Ihr Zustand war unverändert. Keine Besserung. Keine Verschlechterung. Laut dem Heiler sollten sie froh darüber sein. Froh, dachte Draco bitter, während er auf der einen Seite zu Astorias Bett saß und ihre Hand festhielt. Froh, dass sie nicht selbstständig atmen konnte. Das waren die guten Nachrichten? Sein Kopf schmerzte. Beinahe vierundzwanzig Stunden war er nun hier. Nur einmal war er gegangen und das nur um sich umzuziehen und seitdem war er im Krankenzimmer bei Astoria. Daphne und er wechselten sich ab, was es hieß Getränke zu besorgen oder Toilettengänge zu bestreiten. Sie beide wichen nicht von Astorias Seite. Er verstand auch nicht, wieso Potter oder die Klinik nicht endlich rausbekamen, mit was sie vergiftet wurde. Er wusste, dass es nicht leicht war, Gifte herauszufiltern. Aber zur Hölle, zwei Labore arbeiteten daran. Das Labor im Ministerium der Aurorenzentrale und das hier im Mungo. Er würde den Verstand verlieren. Er streichelte Astorias Hand wieder. Drückte ihre Finger in der Hoffnung, dass sie wahrnahm, dass er hier war. Dass sie nicht allein war. Dass sie ihr helfen würden. Irgendwie.
Er wandte etwas den Kopf als es klopfte und Cooper trat ein, mit drei Becher und einer braunen Tüte, mit vermutlich Essen. Er stellte alles auf den Tisch und trat dann an seine Frau. Daphne, die auf der anderen Seite saß und ebenfalls Astorias Hand festhielt. Sie hatte gestern sehr lange und viel geweint und Draco hatte nicht gewusst, was er sagen sollte, außer dass alles gut werden würde. Er war nicht gut in solchen Dingen. Aber wer war schon gut darin jemanden zu trösten, deren Angehörige vergiftet wurde? Er bezweifelte, dass es dafür einen Kurs gab. Cooper legte eine Hand auf Daphnes Schulter und sprach sie an, aber sie reagierte nicht. Fixierte weiterhin Astoria.
„Ihre Werte sind unverändert", meinte sie und Coopers Kiefer spannte sich an.
„Ich weiß, Liebes. Ich weiß." Er ging vor ihr in die Hocke. Musterte sie aufmerksam. „Daphne, bitte lass mich dich zurück ins Hotel bringen."
Die Blondine wirkte verwirrt und schüttelte dann entschieden den Kopf.
„Nein. Nein, ich kann jetzt nicht gehen. Ich muss bei meiner Schwester bleiben und..."
„Daphne", unterbrach sie Cooper sanft, aber mit Bestimmtheit. „Du bist seit Stunden hier. Ich weiß, dass du dir Sorgen um Astoria machst. Aber momentan kannst du nichts tun und du musst nicht nur auf dich achten, sondern auch auf unser Baby." Draco presste die Lippen zusammen. Er gab es nicht gerne zu. Aber Cooper hatte vermutlich recht. Es war wahrscheinlich nicht gerade gesund, dass Daphne seit Stunden nicht schlief, hier nur saß und sich nicht ausruhte. Sie war immerhin schwanger. Er griff nach ihrer Hand. „Liebling, bitte. Bitte komm mit. Wenigstens für ein paar Stunden. Ruhe dich etwas aus."
Daphne sah zu Astoria.
„Aber ich kann Tori nicht..."
„Er hat recht", warf Draco ein und beide sahen zu ihm. Er lächelte schwach. „Dein Mann hat recht. Es nützt Astoria nichts, wenn dir oder dem Baby etwas passiert. Du musst auf euch auch achten."
„Aber..."
„Nichts aber", wehrte Draco die Widerworte ab. „Du kannst jetzt ohnehin nichts tun."
„Ich will sie aber nicht allein lassen", sprach Daphne gequält.
„Sie ist nicht allein. Ich bleibe bei ihr, Daphne und sobald ich etwas weiß oder sich etwas ändern würde, gebe ich dir Bescheid." Sie sagte nichts. Musterte ihn nur mit blassem Gesicht. „Ja?"
Sie nickte zögerlich und er sah regelrecht, wie erleichtert Cooper wirkte. Daphne stand auf, als ihr Mann wieder vor ihr in aller Größe stand und sah sich um, bis ihr Blick nach draußen auf den Flur fiel.
„Heiler Jones", wisperte sie und Draco wandte den Kopf.
Er sah tatsächlich den Heiler und zwar mit seinem Vater sprechen, der zuhörte und dann entschieden den Kopf schüttelte und scheinbar schimpfte.
Draco bewegte sich, bevor er weiter darüber nachdachte und trat auf den Flur. Daphne und ihr Mann folgten ihm. Die beiden älteren Herren sahen auf.
„Was ist passiert?", fragte Draco und die beiden Männer sahen sich an. „Was ist los?", fragte er schärfer. „Wisst ihr endlich womit sie vergiftet wurde?"
Der Heiler seufzte.
„Ja, wissen wir."
Keiner sprach und es war Daphne, der scheinbar der Geduldsfaden riss.
„Machen Sie jetzt endlich den Mund auf, was meine Schwester zu sich genommen hat?"
Jones seufzte erneut.
„Ricinus communis."
Draco wurde es plötzlich eiskalt.
„Ricinus communis?", wiederholte Daphne. „Sie meinen... Rizinusbaum?"
„Oder auch Wunderbaum genannt", bestätigte der Heiler und sein Blick kreuzte sich mit Draco. „Die Samen, um genau zu sein."
Daphne lachte unsicher.
„Aber wie sollen diese Samen in einen gekauften Saft hineingekommen sein aus dem Laden?"
Dracos Stimme war rau.
„Sind sie nicht." Daphne sah ihn an und Draco schluckte. „Sie sind hochgiftig."
Daphne nickte zögerlich.
„Okay." Sie sah in die Runde. „Aber jetzt wissen wir, was sie vergiftet. Sie können jetzt die Therapie darauf abstimmen. Oder nicht?" Keiner sprach. Draco hatte das Gefühl, keine Luft zubekommen. „Was ist denn? Warum schaut ihr denn so?"
„Daphne...", fing sein Vater an und Dracos Stimme brach beinahe.
„Es gibt nichts."
In Daphnes Augen regte sich etwas.
„Was? Was redest du da?"
„Er hat recht. Es gibt nichts. Kein Gegengift."
Daphne sah sich um und lachte dann hysterisch auf.
„Was... was heißt das? Sie... sie müssen doch etwas tun können. Oder?"
Draco wandte sich um und betrat das Krankenzimmer. Sah auf die regungslose Astoria. Deren Brust sich nur hob und senkte, wegen der Beatmung.
„Was soll das Heißen, sie können nichts tun?!", schrillte Daphnes Stimme panisch. „Sie müssen etwas tun. Sie... das kann nicht sein."
Der Heiler versuchte, sie zu beruhigen, ebenso ihr Mann. Das durfte nicht das Ende sein. Draco wandte sich um.
„Die Vergiftung ist doch gestoppt, oder nicht?"
Jones wirkte irritiert.
„Ja. Aber die Schäden sind trotzdem groß. Es wird nicht lange dauern, dann werden die ersten Organe versagen. Ihre Nieren. Ihre Leber."
Draco nickte schwer.
„Ja, ich weiß. Aber vielleicht..., wenn wir nochmal versuchen mit einer hoch konzentrierten Lösung aus Bezoaren, können wir vielleicht die Wirkung noch mehr verstärken und..."
Er brach ab, als der Ältere den Kopf schüttelte.
