Part 35

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Wenige Tage nach der Schlacht, in der Scott den Alptraum eines jeden Soldaten erlebt hat, stieß ich auf dem Weg zur Krankenstation mit einem bekannten Gesicht zusammen. Er fluchte nicht gerade leise, rieb sich die Schulter, ehe sich sein Gesichtsausdruck schlagartig aufhellte, als er mich erblickte. Scott. Abschätzig musterte ich seine faustgroße Platzwunde an der Schläfe.

Der Zustand seiner Platzwunde besserte sich, der seine Psyche verschlechterte sich dagegen rapide. Ich sah es, spürte es. Während ich die Wunde genauer betrachtete, fragte ich mich, weshalb er sich nicht für ein paar Tage Urlaub nahm, nach Hause zu seiner Familie und Freundin fliegen würde oder auch nur in ein benachbartes Land, um den Kopf frei zu kriegen. Vielleicht aus Stolz, vielleicht aus Überzeugung den Einsatz ganz oder gar nicht durchzuziehen. Oder der Brite wollte uns, seine Freunde, nicht alleine lassen, ertrug den Gedanken nicht, dass wir ein Gefecht nach dem anderen zu meistern hatten, während er am Strand döste. Die letzte Theorie konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Wenn man mit einer Person die ganze Zeit zusammen ist, kennt man sie gezwungenermaßen irgendwann in und auswendig. Weiß, wann er schlecht drauf ist, wann wiederum gut, spürt, wenn was nicht stimmt und hat im Gefühl, wenn's berab oder eben bergauf geht.

An diesem Tag beschloss ich, auf ein Treffen mit Tony zu verzichten. Die Freundschaft zu Scott hatte in diesem Moment einfach Vorrang gegenüber ihr. Ich bezweifelte, dass sie deshalb sauer oder gar beleidigt sein würde, also eilte ich schnell zu ihr, teilte ihr den Stand der Dinge mit und sie reagierte verständnisvoll wie immer. Zum Abschied huschte ihr ein Lächeln übers Gesicht und es raubte mir fast den Atem. Immer wieder musste ich an einen Engel denken, wenn ich sie sah. Wie ihr Haar heute in der Sonne geleuchtet hat..

Der feinkörnige Kies knirschte unter meinen Sohlen, als ich mich auf den Weg zu Scott machte. Wir gingen ins Zelt, ich setzte ich auf die untere Matratze des zweistöckigen Bettes. Scott hingegen kauerte auf dem Boden. Als wäre er niedergetreten worden. Ich wusste, wie sehr der Vorfall vor wenigen Tagen noch immer an ihm nagte und doch erschien er mir plötzlich so fremd. Sein Gesicht erschien mir so fahl und die tiefen Ringe unter den Augen ließen mich zusammenfahren. Vor wenigen Tagen war Scott noch wie immer. Hatte ein offenes Ohr, brachte in passenden Situationen einen Witz und baute einen auf, wenn man wie ein Kartenhaus in sich zusammengeklappt war. Heute erkannte ich nichts mehr von dem Scott, von dem ich insgeheim wünschte, ich wäre wie er.

"Du krümmst deinen Finger und der Gegner fällt. Wie aus dem nichts durchfährt dich ein irrer Gedanke und du schreckst zusammen, drückst automatisch ab und der Mensch vor dir ist auf der Stelle tot. Das ist doch irrsinnig, oder? Nachts sehe ich die Leichen vor mir, höre die Panzer, als ob sie direkt neben mir fahren würden, die Patronenhülsen, die keinen Meter neben mir zu Boden fallen, die Handgranaten explodieren. Weißt du, so sehr ich es auch will, ich kann diese Erinnerungen in meinem Kopf einfach nicht auslöschen. Es ist, als ob sie in Gehirn festgestanzt oder reintättoowiert worden wären. Ich wünschte, ich könnte mit 'ner verdammten Amnesie aufwachen, Harry."

Regungslos starrte ich in die Augen meines Freundes. Seine Worte hatten etwas flehendes in sich, sie schockierten mich, setzten mir zu, trafen mich wie Schläge ins Gesicht oder Fausthiebe in die Magengrube. Er hatte Recht - und wie er Recht hatte. Mit all dem was er sagte. Es stimmte. Seuftzend massierte ich mir die Schläfen und holte tief Luft, als ob es mir zu den richtigen Worten verhelfen würden, dabei war es so verdammt schwer, auf so ein Geständnis, die richtige aufmunternde, zuversichtliche Antwort zu finden. Also blieb ich stumm und sagte kein Wort. Ich hasste mich dafür, sodass ich mich am Liebsten selbst Ohrfeigen wollte.. In Filmen, die den Krieg darstellten, dokumentierten oder auch nur ansatzweise versuchten etwas dadurch zu vermitteln, lief es meistens nach diesem zwei verschiedenen Schemen ab: der Hauptdarsteller befand sich in einer Schlacht. Brutale Bilder wurden eingeblendet (entweder maßlos übertrieben oder unecht heruntergespielt) Schließlich wurde der Hauptdarsteller getroffen und sackte zu Boden. cut und der Betroffene lag in der Krankenstation und man könnte meinen, diese Verletzung hätte nie existiert.

Football TeacherGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt