Part 26

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Chawson, mein Kollege, Kamerad, Bekannter, wie auch immer man ihn bezeichnen mochte, war gefallen. Mein Magen zog sich eng zusammen und ich bemühte mich, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Soviel haben wir zusammen durchgemacht, erlebt. Auch wenn wir nicht tagtäglich miteinander sprachen, sondern nur ab und an, verband uns etwas. Die Erinnerungen, die Gefühle an das Vergangene. Wir haben dasselbe erlebt und grausame Dinge gesehen. Etwas in mir sagte mir, dass er das ganze hier, ebenso wie ich nicht einfach so wegsteckte, wie manch einer. Sondern das es ihn belastete, ihn nicht losließ, sich wie eine Fessel um seinen Körper schlang. Tag für Tag. Nacht um Nacht.

Der Schuss zeigte nicht in der Situation, in der ich getroffen wurde seine volle Kraft, nicht während der Behandlung, sondern jetzt. Stunden nachdem es passiert ist. Unerträglich, nicht mit bloßen Worten zu beschreiben.

"TONY, TONY!" schrie ich und meine Stimme war nichts als eine bebender Fläche irgendwo im Untergrund. Obwohl ich wusste, dass sie am anderen Ende des Lagers warund sie mich niemals hören würde, hörte ich nicht auf, nach ihr zu rufen. Plötzlich fühlte ich mich wieder wie ein kleiner Junge, der nach seiner Mutter schrie. Ich wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, bis Scott kam, sich ganz dicht an mein Bett stellte, blinzelte, als müsse er sich vergewissern, dass ich tatsächlich noch lebte. Sein Atem ging ganz flach, als hätte er mehr Angst um mich, als alles andere auf der Welt.

Scott verließ das Lager und ich wollte nach ihm rufen, doch ich tat es nicht. Was genau mich daran hinterte, wusste ich nicht mehr. Kurz darauf kam ein Kollege von Tony, der mir den Verband wechselte, mir stark dosierte Schmerzmittel gab und mir dann verkündete, er könne im Moment nichts anderes für mich tun. Danach war es ein wenig besser. Vielleicht zu fünf Prozent, wenn es hoch kam, doch immerhin.

Ich war wie im Trance, nahm alles nur noch gedämpft wie durch eine dicke, sehr dicke Watteschicht wahr. Scott wich nicht von meinem Bett, nahm meine Hand.

"Kämpf für mich, Harry." murmelte er und würde ich können, wäre ich ihm um den Hals gefallen und hätte ihn nicht mehr losgelassen. In diesem Moment wurde mir eines klar: das war ein Freund, der mir für immer blieb, der sich niemals von mir abwenden würde. Für einen Moment vergaß ich den Schmerz und die Welt hörte auf, sich zu drehen.

Dann, Sekunden später schlugen sie auf mich ein. Sie kamen keinesfalls schleichend oder langsam, nein, rasend schnell und ich glaubte, blanke Messer würden mir immer und immer wieder in den Bauch gerammt werden. Wahllos und mit einer Kraft, die ich bis heute nicht begründen konnte, woher ich sie entnahm, schlug ich auf ein Kissen ein, Träne um Träne quoll mir aus den Augen und es wollte gar nicht mehr aufhören. Mein Gesicht war nass und ich wimmerte, schrie und tobte innerlich. Es war das erste und das letzte Mal, als ich in meinem Leben bitterlich weinte.

Jo

An diesem Dienstagnachmittag war das Zirpen der Grillen viel deutlicher zu hören, als sonst. Es schien, als wäre es das einzige Geräusch dort draußen. Wäre da nicht das Wimmern von Josy, dem Mädchen, vor dem ich kniete. Ein Insekt hat sie gestochen und sie weinte fürchterlich, krazte ohne Halt an der betroffenen Stelle am Unterarm. Sanft strich ich ihr darüber, als würde es helfen, als würde dadurch das Ziepen nachlassen. Und tatsächlich - nach zehn Minuten und vielen, liebevollen, ermutigenden Worten ließ das Wimmern wirklich nach.