„Das wird nicht die Lösung sein, Mr. Malfoy. Es kann... helfen. Ein wenig. Aber im Grunde kommt es darauf an, wie stark Miss Greengrass jetzt ist. Und ob..."
Der Heiler brach und dachte nach.
„Worüber denken sie nach?", hakte Lucius nach.
„Wir könnten die Lösung verabreichen."
Lucius schnaubte.
„Ich dachte, das bringt nichts."
„Ja, aber mit einem hat ihr Sohn recht. Die Vergiftung selbst breitet sich aktuell nicht aus. Sie steckt nur bereits fest. Wir könnten erneut eine Verabreichung veranlassen und anschließend ihr Blut filtern. Eine sogenannte Blutwäsche."
Nun, daran hatte Draco jetzt nicht gedacht.
„Geht das?"
„Es gibt ein Verfahren, dass auf die Blutwäsche der Muggel aufgebaut ist. Sie ist risikoreich."
„Aber sie könnte funktionieren?", fragte Daphne hoffnungsvoll.
„Ja, vielleicht."
Sie schienen alle die Luft anzuhalten und die Stimme seines Vaters war bestimmend.
„Dann tun sie es."
Jones veranlasste es, nachdem er darauf bestand, die Risiken aufzuzählen, die zahlreich waren. Die seinen Vater nicht interessierten. Sie sollten es tun und sie taten es. Draco hoffte einfach, dass es etwas brachte. Aktuell war ihr Gesundheitszustand noch unverändert. Er seufzte, während er sich vorbeugte und ihr über die Stirn fuhr und dann die Wange.
„Du musst kämpfen, Tori", wisperte er. „Bitte streng dich an." Natürlich zeigte sie keine Reaktion. Sie durfte nicht sterben. Das wäre nicht gerecht. Seine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. „Tori...", wisperte er schwer.
Als sich die Zimmertür öffnete, wandte er den Kopf und die Augen seines Vaters kreuzten sich mit seinen. Als Draco sich wieder Astoria zuwandte, trat Lucius weiter ins Zimmer.
„Willst du nicht nachhause gehen? Dich ein wenig ausruhen?", hakte sein Vater und Draco schüttelte stumm den Kopf, was Lucius seufzen ließ.
„Ist Daphne gut angekommen?", hakte Draco besorgt nach und sein Vater trat auf die andere Bettseite.
„Ja. Es hat zwar viel Überredungskunst von ihrem Mann und deiner Mutter gebraucht, aber sie hat jetzt etwas gegessen und sich hingelegt. Ich nehme aber an, dass sie in wenigen Stunden wieder hier sein wird."
Vermutlich. Draco verstand Daphne nur zu gut.
„Hat Potter sich gemeldet?", hakte er weiter nach und sein Vater schüttelte den Kopf.
„Nein. Sie ermitteln noch. Haben aber keine Anhaltspunkte, dass Avery damit etwas zu tun hat."
Draco fixierte seinen Vater.
„Aber du bist dir sicher."
Sein Vater atmete schwer und setzte sich zögerlich auf den leeren Platz, den Daphne die ganze Zeit innehatte.
„Ja."
„Wieso?" Die Lippen seines Vaters wurden schmal und Draco riss der Geduldsfaden. „Schluss damit. Schluss mit den Geheimnissen."
„Draco..."
„Reicht es nicht? Schau was hier gerade passiert." Sie beiden sahen zu der regungslosen Astoria. „Sie stirbt vielleicht." Er könnte sie verlieren. „Ich will jetzt wissen, was passiert ist. Sag es mir." Sein Vater sah ihn einige Zeit an, ohne etwas zu sagen. „Avery war beim Überfall der Familie Greengrass dabei. Nicht wahr?"
Lucius schluckte sichtlich.
„Ja."
„Du auch?"
„Ja."
Draco hörte die Antwort. Konnte es aber kaum glauben.
„Wusstest du, dass man sie umbringen wollte?" Er schüttelte den Kopf. „Wusstest du es?", fragte er schärfer.
