Part 15

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Mein Handy meldete sich und im ersten Moment hätte ich es am liebsten mit voller Wucht gegen die Wand gedonnert. So wie alles, das mich jetzt störte. Ich wollte alleine sein, nicht Mom im Stock unter mir telefonieren hören. Dann, Minuten später siegte die Neugierde und ich fischte es aus meiner Handtasche. Mit fliegenden Fingern entsperrte ich den Display und eine salzige Träne rann mir die Wange hinunter. Hastig wischte ich sie weg und warf einen letzten verstohlenen, beinahe ängstlichen Blick auf die Partonenhülse, die Harry fast das Leben gekostet hätte. Erneut stahl sich eine aus meinem Augenwinkel. Diesmal ließ ich sie laufen. Und wieder wanderte eine nach unten. Ich schniefte, stand mit zitternden Knien auf und fischte ein Taschentuch aus der Schublade meines Nachtkäschens heraus, fuhr mir damit über die genässten Wangen und begab mich zurück zum Bett. Anschließend richtete ich den Blick auf mein Handy und die eingegangende SMS.

Hey Joanna, hast du Bock ins Kino zu gehen, so gegen sieben? Oder hast du wieder Training?
- John

Mit einem Funken von Vorfreunde stimmte ich lächelnd zu und warf mein Handy in die Ecke vom Bett. Ein harscher Blick auf die Uhr ließ mich zusammenfahren. Kurz nach viertel sieben, war das sein Ernst? Gott, dieser Junge machte mich jetzt schon fertig. Ich duschte mich, wusch mir die Haare in Rekordzeit, legte in Lichtgeschwindigkeit dezentes Make Up auf und schlussendlich stand ich unschlüssig vor meinem Kleiderschrank. Fieberhaft überlegte ich, was ich anziehen sollte, doch die altbekannte Melodie unterbrach meine Grübeleien.

Wie wär's mit Spectre?

Klingt gut! tippte ich hektisch hinein und wandte mich wieder herum. Ein dunkler Rock oder doch eher die destroyed Jeans. Nach ewigem hin und her, entschied ich mich für ein weißes Top, eine schlichte Übergangs - Jacke darüber und der Jeans. Als Accessoire hing ich mir eine kurze Kette mit meinem Namen als Anhänger um den Hals. Meine Handtasche schnappte ich mir vom Haken.

Am Kühlschrank pinnte ich eine Nachricht mit den Worten, bin unterwegs, kann spät werden, hin. Damit sich Mom keine Sorgen machte. Was das Thema anging war sie wirklich penibel.

Wenig später schwang ich mich schon auf mein Fahrrad und ich bereute es schon nach wenigen Metern, nicht mit dem Wagen gefahren zu sein. Der kalte Fahrtwind und die Hügel der Strecke erschwerten mir das Fahren um einiges. Glücklicherweise war an Wochentagen wie heute weniger Verkehr wie an Wochenenden, sodass ich nicht allzu oft anhalten musste.

Völlig außer Atem sperrte ich mein Fahrrad ab und ging mit großen Schritten in die Eingangshalle. Meine Haare mussten katastrophal aussehen, bei dem Wind. Was soll's, so ist es schon so, dachte ich und entdeckte John, welcher an einer Säule lehnte und frech grinste, als er mich sah.

Auf die Frage, von wem ich die schöne Kette hätte, antwortete ich mit glühenden Wangen, "Hat mir Ha- ... ein Freund zum Geburtstag geschenkt." Schwaches Kopfnicken folgte und ein Schwindel packte mich, riss mich mit. Ich konnte seinen Namen nicht aussprechen, es riss zuviele Wunden in mir auf. Zuviele Erinnerungen stiegen in mir hoch und sein schallendes Lachen klang augenblicklich in meinen Ohren wieder. Himmel, es war schrecklich. Die helle Stimme der freundlichen Kassiererin vor uns riss mich zurück in die Realität. Benommen starrte ich auf den Schein, der von John zu ihr über die Theke wanderte. "Noch was dazu?" Schnell schüttelte ich den Kopf, nahm meine Karte und drängte mich aus der Masse. Leute schimpften, nörgelten, doch das war mir egal. Mit einem Mal hatte ich keine Lust mehr auf Kino, auf den Trubel, auf den Lärm, auf die zahlreichen klackernden Patronenhülsen, welche zu Boden fallen würden, wenn Bond schießen würde. Tränen stiegen mir in die Augen und ich kämpfte dagegen an. "Hey, was ist denn los?" kam es plötzlich hinter mir mit abgehacktem Atem. Er muss gerannt sein. Gleichgültiges Kopfschütteln war die Antwort und ich lächelte ihn an. Er hatte ja keine Ahnung. Obwohl ich ehrlich zu ihm sein wollte, stoppte mich mein Verstand. Was sollte ich denn sagen? Hey, mein Bruder ist Soldat und ich bekomme fast Panikanfälle, wenn auch nur sein Name fällt.  Dann würde mein lieber John aber mit den Worten "Bye, Psycho." weg sein.

Warum musste alles nur so verdammt kompliziert sein?

Mein Blick wanderte umher, suchten freie Sitzplätze auf den Couchsesseln oder den Barhockern. Plötzlich stach mir etwas dunkles in die Augen.

"Oh Gott, nein!" stöhnte ich auf und verdrehte die Augen. Die schwarze Lederjacke glänzte in den vielen grellen Lichtern an der Decke. Auf den Tischen standen weit über als nur vier, fünf Bier und ich wollte mich gerade wegducken und hinter John's Rücken zu verstecken. Doch er war schneller, fixierte mich mit seinem fangeden, stechendem Blick. Louis Lippen formten sich zu einem schelmischen, dreckigem Grinsen und seine weißen Zähne blitzten auf. Ich konnte mich nicht losreißen und musterte seine Freunde, Kumpels, Bekanntschaften, was auch immer. Eine dürre blondhaarige saß neben ihm und es passte nicht mal mehr ein Blatt Papier zwischen deren Körper, so schmiegte sie sich an ihn. Wie war nochmal ihr Name? Jenny? Wie auf Knopfdruck legte sie die Hand hinter seine Schultern.

Er hob lässig die Hand und ich zwang mich zu einem Lächeln, obwohl ich innerlich auffluchte. Das Grinsen auf seinen Lippen war wie festgeklebt und er ließ mich nicht aus den Augen. Ein tiefer Schluck aus seiner Bierflasche, welche bis vor kurzem noch in seiner rechten Hand geruht hat, folgte.

"Einen Deppen trifft man immer, wenn man aus ist." klärte mich John auf, lachte halbherzig und zog mich dann energisch in den vierten Kinosaal. Er war gut gefüllt und ich hatte Probleme bei der Dunkelheit meinen Platz zu finden ohne dabei über die schwach beleuchteten Treppen zu stolpern. Nach einer halben Ewigkeit ließen wir, John und ich, uns erleichtert in die weichen Sitzpolster fallen.

Ein schrilles, in der Stille kaum überhörbares Klingeln ließ mein Herz für einen Augenblick stocken. Nein, bitte war es nicht meins, betete ich innerlich. Das Klingeln schien mit Sekunde zu Sekunde, die tatlos verstrich, lauter zu werden. Doch, natürlich war ich wieder der Pechvogel und ich fischte es schnell heraus. Ich verfluchte die Person, die mir geschrieben hat jetzt schon. Sicher war es Mom mit einen diesen, "Na, wie läuft's?" - SMS'n. Die Nachricht stammte von Louis.

Oh, du auch in Spectre, was für ein Zufall, Joanna..
-L

Football TeacherGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt