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Die Tage verschwammen in einander. Hunter hielt sein versprechen und blieb auf abstand. Gab mir Zeit.
Ich lag gerade auf meinem Bett und starrte an die Decke, in meinen Gedanken gefangen, als meine Zimmertür aufschwang und wieder ins schloss fiel. Er warf sich neben mich aufs Bett.

„Wir müssen reden."

„Ich weiß."

„Es tut mir leid. Ich... Ich wollte das nicht tun."

„Ich weiß."

„Ich hab sie im Arm gehalten, als sie starb...", ich schaute ihn an mit verschleiertem Blick.

„Woher weiß Kyle davon?", dass war die Frage die mich am meisten beschäftigte.

„Er hat deinen Dad und mich darüber sprechen hören.", seufzte er. Ich nickte. Das ergab irgendwie Sinn.

„Yuna?", er schaute auch mich an. Nahm meine Hand.

„Es tut mir unendlich doll leid.", ich nickte wieder. Ich wusste das. Ich kannte die Geschichte bereits. Ich wusste, dass ihn die Schuldgefühle zerfraßen.

„Seit Jahren verfolgte ich das Ziel ihren Mörder zu finden, ihm ins Gesicht zu sehen und sie zu rächen... Ich habe darauf hin trainiert..."

„Ich..."

„Aber jetzt wo du vor mir bist, kann ich es nicht. Ich will dich hassen, aber ich kann nicht."

„Yuna...", ich drückte seine Hand.

„Es ist okay..."

„Ehrlich?"

„Hey ich hab dir an dem Tag unseres Kennenlernens ein Ball in die Eier geworfen... Es ist zwar nichtmal ansatzweise das was ich eigentlich vor hatte, aber rückblickend betrachtet reicht es aus.", meinte ich.

„Es tut mir leid.", ich zog ihn in meinen Arm. Er legte seinen Kopf auf meinen Bauch und klammerte sic fest an mich.

„Ich wollte das nicht.", seine Stimme war belegt und ich wusste er weinte. Ich glaube ich habe ihn vorher noch nie weinen gesehen.

„Es war keine Absicht. Es ist okay...", flüsterte ich und weinte mit ihm, während ich ihm durch die Haare fuhr.

„Du müsstest mich hassen."

„Nein..."

„Ich hasse mich dafür.", flüsterte er.

„Deswegen war ich anfangs so gemein zu dir. Ich wollte nicht, dass du mich magst."

„Joey... Du warst selbst noch ein Kind. Du warst dabei deinen Vater zu verlieren. Kein Rational denkender Mensch könnte dich hassen.", er drückte mich noch ein wenig fester. Es klopfte vorsichtig an die Tür. Joey und ich schauten beide auf, als Alex seinen Kopf rein streckte.

„Ohhhh das erzähle ich Hunter...", meinte er mit einem Schmunzeln und gesellte sich zu uns aufs Bett. Joey und ich lächelten milde.

„Shit, hast du geweint?", fragte Alex und schaute Joey an.

„Ich hab ihn noch nie weinen gesehen. Wie hast du das geschafft?", fragte er mich mit großen Augen. Ich strich nochmal durch Joeys Haare.

„Ein Zauberer verrät seine Tricks nicht."

„Woah, Pyjama Party und das ohne uns?", Noah stieß die Tür ebenfalls auf und zog Isa hinter sich mit ins Zimmer. Ich lachte und verdrehte die Augen.

„Eigentlich hatten Joey und ich gerade einen sehr privaten Moment, aber natürlich, kommt ruhig dazu.", Joey lies von mir ab und setzte sich auf den Bettrand. Ich nahm wieder seine Hand, und drückte sie nochmal nachdrücklich. Er schenkte mir ein dankbares lächeln.

„Ich gehe mir was zu trinken holen. Macht es euch ruhig gemütlich.", ich verdrehte meine Augen und kletterte aus dem Bett. An meiner Zimmertür drehte ich mich nochmal um. Ich schaute mir meine Freunde mit einem lächeln an, die allesamt so unterschiedlich waren und trotzdem zueinander gefunden hatten. Ich betrachte Noah der lachend einen Arm um Isa hatte, während er Witze auf Alex kosten machte. Ich sah Isa, die grinsend ihre Finger mit seinen verknotete und schmunzelnd zu ihm hoch schaute. Ich schaute zu Joey, der jetzt ein wenig aus seinen Schatten hervor gekommen schien. Mein Blick wanderte zu Alex, der mich wissend musterte. er zwinkerte mir zu, denn er wusste, dass mir noch zwei wichtige Menschen fehlten, um komplett zu sein.
Ich tippte eine Nachricht an Jake, dass er rüber kommen soll, für eine Filmnacht. Ohne lange warte zu müssen, kam seine zusage.
Dann wanderte ich in die Küche um ein paar snacks vorzubereiten.

„Hey...", ich schaute zum Küchen Eingang.

„Habt ihr miteinander geredet?", fragte er. Ich nickte. Musterte ihn.

„Und...", ich wartete nicht auf seinen nächsten Satz sondern viel ihm in die Arme. Er fing mich auf. Sein Herz schlug ein wenig schneller, als ich ihn küsste, als würde mein leben davon abhängen. Er drückte mich fester an sich.

„Ich hab dich vermisst.", flüsterte er gegen meine Lippen.

„Belüg mich nie wieder.", flüsterte ich und lehnte meine Stirn gegen seine.

„Nur noch brutale Wahrheit."

„Keine Ausnahmen?", fragte er mich. Ich nickte.

„Okay. Tut mir leid dir das sagen zu müssen, aber du hast brutalen Mundgeruch.", meinte er mit einem grinsen. Ich grinste auch und löste mich von ihm.

„Na gut, dann bring du die Snacks nach oben, während ich meine Zähne putze.", er gab mir einen klaps auf den Hintern, als ich an ihm vorbei ging.

Nach einer Weile hatten wir Luftmatratzen aufgeblasen, Pizza bestellt und alle einen gemütlichen platz gefunden.
Hunter und ich kauerten in einer Ecke meines Bettes, eng mit einander verschlungen. Neben uns saß Alex, der sich inzwischen damit abgefunden hat, dass Hunter und ich zusammen waren. Am Fußende lag Jake, der immer wieder heimliche blicke zu Joey warf, der vor ihm auf einer Luftmatratze saß und den Film schaute. Neben ihm hockten Isa und Noah, die uns vor wenigen Minuten mitgeteilt hatten, dass sie jetzt offiziell am Daten waren.
Ich spürte wie glücklich ich war. Ich wusste Mom wäre auch happy, wenn sie uns jetzt sehen könnte. Das war es, was sie sich für mich gewünscht hat. Da war ich mir sicher.
Ich schaute zu Joey. Als hätte er meinen Blick gespürt, schaute er auch zu mir. Wir lächelten einander an. Ich glaube, Mom hat ihn zu uns geführt. Damit er seine Schuldgefühle ablegen konnte. Wieder atmen lernen konnte. Und damit ich einen Abschluss finden konnte.
Der Film fand ein Ende.

„Als nächstes Mulan bitte.", meinte ich, mit Blick auf die Sonnenblumen auf meinem Nachtschrank.

ENDE

 you wanna play with fire?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt