Part 32

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Mehr als ein mildes Lächeln und ein Kopfschütteln hatte ich für diese SMS echt nicht übrig. Das Handy war schnell in der Hosentasche meiner zitrusfarbenen Shorts verschwunden und ich trat in die Pedale, als gäbe es kein Morgen. Als würde es gleich schütten. So abwegig wäre das gar nicht hier in Doncaster konnte die Sonne scheinen und im nächsten Moment regnete es, dass man dachte, man würde weggeschwemmt werden.

Es war kurz nach vier, als ich zu Hause die Türe mit einem Fuß aufstieß, in der einen Hand die Badetasche, in der anderen die Post. Diverse Prospekte und Briefe landeten mit einem Knall auf dem Küchentisch. Die nassen Sachen in der Waschmaschine, das Shampoo und sonstige Zeug im Badezimmer. Ich begrüßte Mom, die im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß und einen einzigen Korb Wäsche bügelte. Ich sah nochmal genauer hin, um mich zu vergewissern. Wegen einem Korb schaltete sie sonst nie das Bügeleisen an. Heute war ihr freier Tag im Bistro, indem sie sonst meiner Meinung nach viel zu viel Zeit verbrachte. Sie machte ihre Arbeit dort gerne und das merkte man, jedoch wurde sie keineswegs geschätzt. Kein anerkennendes Nicken vom Chef, keine repektvollen Worte von Kollegen. Nein, die sahen sie nur als gewöhnliche Kollegin - und das, obwohl sie sich so engagierte. Wahrscheinlich war die restliche Hausarbeit getan, geputzt habe ich gestern, also blieb ihr nicht mehr viel übrig, um sich abzulenken. Am Fernseher dröhnten die Nachrichten durch die ganze Wohnung. Wahrscheinlich kam vorhin etwas über Auslandskonflikte, neue Terrororganisationen oder Attentaten. Dann war es bei Mom aus, sie machte zu und fing an, sich auf ihre Art verkrampft abzulenken und zu entspannen. Mit wenigen Schritten stieg ich die Treppen hoch, ging in mein Zimmer und ließ mich auf's Bett plumpsen. Die nervige Stimme des Wettermoderators drang bis nach oben in mein Zimmer hoch und ich stieß mit dem Fuß die Türe zu.

Meine Gedanken drehten sich in einer Endlosschleife im Kreis. Fingen bei meinem Bruder an, über den Stress auf der Arbeit (zwei Kolleginnen waren krankgeschrieben, sodass wir ihre Arbeit übernehmen mussten und das war nicht gerade stressfrei) und endeten bei dem lieben Mr Tomlinson.

Was hatte es mit diesem Kuss wirklich auf sich? Warum beteuerte er seine Unschuld? Warum gab er es nicht zu? Weil er es sich mit mir nichr verschätzen durfte? Was für ein lächerliches Argument in seinen Augen.

Mein Handy meldete eine neue SMS von John, in der stand, es wüde alles ganz anders sein, als ich dachte, doch ich glaubte ihm kein Wort. Abgesehen von den zahlreichen Anrufen, seit meiner deutlichen Ansage gegenüber ihm, war's das. Das ich Louis mit einem Mal so vertraute, wunderte mich bis heute, doch diese plötzliche Bindung konnte ich mir selbst beim besten Willen nicht erklären. Vielleicht weil uns beiden Harry fehlte. Vielleicht hatte es auch einen anderen Grund, ich wusste es nicht.

Mein Blick wanderte nach draußen, die Sonne schien bei, wie mir mein Handy verriet, 24 angenehmen Grad. Zwar hingen vereinzelte Schleierwolken am Himmel, doch die störten mich nicht. Das Bett federte nach oben, als ich aufstand, mir meine Sneakers schnappte und die Tür ins Schloss fiel. Mom Bescheid zu geben, hielt ich nicht für nötig. Manchmal fragte sie schon gar nicht mehr, wo ich hinging so versunken war sie in ihrer Welt. Es gab die Tage, an denen sie die alte war. Fröhlich, aufgedreht, wie ein Teenager. Und die anderen, die, an denen das Leben tonlos an ihr vorbeiglitt, sie nur ein Zuschauer vom Geschehen war, sie ganz simpel ausgedrückt im Stand-By-Modus befand. Heute war einer dieser Tage.

Ziellos irrte ich durch die Straßen, abgelegenen Gassen, viel besuchte Plätze. Solange bis ich dort angekommen war, wo ich mich letztens mit Louis befand. Dort, als er meine Hand genommen hat und wir losgerannt sind. Augenblicklich wurde mir wärmer und ich konnte mich nicht gegen die Gefühle, die sich in mir auftaten wehren. In Gedanken versunken setzte ich mich auf die hüfthohe Mauer, die aus großen, geschliffenen Steinen bestand, direkt hinter dem Bürgersteig. Ich sprang darauf, schob mir die Hände unter die Oberschenkel, ließ die Beine baumeln und den Gedanken freien Lauf. Plötzlich hörte ich ein belustigtes Lachen ganz in meiner Nähe. Ich sah auf, starrte ihn an, ehe ich ein hi hervorpresste und den Blick wieder senkte.

