Kapitel 12

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Als Adrienne etwas später das Anwesen ihrer Familie errichte, stellte sie den Wagen gegenüber der breiten Freitreppe ab, die zur Eingangspforte der Villa führte. Kies knirschte unter den Sohlen ihrer Ballerinas, als sie das Rondell überquerte, in dessen Zentrum sich ein von Rosenstöcken umgebener Springbrunnen befand. Sie hatte gerade den Fuß auf die unterste Stufe gesetzt, als ihr Vater nach draußen trat und auf sie zu kam.

,,Oh, du willst gehen?'' Er nickte. ,,Ich habe einen Termin bei einem Verantwortlichen der Behörden. Es geht um die Freigabe zum Auslaufen der Perle de la Mediterranee. Du weißt, wie wichtig das für uns ist, nicht wahr?'' ,,Natürlich, aber.... Kann ich vielleicht trotzdem noch kurz mit dir reden? Ein paar Minuten nur?'' Jean-Michel Diderot seufzte. ,,Bien sür, was hast du auf dem Herzen, ma fille?'' Sie holte tief Luft. ,,Ich war heute bei Dupont'', sagte sie, nachdem sie all ihren Mut zusammengenommen hatte. Die Miene ihres Vaters wurde steinern. ,,Warum, zum Teufel....?'' Er packte Adrienne bei den Armen und schaute sie eindringlich an. ,,Wieso hast du das getan, ma fille? Was hast du dir davon versprochen?''

,,Ich wollte an sein Gewissen appellieren'', erwiderte sie, und Jean-Michel Diderot lachte bitter auf. ,,Ich hätte dir gleich sagen können, dass das keinen Zweck hat.'' Er schüttelte den Kopf. ,,Bei einem Mann ohne Gewissen.... Die Duponts sind eine skrupellose Sippschaft - einer ehrloser als der andere. Aber was erwartet man auch anderes von solchen Emporkömmlingen?''

Adrienne verzog das Gesicht. Sie konnte es nicht ausstehen, wenn ihre Eltern sich wie ausgemachte Snobs behnahmen - was leider fast immer der Fall war. Doch sie musste ihrem Vater ein einem Punkt recht geben: Ihr Besuch im Firmenhauptsitz der Groupe d'entreprises Dupont - der Unternehmensgruppe der Duponts - hatte tatsächlich nichts gebracht. Oder zumindest nicht viel. Ein Jobangebot von einem der Juniorchefs des Unternehmens konnte man schwerlich als Nichts bezeichnen.

,,Lucien Dupont will mich als Anwältin engagieren'', ließ sie die Bombe platzen. Ihr Vater riss die Augen auf. ,,Ich habe mich wohl verhört! Du willst für diesen französischen Nichtsnutz arbeiten, der wie sein Bruder alles dransetzte, deine Familie in den Ruin zu treiben?'' Ärgerlich runzelte Adrienne die Stirn. ,,Von wollen kann gar nicht die Rede sein. Aber vielleicht ist das eine Chance, ihn dazu zu bringen, die Attacke gegen die Compagnie de Croisiere Diderot einzustellen.''

,,Das glaubst du doch selbst nicht, ma fille! So weit kommt es noch, dass meine Tochter sich auf so etwas einlässt!'' Grimmig ballte er die Hände zu Fäusten. ,,Das haben wir nicht nötig! Ich bin in Monaco ein einflussreicher Mann. Ich bräuchte nur mit den Finger zu schnippen, und....''

Schicksalstage in Monaco *Abgeschlossen*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt