Kapitel 12

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Sie schlief nicht. Sie würde es einen Dämmerzustand nennen, obwohl sie genau merkte, dass sie nicht wirklich davon weit entfernt war richtig einzuschlafen. Sie lag auf dem Bauch nach der zweiten Runde und spürte, wie Draco mit seinen Fingern kleine Muster auf ihren nackten Rücken malte. Sie fragte sich, ob es Runen waren, die er mit seinen Fingern zog oder ob sie es sich nur einbildete. Sie hörte den Regen und den Wind, der zunahm. Irgendwo in der Ferne grollte es. Ein Gewitter zog scheinbar auf. Sie wandte etwas den Kopf als Malfoy ihr erst einen Kuss auf die nackte Schulter setzte und sich dann neben sie fallen ließ. Trotz des wenigen Lichts, das durch die Straßenlaterne in den Raum fiel, erkannte sie seine grauen Augen. Wie silberne Münzen. Er musterte sie aufmerksam. Wieso harmonierten sie so sehr? Zogen sich an wie Magnete. Sie verstand es nicht.
„Du musst es mir sagen", verlangte er und sie atmete schwer aus und drehte den Kopf auf die andere Seite.
Hier waren sie wieder. Nach zwei ausgezeichneten Runden Sex, bombardierte er sie wieder mit Fragen, die sie nicht beantworten konnte und wollte.

„Astoria", sagte er leise und sie drehte sich auf den Rücken. Starrte die Decke an. „Sag es mir", forderte er ruhig.
„Ich kann nicht", erwiderte sie knapp.
„Du kannst oder du willst nicht?"
„Beides."
Sie beobachtete seine Hand, die nach einer ihre Haarsträhnen griff und sie um den Finger wickelte.
„Und wieso nicht?"
Wieso hatte er überhaupt gelauscht? Warum war er hierhergekommen? Wegen Sex? Sie musste die Tür magisch sichern. Dringend.
„Erstens, rede ich darüber nicht gerne." Sie hasste es zur Hölle nochmal. Es war ein Trauma, das sie nie überwinden würde. „Und zweitens habe ich einen Vertrag unterschrieben."
Sie wandte etwas den Kopf und seine Stirn runzelte sich.
„Einen Vertrag?" Sie presste die Lippen zusammen. „Eine Vertrag zur Verschwiegenheit?", hakte er nach und sie nickte. „Mit meinem Vater?"
Sie nickte erneut. Wozu das abstreiten?

„Wer weiß darüber Bescheid?", wollte er wissen und sie seufzte seinen Namen, bevor sie sich aufsetzte und das Laken sich fester um sich selbst schlang. Sie starrte in die Dunkelheit ihres Zimmers, während sich seine Hand wieder auf ihren Rücken legte. Sie dort wieder streichelte. Viel zu vertraut. „Mein Vater, du und... Anwälte?"
„Vermutlich."
Wahrscheinlich auch seine Mutter, aber mit Sicherheit wusste sie das nicht. Narzissa wusste bestimmt im Groben, um was es ging. Immerhin hatte Astoria sie kontaktiert als man nach der Schlacht Lucius nach Askaban brachte. Im Gefängnis war ihr Lucius Malfoy nicht von Nutzen gewesen, also brauchte sie einen Plan, wie er dort schnellstmöglich wieder rauskam. Wie seltsam weit weg sich das alles anfühlte, obwohl es erst einige Jahre her waren. Nun, sie war damals ein unmündiges Kind gewesen. Ein Kind, das schon viel zu viel durchgemacht hatte und das in kürzester Zeit.

Sie spürte die Gänsehaut, die sich auf ihrer nackten Haut bildete und wusste, dass es nicht vom Abkühlen des Unwetters kam, sondern von den Erinnerungen. Sie hatte Lucius diesen Deal vorgeschlagen und er war ihn natürlich eingegangen. Denn so war die Abmachung gewesen. Sie bewahrte ihn für immer oder zumindest für Jahre vor Askaban und dafür würde er ihrer Familie und Astoria selbst helfen.
„Tori", hörte sie Draco besorgt sagen und der Druck seiner Hand auf ihren Rücken schien sich zu verstärken. „Alles in Ordnung?" Nichts mehr war seit dem Krieg in Ordnung. Rein gar nichts mehr. Wobei ihrer Familie schon seit dem Erbantritt ihres Großvaters den Bach hinunterging. Trotz den jahrelangen Bemühungen ihres Vaters. „Hat es mit dem Krieg zu tun?"

Sie atmete zitternd ein. Der Krieg war nur die Eisspitze gewesen. Es hatte mit allem zu tun. Ihrer Familie. Den Todessern. Den Krieg und Dinge, die bereits Jahrzehnte zuvor passiert waren. Nur war ihr das noch gar nicht richtig bewusst gewesen zu dem Zeitpunkt. Zu dem Zeitpunkt als Lucius sie unter seine Fittiche nahm, ging es vor allem darum, das Überleben ihrer Familie zu sichern. Nur darum. Nicht weiter in den Abgrund gezogen zu werden, auf der Straße und damit in der Gosse zu landen. Sie spürte erst vereinzelte Tränen als diese hinab auf ihre Hände fielen und sie wischte sie energisch weg.
„Schluss damit", forderte sie emotionslos. „Keine Frage mehr."
Sie ertrug es nicht daran zu denken und sie wollte darüber nicht reden und durfte es nicht.