"Lass mich raten, entweder Liebeskummer oder Sehnsucht, stimmt's? Warum sonst so trübsinnig, Jo?" fragte Lucas und war mit einem Sprung ganz dicht neben mir. Ich antwortete ihm nichts, hatte keine Lust darauf, ihm von Harry zu erzählen. Ebenso wenig wie, ihm die Story von John und Louis aufzutischen. Ein Geruch von Männerparfüm stieg mir in die Nase. An diesem Dienstag trug er eine schwarze Hose und ein weißes Hemd, die oberen vier Knöpfe waren offen, sodass man einen ungenierten Blick auf seine gebräunten Brust hatte. Schnell sah ich weg in der Hoffnung, er habe ihn nicht gesehen. Falsch gedacht, ein wissendes Grinsen umspielte seine tiefrosanen Lippen. Mistkerl, fluchte ich innerlich und wich ihm aus.

Nach einer Weile kamen ins Gespräch und unterhielten uns prächtig. Diskutierten über den neuesten Tratsch im Kindergarten, über die Gerüchte im Freundeskreis. Zwar regte er sich auch fürchterlich über die Art von Interessenten auf, die sich über Stunden hinweg herumführen ließen, beraten ließen und schlussendlich doch ablehnten. Mich amüsierte es, wie er sich in Rage redete - diese glühenden Wangen und die flatternden Wimpern waren da, wie früher, wenn er sich aufregte. Sogar sein Atem roch wie damals - nach scharfer Pfefferminze. Fast fühlte es sich an wie in alten Zeiten.

Keine Frage, Lucas war attraktiv und es gab eine Menge Mädchen, die nur so um den jungen, smarten Malker buhlten, doch meine Gefühle für ihn waren weg. Wie weggeblaßen. Kein elekrisches Kribbeln mehr, wenn ich ihn sah. Keine Gänsehaut, wenn er mich berührte.

"Ich seh dich in letzter Zeit öfter mit Tomlinson rumhängen." warf er plötzlich in die eingekehrte Stille. Rumhängen, so nannte er das also, aha. Eine junge Frau schob auf dem Gehweg ihren Kinderwagen vorwärts. Das Kind fing an zu schreien, weinte und sie versuchte mühsam, es zu beruhigen: erfolglos. Während ich die Frau genauer inspizierte, knickte Lucas einzelne Grashalme mit den Fingern ab, verharrte so, bevor er sie achtlos zurückwarf. Es erinnerte mich an Louis. Im Grunde waren die beiden völlig verschieden und doch fanden sich immer irgendwo Parallelen zwischen zwei Menschen. Man musste sie nur finden.

Abermals wanderte mein Blick zu der Frau, die nun schon fast am Ende der Straße angekommen war. Sie war kaum älter als ich. Mit einem Mal fragte ich mich, ob ich schon bereit wäre, ein Kind aufzuziehen. Mit allem drum und dran. Wie sollte das gehen? Mom arbeitete den ganzen Tag, ebenso wie ich. Und der Vater? Ich hatte keine Ahnung, wer es sein würde. Ich wusste ja selbst nicht mal, wo mir so wirklich der Kopf stand. Die aktuelle Situation stresste mich ein wenig, wie ich zugeben musste. Das Disaster mit Louis, Mom, die sich in ihre eigene Welt flüchtete, Harry, der mehr denn je fehlte.

Lucas tippte mir an die Schulter und da wurde mir bewusst, dass er noch immer geduldig auf meine Antwort wartete. Eines der Dinge, für die ich ihn früher bewundert habe. Lucas war geduldig wie kein anderer. "Er trainiert mich nur." erwiderte ich zögernd und scheuchte mit der Hand eine Stechmücke weg. Er nickte bedächtig, doch trotzdem ging ein zweifelnder Blick über sein Gesicht und ich fragte mich, ob mittlerweile schon ganz Doncaster wusste, dass Louis mich trainierte.

"Tomlinson ist ein elender Player, nicht im Stande dazu, eine Beziehung zu führen. Finde einen Mann, der dich lieben kann. So charmant wie er manchmal tut, das ist er nicht. Ich glaube, ich habe nie damit aufgehört dich zu lieben. Und ja, ich weiß, dass du mich nicht liebst, doch es ist wie es ist ud das muss ich akzeptieren. Das ist alles, was du wissen solltest, Joanna Styles." hauchte er ganz nah an meiner Wange, ehe seine Lippen diese berührten, vorsichtig streiften. Kein Kuss, nein, eher eine sachte Berührung. Bevor ich noch länger darüber nachdenken konnte war er mit einem Sprung wieder auf den Beinen, schenkte mir ein Lächeln und ging. Ein zuversichtliches, aufmunterndes, glückliches Lächeln.

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OMG das Kapitel hat mich geflash, tbh. :D

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