KAPITEL 11

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HURRICANE

Mir läuft der Schweiß die Wirbelsäule runter, als ich die siebte Kiste mit Alkohol hinter der Bar abstelle. Warum habe ich mich auf diesen Mist überhaupt eingelassen? Grummelnd ziehe ich die Flaschen heraus und positioniere sie auf der langen Theke. Bento, einer der Sportstudenten, grinst begeistert in meine Richtung und schielt neugierig über die Bar.

»Hast nur den guten Stoff besorgt, was Cane?«, fragt er lachend und zieht sich eine Flasche heran. Mit einem Pfiff studiert er das Etikett. »Damit werde ich mich heute sowas von abschießen. Wehe, du hast das Mixen nicht drauf, dann kriegst du meine Cocktails oder Longdrinks vor die Füße gekippt«, prophezeit er. Die leere Drohung beeindruckt mich kein Stück, denn in den nächsten zwei Stunden wird er ohnehin zu betrunken sein, um irgendwas davon zu schmecken, was ich ihm vor die Nase stelle.

Ein Kerl, der mit mir gemeinsam hinter der Bar stehen wird, kommt, mit einer Kiste voller Plastikbecher und Strohhalmen, um die Theke herum. Bislang hat er sich bei mir nicht vorgestellt, sondern mir nur schweigend zugenickt. Allerdings glaube ich, dass es ein Mitbewohner von Bento ist. Denn das Rudel von diesem Idioten hat die Party immerhin auf die Beine gestellt. Sie haben mit der Verwaltung gesprochen und sich tatsächlich einen der uralten ungenutzten Hörsäle schnappen können. Durch eine der deckenhohen Glastüren kommt man in den Außenbereich. Dort haben sie einen aufblasbaren Pool aufgestellt, mehrer Sitzmöglichkeiten, eine kleine Bar und einige Mülltonnen. Der Teil des Campus, auf dem die Party stattfindet, wird überwiegend als Stauraum benutzt und soll in den nächsten Jahren entweder renoviert oder abgerissen werden.

Mamãe hat in einem der anderen Säle ihre erste Vorlesung gehalten. Sie hat ihn mir an meinem ersten Tag auf dem Campus stolz gezeigt, ebenso wie ihren eingeschnitzten Namen am Pult der Professoren. Ich bin froh, dass die Party nicht in dem Hörsaal stattfindet, weil ich sonst kein reines Gewissen hätte, wenn ich heute Nacht nach Hause gehe.

Nach zwei Stunden weiterer Vorbereitung stellt Bento die Musik an und die Effektmaschine. Immer mehr Studenten trudeln ein, bestellen die ersten Drinks und werfen Trinkgeld in die aufgestellten Behälter. Der Kerl neben mir flirtet wild mit einigen Mädchen, während ich mich um die verfluchte Arbeit kümmere. Rix kommt mit Thaís und ihren Freundinnen hereinspaziert, dreht allerdings direkt ab, als er meinem Blick begegnet. Seit einigen Tagen benimmt er sich ziemlich merkwürdig, worüber ich im Augenblick nur die Stirn runzeln kann. Thaís kommt lächelnd auf die Bar zu und lässt die Schlange davor links liegen.

»Olá lindo«, säuselt sie und streckt ihre Hand nach meinen Fingern aus.

»Hey. Was möchtest du trinken?« Sie klimpert mit den Wimpern, als würde mir dieser Blick alles sagen. Nichtsdestotrotz warte ich auf ihre Antwort.

»Zauber mir was Leckeres, Hurricane. Sicherlich kannst du genauso fantastisch mixen, wie du andere Sachen kannst«, flirtet sie. Wie jedes Mal verstecke ich den verständnislosen Blick, stattdessen nicke ich und greife nach einem leeren Becher. Der Kerl hinter Thaís sieht mich zornig an, dann wirft er einen Blick auf sie und zwinkert mir anerkennend zu. In Windeseile habe ich Thaís ihren Drink vor die Nase gestellt und jeweils einen für ihre Freundinnen.

»Viel Spaß!«, rufe ich ihnen über die lauter werdende Musik entgegen und widme mich den anderen Bestellungen.

Drei Stunden später, schiebt sich eine Hand in mein Blickfeld, während ich mich gerade auf einen Cocktail konzentriere. Prüfend hebe ich den Blick und entdecke Corálina. Sie sieht mich minimal verärgert an, allerdings funkelt Belustigung in ihren Augen. »Olá Corálina«, begrüße ich sie fröhlich. Kurz werfe ich einen Blick hinter sie, denn ich hatte tatsächlich die Hoffnung, sie würde Arla im Schlepptau haben.

HATE ME HARDERWo Geschichten leben. Entdecke jetzt