Astoria hätte nie im Leben gedacht, dass ihre Wohnung so vollgestopft war. Sie hatte es noch abgetan. Dass sie ohnehin kaum Zeug hatte und das ganze schnell gehen würde. Sie hatte sich geirrt. Zu guter Letzte war es wohl ihre Rettung gewesen, dass sie einige Dinge, die sie liebgewonnen hatte und nicht verkaufen wollte, bei Lucius und Narzissa einlagern konnte. Sie hatte heute ihren Schlüssel bei der Vermieterin abgegeben und sich bei ihr bedankt. Die ältere Dame hatte sich wiederum bei ihr bedankt und davon geschwärmt, dass Astoria eine wirklich vorbildhafte Mieterin gewesen war. Obwohl sie seit Wochen dabei war, die Wohnung leerzuräumen, sie zu streichen und ihre Sachen in Dracos Wohnung zu schaffen, hatte sie heute mit Wehmut das letzte Mal ihre Wohnung betreten. Das war ihr kleines, eigenes Reich gewesen. Auch wenn sie sich freute, einen weiteren großen Schritt gemeinsam mit Draco zu machen.
Darüber dachte sie auch noch nach, als sie ihre Mütze vom Kopf nahm und sich etwas schüttelte als sie die warme Wohnung von Draco, nein, ihre gemeinsame Wohnung betrat. Der Winter stand eindeutig vor der Tür, dachte sie und schlüpfte aus ihrem Mantel und nahm ihre Tasche, um damit in die Küche zu gehen. Sie hatte ein paar Lebensmittel eingekauft. Sie zuckte zusammen, als Dracos Stimme ertönte.
„Du bist schon da?", begrüßte er sie und sie runzelte die Stirn als er sie küsste.
„Ja. Die Frage ist, warum bist du schon da? Wolltest du nicht länger arbeiten?"
„Zwei Termine sind ausgefallen", erklärte er. „Erkältungen", fügte er augenrollend hinzu und zog seine Brauen zusammen. „Du warst einkaufen?"
„Ja. Ich dachte, es gibt Steak zur Feier des Tages mit Beilagen."
Er runzelte die Stirn.
„Zur Feier des Tages? Was gibt es zu feiern?"
Sie schlang ihre Arme ums einen Hals.
„Ich bin nun, offiziell, bei dir eingezogen."
Er gluckste als sie ihn küsste.
„Heute? Und die Wochen zuvor zählen nicht?"
„Nein, weil ich erst heute meinen Schlüssel von meiner alten Wohnung abgegeben habe."
„Ah ja", meinte er schmunzelnd und sie ließ ihn los. Er nahm sie nicht ernst. „Weißt du, wir könnten auch eine Elfe kochen lassen", schlug er vor.
„Oder wir kochen selbst und lassen die armen Elfen in Manor bei deinen Eltern?"
„Weißt du, denen gefällt es, wenn sie uns helfen können. Die lieben das."
„Wir werden trotzdem heute keine Elfen ordern."
Er zuckte mit den Schultern und sie lachte, als sie die Einkäufe weiter einräumen wollte und er seine Arme um sie schlang.
„Dafür muss es aber einen Ausgleich geben."
„Du bist so ein Idiot", witzelte sie und er biss ihr spielerisch ins Ohr, bevor er sie losließ und sie weiter machte.
„Hast du wegen des Sofas nachgedacht?"
„Sicher. Ich dachte an Kanarienvogel gelb", erwiderte sie so trocken wie möglich und sah Draco dann an, der völlig gelassen wirkte, während er sich auf einen Barhocker setzte.
„In Ordnung."
Sie lachte auf und griff über die Küchenzeile hinweg nach seiner Hand.
„Nein."
„Nein?", wiederholte er irritiert. „Wieso, nein? Ich meine, gut ich würde vielleicht nicht gelb nehmen. Aber wenn dir die Farbe gefällt und ..."
Sie lachte noch mehr und schüttelte energisch den Kopf.
„Draco, das war ein Witz."
In seinen Augen regte sich etwas und er grinste, bevor er den Kopf schüttelte.
„Merlin sei Dank." Sie schmunzelte und legte den Kopf schief. „Ich mag mein Sofa."
„Ich mag dein Sofa auch. Sehr sogar." Sie liebte die große Wohnlandschaft und sie hatte mit Draco schon viele schöne Stunden dort verlebt. Er grinste breit und verstand die Anspielung. Sie trat näher an den Küchenblock und beugte sich vor, nur um ihre Hände auf seine zu legen. „Draco, du musst nicht alles einfach nur absegnen, nur damit ich das bekomme, was ich möchte. Du kannst deine Meinung sagen. Du kannst nein sagen und ja, wir werden sicherlich auch irgendwann darüber diskutieren und uns dann einigen. Oder eben auch nicht."
„Tut mir leid", entgegnete er. „Ich möchte einfach, dass du dich hier wohlfühlst."
„Ich fühle mich hier wohl und wenn nicht, werde ich es dir sagen. Außerdem müssen wir nicht alles umstellen und umreißen, auf Knopfdruck."
Sie hatte zum Beispiel das mit den Vorhängen gelassen, weil es schrecklich ausgesehen hätte im Schlafzimmer. Aber dafür bunte Kissen zur Deko besorgt und zwei neue Vasen.
„Ich liebe die Obstschale", meinte er überzeugend und sie kniff die Augen zusammen.
„Ja, zum Beispiel. Ich liebe auch die zwei neuen Bilder. Wobei ich immer noch gerne wissen würde, ob das eine davon wirklich so ein Schnäppchen war."
Er entzog ihr die Hände und grinste nur.
„Bleibt ein Geheimnis. Erfreue dich einfach."
Das konnte sie nicht wirklich, weil sie sich sicher war, dass Draco ein halbes Vermögen dafür ausgegeben hatte. Sie waren vor zwei Wochen auf einer Vernissage mit Blaise und Tracey gewesen und Astoria hatte dort zwei Bilder gesehen, die sie einfach fasziniert hatten. Sie waren schön anzusehen gewesen und sie hatte sich kaum davon losreißen können. Am nächsten Abend waren die beiden Bilder in Dracos Wohnung, im Wohnzimmer an der Wand gehangen. Er sagte ihr nicht, wie viel Gold er dafür ausgegeben hatte, billig waren sie vermutlich nicht. Sie wollte zu einer weiteren Diskussion ansetzen, als ihr Blick auf den Propheten neben Draco fiel.
Er seufzte als sie danach griff.
„Du solltest das nicht lesen. Du wirst dich nur darüber aufregen."
Das letzte Mal hatte sie sich vor einigen Wochen aufgeregt. Eigentlich eine Woche, die gut gelaufen war. Dracos Vater hatte eine Sitzung abgehalten und allen Abteilungsleitern und Leiterinnen mitgeteilt, dass sein Sohn mit Astoria liiert war. Astoria hatte sich auf das schlimmste eingestellt, aber in der Arbeit war es für sie weitergegangen wie zuvor. Einige hatten ihr sogar gratuliert und sich richtig für sie gefreut. Diese gute Laune war am Ende der Woche vorbei gewesen, da scheinbar jemand das Meeting der Presse gesteckt hatte und Rita Kimmkorn, eine Frau, die Astoria verfluchen würde, sollte sie ihr jemals persönlich über den Weg laufen, einen reißerischen Artikel geschrieben hatte. Sie hatte es zu einem so dargestellt, als würde das überstürzte Mitteilen der Beziehung darauf hindeuten, dass die beiden kurz vor der Eheschließung stünden oder zumindest ein Kind unterwegs war. Was alles beides nicht stimmte.
Astoria hatte einen wütenden Brief an die Redaktion geschrieben, was Draco bereits für Zeitverschwendung gehalten hatte. Am Abend war dafür eine Stellungnahme von drei winzigen Zeilen erschienen.
Ich teile hiermit meinen Lesern mit, dass der Artikel von heute Morgen über Astoria Greengrass und Draco Malfoy aufgrund von meinen persönlichen Vermutungen erstellt wurde und nicht auf Fakten basiert. Rita Kimmkorn.
Es war so winzig gedruckt gewesen, dass es Astoria selbst beinahe nicht gefunden hatte. Ihre Augen verengten sich, als sie ein Foto von sich sah, wie sie mit Tracey eine Boutique verließ. Nicht irgendeine Boutique. Ein Laden für Hochzeitskleider. Sie schnaubte und Draco seufzte.
„Ließ es einfach nicht, Astoria."
Doch natürlich tat sie das.
Astoria Greengrass bei Tes rêves en blanc gesichtet
Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren durfte, meine lieben Leser, wurde gestern Astoria Greengrass, Freundin von Draco Malfoy und vielleicht auch mehr, bei der bekannten Hochzeitsausstatterin Madame Vidolina entdeckt in ihrem exklusiven Laden Tes rêves en blanc am Rande von London. Sind also unsere Vermutungen wahr und wir können uns bald auf einen Bericht über eine Hochzeit von Draco Malfoy und Astoria Greengrass freuen? Madame Vidolina war zu keiner Stellungnahme bereit, aber wie wir von einer Mitarbeiterin erfahren durften, wurde ein extravagantes Kleid und sehr auserlesene Dessous bestellt. Wen wollen Mr. Malfoy und Miss Greengrass noch zum Narren halten? Wann werden die Beiden uns in ihr Geheimnis einweihen, dass wir ohnehin alle kennen? Ich bleibe wie immer für sie am Besen.
