Astoria wusste nicht, was sie erwartet hatte, aber eindeutig nicht so viel. Denn das, was Narzissa hier veranstaltet war alles andere als ein kleines Essen. Es war schon fast eine Gala. Narzissa hatte ein fünf-Gänge-Menü auffahren lassen und so klein Draco die Runde fand von nur zweiunddreißig Leuten, war es für Astoria schon fast ein Fest. Sicher, die meisten kannte Astoria schon. Blaise, der mit seiner Mutter und natürlich Tracey kam. Theo und seine Eltern, die mit dem Parkers auftauchten, scheinbar doch eine gute Wahl von Astoria Emily an Theos Herz zu legen. Und noch ein paar andere Gäste. Astoria lernte Alienor kennen, eine alte Hexe mit verkniffenem Gesichtsausdruck und mittelalterlichen Weisheiten, bei denen sie sich selbst immer wieder dazu ermahnen musste, nicht die Augen zu verdrehen.
Und sie lernte Cora kennen. Cora Montesquiou-Fezensac. Die Begleitung von Alienor, während ihrer Europarundreise. So etwas konnten nur Reiche tun. Astoria hätte nicht die Zeit dafür. Astoria war in ihrem Job tätig und früher hätte sie dafür auch kein Geld dafür gehabt. Sie reiste gerne, ganz ehrlich, aber ansonsten nichts anders zu tun als den Begleitwauwau für eine alte Hexe zu spielen, wäre für Astoria einfach nur dämlich. Aber das sahen scheinbar die anderen nicht so. Cora war schön, groß, blond und hatte nicht einen Großvater gehabt, der die Familie in den Ruin getrieben hatte. Narzissa war ganz augenscheinlich von ihr eingenommen und begeistert. Es war seltsam dieses Verhalten an Dracos Mutter an einer anderen Person ausleben zu sehen als an Astoria selbst. Beinahe schon erschreckend.
Und Astoria fühlte sich nicht wohl. Sie trug ein hübsches Kleid, aber es war nicht so edel und elegant, wie das von Cora. So viel zu der Sack-Theorie von Draco. Draco, der nicht begeistert darüber war, dass Astoria mit seinem Vater noch nicht gesprochen hatte und sie aus der Beziehung ein Geheimnis machten. Während des Essens berührte er immer beinahe zufällig ihre Hand oder ließ unauffällig seine Hand zu ihrem Knie wandern, was sie entschieden unterband. Was war sein Plan? Sie am Esstisch seiner Eltern zu vögeln? Im Grunde hatte sie keine Nerven hierfür. Sie wusste, sie musste mit Lucius darüber reden, aber sie sollte erst das mit ihrer Mutter und dem verdammten Avery in Angriff nehmen. Sie wünschte sich, sie könnte mit Draco darüber reden. Selbst Lucius würde sie mittlerweile von ihrem Plan gerne erzählen. Wobei Lucius es ihr mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit ausreden würde. Er würde es für idiotisch und gefährlich halten. Ganz sicher sogar.
Darüber dachte sie auch nach als sie in einem der Badezimmer sich ausgiebig Zeit ließ mit dem Händewaschen. Sie war während der Nachspeise auf und davon. Sie hatte sich Lucius Verwandter entzogen, die sich seltsam intensiv scheinbar auf Astoria eingeschossen hatte mit ihrer Fragerunde. Als das Schokosoufflee serviert wurde und der Teil der Frage kam, wie es aktuell um den finanziellen Status von Astorias Familie aussah, hatte sie sich entschuldigt und war gegangen. Die alte Sabberhexe nahm eindeutig kein Blatt vor den Mund. Lucius hatte recht, bei dieser Frau brauchte man Nerven aus Stahl. Warum wollte das Alienor überhaupt wissen? Was ging sie der Finanzstatus ihrer Familie an? Es war unpassend. Besonders in dieser Runde. Blöde Sabberhexe.
Astoria knüllte eines der flauschigen kleinen Handtücher zusammen und warf es in den Wäschekorb, bevor sie sich nochmal im Spiegel ansah. Wieso ließ sie das ganze so nahe an sich ran? Sie sollte sich daraus gar nichts machen, was andere dachten und schon gar nicht, was eine Alienor über sie dachte. Sie strich über das olivgrüne Etuikleid und lächelte ihr Spiegelbild aufheiternd an, bevor sie das Badezimmer verließ und sich Richtung Esszimmer aufmachte.
