verengten. Er glaubte ihr nicht. Potter sah auf die Mappe.
„Mr. William Doyles hat heute Vormittag gesagt, dass Sie in Deutschland waren. Bei einer Kanzlei." Er brach ab und schien etwas zu suchen und sah mit seinen grünen Augen auf. „namens Berger & Fischer in Heidelberg."
„Das ist korrekt", antwortete sie knapp.
„Was hatten sie dort zu tun?"
Sie biss sich kurz auf die Zunge, bevor sie gelassen meinte.
„Informationen gesammelt."
Potter glaubte ihr nicht. Kein bisschen.
„Miss Greengrass, ich bin nicht der Feind." Nein, war er nicht. Aber er mischte sich in etwas ein, was ihn nichts anging und was nichts mit der Sache zu tun hatte .... Glaubte sie zumindest. „Die Kanzlei ist auf Erbrecht spezialisiert", erklärte Potter und sie unterdrückte es, mit den Augen zu rollen.
„Erbrecht?", fragte Lucius irritiert und Potter reichte ihm ein Blatt.
Vermutlich die Aussage von William.
„Mr. Doyles hat sie zwar begleitet, war aber nicht dabei bei dem Termin und weiß auch nicht, um was es ging."
Lucius schüttelte etwas den Kopf und fixierte Astoria.
„Was hast du dort gesucht? Warum hast du Fischer aufgesucht?"
„Fischer?", wiederholte Potter sofort. „Sie kennen die Herren also?"
Lucius sah zwischen ihnen hin und her, bevor er Potter das Dokument reichte.
„Ich nehme es an. Zumindest kenne ich einen Mann namens Fischer. Mr. Fischer war ein Freund von Hyperion. Ihre Väter kannten sich bereits. Astorias Großvater hat bei ihm sein Testament gemacht beziehungsweise ergänzt. Nachdem die Kanzlei Gredberger in England geschlossen hat." Sinnloserweise. Denn es waren nur Schulden da. Nun... fast. „Und auch Hyperions letzter Wille lief über diese Kanzlei."
Lucius sah Astoria wieder an und Potter tat es dem Älteren gleich. Sie seufzte.
„Ich habe mich über einige Bedingungen informieren müssen."
„Bedingungen?", wiederholte Lucius wieder. „Welche verdammten Bedingungen?"
Ihr Kiefer spannte sich an. Sie kam aus der Nummer nicht mehr raus.
„Ich habe mich informiert, ob das Grundstück veräußert werden kann im Falle einer neuen Bindung, die meine Mutter eingehen würde."
Potter schien damit nichts anfangen zu können, aber in Lucius Augen regte sich etwas.
„Du hast Angst, dass Avery das Grundstück, ich meine, das Anwesen veräußert?"
Sie lächelte gelassen.
„Das kann er nicht. Fischer hat mir erklärt, dass meine Mutter zwar lebenslanges Wohnrecht hat, aber sie als keine Greengrass, keine geborene, nicht das Recht hat, irgendetwas zu veräußern. Es muss im Besitz der Familie bleiben und kann nur von den Erben veräußert werden."
Schach für sie. Fehlte nur noch das Matt, um Avery fertigzumachen, aber vielleicht hatte er das schon selbst getan, wenn er wirklich versucht hatte, sie aus dem Weg zu räumen.
Potters Feder notierte wieder etwas.
„Noch etwas?", fragte der Auror nach und Astoria schüttelte den Kopf. Potter musterte sie einen Augenblick, bevor er seufzte und aufstand. „Gut. Wir werden Mr. Avery einbestellen und befragen." Sie unterdrückte ein Schnauben. Was glaubte Potter, dass Avery einknickte wegen einer dummen Befragung? Heulte und um Vergebung bat und alles gestand? „Ich halte sie auf dem Laufenden."
Sie nickte stumm und Lucius begleitete ihn nach draußen. Sie sah, wie Lucius mit Potter redete, verstand aber nicht, was geredet wurde und sah Draco an, als dieser sich in ihr Blickfeld schob und er sich zu ihr auf den Rand des Bettes setzte.
„Du hast Angst, dass Avery euer Anwesen veräußert?"
Sie zucke die Schultern.
„Es war ein Einfall. Was sollte er sonst von meiner Mutter wollen? Sie bekommt eine monatliche Zuwendung von Daphnes Mann und mir. Das ist alles. Sie hat kein Vermögen. Was sollte der Kerl sonst von ihr wollen?"
Draco schien ihr Gesicht abzusuchen.
„Und Frankreich? Welche Nachforschungen hast du dort betrieben?" Sie senkte kurz den Blick und er murmelte ihren Namen. „Wollten wir nicht jetzt immer ehrlich zueinander sein?"
Sie guckten sich wieder an und gerade als sie den Mund aufmachen wollte, stürmte Lucius regelrecht ins Zimmer und schlug die Tür zu. Er kochte vor Wut.
„Frankreich? Ist das dein Ernst?" Sie wollte etwas sagen, doch er unterbrach sie sofort. „Gehst du schon wieder diesem Blödsinn nach, wegen des verspielten Vermögen deines Großvaters?"
„Das ist kein Blödsinn", erwiderte sie verärgert.
„Macht es einen Unterschied?!", schrie er sie beinahe an und Draco sagte scharf.
„Vater."
Doch Lucius schien sich davon nicht beirren zulassen.