„Nein", sagte sein Vater entschieden. „Die wollten Hyperion nur einschüchtern und dann sind einige durchgedreht."
„Was heißt das?", fragte Draco mit bebender Stimme und sein Vater murmelte seinen Namen. „Hat Avery versucht, sie zu vergewaltigen?"
Die Augen von Lucius wurden dunkel.
„Wir sollten das Haus durchsuchen. Eigentlich. Nachdem sie Hyperion, ohne mit der Wimper zu zucken, ohne überhaupt zu versuchen ihn einzuschüchtern, umgebracht haben. Die ganze Aktion war ein Himmelfahrtskommando von Beginn an. Das hat dein Onkel, der diesen Einsatz geleitet hat, auch zum Schluss gesagt. Die Angaben waren falsch. Die gesamte Familie war gar nicht zu Hause." Das beantwortete nicht seine Frage. „Avery und Rowl haben Astoria gefunden." Draco ballte die Fäuste. Er kannte Rowls Gräueltaten nur zu gut. „Astoria hat sich mit Händen und Füßen gewährt und als ich dazu stieß, habe ich zuerst Rowl geschockt, der versucht hat, sich an ihr zu vergehen und bevor Avery sich umwenden konnte, der sie festhielt, habe ich ihn ebenfalls geschockt. Er hat es nicht als erster versucht, aber ich bin mir sicher, wenn Rowl zum Zuge gekommen und fertig geworden wäre, hätte er es auch getan."
„Du hast deine Kollegen geschockt?"
„Sie haben versucht sie zu vergewaltigen", betonte Lucius, als würde das alles sagen, doch Draco schnaubte nur.
„Haben sie das nicht auch mit anderen getan?"
„Ein Kind, Draco. Und du weißt genau, dass ich so etwas verabscheue und zutiefst verurteile."
Draco sah wieder auf Astoria.
„Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen. Wieso hat sie dann für dich ausgesagt? Wieso bist du nicht in Askaban gelandet, wenn du bei dem Überfall dabei warst?"
Lucius legte den Kopf schief.
„Willst du es sehen?"
Draco runzelte irritiert die Stirn.
„Wie bitte?"
Sein Vater stand auf und blieb am Bettende von Astoria stehen. Hielt Draco seine linke Hand entgegen.
„Willst du es sehen?"
Draco zögerte, bevor er aufstand und nach der Hand seines Vaters griff und regelrecht weggerissen wurde. Er wusste, dass er nicht appariert war, als er eindeutig vor Askaban stand. Das tosende Meer um sich. Hierher konnte man nicht apparieren. Es mussten die Erinnerungen seines Vaters sein.
Er sah sich um und sah tatsächlich seine Eltern mit Wessex, einen der Anwälte seiner Familie. Seine Mutter in einem schicken, dunkelgrünen Kostüm mit dunklem Mantel, die seinen Vater stützte. War das der Tag als man seinen Vater aus der Untersuchungshaft entlassen hatte? Lucius wirkte kränklich, übermüdet und eindeutig nicht fit.
„Wie hast du es geschafft?", hörte er seinen Vater fragen. „Wie hast du geschafft, dass die mich aus der Haft bis zur Verhandlung entlassen?"
Seine Mutter schüttelte den Kopf.
„Ich gar nicht." Sein Vater wirkte verwirrt. „Sie war das", sprach seine Mutter und nickte nach vorne.
Draco wandte den Kopf und staunte nicht schlecht. Astoria, mit blassem, kindlichem Gesicht. Viel kleiner als sie jetzt war und mit längeren Haaren, die vom Wind zerzaust wurden. Die drei Erwachsenen blieben vor ihr stehen.
„Sie durfte nicht mit rein", erklärte Dracos Mutter.
„Was hast du getan?", fragte Lucius und sah den Anwalt an. „Was hat sie getan?"
Wessex wirkte gelassen.