„Tori", sprach eine vertraute Stimme als sie am Salon vorbeikam und sah Narzissa, die scheinbar schon wieder dabei war, alles herzurichten, wenn sie sich nach dem Essen hierher aufmachten.
Wobei sie herrichten ließ.
Narzissa kam besorgt auf Astoria zu, die etwas weiter in den Salon trat.
„Ist alles in Ordnung, Liebes?"
„Sicher", erwiderte Astoria knapp und Narzissa griff nach ihren Händen.
„Es tut mir leid. Alienor kann so was von..."
„Direkt sein?", versuchte es Astoria und Narzissa wirkte gequält.
„Ich würde sagen, furchtbar."
„Narzissa, bitte hör auf dir Sorgen zu machen. Ich bin schon schlimmeres gewohnt."
Sie atmete schwer aus und ließ Astorias Hände los.
„Sie hätte trotzdem nicht so direkt sein müssen. Ich habe das Gefühl, sie sucht ein zusätzliches Projekt zu Cora."
Astoria zog ihre Brauen nach oben.
„Und ich dachte, Cora sei nur ihre Begleitung und keine Beschäftigungsaktion."
Narzissa seufzte.
„Nun, sie kuppelt gerne unter den Menschen. Weißt du? Das ist so was wie ihr Steckenpferd." Wenn es nichts Langweiligeres gab, dachte Astoria stumm und Narzissa atmete tief ein und aus. „Ich hoffe ja, dass Draco mehr Interesse zeigt."
Astoria runzelte verwirrt die Stirn.
„Interesse? Woran genau?"
Sie lächelte ehrlich.
„An Cora", antwortete sie und Astoria wiederholte wie in Trance den Namen der Blondine.
„Cora?"
„Ja. Die Beiden kennen sich von früher, als sie klein waren." Narzissa lachte etwas. „Er hat sie kaum wiedererkannt. So lange ist es schon her. Aber ich hoffe, dass die beiden sich ein wenig mehr annähern bei dem Ball. Es war Alienors Idee, dass die beiden zusammen hingehen."
Narzissa hätte sie ebenso gut mit Eiswasser überschütten können.
„Der Ball?", wiederholte sie tonlos und Narzissas Augen strahlten.
„Ja. Ist das nicht eine schöne Idee."
Ja, und wie wunderbar diese Idee war, dachte Astoria sarkastisch.
„Wir haben ihn ein wenig damit überfallen als die Beiden den ersten Abend hier in Manor waren." Astoria schluckte hart und spürte ein Stechen in der Brust. Am ersten Abend? War das ein Scherz? „Hat Draco davon nicht erzählt?" Sie schüttelte stumm den Kopf und Narzissa musterte sie besorgt. „Und ich dachte, ihr versteht euch jetzt besser?"
Sie beide wandten die Köpfe als Schritte näherkamen. Draco wirkte irritiert, beide im Salon zu sehen.
„Da steckst du ja, Astoria. Wir haben uns schon Sorgen gemacht." Seine Brauen zogen sich etwas zusammen. „Ist... alles in Ordnung? Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen?"
Nein, keinen Geist. Nur ein Messer des Verrates.
„Nein", sprach sie kalt und wandte sich Draco mehr zu. „Deine Mutter hat mir nur gerade von Cora und deinen Plänen bezüglich des Balls erzählt."
In seinen Augen regte sich etwas, aber sie ging weiter. Sie musste hier raus.
„Welche Pläne?", fragte er laut und aufgebracht. „Was... was hast du erzählt?", hörte Astoria Draco scharf fragen und seine Mutter hörte sich irritiert an.
„Gar nichts. Nur, dass Cora und du gemeinsam..."
Mehr hörte Astoria nicht mehr als sie den Gang abbog zu Lucius Arbeitszimmer. Sie musste hier raus, und zwar dringend. Ihre Gedanken fuhren Achterbahn. Sie hatte das Gefühl, von Wut und Enttäuschung gleichzeitig übermannt zu werden. Sie wollte schreien und sich gleichzeitig in eine Ecke verkriechen. Sie hatte das Gefühl, keine Luft zubekommen.
„Astoria", sprach Draco entschieden, als sie die Tür des Arbeitszimmers aufriss. Das Holz im Kamin flackerte noch. „Tori", sagte er lauter und sie wirbelte herum, als er ihren Arm zu packen bekam.
Sie entzog sich ihm energisch.
„Fass mich ja nicht an."
„Du kannst nicht einfach weglaufen und ..."
„Ich kann nicht?", fragte sie aufgebracht gegen. „Du bist ein verdammter Heuchler und Lügner und..."