„Wird es etwas ändern?" Sie kniff die Lippen zusammen und sah Lucius nicht an. „Dein Großvater ist tot. Der Mann, der ihn vermutlich ausgenommen hat, ist tot. Du kannst niemanden vor Gericht stellen."
Das hatte ihr William auch schon gesagt und Fischer.
„Ist es das wirklich wert gewesen?", fragte Lucius und sie biss sich auf die Zunge. „War es das Wert, dein Leben aufs Spiel zu setzen?"
„Mein Leben?", fragte sie gegen. „Was hat das mit dem Anschlag zu tun?"
„Denkst du nicht, dass Avery sich vielleicht provoziert fühlt?"
Sie schüttelte den Kopf.
„So ein Unsinn. Woher sollte er das wissen? Wenn er einen Grund hat mich zu töten, dann um an das Grundstück zukommen."
„Schwachsinn. Avery hat genug Gold", schimpfte der Ältere weiter mit ihr.
„Hat er nicht", knurrte sie und Lucius Augen formten sich kurz zu Schlitzen.
„Was bedeutete das?"
„Dass er zwar nicht Arm ist. Aber das Meiste im Ausland liegt und er es nicht einfach einführen kann, weil er sonst erklären müsste, wo das Vermögen herkommt."
„Wieso hast du das Potter nicht erzählt?", forderte Lucius und sie zuckte die Schultern. Er schnaubte. „Weißt du, an was mich dein Verhalten erinnert? An diese Gleichgültigkeit wie nach dem Krieg."
„Das ist gar nicht wahr", antwortete sie erbost.
Wie konnte er das sagen?
„Doch ich denke schon. Du fechtest hier einen verdammten Kleinkrieg aus und..."
„Er ist ein Verbrecher", unterbrach sie den Älteren und ihr Puls schoss Augenblick in die Höhe, sodass die Überwachung sofort Alarm schlug.
„Muss das sein?", forderte Draco zu wissen und weder Lucius noch Astoria interessierte es.
„Wenn es dir wichtig ist, dann lass mich mit den Auroren reden."
„Nein."
„Zum Teufel nochmal, Astoria!", donnerte Dracos Vater. „Ich werde nicht dabei zusehen, wie du unnötigerweise dein Leben aufs Spiel setzt." Ihre Finger krallten sich in die Laken. „Das, was passiert ist, ist schlimm. Aber nichts wird es ungeschehen machen. Nichts wird dir deinen Vater zurückbringen." Wie konnte er jetzt damit anfangen? Sie schluckte hart. Sie würde nicht weinen. Nicht jetzt. „Das alles wird nichts ändern, Astoria", betonte Lucius jedes Wort. „Und auch wenn du glaubst, dass du dich besser zum Schluss fühlst, glaube mir, dass es nicht so sein wird. Es gibt keine zufriedenstellende Gerechtigkeit."
Es musste sie aber geben.
„Entweder das hört auf", drohte er und ihre Blicke trafen sich erneut. Sein Blick vielsagend. Stark und durchbohrend. „Oder ich werde alles erzählen, was damals passiert ist. Und ich werde dich zum Psychologen wieder zehren, wenn es nötig ist."
Sie schüttelte energisch den Kopf.
„Ich bin nicht verrückt."
Das war sie nie gewesen und doch war sie sich so vorgekommen nach dem Krieg, weil ihr nicht so geglaubt wurde, wie es sein sollte. Keiner ihr geglaubt hatte, wie Lucius und die Heiler, die sie behandelt hatten. Sie war sich verrückt vorgekommen, sich anhören zu müssen, dass sie abschließen musste. Abschließen?! Als wäre das so einfach.
„Aber dein Verhalten ist es" War es nicht. „Siehst du nicht, wie knapp du dem Tod entkommen bist? Zur Hölle nochmal, wenn Draco nur ein paar Sekunden später oder gar nicht..."
„Vater", sagte Draco erneut scharf und Astoria wischte sich über die Augen.
Lucius holte tief Luft.
„Ich werde zu Potter gehen. Er sollte das mit dem Vermögen wissen"
Und ohne ein weiteres Wort ging er. Astoria fühlte sich noch schlechter als zuvor.
„Tori", murmelte Draco und strich ihr über die Wange, wie sie selbst, um die Tränen wegzuwischen. Er flüsterte erneut ihren Namen und sie spürte, wie sie zitterte, während sie versuchte ein Wimmern zu unterdrücken, nur um im nächsten Moment von ihm an seine Brust gezogen zu werden. „Schon gut", hörte sie ihn leise reden. „Weine ruhig. Lass es raus." Sie schluchzte auf. Klammerte sich an ihn, während ihr Körper unter ihrem Gewimmer erzitterte und sie einfach nur weinte. Sie wollte nicht mit Lucius streiten, aber sah er nicht, dass sie wenigstens irgendetwas tun musste, ohne Lucius selbst in die Schusslinie zu bringen. „Schon gut", hörte sie Draco sagen. „Schon gut."
Nichts war gut. Lucius war stockwütend auf sie. Sie hockte hier fest im Krankenhaus. Es gab so viele Geheimnisse zwischen Draco und ihr und dieser Wichser von Avery lief munter in England weiter frei herum.
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Leidenschaft umfasst Liebe und Hass
FanfictionSie war für Draco ein Dorn im Auge und es machte es nicht gerade besser, dass sein Vater ihr Mentor war und er sie praktisch jeden Tag zu Gesicht bekam. (Drastoria).
