Sie tigerte unruhig in dem Badezimmer hin und her. Ignorierte die besorgten Stimmen von Narzissa und Draco, die versuchten sie dazu zubewegen, herauszukommen und vor allem zu erzählen, was los war. Sie konnte nicht. Zur Hölle, sie hatte das Gefühl, nicht mehr klar denken zu können. Den Verstand zu verlieren. Ihre Atmung ging abgehakt und sie versuchte das Gefühl der Übelkeit zu unterdrücken. So wie die Panik, die sich in ihr aufbaute. Sie schüttelte den Kopf. Es konnte nicht stimmen. Es war nicht wahr. Es durfte einfach nicht wahr sein. Sie blieb vor dem Spiegel stehen. Ihre Brust hob und senkte sich schwer. Ihr Gesicht war blass. Sah sie diesem Schwein ähnlich? Sie konnte es nicht sagen. Nein. Nein, einfach nein, dachte sie entschieden und wandte sich von ihrem eigenen Abbild ab.
Wie konnte ihre Mutter ihr so etwas antun? Wie zur Hölle konnte sie das ihrem Mann antun? Astoria fuhr sich an die Stirn. Ihrem Vater antun? Wie konnte sie ihn so hintergehen? Sie hatte schon viel infrage gestellt, aber das hier stellte ihr komplettes Leben infrage. Es konnte nicht wahr sein, dass der Mann, zu dem sie aufgesehen hatte, der ihr immer ein Vorbild war, sie großgezogen und behütet hatte, nicht ihr Vater war. Es durfte nicht sein, dass Avery, dieses Schwein, ihr Vater war. Der Kerl, der beim Überfall auf ihrer Familie dabei war, vermutlich bei der Ermordung und Folterung der Anwesenden geholfen hatte und dann noch versucht hatte, mit seinem Kollegen sie zu missbrauchen. Sie setzte sich in die Ecke des Badezimmers als ihr schwindelig bei dem Gedanken wurde und zog ihre Beine ganz eng an ihren Körper, bevor sie diese umfasste, um das Zittern zu unterdrücken. Sie würde den Verstand verlieren, wenn es wahr war.
Es klopfte wieder an der Badezimmertür.
„Tori", hörte sie Dracos besorgte Stimme. „Mach bitte auf." Sie war abgehauen. Hatte das Ministerium fluchtartig verlassen und war regelrecht in Dracos Wohnung durch den Kamin zurückgestolpert, nur um im Anschluss einfach Draco und Narzissa stehen zulassen, die besorgt und verstört gewirkt hatten. „Sag mir doch wenigstens, was passiert ist", forderte er und sie schloss die Augen wieder. Das konnte sie nicht. Sie würde das niemanden erzählen. Keiner durfte das erfahren. Niemals. Es durfte einfach nicht wahr sein. Es konnte nicht stimmen. Es durfte nicht... „Astoria", forderte Draco erneut. Er rüttelte an der Tür. „Lass mich hinein. Bitte." Er klopfte erneut. „Astoria, mach auf oder ich hexe die Tür auf", drohte er.
Und dann? Was würde es ändern? Sie schluchzte gegen ihre Knie. Sie kam sich wertlos vor. Wertlos und dreckig.
Sie hörte Stimmen vor der Tür und dann wieder ein Klopfen.
„Astoria." Sie hob den Kopf. Lucius. Lucius, der es wusste. „Kann ich hereinkommen?" Würde sich irgendwer von ihnen aufhalten lassen? Selbst Draco würde die Tür vermutlich aufhexen. Die Tür klackte und Astoria blickte auf als die Tür aufging. Lucius stand im Rahmen und hinter ihm Draco. Sie umfasste noch fester ihre Beine. „Tori", murmelte Lucius schwer und sie schüttelte heftig den Kopf.
„Es kann nicht stimmen." Sie schluckte hart. „Es darf nicht stimmen. Nicht er."
Sie wollte am liebsten obliviert werden. Nie dabei gewesen sein, wenn ihre Mutter davon sprach.
„Astoria", sprach Lucius und ihre Finger krallten sich in ihre Hose, während er auf die Knie vor ihr ging. Sie zuckte innerlich heftig zusammen, als er sie an der Schulter berührte. „Wir werden es testen lassen. Ja?" Sie wimmerte. „Wir lassen es überprüfen."