„Stopp", unterbrach er sie. „Du musst es mir erklären lassen und..."
„Wozu?!", fragte sie aufgebracht. Wieso sollte sie ihm nur noch eine Minute zuhören? „Wozu lädst du mich überhaupt zu diesem dämlichen Ball ein, wenn du mit Cora dort hingehen möchtest."
Sie sagte den Namen der Blondinen voller Abscheu.
„Ich will gar nichts", wehrte er ab und Astoria lachte auf.
„Deine Mutter hat selbst gesagt..."
„Ich wollte nicht einmal auf diesem dummen Ball gehen und..." Er wollte nicht? Wieso lud er sie dann dazu ein? Er brach ab und griff sich an die Stirn. „Es ist nicht so, wie du denkst, Astoria."
Sie verschränkte die Hände vor der Brust.
„Ach nein? Weißt du, wie ich das sehe? Dass ich recht hatte."
„Astoria..."
„Was ist das hier für dich?", fragte sie laut gegen. „Ist sie die passende Partie? Ohne Vergangenheit, aber mit Vermögen? Und ich die dumme, die sich von dir ficken lässt, ja?"
„Du, schaffst es seit Tagen nicht, mit meinem Vater über uns zu reden", sagte er laut und voller Zorn und sie ballte die Fäuste. „Du machst aus der ganzen Sache ein Geheimnis, nicht ich, Astoria." Weil es nicht so leicht war. Zur Hölle, es war nicht leicht. „Und nicht ich, verheimliche vor dir, was im Krieg passiert ist. Du hast mir nicht einmal erzählt, dass man versucht, hat dich zu vergew..."
Er brach ab und sie wich vor ihm zurück als hätte er einen Fluch gesprochen. Woher... Woher zum Teufel wusste er das? Wie konnte er...
Er atmete schwer aus und trat näher auf sie zu.
„Astoria, ich..."
Sie schlug zu als er näherkam. Spürte das Brennen ihrer Hand, bevor sie es realisierte und sah den Abdruck auf seinem Gesicht, während er mit seinen Fingern danach tastete. Sie spürte die Tränen, ohne sie stoppen zu können und sie beide sahen zur Tür als es knarzte. Lucius.
„Vater...", presste Draco schwer hervor und Astoria nutzte diese Ablenkung, griff nach dem Flohpulver und warf es in den Kamin.
Sie verriegelte ihren Kamin als sie taumelnd in ihrer Wohnung ankam. Zitternd und schluchzend auf die Knie fiel. Was war gerade passiert? Was zur Hölle war passiert und warum tat es so weh?
Zur Hölle er verstand gar nicht, was gerade passiert war. Seine Wange brannte immer noch. Der Kamin gab keinen Durchgang frei. Er musste mit ihr sprechen. Er konnte nicht klar denken.
„Was heißt das?", fragte sein Vater erneut scharf. „Verdammt nochmal Draco, was hat das zu bedeuten?!"
„Ich kann jetzt nicht", wehrte Draco ab und wollte an seinem Vater vorbei, doch er ließ ihn nicht.
„Du gehst nirgendwohin, bevor du es mir nicht erklärt hast."
„Ich kann nicht. Siehst du nicht, dass ich ..."
„Was geht hier vor?", fragte seine Mutter laut und betrat ebenfalls das Arbeitszimmer. Sie war schuld. Sie hatte Astoria diesen Unsinn erzählt, der nicht wahr war. „Ihr schreit das ganze Haus zusammen. Wir haben Gäste und..."
„Dein Sohn", begann sein Vater. „Hat irgendetwas mit Astoria am Laufen."
„Was?", fragte seine Mutter irritiert. „Wie soll ich das verstehen? Draco?"
Seine Eltern sahen ihn abwartend an. Er kam sich in die Ecke gedrängt vor.
„Ich..."
Er spürte das unangenehme Gefühl in seiner Brust und seiner Magengegend. Er verschenkte hier Zeit. Zur Hölle, wieso hatte er diese Dinge zu ihr gesagt? Er war Idiot. Ein verdammter Idiot.
„Er schläft mit ihr", sprach eine kalte Stimme. Und Draco ballte die Fäuste als die alte Sabberhexe eintrat und die Tür schloss. „Das war doch unüberhörbar zu vernehmen, oder nicht?", fragte Alienor weiter und sein Vater atmete schwer aus, während seine Mutter ihn fassungslos ansah.
„Astoria und du..."