Sie senkte die Zeitung und Draco lächelte schwach.
„Ich habe dir gesagt, du solltest es nicht lesen.
„Ich habe kein verdammtes Kleid bestellt."
„Ich weiß."
„Tracey hat es getan und selbst das stimmt nicht. Es wurde abgesteckt. Es war ihr zu groß."
„Ich weiß", wiederholte sich Draco und Astoria tippte böse auf die Zeitung.
„Und wie exklusiv kann dieser dumme Laden sein, wenn eine Mitarbeiterin zur Presse rennt und plaudert. Unfassbar."
„Ich habe dir gesagt, du wirst dich nur aufregen." Sie blies erneut schnaubend die Luft aus. Sie regte sich nicht nur auf. Astoria würde platzen. „Also keine auserlesenen Dessous?", fragte Draco und er gluckste als sie ihn anfunkelte. „Schon gut. Schon gut. Ich wollte nur witzig sein."
Das hier war nicht witzig.
„Merlin, Tracey wird mich hassen."
„Wird sie nicht. Sie findet es ganz gut, dass die Presse sich auf dich fixiert. So kommt es nicht zu irgendwelchen Enthüllungen bezüglich ihrer Hochzeit."
Astoria zog irritiert die Brauen nach oben und der Blonde zuckte die Schultern.
„Ich habe mit Tracey gesprochen. Sie hat vorhin versucht dich anzuflohnetzen, um sich zu entschuldigen, dass du im Fadenkreuz von Kimmkorn sitzt."
Nun, das war wahrlich nicht Traceys Schuld. Zur Hölle nochmal.
„Ich hasse sie", zischte Astoria und fixierte voller Abscheu die Zeitung.
„Tracey?", fragte Draco irritiert und sie rollte mit den Augen.
„Natürlich nicht. Diese... Kimmkorn. Wie kann sie solche Lügen erzählen?"
„Die flunkert doch ständig. Das war schon zu meiner Schulzeit schon. Zum Beispiel beim trimagischen Turnier. Da hat sie Granger, Potters bester Freundin, unterstellt, mit jedem männlichen Spieler etwas zu haben."
Sie runzelte die Stirn und dachte darüber nach. Aber das trimagische Turnier war schon so lange her, dass sie sich kaum an die Zeitungsartikel von damals erinnern konnte. Sie wusste das Diggory ermordet wurde und im Grunde es der Auftakt des Krieges war. Die Rückkehr des Dunklen Lords.
Draco schien ihren nachdenklichen Blick zu bemerken.
„Oder letztes Jahr. Bei diesem Bänker? Ihm wurde eine Affäre unterstellt. Weißt du noch? Sein Ruf war beinahe zerstört und niemanden hat es später interessiert, dass es überhaupt keine Affäre gewesen war, sondern seine uneheliche Halbschwester, von der er zuvor erst erfahren hat."
„Kann diese Frau nicht endlich gestoppt werden? Das ist schrecklich."
„Glaub mir, dass versuchen einige schon seit Jahren. So leicht ist das nicht. Besonders nicht, wenn sie sich mit Pressefreiheit rausredet."
„Ich habe nichts gegen Pressefreiheit. Aber gegen verdammte Lügen und ..."
Sie stockte als ihr etwas ins Auge fiel und zog die Zeitung noch näher zu sich.
„Was ist?", fragte Draco verunsichert und Astoria schluckte.
Ihr wurde schlecht.
„Meine Mutter hat geheiratet", erwiderte sie stumpf und Dracos Gesichtszüge entglitten.
„Was? Ich habe darüber nichts gelesen."
Er stand auf, nur um sich neben sie zu stellen und sie tippte auf den kleinen Artikel. Es war nicht einmal ein Foto dabei.
Cecilia Greengrass und Edward Avery haben sich gestern Abend in einem kleinen, privaten Château in Fontainebleau das Ja-Wort gegeben. Die Feier war privat und fand in dem kleinen Landsitz eines Freundes von Mr. Avery statt, mit rund fünfzig Gästen ...
Astoria brach erneut ab und wandte sich den Einkäufen wieder zu.
„Sie hat es also wirklich durchgezogen."
Kaum zu glauben.
„Fünfzig Gäste", wiederholte Draco und hielt die Zeitung in der Hand als Astoria ihn ansah, während sie den Salat in den Kühlschrank räumte. „Nun, wir waren scheinbar nicht eingeladen."
„Wir", betonte Astoria. „Wären da auch nicht hingegangen."