„Für sie ausgesagt."
Sein Vater schüttelte den Kopf.
„Aber..."
„Sie hat ausgesagt, dass sie Hyperion warnen wollten. Dass sie zu spät waren und nur noch Astoria lebend vorfanden. Diese vor einer Vergewaltigung geschützt haben und sie weggebracht haben. Nach der Versorgung im Mungo, die ja wiederum nachweislich ist, haben ihre Frau und sie sich um sie gekümmert, bevor sie sie zur Familie gebracht haben."
„Aber, das ist so nicht...", fing sein Vater an und Wessex unterbrach ihn und sah sich um.
„Als ihr Anwalt, Mr. Malfoy, rate ich ihnen dringend bei dieser Aussage zu bleiben. Der Fall der Familie Greengrass wird für einige noch Gefängnis bedeuten, auch wenn sie selbst nichts getan habe. Sie sollten sich bedanken und den Mund halten, wenn sie nochmal gefragt werden."
Lucius sah fassungslos Astoria an.
„Wieso hast du das getan?"
„Weil wir einen Deal haben", erwiderte die jüngere Astoria emotionslos. Sein Vater blinzelte. „Oder nicht?", hakte sie nach.
Einen Deal? Welchen Deal? Die Umgebung veränderte sich und Draco kannte den Salon. Kannte ihn zu gut. Er war in Manor. Er sah Wessex und Charworths, sowie seinen Vater und Astoria. Die junge Astoria mit einem Stapel Papiere, die man scheinbar seinen Vater vorlegte.
„Wird das Ministerium dem einer Übernahme des Sorgerechts zustimmen?", fragte sein Vater als er etwas unterschrieb.
Draco beugte sich etwas vor und sah, dass es die Übernahme des Sorgerechts von Astoria betraf.
„Ich sehe da weniger das Problem. Mrs. Greengrass fühlt sich nicht in der Lage und hat dies auch schriftlich niedergelegt", antwortete Charworths. „Das Ministerium hat noch wahrlich Besseres zu tun als große Überprüfungen zu machen. Sie werden das einfach durchwinken und nicht weiter hinterfragen. Die Familien kannten sich ja. Wir haben auch bereits in Hogwarts Bescheid gesagt, dass die neue Direktorin in allen Belangen bezüglich der beiden Schwestern sich an Sie und ihre Frau wenden soll."
„Die Übernahme der Schul- und Verpflegungskosten, kommende Ausbildung- oder Studiumsgebühren, die Raten bei der Bank bezüglich der laufenden Kredite der Familie Greengrass inklusive der Zuwendung für die Mutter der Kinder", zählte Wessex auf und schob weitere Dokumente zu Lucius.
„Sollten wir nicht die gesamten Kosten begleichen bezüglich der Bank?"
Astoria und Wessex sahen sich an, bevor der Anwalt den Kopf schüttelte.
„Nein. Ich habe mit Astoria bereits darüber gesprochen."
Lucius sah über den Tisch hinweg zu Astoria, die teilnahmslos wirkte.
„Astoria?", fragte er besorgt und sie blickte auf.
„Mr. Wessex hat dazu alles gesagt", meinte sie kühl und Lucius sah zu den Anwälten.
„Was ist mit den Kosten der Heiler? Dieser..."
„Psychologe?", riet Wessex und als Dracos Vater nickte, tippte der Anwalt auf das Dokument vor Lucius. „Ist in den Nebenkosten bereits aufgelistet."
Sein Vater seufzte und unterschrieb.
Die beiden Anwälte sahen sich an und Wessex legte Lucius einen weiteren Vertrag vor.
„Dies ist der bindende Vertrag zwischen Ihnen und Astoria. Der Vertrag regelt die Verschwiegenheitsklausel. Die Verpflichtungen und Gegenleistungen."