Wir, eine Kollegin und ich waren mit der Käferchen-Gruppe zu einem nahe gelegenen, öffentlichen Spielplatz gelaufen. Dieser hier war sicher drei Mal so groß, wie der im Kindergarten. Die frische Luft tat den Kleinen gut. Man merkte, wie sie sich freuten. Nicht zuletzt an Miriams lautem und entzücktem Jauchtzen jedes Mal, wenn man sie an der Schaukel nach oben in die Luft fliegen ließ. Die anderen Kinder schrien vor Freude und tobten sich auf der Wiese auf, kugelten sich herum, bis die Kleidung voller Grasflecken war. Unwillkürlich schmunzelte ich und sah zwei Jungs dabei zu, wie sie vergebens versuchten, die volle Aufmerksamkeit der anderen Erzieherin zu bekommen.

Manchmal wünschte ich mir, als Erwachsener konnte man genauso sein, wie Kinder. So unbeschwert frei. Ohne Verpflichtungen. Ohne Termine im Kalender. Sie standen auf, kamen hierher und den Rest des Tages konnten sie individuell gestalten. In der heutigen Welt war alles durchgeplant, strukturiert, es wurde abgewägt, koordiniert, Zusammenhänge mit diesem und jenem erstellt und und und. Was für uns so einfach, so alltäglich selbstverständlich scheint, ist in Wahrheit wahrscheinlich um einiges komplizierter, als man zunächst vermutet.

Um Punkt viertel nach zwei schloss die Chefin das Gebäude ab und jeder von uns, ging seine Wege. Ich schwang mich auf mein Fahrrad und fuhr nach Hause. Die Sonne brannteunerbittlich herunter und ich verfluchte mich zum wiederholten Mal, keine Sonnencreme mitgenommen zu haben. In der Hoffnung, morgen keinen Sonnenbrand zu quittieren beeilte ich mich und trat schneller in die Pedale.

Als ich in die Einfahrt bog und mein Fahrrad abstellte, winkte mir Mom, die im Garten Unkraut jähtete. Wie lange sie das heute wohl schon tat? Den zwei leeren Wasserflaschen neben ihr zu urteilen, sicher nicht erst sein einigen Minuten. Wie gesagt, sie lenkte sich durch das Arbeiten von Problemen und Konflikten ab. Mit glühenden Wangen schloss ich auf, trank ein paar große Schlücke Wasser, ehe ich mich mit ein paar Scones und etwas Butter auf die Couch legte. Keine zwei Minuten später schnurrte Molly genüsslich auf meinem Rücken und ich wusste, wie sehr sie die menschliche Nähe und einen gemütlichen, weichen Platz in der Höhe mochte. Ich grinste und zappte durch das Fernsehprogramm. Wetter, Tagesthemen, Daily-Soaps, Dokumentationen. Frustriert schaltete ich den Fernseher wieder ab und widmete mich wieder dem Gebäck vor mir.

Ein schrilles Klingeln durchbrach die Stille und ich entfernte Molly, der der neue Platz auf Teppich ganz und gar nicht passte, stand von der gemütlichen Couch auf und ging an die Tür. Eine schwülwarme Sommerbrise empfing mich, als ich die Haustüre öffnete. Der kleine untersetzte Postbote mit einer rechteckig gerahmten Brille auf der Nase drückte mir ein Paket, das die Größe eines Schuhkartons hatte, in die Hand. Hatte ich etwas bestellt? Nein, Mom? Sie boykottierte doch jegliche Art von Internergeschäften. "Die machen den ganzen Einzelhandel kaputt", schimpfte sie so oft.

Irritiert legte ich die Stirn in Falten und unterschrieb auf dem Empfangs - Schein. Den Blick noch immer starr auf den Karton gerichtet, verabschiedete ich mich vom Überbringer, stieß ich mit dem Fuß die Tür zu.

Mit einer Mischung aus Neugierde und Spannung katterte ich es auf und erstarrte, als ich das Beinhaltete sah. Darin befanden sich Unterwäsche. Reizwäsche. Dessous. Mein Puls raste und ich entnahm den kleinen akkurat zusammengefalteten Zettel.

Ich wette, du siehst atemberaubend darin aus. Kann's kaum erwarten, dich darin zu sehen.
-J

War

das

sein

Ernst?

-

Mein Herz schmerzt, wegen Harold ugh. Geht jemand mit mir heulen?

OH, solch böser böser Ganove, der Joanna das Päckchen geschickt hat! Ein Scherz oder blutiger Ernst? :D

ily all,
Nina ❤

Football TeacherGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt