Kapitel 49

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Sanft schob er ihren Kopf von seiner Schulter uns setzte sich auf. Mit beiden Händen fuhr er sich durchs Haar, dann stand er auf, um seine verstreuten Kleidungsstücke vom Boden aufzusammeln. Adrienne rührte sich nicht. Vielleicht war sie eingeschlafen, vielleicht wollte sie auch einfach nicht über das sprechen, was gerade zwischen ihnen vorgefallen war.

Er war gerade dabei, seine Hose zuzumachen, als er plötzlich jemand draußen auf dem Korridor hörte. Im nächsten Moment wurde die Tür zu seinem Büro aufgerissen. Lucien schaffte es gerade noch, eine Decke über Adrienne auszubreiten, ehe Olivier in den Raum stürmte. ,,Der Portier meinte, dass du noch...''

Sein Stiefbruder verstummte, als er mit einem Blick die Situation erfasste. Man musste aber auch kein Genie sein, um eins und eins zusammenzuzählen. Lucien, nur halb bekleidet, eine junge Frau, die sich mit einem heiseren Aufschrei aufsetzte, eine Decke vor den Körper gepresst...

Verdammt!

Hastig schnappte Lucien sich sein Hemd vom Boden und streifte es über. Dann ging er auf Olivier zu, der die Lippen zu einem hämischen Grinsen verzogen hatte, ergriff ihn am Arm und drängte ihn aus seinem Büro. ,,Was willst du?'', fragte er aufgebracht, als sie im Korridor standen. ,,Zu deiner Information - es ist bereits nach Mitternacht. Ich glaube nicht, dass ich dir um diese Uhrzeit noch auf Abruf zu Verfügung stehen muss!''

,,Wer ist die Kleine?'', fragte Olivier immer noch grinsend. ,,Lass mich raten - sie ist das Mädchen, das du ohne Rücksprache mit mir eingestellt hast.''

,,Sie arbeitet für mich'', erinnerte Lucien ihn ärgerlich. ,,Das hatten wir doch bereits diskutiert! Ich zahle ihr Gehalt aus eigener Tasche.''

,,Tja, und nun, da ich sie gesehen habe, kann ich mir auch vorstellen, warum.'' Er hob eine Braue. ,,Du hast dich schon immer von Äußerlichkeiten leiten lassen. Das wird eines Tages noch dein Untergang sein.'' Lucien wusste, dass sein Stiefbruder nur versuchte, ihn aus der Reserve zu locken. Trotzdem konnte er dem Köder einfach nicht wiederstehen. ,,Ich glaube nicht, dass dich das was angeht. Halte dich aus meinen Angelegnheiten heraus und lass Adrienne in Ruhe!''

,,Adrienne, wie?'' Er versuchte, einen Blick durch die halb geschlossene Tür zu werfen. ,,Sie kommt mir irgendwie bekannt vor... Doch nicht etwas Adrienne Diderot, oder?''

,,Und wenn?'' Lucien verschränkte die Arme vor der Brust.

,,Du weißt schon, wer sie ist, n'est - ce past?'' Olivier lachte leise. ,,Wir sind dabei, die Firma ihrer Familie zu schlucken. Wie hast du sie dazu gebracht, für dich zu arbeiten?'' Als Lucien zögerte, hob er eine Braue. ,,Verstehe - sie glaubt vermutlich, dass du ihr helfen wirst, das Unvermeidliche zu verhindern wie?''

Wütend funkelte Lucien seinen Stiefbruder an. Doch so groß sein Zorn auch sein mochte, er war nicht dumm. Olivier zu unterschätzen. Er wusste schließlich, wie gefählich er sein konnte. Und der Blick , mit dem er Lucien bedachte, verhieß nichts Gutes. ,,Das tut nichts zur Sache'', entgegnete er barsch. ,,Und nun sag mir endlich, was du von mir willst!''

,,Nicht so wichtig.'' Olivier zuckte mit den Schultern. ,,Das könnenn wir auch ein anderes Mal besprechen. Bonne nuit.''

Lucien schaute seinen Stiefbruder nach, als dieser den Korridor hinunterging. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass Olivier etwas plante. Nur was? Er befürchtete, dass er die Antwort auf diese Frage schon sehr bald erfuhr. Und mit ziemlicher Sicherheit würde es ihm nicht gefallen.

Schicksalstage in Monaco *Abgeschlossen*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt