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Grübelnd starrte ich in mein Essen, während ich mit der Gabel darin herum stocherte. Ich spürte Hunters Hand auf meinem Bein. Ich spürte Alex' besorgte Blicke und ich hörte Dads frage ob alles gut sei.
Ich nickte.
Kyles Worte spukten mir im Kopf umher. Ich musste darüber reden, aber ich wollte das Weihnachtsfest nicht ruinieren, weshalb ich versuchte mich in meinen Gedanken damit auseinander zu setzen.

„Komm mit, ich hab noch ein Geschenk oben in meiner Tasche vergessen, und brauch deine Hilfe es zu holen.", Hunter zog meinen Stuhl zurück und hielt mir eine Hand hin. Ich nahm sie schweigend entgegen, und lies mich von ihm hochziehen.

„Wir sind bald wieder da. Ich bin einfach super schlecht im einpacken, und dachte Yuna hilft mir noch schnell. Entschuldigt bitte.", erklärte Hunter und zog mich hinter sich her die Treppen nach oben.
Sobald wir in meinem Zimmer waren, schloss er mein Tür ab und zog mich auf mein Bett. Er legte sich hin und ich folgte ihm und legte mich auf ihn drauf. Er fing an mir über die Haare zu streichen.

„Worüber zerbrichst du dir deinen kleinen hübschen Kopf?", fragte er zärtlich.

„Kyle...", fing ich an, doch Hunter unterbrach mich.

„Wieso denkst du denn an diesen Motherfucker?"

„Er war vorhin an der Tür und hat eine ziemliche Bombe platzen lassen...", murmelte ich. Ich hob meinen Kopf um in sein Gesicht gucken zu können und fuhr ihm durch die Haare.

„Hat er dir weh getan?"

„Nein. Er meinte, er wüsste wer meine Mom umgebracht hat.", Hunter erstarrte unter mir. Ich runzelte die Stirn.

„Er meinte, Dad wüsste es auch, und hätte ihn zu uns nach Hause eingeladen, und dass ich ihn inzwischen ziemlich gern habe... Hunter... Weißt du was darüber?", fragte ich und richtete mich komplett auf.

„Möglicherweise..."

„Bitte sag mir nicht, dass du es warst!", flüsterte ich. Hunter streckte eine Hand nach mir aus, aber ich wich vor ihr weg.

„Dad hat dich dieses Jahr ins Team geholt, ich hab dich wirklich sehr gern... Hunter, hast du meine Mom umgebracht?", fragte ich mit Tränen in den Augen.

„Nein. Ich war es nicht. Ich schwöre. Yuna, das hätte ich dir nicht verschwiegen.", flüsterte er.

„Was weißt du dann?"

„Ich weiß auch wer es war..."

„Wer?"

„Ich bin nicht in der Position dir das sagen zu können. Aber tief in deinem innersten weißt du es schon. Du hast alle nötigen Infos, um die Punkte zu verbinden Yuna... Ich... Ich hab deinem Dad versprochen nichts zu sagen, weil er dir nicht noch mehr Schmerzen zufügen wollte. Und ich habe der  Person, die es war versprochen nichts zu sagen, weil er es selbst tun will.", Wut machte meiner Trauer platz.

„Ich verdiene es zu wissen!", schrie ich, während Tränen über meine Wange liefen.

„Ich weiß! Der selben Meinung bin ich auch, und deshalb habe ich beide immer und immer wieder angefleht es dir zu sagen, aber..."

„Raus.", flüsterte ich.

„Was?"

„Wenn du mir nicht sagen willst, wer es war, dann geh! Du hast mich genauso belogen wie mein Dad! I-Ich kann das gerade nicht. Also geh! Ich will dich jetzt nicht sehen.", ich sprang vom Bett auf und ging zur Tür um sie ihm zu öffnen.

„Yuna..."

„Wenn du dich dazu entscheidest, mir die Wahrheit zu sagen, kannst du wieder kommen, wenn du mir aber nur weiter ins Gesicht lügen willst, dann kannst du weg bleiben.", flüsterte ich. Hunter kam mit gesenktem Kopf auf mich zu. Er wirkte wie ein Welpe, dem ich gerade sein Lieblingsspielzeug weg genommen hatte. Er blieb vor mir stehen, hob seine Hand und wollte mich im Gesicht berühren, doch ich wich zurück.

„Fass mich nicht an!", zischte ich. Hunter lies seine Hand fallen, und ging geschlagen aus meinem Zimmer.

„Ich wollte es dir sagen..."

„Hast du aber nicht. Du hast dich dazu entschieden mich anzulügen."

„Du kennst die Antwort inzwischen Yuna. Du willst sie dir nur nicht eingestehen."

„Fick dich.", ich warf meine Tür ins schloss und lies mich dann weinend daran herunter rutschen.
Hunter wusste genau wie ich zu Lügen stand. Er wusste, dass es für mich ein Vertrauensbruch war, wenn man mich anlog. Dennoch hatte er es getan. Ich wusste nicht wann und wie ich ihm das verziehen sollte.

Ich hörte wie es einmal gegen meine Zimmertür klopfte, als hätte sich jemand dagegen gelehnt, und wie dann etwas daran herunter rutschte.

„Ich weiß du hasst mich gerade Yuna. Aber ich lass dich in der Verfassung nicht alleine. Ich liebe dich."

„Du hast mich belogen!"

„Es war nicht meine Geschichte zu erzählen. Wenn ich es dir erzählt hätte, hätte ich damit jemand anderen, der mir wichtig ist, verraten.", erklärte er.

„Wenn Jake etwas getan hätte, was mein Leben beeinflusst, und er dich Gebeten hätte mir nichts zu sagen, hättest du ihn dann hintergangen?"

„Das kannst du gar nicht miteinander vergleichen!", zischte ich und wusste dabei genau, dass ich Jake nicht hintergangen hätte.

„Bitte... Hass mich nicht okay? Ich dachte ich tue das richtige."

„Seit Jahren, habe ich Albträume davon, wie ich Mom umbringe, Hunter. Seit Jahren zerfressen mich die Schuldgefühle. Seit Jahren wünsche ich mir, dem Kerl, der meine Mom auf dem Gewissen hat, gegenüber zu stehen, um ihn ins Krankenhaus zu schlagen. Um Mom zu rächen! Um ihn bezahlen zu lassen. Jetzt erfahre ich, dass ich den Mörder meiner Mom bereits kenne, und dass ich ihn sogar mag, und dass alle um mich herum davon wussten, und es mir verschwiegen haben. Weißt du wie sich das anfühlt, Hunter? Als hätte ich versagt. Als hätte ich sie enttäuscht."

„Yuna..."

„Ich verstehe, dass es eine schwierige Situation für dich war, Hunter. Aber Fakt ist, dass du mich belogen hast. Du hast es mir verheimlicht, obwohl du wusstest, wie fertig mich ihr Tod immer noch macht. Das fühlt sich an als hättest du mich verraten. Als hättest du mir ein Messer in meinen Rücken gerammt und ich weiß nicht wie ich darüber hinweg kommen soll."

„Bitte, mach jetzt nicht Schluss mit mir Yuna! Bitte! Ich liebe dich!", ich hörte den Belag auf seiner Stimme. Meine klang nicht besser, da ich immer noch weinte.

„Ich brauche Zeit um damit klar zu kommen Hunter. Bitte! Gib mir Zeit.", schluchzte ich.

„Ich liebe dich!"

„Ich dich doch auch, du Idiot, deswegen tut es ja so doll weh!", schrie ich.

„Es tut mir leid."

„Gib mir Zeit..." 

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