Und wenn es stimmte? Was sollten sie dann tun? Sie beugte sich vor. Drückte ihr Gesicht wieder gegen die Knie und schluchzte auf. Das war ein Albtraum. Es wäre schlimmer als damals nach dem Krieg, da war sie sich sicher.
Draco sagte nichts. Saß, wie seine Mutter, schweigsam an seinem Esstisch und wusste nicht, wie er auf die ganze Sache reagieren sollte. Er hatte nicht verstanden, was eigentlich los war. Selbst als sein Vater im Bad etwas von Testen lassen erzählt hatte. Er hatte nicht kapiert, warum Astoria so aufgewühlt war. Es hatte unendlich lange gedauert, bis sein Vater und er Astoria dazu gebracht hatten ins Schlafzimmer zu gehen. Sie hatten Jones holen lassen. Er hatte Astoria etwas zur Beruhigung gegeben. Notwendigerweise. Astorias Körper war immer noch geschwächt. Erst als Jones weg war, hatte Lucius vom Verhör erzählt und Draco konnte es immer noch nicht glauben. Es war absurd und einfach nur surreal.
„Wusste Hyperion davon?", fragte seine Mutter plötzlich nach einer unendlichen Stille und Lucius schüttelte den Kopf.
„Laut Cecilia nicht. Sie hatte es nicht einmal Avery erzählt. Er weiß es erst seit kurzem. Also, die Möglichkeit. Es ist nicht bestätigt."
„Du meine Güte", wisperte Narzissa und Dracos Kiefer spannte sich an. Wäre es wahr, hätte Avery dabei geholfen, seine Tochter beinahe zu vergewaltigen. Auch wenn es nur der Versuch war. Als wäre das ganze nicht schon schlimm genug. Es machte alles nur noch widerlicher. „Ich kann das nicht glauben. Sie hat so viel von Hyperion", warf die Ältere ein.
„Hat sie das?", fragte Dracos Vater gegen. Lucius seufzte. „Erst ein Abgleich wird ihr Sicherheit geben und den braucht Astoria."
„Was, wenn er es ist?", warf Draco besorgt ein. „Dann ist die Sicherheit nebensächlich. Dann hat ihr Erzeuger dabei geholfen..."
Draco brach kopfschüttelnd ab. Er ertrug den Gedanken nicht.
„Es muss sein", meinte der Ältere knapp.
„Aber scheidet damit nicht Avery als Täter aus?", sprach Narzissa ruhig und sah zwischen ihnen hin und her. „Wenn er gewusst hat, dass die Möglichkeit besteht, dass sie seine eigene Tochter ist. Ich meine, ich bitte dich Lucius, er wird doch nicht versucht haben sein eigenes Kind zu töten?"
„Darauf würde ich nicht wetten", wehrte er ab.
Draco auch nicht.
„Ich bitte dich. Denkst du das wirklich?"
„Avery ist ein krankes Schwein, Narzissa. Wer weiß, warum er Astoria aus dem Weg haben wollte."
„Gold?", riet Draco.
Sein Vater zuckte die Schultern.
„Ich weiß es nicht. Wir werden sehen. Potter ist an dem Fall dran."
Potter, dachte Draco schnaubend und stand auf.
„Ich bin müde. Ich denke, wir sollten für heute Schluss machen. Spekulationen bringen uns hier nicht weiter."
Seine Mutter wirkte überrascht und etwas überfordert als Lucius aufstand und damit verstand, dass Draco wollte, dass sie gingen.
„Gib Bescheid, wenn ihr etwas braucht", ließ Lucius ihn wissen und seine Mutter umarmte ihn und küsste ihn mütterlich auf die Wange.
„Zögert nicht, uns zu informieren. Ja?"
Er nickte stumm. Natürlich würde er um Hilfe bitten. Aber was sollten sie jetzt schon tun? Es galt abzuwarten und irgendwie dafür zu sorgen, dass Astoria diese Sache durchstand. Himmel, konnten die schlechten Nachrichten nicht endlich abreißen? Zur Hölle mit diesem scheiß Kerl Avery. Sollte es wirklich stimmen, was Astorias Mutter da behauptete, dann sollte er zur Hölle fahren und das im wahrsten Sinne des Wortes. Er begleitete seinen Eltern zum Kamin und verabschiedete sie erneut, bevor er sich abwandte und sein Schlafzimmer ansteuerte. Er war verwundert, als er die Tür öffnete und sah, dass Astoria nicht schlief. Sondern im Schneidersitze auf dem Bett saß. Ihre Augen waren gerötet.
„Tori", murmelte er und sie senkte den Blick wieder.
„Ich ertrage es nicht, wenn er wirklich..."
Sie brach ab. Schniefte. Fuhr sich wieder über die Augen.
Er umrundete das Bett und setzte sich auf den Rand davon, ihr gegenüber.
„Tori", murmelte er als sie ihn nicht ansah. „Astoria", wiederholte er und legte eine Hand in ihren Nacken. Streichelte dort ihre warme Haut. „Schau mich an", forderte er sanft und sie tat es zögerlich. „Er wird nie dein Vater sein." Ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. „Er ist höchstens dein Erzeuger. Hast du verstanden?"
„Aber..."
Sie brach als Draco den Kopf schüttelte.
„Dein Vater war Hyperion Greengrass. Ein guter, ehrlicher und tapferer Mann. Nichts wird das ändern. Niemals." Ganz egal, was ein dummer Test aussagen würde. Sie schluchzte und Draco zog sie an sich. Erwiderte fest die Umarmung, als sie sich regelrecht an ihn klammerte. „Ssh", wisperte er leise und küsste ihr Haupt. „Es wird alles gut werden. Ich bin mir sicher."
Sie musste sich endlich wieder beruhigen und zur Ruhe kommen. Das hatte auch Jones gesagt. Sie brauchte immer noch Erholung. Ihr Körper war noch gekennzeichnet von der Vergiftung. Aufregung wie diese war wahrlich das Letzte, was sie brauchte.
Ihre Atemzüge wurden nur langsam gleichmäßiger und er ließ sie los, als sie sich von ihm löste. Ihr Blick seltsam leer.
„Ich sollte nicht hier sein."
Er zog eine Braue nach oben.
„Was redest du da? Natürlich solltest du hier sein."
Genau hier. Bei ihm. Damit er auf sie achten konnte. Sie beschützen konnte.
„Nein", meinte sie tonlos. „Wenn es stimmt... wenn dieses Schwein wirklich..." Sie schluckte. Senkte den Kopf erneut. „Es würde deine Familie noch mehr in Verruf bringen."
„Meine Familie?", wiederholte er verwirrt. Er verstand gar nichts mehr. Wieso sollte das seine Familie betreffen? „Was... was redest du da?", fragte er erneut. „Ich verstehe gar nichts mehr."
Ihre Augen wirkten dunkel und voller Schmerz.
„Wenn es stimmt, bin ich noch weniger wert." Er schüttelte kaum sichtbar den Kopf. „Ein Bastard. Mit einem Feigling als Vater und..."
Er umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen.
„Hör auf."
„Aber es ist wahr", wisperte sie.
„Gar nichts ist wahr. Erstens steht es nicht fest..."
„Draco", sprach sie schwer, doch er ließ sie nicht weiter zu Wort kommen.
„Und zweitens, spielt es überhaupt keine Rolle, wer dein Erzeuger ist, Astoria. Es interessiert mich nicht und es interessiert nicht meinen Vater oder meine Mutter." Er wischte mit den Daumen neue Tränen weg. „Du bist Astoria, einfach ein wunderbarer, lieber Mensch. Schön, stark und intelligent. Nur das zählt. Nur das und nicht deine Abstammung oder wer dein Erzeuger ist. Kein Mensch interessiert das."
„Du irrst dich und du weißt das."
Draco wollte das nicht hören. Er schüttelte erneut den Kopf.
„Nein. Weil es mich einen Scheiß interessiert, was die Leute reden. Sagst du das nicht immer?" Sie schluchzte erstickt auf und er lächelte schwach. „Ich liebe dich, Astoria und gar nichts, absolut nichts, wird das jemals ändern."
Er zog sie wieder an sich, während sie gegen seine Brust weinte. Ihr Körper zitterte. Es war die Wahrheit. Er liebte sie und nur das war wichtig. Das allein.
Als sie wach wurde, war es dunkel draußen. Sie hörte den Regen gegen das Fenster schlagen und sie rührte sich leicht. Sie spürte, dass ihr Kopf auf einem von Dracos Armen lag und bevor sie weiter darüber nachdachte, zog er sie enger an sich. Schlang seinen zweiten Arm um sie, während sie sich ihm zuwandte. Er blinzelte müde.
„Geht es dir besser?"
Nun, wie es jemanden gehen konnte, wenn man sich praktisch in den Schlaf weinte.
„Ich fühle mich... kraftlos."
Er brummte und sein Blick war besorgt.
„Ich nehme an, es kommt nicht nur von der Vergiftung." Zumindest nicht nur, dachte sie bitter und er küsste ihre Stirn, während sie sich an ihn kuschelte. Seinen Herzschlag lauschte. „Wirst du dich testen lassen?", fragte er nach einer Weile und sie schluckte, bevor sie kaum sichtbar nickte.
„Ich denke schon", entgegnete sie leise. „Ich werde sonst nie Ruhe und Gewissheit haben."
Wobei sie einfach hoffte, dass es nicht stimmte.
„Mein Vater denkt, dass Potter die Spur mit Avery verwerfen wird."
Sie runzelte die Stirn und setzte sich auf. Musterte Draco, während nur die Lampe am Nachttisch brannte.
„Wieso?"
Der Blonde seufzte.
„Weil es wohl wenig Sinn ergibt, dass er dich umbringen möchte, wenn er schon wusste, dass du vielleicht sein Kind bist."
Sie schnaubte verächtlich.
„Ich traue diesem gestörten Kerl alles zu." Absolut alles. Er war ein Monster. „Außerdem, wer hätte sonst ein Motiv?"
Draco zuckte die Schultern.
„Ich weiß es nicht, Astoria."
Absolut niemand anderes kam dafür infrage.
Er hob die Hand. Wickelte eine ihrer Haarsträhnen um seinen Finger.
„Hast du Hunger? Ich kann uns etwas zubereiten lassen?" Sie schüttelte den Kopf. Er machte sich viel zu viele Sorgen um sie. „Du hast heute kaum etwas gegessen."
„Ich habe wirklich keinen Hunger", beteuerte Astoria und er ließ die Haarsträhne durch seine Finger gleiten, bevor er seine Hand an ihre Taille legte.
Sie weiterhin ansah. Merlin, wer hätte das vor einigen Monaten gedacht? Sie sicher nicht. Wenn ihr jemand gesagt hätte, dass sie eines Tages dieses kleine arrogante Arschloch wirklich lieben würde und er sie, hätte sie es für einen verflucht schlechten Scherz gehalten. Sie beugte sich vor und küsste ihn sanft. Teilte seine Lippen und er seufzte ergeben, während er sie wieder näher zu sich zog.
„Ich habe das vermisst", murmelte er schwer.
„Was? Mich zu küssen?"
Sein Grinsen war spitzbübisch.
„Nein. Du und ich in einem Bett."
Sie lachte leise. Sie war doch schon seit der Entlassung hier, aber sie wusste, was er meinte, und vertiefte den Kuss wieder.
„Tori", sprach er nach einer Weile schwer, als ihre Finger unter sein Shirt wanderten. „Du hast Jones gehört, du brauchst Erholung und Ruhe und..."
Er keuchte auf, als sie sich auf ihn setzte.
„Sollte ich nicht am besten wissen, was ich brauche und was nicht?"
Sein Blick wurde dunkel als sie ihr Shirt einfach über den Kopf zog.
„Du bist der Teufel", ließ er sie wissen und sie lachte leise, bevor sie sich wieder zu ihm beugte und küsste und ergeben aufseufzte als seine Hände sich auf ihre nackte Haut legten.
Er setzte sich auf. Drückte sie fester an sich. Astoria brauchte das jetzt. Wollte das. Wollte ihn. Eins mit ihm sein. Verschmelzen und für eine Weile an nichts anderes denken als das hier. Nur sie beide.
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Leidenschaft umfasst Liebe und Hass
FanfictionSie war für Draco ein Dorn im Auge und es machte es nicht gerade besser, dass sein Vater ihr Mentor war und er sie praktisch jeden Tag zu Gesicht bekam. (Drastoria).