Lucius wollte unterschreiben, doch der Anwalt hielt ihm eine Eisenfeder entgegen und Dracos Kiefer spannte sich an. Sie unterschrieb mit dem Blut des Schreibers.
„Ist das wirklich nötig?"
„Ist es", sprach Wessex und bedachte Astoria mit einem ruhigen Blick. „Sie ist minderjährig. Wir müssen uns absichern."
„Ich habe damit kein Problem", erwiderte Astoria, griff nach dem Papier, schnappte sich die Feder aus Lucius Hand und unterschrieb, ohne mit der Wimper zu zucken, bevor sie das Dokument wieder zu Dracos Vater schob und ihm die Feder entgegenhielt, während ihr Name auf ihren Handrücken hell leuchtete.
Sein Vater musterte sie lange, bevor er ihr die Feder abnahm und Wessex meinte, amüsiert
„Sie sind wohl in allen Dingen so entschlossen, Astoria."
Die Umgebung veränderte sich erneut und Draco folgte seinem Vater, der sich in einem großen Festsaal durch eine Menschenmenge manövrierte und von einem schwebenden Tablett sich ein Champagnerglas schnappte. War das das Abschlussfest von Astorias Uni? Es wirkte so, mit den seltsamen akademischen Roben, die so typisch für die amerikanische Gesellschaft waren. Als Lucius jemanden entdeckte, ein Herr und eine Dame in seinem Alter, hob der Herr mit dem goldblonden Haar die Hand.
„Lucius, hier sind wir."
Und in dem Moment drehte sich Astoria um, die bereits wesentlich der Astoria ähnelte, die Draco kannte. Sie hatte die Haare nur noch länger als jetzt und trug, wie viele der anderen, eine akademische Robe, die aber bereits geöffnet war und darunter ein türkises Abendkleid.
Der Mann umarmte Lucius freundlich, bevor er sich zu der Frau wandte.
„Lynn, das ist Lucius Malfoy, ein alter Freund. Lucius, das ist meine Frau Lynn Doyles."
Die Beiden gaben sich die Hand und Lynn strahlte.
„Der große Lucius Malfoy also. Astoria spricht ständig von ihnen."
Sein Vater wirkte erstaunt.
„Ist dem so?"
Astoria wirkte, wenn sie auch versuchte es zu verbergen, etwas peinlich berührt und Mr. Doyles unterbrach Lynn.
„Wir wollen Astoria nicht in Verlegenheit bringen."
„Aber es ist doch so. Nichts ist wichtiger als der Brief, denn sie mindestens einmal in der Woche ihnen schreibt."
„Nun, nichts ist wichtiger als Routinen zu haben", erwiderte Lucius und Mr. Doyles legte Astoria einen Arm um.
„Sie hat sich prächtig gemacht. Sie ist besser mit dem Abschluss als mein Neffe William."
Lucius nickte zustimmend.
„Ja. Ich habe die Zeugnisverleihung gesehen."
Lynn strahlte.
„Summa cum laude. Mit Auszeichnung und Ehrung. Damit stehen ihr alle Türen offen. Wobei wir natürlich hoffen, dass wir sie wieder in unserem Sitz in Washington begrüßen dürfen."
„Ich habe mich noch nicht entschieden", warf Astoria kühl ein und Mr. Doyles klopfte ihr auf die Schulter.
„Das ist auch noch nicht nötig. Du hast jetzt dir eine kleine Pause verdient."
Lynn drehte den Kopf.
„Ich glaube, da hinten sind die Thompson. Lass uns kurz Hallo sagen, ja?"
Sie setzten sich in Bewegung und als sie weg waren, meinte Astoria
„Du hättest nicht kommen müssen."
Sein Vater lächelte schief.
„Ich wollte aber kommen. Das ist ein großer Tag für dich."
„Es ist ein Abschluss. Machen wir die Sache nicht größer als sie ist."
Er stieß mit seinem Glas an ihrem an.
„Ich gratuliere dir trotzdem herzlichen."