Sie wollte aufstehen. Weg von ihm und diesem Bett, in dem sie schon wieder Sex gehabt hatten, doch er zog sie zurück. Zog sie zu sich in die Kissen.
„Nicht", murmelte er und sie schloss die Augen als er sie an sich zog und zärtlich küsste. Er starrte sie an als er sich von ihr löste. „Bleib einfach liegen. Ich hör schon auf."
Ganz neue Töne.
„Du willst hier liegen blieben? Wozu? Damit du vor Morgenanbruch wieder verschwindest?"
Und sie sich damit noch mehr, wie ein billiges Flittchen fühlte, dass er nur zum Vögeln brauchte. Er schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich will einfach hier mit dir liegen und schlafen."
Schlafen? War er verrückt.
„Das ist eine beschissene Idee", nuschelte sie gegen seinen Mund als er sie erneut küsste und die Laken über sie beide zog. „Wir sind kein Paar und Theo..."
„Ich will, dass du ihm sagst, dass du kein Interesse an ihm hast." War das sein Ernst? Er musterte sie wieder. „Ich weiß, was du gleich sagst", warf er ein, bevor sie widersprechen konnte. „Wir sind kein Paar. Wir hassen uns. Du kannst dich treffen, mit wem du willst. Und dass ich kein Recht habe, dir irgendetwas vorzuschreiben oder zu fordern."

So ungefähr, ja.
„Aber ich ertrag den Gedanken nicht, dass du mit ihm schlafen könntest, während wir es ständig treiben."
„Vielleicht hör ich einfach auf, mit dir zu schlafen", entgegnete sie keck und er gluckste rau.
„Oh bitte. Du weißt, so gut wie ich, dass das zwischen uns hier im Bett mehr als nur befriedigten funktioniert. Willst du darauf wirklich verzichten?" Trotz allem war es keine Basis für eine Beziehung. Nicht ansatzweise. Für eine Beziehung braucht es mehr. „Außerdem ist es nicht gerecht gegenüber Theodore." Ein Punkt für Draco, dachte sie sich. Es war nicht gerecht gegenüber Nott. Zumindest, wenn er sich wirklich Hoffnungen machte. „Ich weiß, er ist nett und vermutlich ein viel besserer Mensch als ich. Aber du und er passt nicht zusammen. Glaub mir einfach", sprach er ruhig, während sie an ihn gekuschelt lag und seine Hand, auf dessen Arm ihr Kopf ruhte, wieder Muster auf ihrer nackten Haut malte.
„Ich dachte an Emily", wisperte sie und er stutzte. „Wie bitte?"

„Emily Parker", fuhr sie fort. „Sie ist eine Freundin von mir. Ich glaube, Theo und sie würden sich verstehen und zusammenpassen."
Sie war sich sogar mehr als nur ziemlich sicher, dass das zwischen ihnen funktionieren könnte.
„Hervorragend", meinte Malfoy euphorisch. „Dann stell die beiden einander vor."
„Du kannst es wohl kaum erwarten", meinte sie augenrollend und er lachte, bevor er sie noch enger an sich zog. „Wir müssen das hier klären", nuschelte sie erschöpft. „Wir müssen darüber reden, Draco. Was das hier wird."
Wo es hinführen würde. Was er von ihr wollte. Sie sollte ihn rausschmeißen. Es würde alles nur noch... viel komplizierter machen. Und wenn sie auf etwas in ihrem Leben verzichten konnte, dann waren es Komplikationen.





Sie hatte recht. Natürlich hatte sie recht. Sie mussten das hier klären. Sie mussten definieren, was das zwischen ihnen war. Was sie wollten. Was wollte er? Er hatte keine Ahnung. Darüber dachte er nach, während er neben Astoria lag. Er beobachtete sie, während sie völlig entspannt auf dem Rücken lag. Er hatte keine Ahnung, was das zwischen ihnen war. Sie zog ihn an, wie das Licht die Motte. Er schlief mit ihr gerne, wieso sollte er das abstreiten. War da mehr? Er hatte keine Ahnung. Die letzten Jahre hatte er seine Gedanken nur damit verschwendet, wie er sie ärgern konnte. Er hob die Hand und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Am liebsten würde er einfach so weitermachen. Er war nicht der Typ von Beziehungen. Wenn er ehrlich mit sich war, hatte er das auch nicht wirklich versucht. Er hatte keine Ahnung, wie man eine richtige Beziehung führte.

