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„Wir müssen reden."

„Was gibt es?", ich stand in der Küche und war am backen. Ich backe immer wenn ich gestresst bin. Oder traurig. Seit Tagen haben wir durchgängig Kuchen in der Küche stehen. Ein Finger schlich sich in mein Sichtfeld und ich lies es zu.

„Du bist anders.", meinte Alex. Ich hielt den Blick auf die Schüssel gerichtet.

„Ich bin immer noch die alte.", antwortete ich mit einem lächeln und lies auch den nächsten Finger in den Teig. Seit zwei Tagen durfte ich wieder reden. Kyle hatte die zeit genutzt, in der ich nicht widersprechen konnte, allen zu sagen, er sei mein Freund. Er hatte sich an mich gehängt wie ein Dackel und mir nicht die Möglichkeit gegeben mal zu entspannen. Bei ihm war ich immer in Alarmbereitschaft. Nicht mal Isa oder Jake lies er in der Schule an mich ran.

Als ich ihn über Text gefragt hatte, was in der Nacht zu meinem Geburtstag passiert war, hatte er gesagt, er hätte mich so gefunden. Ich glaubte ihm kein Wort. Aber ich spielte mit. Ich hatte Angst vor ihm.

„Verarsch uns nicht.", ich schaute die vier Footballer immer noch nicht an. Der dritte Finger klaute Teig aus meiner Schüssel. Ich lies ihn. Joey, der eben auch gesprochen hatte, seufzte.

„Seit der Party vor Wochen schreckst du zusammen wenn dich jemand berühren will und seit deinem Geburtstag, ist das hier das erste mal, dass du wieder mit uns redest, hängst aber die ganze Zeit mit diesem Kyle rum. Den, nebenbei bemerkt, keiner von uns leiden kann.", sagte Hunter.

„Ihr müsst ihn auch nicht mögen. Er ist nicht euer Freund.", meinte ich und griff nach dem Kakao Pulver. Die Schüssel mit meinem Teig wurde gepackt und weg genommen. Ich verharrte kurz, atmete tief durch und drehte mich dann um, um mir eine neue Schüssel zu holen.

„Lasst uns allein.", meinte Hunter. Ich schwieg. Lieber bereitete ich mich darauf vor gleich mit Hunter alleine zu sein. Mit den Händen auf den Tresen gestützt starrte ich in die Schüssel. Ich hörte wie die anderen den Raum verließen.

„Yuna.", er legte seine Hand auf meine Schulter. Ich zuckte zusammen. Versteifte. Er fing an sie zu kneten.

„Hunter, bitte...", fing ich an zu flüstern. Er stellte sich hinter mich. Fing an beide Schultern zu kneten.

„Lass es einfach zu. Du kennst mich. Du weißt ich bin nicht der, der dich verletzt hat. Ich bin niemand der dich je verletzen würde.", raunte er in mein Ohr und knetete meinen Nacken. Dieser war so verspannt, dass sich diese Berührung so unglaublich gut anfühlte. Ich vertraute Hunter. Ich mochte Hunter. Vor ihm musste ich keine Angst haben.  Unterbewusst, lehnte ich mich an ihn. Mit geschlossenen Augen stand ich da und betete, dass die Zeit stehen bleiben würde. Seine Hände strichen meine Arme rauf und runter.

„Wir machen uns sorgen um dich.", flüsterte er in mein Ohr. Gänsehaut breitete sich über mir aus und unweigerlich kamen mir die Tränen hoch. Ich versuchte den Klos in meinem Hals wieder runter zu schlucken.

„Mir geht es gut.", flüsterte ich und wollte mich wieder von ihm lösen. Hunter drehte mich im selben Moment zu sich um und zog mich in eine Umarmung.

„Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten.", gab er zurück und strich mir beruhigend über den Rücken. Ich hatte mich an ihn gekrallt, ohne dass ich es gemerkt hatte. Jetzt atmete ich einmal tief durch und löste meinen Klammergriff.

„Ich komme klar.", mit einem Schulter tätscheln zog ich mich zurück, und fing an einen neuen Teig anzurühren. Ich spürte Hunters Präsenz noch eine Weile in meinem Rücken. Dann drehte er sich weg und ging. Sobald ich mir sicher war, dass ich alleine war, lies ich die Tränen zu. Ich presste mir eine Hand auf den Magen, als mich ein Schwall der Übelkeit überrannte und schluchzte.

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