„Es ist nicht so, wie sie sagt", wehrte er ab und sah seinen Vater entschieden an.
„Wie ist es dann?", wollte Lucius wissen.
„Wir sind zusammen. Bei Merlin. Wir sind ein Paar und..."
„Ein Paar?", wiederholte der Ältere, während Narzissa aufkeuchte. „Seit wann? Ihr habt euch vor kurzen noch beinahe gegenseitig in der Arbeit verflucht."
Draco seufzte genervt.
„Kann ich das euch nicht später erklären? Ich muss gehen."
Er musste zu Astoria. Er musste das in Ordnung bringen.
„Du gehst nirgendwo hin", wehrte sein Vater ab. „Du erklärst jetzt, was hier eigentlich los ist und warum Astoria hier hinausgestürmt ist und..."
„Das ist die Schuld von Mutter", prangerte Draco seine Mutter an, die empört nach Luft schnappte.
„Meine Schuld?"
„Du hast Astoria erzählt, ich würde mit Cora zu dem Ball gehen."
Was er gar nicht vorhatte.
„Ich wusste doch gar nicht, dass Astoria und du... Hätte ich das gewusst, hätte ich niemals ihr erzählt...", stotterte Narzissa.
„Aber du hast gewusst, dass ich schon damals bei deiner Frage, nein gesagt habe."
Nie vorgehabt hatte, mit Cora dort hinzugehen.
„Wieso hast du nichts davon erzählt?", fragte sein Vater scharf und Draco wurde wütend.
„Weil Astoria zuerst mit dir über diesen dummen Vertrag reden wollte, denn ihr beide habt. Von dem ich immer noch nicht weiß, um was genau geht. Sie wollte das zuerst mit dir klären!"
Es war nicht seine Schuld. Nicht... alles. Wieso hatte er mit der Vergewaltigung angefangen? Was hatte er damit bezweckt?
„Ich muss gehen", sprach er schwer.
Er musste es ihr erklären. Er musste sich bei ihr entschuldigen.
„Du gehst nirgendwohin", befahl Alienor. „Diese Frau ist nichts für dich."
Draco lachte lustlos auf.
„Was du von ihr hältst ist mir ehrlich gesagt, scheißegal."
Die alte Hexe wirkte wenig beeindruckt. Nicht einmal schockiert.
„Astoria Greengrass ist keine passende Partie für diese Familie"
„Alienor", versuchte es Narzissa und Dracos Augen verengten sich gefährlich.
„Warst du es nicht noch vor ein paar Tagen, die den Stammbaum und die Blutlinie gelobt hat. Ihr hübsches Gesicht und dass sie eine gute Partie machen wird."
„Und ich bin mir sicher, dass sie das tun wird. Aber nicht mit unserer Familie. Bei Merlin", fluchte die alte Hexe auf. „Soll die Familie Malfoy noch weiter sinken, indem sie sich dieses Mädchen ans Bein bindet? Deren Großvater ein Spieler und Säufer war und die Familie ruiniert hat."
„Ich verbitte mir diesen Ton", knurrte Lucius.
„Du verbittest es dir?", fragte Alienor lauernd.
„Ja", presste Lucius hervor und Draco hatte seinen Vater schon lange nicht mehr so wütend gesehen. „Astoria ist eine starke, anständige, junge Frau. Du hast kein Recht, über sie zu urteilen."
„Oh, deine Obsession zu diesem Kind, ist mir schon klar gewesen, nachdem du die Bürgschaft in der Bank für ihre Familie angenommen hast. Als hätte die Familie mit deinen Fehlern nicht genug zu kämpfen gehabt."
„Schluss", forderte nun Dracos Mutter. „Du kannst so nicht mit Lucius reden. Wir verdanken Astoria viel und sie ist mehr als nur ihr Stammbaum und ihre Blutlinie. Du redest so nicht über sie in unserem Haus, Alienor. Hast du verstanden? Sie ist reizend, lieb und sie kann nichts dafür, dass ihr Großvater ein Idiot war. Draco...", fügte seine Mutter hinzu als er sich an den drei Personen vorbeidrängte.
Er musste zu Astoria. Er musste mit ihr reden. Es ihr erklären und sich entschuldigen. Er hatte Angst, sie zu verlieren.
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Leidenschaft umfasst Liebe und Hass
FanfictionSie war für Draco ein Dorn im Auge und es machte es nicht gerade besser, dass sein Vater ihr Mentor war und er sie praktisch jeden Tag zu Gesicht bekam. (Drastoria).
