ARLA
Mit einem breiten Grinsen lehnt Lua im Türrahmen zu unserem Badezimmer. Ich ziehe konzentriert meinen Lidstrich und versuche, mich nicht von ihrem Blick verunsichern zu lassen. Sie bohrt seit Stunden, denn auf dem Campus machen allmählich Gerüchte die Runde. Gerüchte über Hurricane und mich.
Ich soll das Mädchen sein, das den Weiberheld endlich dazu bringt, sich zu binden. Ich, die eigentlich als Schlampe gilt und der nun unterstellt wird, sie würde Hurricane Sousa ausnutzen. Benutzen. Ein hässliches Wort, das mir den Magen verknotet.
Ich kann nicht einmal bestreiten, dass sich allmählich Gefühle für Hurricane in mir melden. Gefühle, die nichts mit der extremen sexuellen Anziehung zu tun haben, die in mir pulsiert.
Die Tatsache, dass er noch Jungfrau ist verunsichert mich, jedoch hat es mir offenbart, er will nicht nur Sex von mir. Hurricane war die gesamte Zeit ehrlich. Er hat wirklich Interesse an mir und nicht an meiner Vagina. Zumindest nicht ausschließlich. Gut, womöglich will er irgendwann Sex, allerdings scheint dieser Punkt nicht an erster Stelle bei ihm zu stehen.
Es ist ... erfrischend und beschert mir ein leichtes flattriges Gefühl. Mit Hurricane fühle ich mich leicht. Der Gedanke ist grotesk, denn immerhin habe ich ihn eine lange Zeit gemieden, als hätte er die Pest. Jetzt fühle ich mich schäbig, weil ich ihn in den letzten Semestern vollkommen oberflächlich betrachtet habe. Hurricane ist so viel mehr als die Geschichten, die über ihn die Runde machen.
»Du hast den Blick«, flötet Lua und wackelt übertrieben mit den Augenbrauen, während ich Lidschatten auf mein Lid pinsle.
»Verrätst du mir, was der Blick ist?« Angestrengt unterdrücke ich das Lächeln, weil ich genau weiß, welchen Blick sie kommentiert. Ich sehe ihn im Spiegel. Meine Augen leuchten, ein Schmunzeln zupft an meinen Mundwinkeln und die Rötung auf meinen Wangen kommt nicht vom Rouge. Wahrscheinlich sehe ich jedes Mal so aus, wenn ich an Hurricane denke. An sein Lächeln, seine weichen Lippen, seine flüchtigen Berührungen. Céu, er hat mich in jeder Hinsicht umgehauen.
»Der Ich-stehe-volle-Kanna-auf-Hurricane-Blick«, trällert sie und dreht sich seufzend im Kreis, wie eine Ballerina.
»So einen Blick habe ich nicht«, erwidere ich kichernd.
»Du würdest dich wundern, welche Blicke neuerdings in deinem Repertoire zu finden sind, seitdem du mit Hurricane anbandelst.« Lua hebt provokativ eine Braue in die Stirn. Ihre Augen leuchten durch die dunkle Schminke wie ein Stern am Nachthimmel.
»Anbandelst?« Amüsiert richte ich einige Haarsträhnen und drehe mich zu meiner besten Freundin um.
»Na ja, vögeln tut ihr jedenfalls nicht, davon hätte ich was mitbekommen«, sagt sie schulterzuckend. »Der Kerl meint es ernst mit dir, Arla. Freu dich darüber und genieß es. Du hast es verdient, nach dem toxischen Mistkerl Plutão.« Bei seinem Namen zieht sie angewidert die Oberlippe hoch. »Du darfst ruhig zugeben, dass du dich in ihn verknallt hast. Seine Hartnäckigkeit ist auch zum Niederknien niedlich. Ich verstehe das.« Sie seufzt und fährt sich durch ihre Ponyfransen. Letzte Woche hat sie eine neue Frisur ausprobiert und ich liebe es. Sie sieht jung, frisch und frech aus. Genau wie ihre Persönlichkeit. Jeder Charakterzug wird durch ihre neue Frisur unterstrichen.
»Ich kenne ihn kaum, Lua«, murmle ich und lege ein Armband um mein Handgelenk, während ich das Badezimmer verlasse. Sie folgt mir in mein Zimmer.
»Musst du ihn denn richtig kennen, um dich zu verlieben? Ich habe mich schon in deutlich weniger von einem Kerl verknallt«, grinst sie. »Außerdem konnte heute die ganze Fangemeinde von unserem Volleyballteam eure Verliebtheit bewundern. Du kannst es nicht leugnen, Ar. Der Kerl geht dir unter die Haut, im übertragenen Sinne.«
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HATE ME HARDER
RomanceCOLLEGE-ROMANCE Als die Biologiestudentin Arla Oliveira in einer wilden Partynacht von ihrem Knutschpartner plötzlich mit seinem Drink überschüttet wird, hätte sie mit allem gerechnet. Nur nicht damit, dass ausgerechnet der Uni-Schwarm und Womanize...