„Schon klar. Aber ich meine... ach egal", brach Draco ab. „Denkst du, Daphne war eingeladen?"
Astoria runzelte die Stirn.
„Das nehme ich nicht an. Als ich gestern mit ihr telefoniert habe, war sie immer noch in Australien und hat es besonders wichtig empfunden, mir von ihrem neuen Rezept für Kuchen zu erzählen." Scheinbar versuchte sich Daphne aktuell am Backen. „Wenn sie eingeladen gewesen wäre oder zur Hochzeit gegangen, dann hätte sie mir das erzählt." Mit Sicherheit. Sie hätte nicht stundenlang über ihre Tochter erzählt und über das Rezept für den angeblich besten Schokoladenkuchen der Welt. Daphne hätte es Astoria gesagt. „Vermutlich hat sie uns nicht eingeladen, weil sie gewusst hat, dass wir bei diesem Theater nicht mitmachen werden."
Sie räumte die letzten Sachen weg und Draco fragte vorsichtig.
„Willst du darüber reden?"
„Nein", meinte sie knapp und verließ die Küche.
Was gab es da noch zu reden? Ihre Mutter hatte einen Mann geheiratet, der versucht hatte, ihre Tochter zu vergewaltigen. Astoria konnte es immer noch nicht wirklich glauben. Und dass, obwohl Cecilia Greengrass die Geschichte nun auch von ihrem jetzigen Ehemann bestätigt bekommen hat. Sicher, sie hatten nie ein großartiges enges Verhältnis. Astorias Mutter war nie in der Mutterrolle richtig aufgegangen. Astoria hatte ohnehin den Hang mehr zu ihrem Vater gehabt, aber zur Hölle, sie war ihre Mutter. Ob sie das hören wollte oder nicht. Und selbst wenn das Verhältnis nicht das beste gewesen war, sollte sie als Mutter nicht sofort in die Presche für ihre Tochter springen? Alles in der Machtstehende tun, um Astoria zu schützen? Ihr einfach einmal glauben?
Sie setzte sich aufs Bett und dachte darüber nach, während sie nach draußen starrte. Wie konnte sie diesen Mann auch noch heiraten? Heiraten, nachdem er Astorias Geschichte bestätigt hatte. Natürlich um zu betonen, dass nichts passiert war. Nein, es war nichts passiert. Er hatte ja nur versucht bei einer Vergewaltigung zu helfen und hätte es vielleicht oder vielleicht auch nicht später getan, wenn sein Kollege mit Astoria fertig gewesen wäre. Ein Schauer jagte über ihren Rücken. Keine Rede wert. Sie war nur jahrelang bei einem Psychologen gewesen. Hatte jahrelang an Schlafproblemen und Panikattacken gelitten. Halb so schlimm, dachte sie sarkastisch und hätte dabei am liebsten gekotzt. Sie spürte wie Draco aufs Bett stieg, nur um sich hinter sie zu setzen und sie gegen seine Brust zu ziehen. Er küsste sie auf die Wange, während ihr Rücken gegen seinen warmen Körper lehnte.
„Rede mit mir", wispert er und sie zuckte etwas die Schultern.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich fasse es nicht wirklich, dass sie ihn wirklich geheiratet hat. Ich meine, klar, ich hätte damit rechnen müssen. Aber ich denke, ich habe immer noch gehofft, dass sie zur Vernunft kommt."
Draco drückte sie etwas fester und sie lachte unsicher auf und es hörte sich ein wenig verzweifelt an.
„Ich habe jetzt nicht nur keinen Vater mehr, sondern auch offensichtlich keine Mutter."
Das wurde ihr schmerzlich bewusst.
„Du hast Daphne und ihre Familie. Und du hast mich und meine Familie", sprach Draco sanft gegen ihr Ohr. „Wir sind deine Familie. Wir sind für dich da."
Sie nickte und schloss die Augen dabei. Ja, dass wusste sie. Das war er ständig. Er drückte sie fester an sich und küsste sie. Er hatte recht. Sie hatte eine Familie. Sie hatte Daphne und ihren Mann und deren gemeinsame Tochter. Und sie hatte Draco, Narzissa und Lucius. Und es gab sogar noch Tracey. Sie war nicht alleine. Sie war wohlbehütete. Mehr als das.
„Ich liebe dich, Draco", wisperte sie und er schien sie nur noch enger an sich zu ziehen.
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Leidenschaft umfasst Liebe und Hass
أدب الهواةSie war für Draco ein Dorn im Auge und es machte es nicht gerade besser, dass sein Vater ihr Mentor war und er sie praktisch jeden Tag zu Gesicht bekam. (Drastoria).