In Hogwarts gab es ein oder zwei... nun man konnte es als auch Beziehung bezeichnen. Nun, was man als Teenager als Beziehung eben verstand. Auch später hat er sich immer wieder mit Frauen getroffen. Aber es waren keine richtigen Bindungen. Man hat sich eben getroffen. Ist ausgegangen. Alles andere waren schon zu viele Verpflichtungen. Er hatte auch immer das Gefühl, gerade in seinen Kreisen, dass man von Beziehungen meistens erwartet, dass daraus mehr wurde. Mehr gemacht wurde. So war das in den hohen Kreisen. Wollte er denn eine Beziehung? Eine Beziehung mit Astoria? Er hatte keine Ahnung. Hatte er vor kurzen nicht noch gesagt, dass ihre Familie eine Schande war? Ruiniert in der Gesellschaft? Abstammung und Aussehen, davon abgesehen? Er zog seine Brauen zusammen. Und dann war da noch diese... seltsame Abmachung zwischen Greengrass und seinem Vater. Um was ging es? Astoria hatte vorhin sich seltsam angespannt angefühlt. Seltsam, in sich gekehrt und verschlossen. War es eine Todessersache? Aber was hätte Astoria damit zu tun. Sie war ein verdammtes Kind gewesen als es zum Krieg kam. Was konnte sie also mit Lucius ausmachen?

Er setzte sich leise auf als es heftig donnerte und blitzte. Das Unwetter schien wesentlich näher zu sein als noch vor einer halben Stunde. Er wandte wieder den Kopf als Astoria wimmerte. Draco rutschte zurück in die Kissen. Sie schlief, wirkte aber unruhig. Sie verzog ihr Gesicht und schien sich etwas mehr zusammenzurollen.
„Tori", murmelte er. Sie träumte. Sie schluchzte und Dracos Brust fühlte sich seltsam schwer an. „Tori...", wisperte er und legte seine Hand an ihre Wange. „Du träumst", fügte er hinzu und sie blinzelte müde. „Du hast nur geträumt", flüsterte er erklärend und sie schloss die Augen, während sie sich wieder an ihn kuschelte, und er legte mit Bedacht ihr einen Arm um.
Er... wollte das hier. Er wollte sie zumindest nicht verlieren, auch wenn er nicht genau wusste, ob und wie eine Beziehung mit ihr funktionieren sollte.


Er wachte auf als sich die Bettseite am Rand senkte und er blinzelte irritiert und wandte sich um, nur um in Astorias Gesicht zu sehen, die angezogen auf dem Rand saß und ihm eine Tasse entgegenhielt. Es war Morgen. Der Tag war schon angebrochen. Er setzte sich irritiert auf.
„Morgen", meinte er überrascht.
„Morgen", sagte sie ruhig und reichte ihm die Tasse, die er zögerlich nahm.
Er nippte an dem heißen Kaffee und sah sie fragend an.
„Du bist schon wach?"
„Ich muss los. Ich habe heute sehr früh einen Termin und ich erinnere dich ja nur ungern, aber auch dein Terminkalender ist voll." Sie klopfte mit der Hand auf seine nackte Brust. „Also Kaffee runter, Duschen und dann ab in deine Wohnung und umziehen."
Sie stand auf und er sah ihr nach, wie sie im Bad verschwand. Sie trug einen blauen Rock und eine weiße Bluse. Er schwang die Beine aus dem Bett und stellte die Tasse zur Seite. Sie stand am Waschbecken vor dem Spiegel und schien sich fertig zu schminken. Wie seltsam, er sah bei so etwas nie zu und er nahm an, dass viele Hexen es magisch machten und nicht per Hand.

„Du willst das jetzt einfach totschweigen?", hakte er nach.
„Was genau?", fragte sie und fuhr sich durch die offenen, leicht gelockten Haare.
„Du weißt, was ich meine", fügte er knapp hinzu.
Sie seufzte seinen Namen.
„Ich habe dir doch erklärt, dass ich darüber nicht reden kann"
„Und nicht will", murrte er und sie wandte sich um und sah ihn an.
„Akzeptiere es einfach, Draco und bitte tue mir den verdammten Gefallen und geh deinem Vater nicht damit auf die Nerven."
„Ich würde niemals..."
Sie grinste breit und unterbrach ihn.
„Doch würdest du. Nerve deinen Vater damit nicht. Irgendwann wirst du alles erfahren. Da bin ich sicher."

„Wann?", fragte er knapp und sie zuckte die Schultern.
„Keine Ahnung. Wenn alles in Trocknen Tüchern ist?" Er runzelte die Stirn. Musste er das verstehen? Vermutlich nicht. Sie streckte sich und küsste ihn kurz auf den Mund. „Ich muss jetzt los. Ich bin ohnehin spät dran."
„Tori", sagte er leise. „Wir müssen noch reden."
Sie nickte kaum sichtbar und wich seinem Blick aus.
„Ja, das müssen wir. In Ruhe. Aber nicht jetzt, Draco. Ich habe zu tun. Und du auch. Du hast heute Termine."
„Woher weißt du das überhaupt?"
„Ich bin die Assistentin deines Vaters. Ich muss so etwas wissen." Musste sie nicht, aber das sagte er ihr nicht. „Geh duschen. Du kannst so lange bleiben, wie du willst, aber vergiss deine Termine nicht."
Würde er nicht, wobei er lieber wissen wollte, welche Termine sie heute wahrnahm. Was ging hier vor?

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