Sie zögerte, bevor sich ein mildes Lächeln auf ihrem Gesicht schlich.
„Danke."
Sie nippten beide an ihren Gläsern und Astoria ließ ihren Blick umherschweifen.
„Hast du dich wirklich noch nicht entschieden?", hakte sein Vater nach einer Weile nach.
„Es gibt verschiedene Angebote. Natürlich würde mich die Familie Doyles gerne bei sich sehen."
„Das willst du nicht?"
Sie zuckte die Schultern.
„Sie sind sehr nett. Ich habe auch ein Angebot aus New York von Coller & Brother."
„Ich würde mich freuen, wenn du wieder nach England kommst", warf Lucius ein und sie wandte sich ihm verblüfft zu. „Astoria, fang bei mir in der Firma an. Komm Nachhause."
Sie schien ihn zu mustern, bevor sie kaum sichtbar den Kopf schüttelte.
„Denkst du nicht, dass das wenig dienlich ist in Anbetracht unserer Verbindung?"
Sein Vater schnaubte.
„Unsinn. Wir sind schon lange weiter als nur dieser bindende Vertrag." Sie verschränkte die Hände, tippte mit ihren Fingern ungeduldig gegen den Rand ihres Glases. „Ich will dich nicht zwingen, wenn du nicht willst. Aber ich fände es richtig. Und wenn es dir wirklich nicht zusagt, kannst du in ein paar Jahren wieder zurück nach Amerika gehen."
Sie schien darüber nachzudenken und meinte dann.
„Ich werde nicht irgendwelche dummen Praktikantenarbeiten machen."
Sein Vater lachte leise.
„Das habe ich auch nicht geglaubt. Wie wäre es, wenn du die ausgeschriebene persönliche Assistentenstelle übernehmen würdest?"
„Deine Assistentin?", fragte sie skeptisch.
„Ja. Du bist nahe am Geschehen. Noch näher dieser Arbeit kommst du nicht. Und eine Menge unliebsame Verantwortung."
Sie schmunzelte darüber und rollte dann mit den Augen.
„Ich überlege es mir. In Ordnung?" Sein Vater nickte und ihr Blick wurde ernst. „Hast du was Neues gehört wegen Avery?"
Sein Vater schüttelte den Kopf.
„Nein. Er ist immer noch im Ausland. Weiß der Niffler wo er steckt."
„Meine Quellen sagen Frankreich."
Frankreich? War es Zufall, dass Astoria mit William nach Deutschland und Frankreich gereist war, nachdem Avery wieder aufgetaucht war? Vermutlich nicht. Die Miene seines Vaters versteinerte.
„Frankreich? Bist du dir sicher?"
„Bien sûr, je suis sûr. Mes sources ne mentent pas", antwortete sie einem perfekten Französisch.
Lucius schien zu zögern, bevor er nähertrat.
„Astoria, ich bitte dich. Pass auf dich auf."
Sie lächelte kühl.
„Worauf soll ich aufpassen?" Sie nippte erneut an ihrem Glas. „Wusstest du, dass Averys Vater derjenige war, der mit meinem Großvater damals immer gepokert hat?" Lucius Lippen wurden schmal und sie schien den Inhalt des Glases zu fixieren. „Und wusstest du, dass Avery Senior dafür bekannt war zu betrügen?"
„Ist das noch relevant?", hakte Lucius nach einiger Zeit nach und ihre Blicke trafen sich.
„Nein, ich denke momentan nicht", antwortete sie ruhig. „Wie geht es Narzissa?"
Draco war so erstaunt über den raschen Themenwechsel so wie sein Vater.
„Gut. Den Umständen entsprechend gut. Sie lässt dich schön grüßen."
„Wie lange wirst du hierbleiben?"
„Vermutlich zwei oder drei Tage. Wir haben also etwas Zeit."
Die Erinnerung verblasste und Draco musste mehrmals blinzeln und schwankte etwas, während sein Vater immer noch seine Hand hielt.
„Du solltest dich setzen", sprach sein Vater und half Draco auf den Stuhl. Die Umgebung drehte sich etwas. Ihm war schwindelig. „Geht es?", fragte Lucius besorgt und Draco rieb sich über die Augen.
„Heißt das, du hast Astoria geholfen, im Gegenzug zu ihrer Aussage? Der Aussage, in der du praktisch nicht dabei warst bei dem Überfall?"
„Ja", antwortete sein Vater. „Zu Beginn war das der Grund. Aber das ist schon lange nicht mehr so, Draco. Sie ist... sie ist mir wichtig, wie meine eigene Tochter. Sie ist mir wichtig, wie du mir wichtig bist. Auch wenn sie das selbst oft nicht sehen wollte. In Hogwarts hat sie praktisch nur Berichte über ihre Woche verfasst. In der Uni waren es dann persönliche Dinge. Sie wollte Ratschläge. Wollte von ihren Erfahrungen erzählen." Draco sah hoch und sein Vater lächelte traurig, während sein Blick auf Astoria ruhte. „Ich wollte sie wieder in England wissen. In der Nähe ihrer Familie."
Lucius lachte lustlos auf.
„Doch Cecilia ist alles andere als eine gute Mutter. Und Daphne hat dann ihren Mann kennengelernt. Die beiden wissen nichts von dieser Abmachung. Die denken, ich half, weil unsere Familien sich kennen."
„Avery kann nicht ans Messer geliefert werden, weil dann rauskäme, dass Astorias Aussage nicht stimmt. Habe ich recht?"
Sein Vater wandte sich langsam zu ihm und nickte.
„Ja. Deshalb waren die Anwälte da. Wir haben nach einer Lösung gesucht."
Dracos Stimme war leise.
„Die es nicht gibt, oder?"
„Die Anwälte raten davon ab. Ich habe vorgeschlagen, die Wahrheit zu sagen."
„Und warum hast du es nicht getan?"
„Weil Astoria das nicht wollte. Sie hat gesagt, sie sehe es gar nicht ein, den Vertrag aufzulösen. Sie wollte nicht, dass ich nach Askaban komme."
„Aber du hast in dieser einen Nacht nichts getan. Du hast sie gerettet."
„Ja, Draco. Aber ich war dabei. Ich habe nicht die anderen Dinge verhindert." Draco senkte den Blick. „Ich denke, Avery weiß es. Er weiß, dass Astoria für mich ausgesagt hat, und er weiß mit Sicherheit auch, dass sie nicht ihr Schweigen brechen wird, weil sie versucht mich zu schützen."
Weil auch Lucius für sie wichtig war.
„Warum glaubst du dann, dass Avery mit der Sache zu tun hat?"
„Weil ich das einfach weiß", erwiderte Lucius grimmig. „Ich weiß es einfach, Draco." Lucius fuhr sich an die Stirn. „Astoria wollte ihn drankriegen. Mit allen Mitteln. Und ich bin mir sicher, dass Avery das wusste. Sie war in Frankreich und in Deutschland."
„Weißt du, was sie dort gesucht hat?"
Er schüttelte den Kopf und Draco seufzte frustriert auf. Das war doch unfassbar.
„Nein. Aber Potter hat Kontakt mit William aufgenommen. Vielleicht weiß er es."
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
„Es gibt keine Spuren, die darauf hindeuten, dass Avery es war, Vater", sprach Draco nach einiger Zeit.
Und für ihn spielte es im Grunde keine Rolle. Astoria musste überleben. Da war alles, was wichtig war.
DU LIEST GERADE
Leidenschaft umfasst Liebe und Hass
FanfictionSie war für Draco ein Dorn im Auge und es machte es nicht gerade besser, dass sein Vater ihr Mentor war und er sie praktisch jeden Tag zu Gesicht bekam. (Drastoria).
